Johann Franck – Der Tag ist nun vergangen.

Weise: Zu dir von Herzensgrunde.

Der Tag ist nun vergangen,
Die dunkle Nacht bricht ein,
Und Alles trägt Verlangen,
Der Arbeit los zu sein.
Der Leib wird müd‘ und träge,
Du aber, o mein Sinn,
Erwach‘ jetzt und erwäge,
Wie fleucht dein Leben hin!

2. Du hast nun manche Plage,
Die dich zu ängsten pflegt,
Mit dem verwichnen Tage
Zugleich auch hingelegt;
Und woher kannst du wissen,
Ob nicht noch diese Nacht
Dein Geist wird hingerissen
Und auf sein Ziel gebracht?

3. Wie Mancher geht zu Bette,
Wird Morgens tot geschaut!
Wohl ihm, wenn er nur hätte
Sich Gottes Schutz vertraut.
Ach, aber ach, wie ofte
Wird Einer hingefällt,
Der auf gut Leben hoffte
Und liebte bloß die Welt!

4. O drum erwach‘, erwache,
Erwache, du mein Sinn,
Eh‘ als des Herren Rache
Dich plötzlich raffet hin.
Ach, bessre ja dein Leben,
Weil es noch heute heißt,
Und bitt‘ auch Gott daneben
Um einen neuen Geist.

5. Sprich: dir dank‘ ich von Herzen,
Dass du mich abermal
Durch so viel Angst und Schmerzen,
Durch Sorgen, Not und Qual
Hast sicher heißen gehen;
Ja, das du täglich mir
Pflegst treulich beizustehen,
O Herr, das dank ich dir.

6. Ob Teufel, Welt und Hölle
Sich oft auf mich entrüst’t,
Indem ich das bestelle,
Was meines Amtes ist:
So hast du doch hingegen
Mein Werk zum Ende bracht
Und mich auf meinen Wegen
Ganz väterlich bewacht.

7. Nun, Herr, für tausend Gnaden
Nimm hin, an Opfer Statt,
Ein Herz, mit Schuld beladen,
Ein Herz, von Seufzern matt,
Ein Herz mit Angst und Beben
Und Reu und Leid gekränkt,
Ein Herz, das sich daneben
In Christi Wunden senkt.

8. Nimm hin die schlechte Gabe,
Mein Jesu, nimm sie hin,
Weil ich sonst nichts mehr habe
Und selbst mein selbst nicht bin;
Denn, Herr, mein ganz Gemüte,
Herz, Seel‘ und mein Gebein
Rührt her von deiner Güte
Und ist vorhin schon dein.

9. Drum lass dein‘ Himmelsscharen
Auch heinte1heute diese Nacht
Mich kräftiglich bewahren
Vor aller Feinde Macht.
Stell, Herr, die sechzig Starken2Siehe, um das Bett Salomos her stehen sechzig Starke aus den Starken in Israel. (Hoh. 3,7)
Rings um mein Bett heran,
Damit des Satans Schnarcken
Mich nicht erschrecken kann.

10. Lass mich gesund erwachen,
Indem es wieder tagt,
Und richte meine Sachen,
Nachdem es dir behagt;
Dass ich nach diesem Leibe
Von dir ein’s hören möcht‘:
Ei, geh‘ in meine Freude,
Geh‘ ein, du treuer Knecht!

Johann Franck – Abendsegen.

Eigne Weise. \\
Oder: Wie nach einer Wasserquelle.

Unsre müden Augenlieder
Schließen sich jetzt schläfrig zu,
Und des Leibes matte Glieder
Grüßen schon die Abendruh;
Denn die trüb‘ und finstre Nacht
Hat des hellen Lages Pracht
In der tiefen See verdecket
Und die Sterne aufgestecket.

2. Ach, bedenk‘, eh‘ du gehst schlafen,
Du, o meines Leibes Gast,
Ob du den, der dich erschaffen,
Heute nicht erzürnet hast?
Tu, ach tu bei Zeiten Buß‘
Ach, geh und fall‘ ihm zu Fuß‘
Und bitt‘ ihn, dass er aus Gnaden
Dich der Strafe woll‘ entladen.

3. Sprich: Herr, dir ist unverhohlen,
Dass ich diesen Tag verbracht
Andere, als du mir befohlen,
Ja, ich habe nicht betracht’t
Meines Amtes Ziel und Zweck,
Habe gleichfalls deinen Weg
Schändlich, o mein Gott, verlassen,
Bin gefolgt der Wollust Straßen.

4. Ach, Herr, lass mich Gnad‘ erlangen,
Gib mir nicht verdienten Lohn,
Lass mich deine Hut umfangen,
Sieh an deinen lieben Sohn,
Der für mich genug getan;
Vater, nimm den Bürgen an,
Dieser hat für mich erduldet,
Was mein‘ Unart hat verschuldet.

5. Öffne deiner Güte Fenster,
Sende deine Wach‘ herab,
Dass die schwarzen Nachtgespenster,
Dass des Todes finstres Grab,
Dass das Übel, so bei Nacht
Unsern Leib zu fällen tracht’t,
Mich nicht mit dem Netz umdecke
Und kein böser Traum mich schrecke.

6. Lass mich, Herr, von dir nicht wanken,
In dir schlaf‘ ich gut und wohl,
Gib mir heilige Gedanken,
Und bin ich gleich Schlafes voll:
So lass doch den Geist in mir
Zu dir wachen für und für,
Bis die Morgenröt‘ angehet
Und man von dem Bett aufstehet.

Johann Anastasius Freylinghausen – Schaff in mir Gott ein reines Herz.

Psalm 51,12-14.
Weise: Nun lasst uns den Leib begraben.

1. Schaff in mir, Gott, ein reines Herz,
Ein Herz, das sich stets himmelwärts
Aufschwinge und, von Sünden frei,
Mit Lust dir diene ohne Scheu.

2. Erneure, was verblichen ist
In mir durch Satans Trug und List;
Befestige den schwachen Sinn,
Dass nicht der Feind ihn reiße hin.

3. Dein Auge hat es wohl gesehn,
Was durch Betrug der Lust geschehn;
Ich bin nicht wert, dein Angesicht
Zu sehen; doch, Herr, zürne nicht.

4. Den Geist, das teure Liebespfand,
Durch deine Gunst mir zugewandt,
Nimm nicht, wie ichs verdient, von mir,
Weil ich gesündigt hab an dir.

5. Lass aber seiner Gnaden Kraft,
Die Fried und Freude in uns schafft,
Den Trost einflößen meinem Geist,
Darauf dein Wort uns hoffen heißt.

6. So werd ich auch ohn Furcht und Zwang
Mit Freuden richten meinen Gang
Zu deiner Ehr, nach deinem Wort,
Und selig sein so hier als dort.

7. Dem Vater, Sohn und heilgen Geist,
Der aller Blöden Tröster heißt,
Sei Preis, Dank, Ruhm und Herrlichkeit
Von nun an bis in Ewigkeit.

Johann Anastasius Freylinghausen – Es ist in keinem andern Heil.

Weise: Mein Herzens-Jesu, meine Lust.

1. Wir Menschen sind in Adam schon
Gefallen und verdorben,
Dadurch wir den gerechten Lohn
Des Todes uns erworben;
Das macht, dass man uns Sünder nennt,
Die sich aus eigner Schuld getrennt
Von Gott, dem wahren Leben.

2. Dies ist der Name, der uns macht
Vor Gott zu Spott und Schande,
Der uns um unsern Schmuck gebracht,
Gelegt in Strick und Bande,
Mit Fluch und Finsternis bedeckt
Und uns mit Tod und Hölle schreckt;
O jammervoller Name!

3. Niemand war in der ganzen Welt,
Der uns durch seinen Namen
Befreien konnt, denn nur der Held,
Der als des Weibes Samen
Sich bei uns in der Füll der Zeit
Aus der verborgnen Ewigkeit
Im Fleisch hat eingestellet.

4 Sein Name heißet Jesus Christ,
Von Gott selbst so genennet,
Der mir und dir und wer es ist
Dies große Heil gegönnet.
Ach, nimm es ungesäumet an,
Es freue sich, wer immer kann,
Des freudevollen Namen.

5. Dies ist der Name, der uns bringt
Vor Gott aufs neu zu Ehren;
Der, wie der Chor der Engel singt,
Uns Freude kann bescheren;
Der uns in Fried und Freiheit setzt,
Mit Gnad und Gaben uns ergetzt
Und in den Himmel hebet.

6. Denn Jesus ists, der unsre Schuld
Samt aller Straf und Plagen,.
O unerhörte Lieb und Huld!
Hat willig wollen tragen.
Er war gerecht und ließ doch sich
Zur Sünde machen, dass du dich
In ihm gerecht könntst nennen.

7. So heißt er denn nicht Jesus nur,
Er ist auch was er heißet,
Indem er unsere Natur
Aus allem Jammer reißet;
Die Tat stimmt mit dem Namen ein,
Wies billig auch bei uns soll sein,
Er heißt und ist auch Jesus.

8. Er ist der rechte Josua,
Der uns zur Ruhe bringet;
Er als der Priester ist nun da,
Dem es so wohl gelinget,
Dass er des Herren Tempel baut,
An welchem man ihn selbsten schaut
Als Grund und Eckstein liegen.

9. Drum ist in keinem andern Heil,
Ist auch kein Nam gegeben,
Daran wir könnten nehmen Teil
Zur Seligkeit und Leben.
Nur Jesus ist derselbe Mann,
Der uns das Leben schenken kann;
Gelobet sei sein Name!

10. O Name, werde doch in mir
Durch Gottes Geist verkläret!
Denn was verborgen liegt in dir,
Kein menschlich Herz erfähret.
Vernunft kann es begreifen nicht,
Ohn Gottes Glanz und Gnadenlicht
Bleibt es unaufgeschlossen.

11. Lass mich empfinden deine Kraft
Und innre Süßigkeiten;
Und was er sonsten Gutes schafft,
Lass sich in mir ausbreiten;
So wird der Sünden Not gewehrt,
So wird die Last in Lust verkehrt,
So bin ich selig. Amen.

Johann Anastasius Freylinghausen – Zugang zu Gott durch Christum.

Weise: Dir, dir Jehovah will ich fingen.

1. Wer ist wohl würdig, sich zu nahen
Zu Gott, dem unveränderlichen Licht?
Will sichs, was finster, unterfahen,
So wird der Frevel ihm gelingen nicht.
Kein Sünder darf die Heiligkeit berührn,
Den Heiligen will solches nur gebührn.

2. Der Mensch, dieweil er ist gefallen
Und sich an seines Schöpfers Majestät
Vergriffen, muss zurücke prallen,
Wenn er zu ihm zu gehn sich untersteht.
Er ist für sich gar keiner Gabe wert,
Nur Fluch und Mangel ists, was ihm gehört.

3. Doch was ihn kann mit Recht ausschließen
Vom Eingang in des Vaters Heiligtum,
Und was ihn Gottes zu genießen
Unwürdig macht und ihm benimmt den Ruhm,
Das ist bei dem durch Christum abgetan,
Der ihn im Glauben hat gezogen an.

4. Der ist es, der uns ausgesühnet
Durch sein selbst eignes teures Opferblut,
Der hat uns Gnad und Gab verdienet
Und uns zum Freund gemacht das höchste Gut;
Drum wir durch ihn uns dürfen unterstehn,
Ins Heilige zu Gott ohn Furcht zu gehn.

5. Der Himmel ist uns aufgeschlossen,
Der Weg dahin ist uns durchs Blut gebahnt,
Das unser Bürge hat vergossen,
Als unser Unrecht an ihm ward geahnt.
Nur frisch hinzu, der Vorhang ist entzwei,
Nun steht uns Gnad um Gnad zu nehmen frei.

6. Er selbst ist hin zu Gott gegangen,
Da er als unser Mittler uns vertritt.
Seht, wie er brennet vor Verlangen,
Zu tun, was von ihm heischet unsre Bitt.
Der Reichtum, den er hegt in seinem Schoß
Für uns, ist teur und unaussprechlich groß.

7. Nun kann und darf ich nimmer zagen,
Mein Sündenelend machet mich nicht scheu;
Im Glauben will ichs fröhlich wagen,
Dadurch ich „Abba, lieber Vater,“ schrei,
Und weiß, weil ich im Namen Jesu Christ
Ihn bitte, dass es ihm gefällig ist.

8. Herr, lehre mich nur recht so beten,
Denn es ist deines Geistes Gnadengab;
Lass mich nie anders vor dich treten,
Als dass ich deinen Sohn im Herzen hab.
Ach, mache mich nur von mir selbsten frei,
Dass Christus alles mir in allem sei.

9. Sein Nam sei mir ins Herz geschrieben,
Mein Werk sei nichts, nur seins allein sei groß.
In Christi Schmuck musst du mich lieben,
Ohn ihn steh ich beschämet, nackt und bloß.
Bring ihn ich mit, steht offen mir dein Haus,
Ohn ihn werd ich von dir gestoßen aus.

10. Nun, Vater, fülle meine Hände,
So oft ich sie in Christo hebe auf.
Aus seiner Fülle mir zusende,
Was mächtig ist zu fördern meinen Lauf
Dahin, wo man ohn End Hallelujah
Dir und dem Lamme singet. Das sei Ja.

Johann Anastasius Freylinghausen – Durch Adams Fall und Freveltaten.

Weise: Wo ist der Schönste, den ich liebe.

1. Durch Adams Fall und Freveltaten,
Die er an seinem besten Freund,
Gott selbst, verübet als ein Feind,
Ists leider bald dahin geraten,
dass er und seine schnöden Kinder,
Die wie er selbst es arg gemacht,
Den Todeslohn boshafter Sünder
An Seel und Leib davon gebracht.

2. Wo ist doch hin das schöne Wesen,
Der Glanz, die Pracht und Lieblichkeit,
Die aus des Schöpfers Gütigkeit
Am Menschen war so klar zu lesen?
Wo sind die immer grünen Kräfte,
Des Lebensbaumes edler Saft,
Der Trieb zu göttlichem Geschäfte,
Ist es nicht alles weggerafft?

3. Da liege ich in meinem Blute,
Ganz blutig, krank und jämmerlich;
Mir grauet anzuschauen mich,
Ich Unflat bin vom höchsten Gute,
Wie Satan selbst, frech abgewichen,
Das stürzet mich in solche Not;
Nun ist in Leib und Seel geschlichen
Die Krankheit, ja selbst gar der Tod.

4. Wo ist der Arzt, der mich kann heilen?
Mein Schade ist verzweifelt groß;
Wer kann mich davon machen los?
Lasst Öl und Salben nicht verweilen
Gießt Wein in die vergiften Wunden,
Wer kann, der lege Hand mit an,
Bringt her, was man bewährt gefunden:
Ach, alles ist umsonst getan!

5. Es hilft kein Heften, Heilen, Schmieren,
Kein Kraut noch Pflaster nutzet hier;
Es ist vergeblich, glaubt es mir,
Es schadet mehr das Balsamieren.
Weg, weg mit allen Künsteleien,
Die Menschenwitz erfunden hat;
Nichts kann davon mir angedeien,
Nur Eins ist, das hier findet statt.

6. Dein Blut, mein Arzt und Samariter,
Das du aus unerhörter Huld,
Zu tilgen aller Menschheit Schuld,
Vergossen und dadurch die Güter,
Die wir verscherzet, uns erworben,
Das ist es, das mich heilen kann,
Ob ich gleich durch und durch verdorben;
Ach nun, so nimm dich meiner an!

7. Das Wasser, das aus deinem Herzen
Als einer heilungsvollen Quell
Geflossen ist so klar und hell,
Das lindert meiner Krankheit Schmerzen.
O lass es denn mein Herz durchfließen,
So werd ich heil, gesund und rein,
So wird mein Innerstes genießen
Kraft, Stärk und Ruh von aller Pein.

8. Die Wunden, die man dir geschlagen,
Die Beulen, so man dir gemacht,
Da du verhöhnt, verschmäht, verlacht
Für mich empfunden so viel Plagen,
Die lass zur Arzenei mir dienen,
Lass ihre Kraft durchdringen mich,
Indem ich schmecke dein Versühnen;
Ach, hilf mir, so genese ich.

9. Lass dich die Macht der heißen Liebe,
Die dich, den Arzt selbst, krank gemacht,
Ja, in des Todes Staub gebracht,
Bewegen, dass mit vollem Triebe
Du zu mir eilest, mir zu geben
Dein Öl und Wein mit sanftem Guss
Sprich: Du, ja du sollt wieder leben,
So weicht die Qual, so fleucht Verdruss.

10. So muss der Jammer sich verschleichen;
Was matt und siech und kränklich war,
Was mir stets dräuete Gefahr,
Kann seinen Zweck nicht mehr erreichen.
Der Geist vermerket neue Stärke,
Es dringt ein neues Leben ein,
Dadurch man wieder Gottes Werke
Kann merken ohne Heuchelschein.

11. Ich fasse dich deinem Worte,
Da du gesagt: Ich bin dein Heil,
Dein Arzt, dein Leben und dein Teil;
Dies Wort dient mir zur Lebenspforte.
Ich weiß, dass du den Tod verschlungen,
Da du den Tod geschmeckt für mich,
Und hast das Leben mir errungen,
Dass ich nun lebe ewiglich.

12. Denn ob gleich noch zu Staub und Erden
Dies Fleisch der Sünde werden wird,
So wird mein Goel1Heiland, Arzt und Hirt
Mich lassen wieder lebend werden,
Und diese Asche so verklären,
Dass nicht ein Stäubchen übrig sei
Von dem, was jetzt auspresset Zähren;
Dann bin ich ganz von Krankheit frei.

13. Hallelujah, du Arzt der Sünder,
Preis, Ruhm, Lob, Ehre, Dank und Macht
Sei von uns allen dir gebracht,
Wir ehren dich, den Überwinder
So groß und unheilbarer Plagen;
Denn bin ich tödlich gleich verwundt,
Darf ich dennoch auf Hoffnung wagen,
Zu sagen: Ich bin ganz gesund.

Gottfried Arnold – Siegeskraft der himmlischen Liebe.

Du, Liebe, bist mein Sieg im Streit!
Sonst weiß ich keine rechte Waffen;
Du, Du bist einzig mir bereit,
Das Alte wieder neu zu schaffen.
Das glaubt ich nie, bis deine Tat,
O Liebe, mich’s gelehret hat.

Wie manchen Kampf, wie manche Pein
Hast siegreich Du in mir beendet!
Wenn ich mit Tränen, Seufzen, Schrei’n,
Zum Thron der Liebe mich gewendet,
Da wich das ganze Höllenheer,
Als ob’s vom Blitz zerstäubet wär‘.

Ich weiß auch ferner keinen Rat,
Als Lieb‘ und immer neue Liebe:
Die lehrt mich fein mit Kraft und Tat,
Dass ich zum Sieg mich liebend übe;
Denn über mich und eigne Lieb?
Siegt Nichts, als Christi Liebestrieb.

Das weiß ich wohl, drum senk‘ ich mich
Ganz in dein Liebs- und Friedensleben,
O Sohn des Vaters, dass ich mich
Daraus hinfort nie will begeben.
Wenn Gott die Lieb‘ in uns ergeußt,
Dann triumphieret unser Geist.

Mein Glaube jauchzet Ja dazu,
Und Gottes Liebe will es zeigen;
So senk‘ ich mich in ihre Ruh,
Und werde froh das Ziel erreichen,
Wo Du, o Jesusliebe, bist,
Und Gott in Allen Alles ist!

Er hat mir seinen Liebesgeist
Versprochen und ins Herz gegeben;
Der ist’s, der sichre Proben weist,
Und in uns will als Tempeln leben.
Darum tobt, ihr Feinde! G’nug, dass ich
In Gottes Lieb‘ bleib‘ ewiglich!

Gottfried Arnold – Das beste Gut.

Die rechte Liebe zielt auf Tugend,
Sie kennet keinen falschen Schein;
Sie zieht auch in der zarten Jugend
Bei gottgelass’nen Herzen ein.
Wer seinen Sinn vor Allem Gott ergibt,
Von Solchem wird das beste Gut geliebt.

Das tröstet reichlich sein Gemüte,
Wenn er auch noch so einsam ist,
Weil stets ein Glanz von Gottes Güte
Das wohlgeübte Herz begrüßt.
Die Liebe scheut den größten Kummer nicht,
Warum? weil sie das liebste Gut verspricht.

Wo aber die verkehrten Sinnen
Auf eitle Torheit sind bedacht,
Da muss wohl Lieb und Trost zerrinnen,
Und was die Seele vor sich bracht;
Warum? Man hat die Vielheit zwar erwählt,
Wo bei der Lust das ein’ge Gut doch fehlt.

So wenig als der Sonne Blicken
Jemals kann ohne Wärme sein,
So wenig kommt auch ohn‘ Erquicken
Das höchste Gut gezogen ein.
Drum wer sich treu nach diesem Gut umsieht,
Der bleibe dann um Alles unbemüht!

Gottfried Arnold – Um Jesu Hirtenpflege.

Vergiss mein nicht, dass ich Dein nicht vergesse,
Dass ich beständig meine Pflicht ermesse,
Herr; gegen Dich! – Erinnre stets mein Herz
Der unzählbaren, teuren Lieblichkeiten,
Die Du mir ungesucht hast wollen zubereiten!
Du wirst, was mir hinfort gebricht,
Vergessen nicht.

Verlier‘ mich nicht, mein Hirt, aus deinen Armen,
Aus deinem Schoß, aus deiner Huld Erbarmen,
Von deiner Weide, die mein Herz erquickt!
Aus deinem Führen, Locken, Warnen, Sorgen,
Das ich bei Dir genieß‘ vom Abend bis zum Morgen,
So lang dein Stab sein Amt verricht’t!
Verlier‘ mich nicht!

Verlass mich nicht, mein Herr und bester Lehrer,
Bei der Gefahr so vieler Friedensstörer!
O wache selbst und lass dein Liebspanier
Mich rings umher mit tausend Schilden decken,
Dass keines Feindes Macht und Heer mich kann erschrecken!
Dein Auge leite mich im Licht;
Verlass mich nicht!

Verstoß mich nicht! doch wie fannft Du verstoßen,
Du, dessen Augen für die Sünder flossen,
Du, dessen Herz für uns am Kreuze brach?
Dein Mitleid heißt Dich gern die Schwachen tragen;
Wer wollte, Herr, bei Dir an der Vollendung zagen,
Da Dir dein Herz vor Liebe bricht?
Verstoß mich nicht!

Vergiss auch nicht, Herr, deine Reichsgenossen,
für die dein Blut in voller Kraft geflossen;
O fasse sie mit deiner Liebesmacht!
Gib dass dein Volk sich deiner bald erfreue,
Und Jeglicher Dir stift ein Denkmal deiner Treue!
Ja, lass uns unsre teure Pflicht
Vergessen nicht!

Vergiss mein nicht! und wer kann Dich vergessen?
Man kann ja das Geheimnis nicht ermessen!
Das wir in Dir, und Du in uns willst sein!
Wie sollt ich nicht an Dich, Du an mich denken,
Da Du mich willst in Dich, und Dich in mich versenken?
Du wirst mich ewiglich, mein Licht,
Vergessen nicht!

Gottfried Arnold – Das Regiment der göttlichen Weisheit.

Der Weisheit Licht glänzt immerzu,
Und treibt den müden Sinn zur Ruh‘;
Steigt ihre Kraft in uns herauf,
So fördert sie den schwachen Lauf.

Ihr Glanz ist ohne Dunkelheit;
Wenn uns ihr süßer Strahl erfreut,
So muss die Nacht selbst lichte sein;
Bei ihr bricht nicht mehr Finstres ein.

Man schaut bei ihr den ganzen Tag,
Auch wider alle Hitz und Plag‘.
Den Schatten einer Wolkensäul‘;
Ihr Feuer dienet Nachts zum Heil.

Sie geht in allen Dingen für
Dem, der ihr nachgeht mit Begier;
Man geht bei ihr frei aus und ein,
Und darf getrost und fröhlich sein.

Die schwersten Lasten macht sie leicht,
Wenn man sich zum Gehorsam beugt;
Sie stillt auch oft der Feinde Wut
Durch’s Leiden mit vergnügtem Mut.

Die Freunde hegt ihr sanfter Schoß
Und macht sie alles Kummers los;
Dann gießt sie überfließend ein
Zum Trost auf Myrrhen süßen Wein.

Macht Jesu Lieb‘ nicht völlig frei
Von der Affekten1Ein Affekt ist eine Gemütserregung oder ein Gefühl, das durch äußere Anlässe oder innere psychische Vorgänge ausgelöst wird. Sklaverei?
Der ist’s, der was besiegen kann,
Der ihre Zucht nimmt redlich an!

Ihr Umgang ist voll Lieblichkeit,
Licht ist ihr prächtig Hochzeitkleid,
Ihr Brautschmuck ew’ge Lieb‘ und Lust;
Kein Makel ist ihr mehr bewusst.

Um sie zu ringen, ist nicht hart,
Weil sie sich willig offenbart
Den Freunden, die ihr Herz und Sinn
Nach ihrem Willen lenken hin.

Geh‘ auf, du gold’ner Liebesstern,
In uns, und leuchte nimmer fern!
Leucht‘ hell, dass uns dein frohes Licht
Auf unsern Wegen mangle nicht!

Erhebe den gedrückten Geist
Aus Allem, was Verwirrung heißt;
Komm‘, ord’ne uns’re Liebsbegier
Durch festen Zug allein‘ nach Dir!

Erfreu‘ die Deinen um so mehr,
Je mehr die Feinde stürmen her;
Sei deiner Kinder Lohn und Schild,
Und was Du sonst uns werden willt!