Albert Zeller – Liebe höret nimmer auf

Liebe höret nimmer auf,
Fort und fort zu sorgen;
Sorgen ist ihr Lebenslauf
Heute so wie morgen.

Wie es wohl den Lieben geht
In der weiten Ferne?
Alle Wolken fraget sie,
Sonne, Mond und Sterne.

Wie ihr Leben Sorgen ist,
Ist es auch Vertrauen;
Denn sie liebt es immerdar,
Auf den Herrn zu schauen.

Der ein Herz zu lieben gab,
Muss gewisslich lieben,
Und er sorget fort und fort,
Hüben so wie drüben.

Darum fürcht und hoffe nur,
Aber mit Vertrauen!
Hoffen, Glauben wandelt sich
Leise dann in Schauen.

Albert Zeller – Du lieber freundlicher Geselle,

Du lieber freundlicher Geselle,
Du süßes, trautes Herzeleid!
Nun sind wir an der rechten Stelle
In dieser grünen Einsamkeit;
Im Schatten himmelhoher Buden
Ruhn wir auf frischem Waldesmoos;
Der Sonne heiße Strahlen suchen
Umsonst des Waldes stillsten Schoß.

Hier sind wir endlich ohne Zeugen
Und mit einander ganz allein;
Die dicht belaubten Äste beugen
Sich liebend über uns herein.
Wie mir nach dieser Freundesstunde
Die Brust in tiefer Sehnsucht schwoll!
Nun brennt sie nicht die heiße Wunde,
Und mir ist still und innig wohl.

Du gibst mir treu und ungesehen
Auf allen Wegen das Geleit;
Doch durften wir uns nur verstehen
In kurzem heimlichem Bescheid.
Was ich gelitten und getragen,
Was ich geduldet und geliebt,
Jetzt kann ich Alles, Alles sagen,
Wo sich das Herz dem Herzen gibt.

Nur Einer hört uns und der Eine
Stört unsre reine Freude nicht!
Er selber rief uns zum Vereine
Vor seinem heilgen Angesicht;
Es geht sein hoher Liebessegen
In sanftem Rauschen durch den Wald,
Und ruft vernehmlich uns entgegen:
Seid nur getrost, ich komme bald!

Schon will die Sonne sich verneigen;
In Duft und Schimmer schwimmt das Tal;
Die Stämme leuchten, auf den Zweigen
Schwebt glühend noch der Abschiedsstrahl;
Wir müssen auch von hinnen geben,
Das ist der alte herbe Schluss;
leb wohl, mein Freund, auf Wiedersehen!
Noch einen letzten Liebeskuss!

Fest tret ich wieder auf die Erde:
Die Last ward mir so süß und leicht;
Ich zieh mit fröhlicher Gebärde,
Und Niemand ahnet, was mir däucht:
Du bleibst bei mir an allen Enden,
Geleitest mich zu meiner Ruh,
Und drückst mir einst mit treuen Händen
Zum letzten Schlaf die Augen zu.

Albert Zeller – Nicht Einer hat sich sein erbarmt

Nicht Einer hat sich sein erbarmt
In acht und dreißig langen Jahren:
So schrecklich lag er da verarmt
Inmitten vieler hundert Scharen.
So oft der Engel niederstieg,
Den Teich des Heiles zu bewegen:
Für ihn allein, den Ärmsten, schwieg
Der immer neue Gottessegen.

Sie alle gingen ihm voran,
Entstiegen heil dem Gnadenbade;
Was hat vor Allen er getan,
Dass ihn solch Los traf, ihn gerade?
Nicht Einer hat die Hand bewegt
Von den Geheilten, den Gesunden,
Ihn in die Gnadenflut gelegt
Mit seinen tiefen Schmerzenswunden!

Und neidlos, stille lag er da,
Zerdrückt im Auge seine Tränen;
Wie weh ihm stets aufs Neu geschah,
Er harrt in Hoffen und in Sehnen.
Da kommt der Herr so mild und groß,
Ein Blick, Ein Wort macht ihn genesen:
Er geht dahin, von Sünde los,
Viel stärker als er je gewesen!

Du armes Herz, das ungesehn
Verblutet still an seiner Wunde,
Von dessen stummem Hilfeflehn
Kein sterblich Aug und Ohr nimmt Kunde:
Harr aus in Glauben und Geduld!
Auch deine Stunde wird noch schlagen;
Dann wird der Herr mit Vaterhuld
Zum Quell des Heiles selbst dich tragen!

Was dir im Leben angetan,
Es wird sich schnell und milde lösen;
Frei schaust du wieder himmelan
Von allem Übel, allem Bösen;
Was Fleisch und Blut dagegen spricht,
Was du geduldet und gelitten,
Um alle Schätze gibst du nicht,
Was du im tiefsten Schmerz erstritten!

Albert Zeller – Ich sink an seinem Kreuze nieder

Ich sink an seinem Kreuze nieder
Und knie mit Maria hin,
Wir Alle sind ja Schwestern, Brüder;
Ein Leid beweget unsern Sinn.

Da hängt Er zwischen Erd und Himmel,
Der Sohn, der Erd und Himmel schuf!
Ein rohes, tosendes Getümmel
Verschlingt fast seinen Abschiedsruf.

Ich hab ihn mit ans Kreuz geschlagen,
Und klage mich des jammernd an;
Er aber betet ohne Klagen:
„Sie wissen nicht, was sie getan!“

Der Retter stirbt, der Herr des Lebens,
Er stirbt für uns den Menschentod.
Lass ihn nicht sterben, Mensch, vergebens!
Der Herr des Lebens ist dein Gott!

Da fasst ein Jubel sonder Gleichen
Im Schmerz die Seele wunderbar;
Durch dunkle Wolken niederreichen
Sieht man den Himmel rein und klar.

Vergeben sind sie uns, vergeben,
Die Sünden unsrer Erdenlust:
Ein himmlisch Weinen, Danken, Beben
Erfüllt die sturmzerriss’ne Brust.

Aufs Neu geschenkt sind wir uns Alle;
Das Lied des Heils steigt himmelwärts,
Und den entsühnten Brüdern falle
Entsühnt ich selber an das Herz.

Albert Zeller – Wie lang wir leben werden

Wie lang wir leben werden,
Weiß nur der liebe Gott;
Wir Erdenkinder welken
Und sind der Zeit ein Spott.
Es schläget Well an Welle
Zum alten Felsen an,
Viel tausend sind hinunter,
Die einst den Strudel sahn.

Noch stehen wir am Ufer
Und schauen weit und breit,
Und messen in Gedanken
Den schönen Sturz der Zeit;
Wie sich die Wasser drängen
Hinunter und hinauf;
Wie sie sich teilen, mengen
In stets gebrochnem Lauf.

Woher ihr Wasser alle?
Hoch von des Himmels Höh!
Wohin ihr Wasser alle?
Hinab zur tiefen See!
In leichten Staub zerflieget
Der raschen Welle Schaum,
Ein Regenbogen lieget
Darüber wie ein Traum.

Es bleibet, wie es wechselt,
Das Eine Element,
Das keine Macht zernichtet
Und von sich selber trennt;
Ist auch das Menschenleben
Ein Fall nur von der Höh,
Und keine Ruh zu finden
Als in der tiefen See?

Und wie wir sind geboren
Erst aus dem Strom der Zeit,
Gehn wir einst still verloren
Im Meer der Ewigkeit?
Ist doch dem Tropfen Wasser
Unsterblichkeit gewährt,
Dass nichts ihn kann verderben
Und seine Kraft zerstört!

Er, der aus seinem Lichte
Die schönsten Strahlen band,
Und jedem Geiste anders
Den Lebensgürtel wand;
Der uns zu uns geschaffen
In göttlichem Verstand,
Und unser Ich gezeichnet
Auf Stirne, Blick und Hand;

In jeglichen Gedanken
Die Ewigkeit gesenkt;
Mit jeder Lebensregung
Uns auf ein Ewges lenkt;
Er, der den Seufzer stillet
Der knechtschen Kreatur,
Vergäß in seiner Liebe
Den Sohn des Hauses nur?

Wir selber sind geworden
Ein Teil der Ewigkeit,
Und in der Geister Orden
Auf immer eingeweiht;
Wir sind Gedanken Gottes,
Und was er einmal denkt,
Dem ist unsterblich Leben
Und Seligkeit geschenkt.

Zwei Wesen hat zusammen
Der Schöpfer sich erdacht!
Drum trennt sie von einander
Auch keine Erdenmacht:
Das ist der Zug gewesen
Von unsrer Herzen Drang;
Das war aus Gottes Tiefen
Der selge Wiederklang.

Drum schlage Recht‘ in Rechte
Zum ewgen Bunde ein!
Drum soll ein still Frohlocken
Bei Nah’n und Fernen sein!
Drum glänz in jedem Auge
Das ewge Sonnenlicht:
Was Gott auf Erden bindet,
Löst er im Himmel nicht.

Albertini, Johann Baptist von – Du musstest leiden, Gottes Sohn!

Du musstest leiden, Gottes Sohn!
die Zeit war da – es stand geschrieben
im Buch – es drängte Dich Dein Lieben:
da tauschtest Du ums Kreuz den Thron.

Du musstest leiden! konnte je nur
Ein Gesicht verloren gehen,
was heilge Seher einst gesehen?
Du musstest nach Gethsemane!

Doch, Barmherziger! Warum
stand solche Schrift in Deinem Buche?
warum ward’s Segens Quell zum Fluche,
zur tiefsten Schmach der höchste Ruhm?

Warum beim Blick in künft’ge Zeit
durchbrechen jene Freudensszene
geheimnisvolle Leidenstöne
im Buche der Gerechtigkeit?

Warum, als ihm gelang die Tat,
das Joch des Starken zu zerbrechen,
warum musst ihm die Ferse stechen
der Schlangenkopf, den Er zertrat?

In dichtem Dunkel schreitest du
einher, allwaltendes Verhängnis!
und führst die Geister im Gefängnis:
dich decken Ewigkeiten zu.

Es musste sein! O Gott, umsonst
sahst Du Dich um! Du sannst vergebens
zu schonen Deines Sohnes Lebens,
der Du die Himmel überthronst!

O heiligs Muss! – Notwendigkeit,
der sich der Allmacht Kräfte neigen!
wir beten an in sel’gem Schweigen:
denn du bist unsre Seligkeit.

O seligs Muss der Ewigkeit!
manch hart unselig Muss des Lebens
drückt uns, und spottet Widerstrebens:
doch du, du stillest all dies Leid.

Wenn uns Dein Mund, o Heiland! sagt
in’s Herz hinein, „ich musste leiden!“
so gib, dass wir das Wort nicht meiden,
dass Stolz, Scham, Furcht uns nicht verjagt!

Nein! lernen lass uns an dem Wort,
bis unser Innerstes durchschüttert
von seiner Allgewalt, erzittert
bis uns sein Schwert das Herz durchbohrt!

O heiligs Licht! o seligs Recht!
dass auf der fluchbeladnen Erde
des ew’gen Segens fähig werde
der Menschen sündiges Geschlecht.

Das musste sein! so hilf uns nun,
dass wir zu Deiner Wahl zum Segen,
du Fluch für uns! die unsre legen,
und Dir am Segensbusen ruhn!

Freylinghausen, Johann Anastasius – Durch Adams Fall und Missetat.

Weise: Herr Jesu Christ, meins Lebens Licht.

1. Durch Adams Fall und Missetat,
Die er ehmals verübet hat,
Ist auf uns kommen Sünd und Tod
Samt andrer überhäufter Not.

2. Wo ist des edlen Bildes Glanz?
Wo ist der reinen Unschuld Kranz?
Wo ist des Lebensbaumes Saft?
Ist es nicht alles weggerafft?

3. Da lieg ich nun in meinem Blut,
Muss fühlen Gottes Zornesrut,
Vom Fuß bis an das Haupt verwundt,
An Seel und Leib ist nichts gesund.

4. Wo ist der Arzt, der helfen kann?
Ist niemand, der sich mein nimmt an?
Wo ist die Salb, wo ist das Öl,
Das heilet meine kranke Seel?

5. Ach, aber ach, nichts hilfet mir!
Kein Kraut noch Pflaster nützet hier
Und was die Kunst erfunden hat;
Nur Eins ist, das hier findet statt.

6. Dein Blut, das, Jesu, deine Huld
Vergossen hat für meine Schuld,
Das ist es, das mich heilen kann;
Ach nun, so nimm dich meiner an.

7. Das Wasser, das so klar und hell
Aus deines Herzens Lebensquell
Geflossen, macht mich hell und rein,
Macht ruhig und stillt alle Pein.

8. Die Wunden, die man dir gemacht,
Da man dich hat ans Kreuz gebracht,
Die dienen mir zur Arzenei
Und machen mich vom Tode frei.

9. Ei nun, so eile doch herzu,
Schaff meiner Seelen Hilf und Ruh,
Gib Öl und Wein mit mildem Guss,
So weicht die Qual, so fleucht Verdruss.

10. So spür ich neue Geisteskraft,
Die Gottes Werke in mir schafft,
So dringt ein neues Leben ein,
Zu dienen dir ohn Heuchelschein.

11. Ich fasse dich bei deinem Wort,
O starker Fels und Lebenspfort,
Da du gesagt: Ich bin dein Heil,
Dein Arzt, dein Leben und dein Teil.

12. Drum leb ich durch dich ewiglich,
Und ob ich sterb, so glaube ich,
Dass ich doch wieder leben werd
Ganz frisch, gesund und ohn Beschwerd.

13. Hallelujah, Dank, Kraft und Macht
Sei von uns allen dir gebracht,
O Arzt, jetzt und zu aller Stund;
Mach uns doch durch und durch gesund.

Freylinghausen, Johann Anastasius – O reines Wesen, lautre Quelle.

Weise: Mein Jesu, dem die Seraphinen.

1. O reines Wesen, lautre Quelle,
O Licht ohn alle Dunkelheit,
Vor deinen Augen, die so helle,
Ja heller als die Heiterkeit
Des großen Weltlichts, ist entdecket
Des Herzens angeborner Wust,
Und wie so manche schnöde Lust
Den edlen Geist bisher beflecket.

2. Wenn nur ein reines Herz zu schauen
Gewürdigt wird dein Angesicht,
So kommt mir billig an ein Grauen,
Wenn ich auf mich mein Auge richt.
Mit Wehmut seh ich mein Verderben,
Doch aber schrei ich Herr zu dir:

Ein reines Herze schaff in mir,
Das Böse lass in mir ersterben.

3. Gnug, dass es ist dem Feind gelungen,
Von dir, mein Gott, mich abzuziehn;
Von nun an lass mich unbezwungen
Dagegen seiner List entfliehn
Und wappne mich mit Kraft und Stärke
Durch den gewissen neuen Geist,
Darum dein Wort uns bitten heißt,
In dir zu tun all meine Werke.

4. Hat meine Schuld und Übertreten
Mich unwert deiner Gunst gemacht,
So tret ich doch zu dir mit Beten
Und sage: Ach, Herr, hab nicht Acht
Auf das, was ich gesündigt habe,
Im Zorn verwirf, verwirf mich nicht
Von dir und deinem Angesicht,
Ein Blick von deiner Huld mich labe.

5. Den Geist, den du mir hast geschenket,
Das edle teure Liebespfand,
Das unsern Geist mit Wollust tränket
Und fliehen heißt des Fleisches Tand,
Lass nicht von mir genommen werden,
Vielmehr damit versiegelt sein
Mein Herz, bis dieser Bau fällt ein,
Und du mich nimmst von dieser Erden.

6. Weil sich auch noch in mir befindet
Das Zagen, das die Sünde bringt,
Wenn sie im Kampf uns überwindet
Und unter ihre Macht uns zwingt,
So wollst du, Herr, mit Trost der Freuden,
Der aus dem Brunn des Lebens fleußt,
Verbinden den verwundten Geist
Und so beschließen dieses Leiden.

7. Ich bleib an deiner Gnade hangen
Und senke mich in ihren Bund;
Des Innern heimlichstes Verlangen
Ist dir, dem Herzenskündger, kund.
Du wirst auch, solches zu vollbringen,
Den Geist der Freud und Willigkeit
Mir mitzuteilen sein bereit;
Dafür will ich Loblieder singen.

Freylinghausen, Johann Anastasius – Zu dir, Herr Jesu, komme ich

Weise: Herzlich lieb hab ich dich, o Herr.

1. Zu dir, Herr Jesu, komme ich,
Nachdem du mich so süßiglich
Zu dir hast heißen kommen.
Mich drücket meiner Sünden Last,
Sie lässt mir keine Ruh noch Rast;
Würd sie mir nicht benommen,
So müsst darunter ich vergehn,
Ich könnte vor Gott nicht bestehn,
Vor dem die Himmel selbst nicht rein,
Ich müsst ein Kind des Todes sein.
Herr Jesu Christ, mein Trost und Licht,
Erquicke mich und lass mich nicht.

2. Das Sündenjoch ist mir zu schwer,
Es drückt den Geist nur allzusehr,
Du, Herr, wollst es zerbrechen.
Gedenke, dass du diese Last
Darum für mich getragen hast,
Damit nicht möchte rächen
Der Vater, was ich hab verschuldt;
Vielmehr dass seine Gnad und Huld
Mir Armen wieder würd zu Teil;
Mach mich durch deine Wunden heil,
Herr Jesu Christ, und für mich bitt,
Wenn Satan wider mich auftritt.

3. Zu dir steht meine Zuversicht,
Ich weiß von keinem Helfer nicht
Ohn dich, o Arzt der Sünder.
All andre Helfer sind zu schlecht,
Du bist allein vor Gott gerecht,
Des Todes Überwinder,
Die Freistadt und der sichre Ort,
Das feste Schloss, der Schild und Hort,
Der Mittler und der Gnadenthron,
Des Vaters Herz und liebster Sohn.
Herr Jesu Christ, das glaube ich,
Ach, stärk in solchem Glauben mich.

4. Hinfort will ich nun jederzeit
Auf mich zu nehmen sein bereit
Dein Joch, die sanfte Bürde;
Darunter sind ich Fried und Ruh,
Ich wachs und nehm im Guten zu,
Und ob ich drunter würde
Aus Schwachheit, die dir ist bekannt,
Ermüden, wird doch deine Hand
Mir immer wieder helfen auf,
Um zu vollenden meinen Lauf.
Herr Jesu Christ, durch dich allein
Kann ich hier und dort selig sein.

Freylinghausen, Johann Anastasius – Jesus über alles

Weise: Zerfließ, mein Geist, in Jesu Blut und Wunden.

1. Sag an, o Mensch, wer ist wohl wert zu schätzen,
Dass man ihn liebe nur allein,
Dass Aug und Herz an ihm sich stets ergötzen
Und immer in ihm fröhlich sein?
Der ist es, den man Christus heißt
Und der sich selber uns anpreist,
Dass über alles hier auf Erden
Er würdig sei, geliebt zu werden.

2. Ach ja, der ists, ihm müssen alle weichen
Im Rang der Liebe: Vater, Sohn,
Auch Bruder, Mutter, Tochter und desgleichen,
Des Liebe sonst hat großen Lohn.
Selbst unser Leben ist zu schlecht,
Wenn man es nur bedenket recht,
Dass wir es wollten lieber haben,
Wärs auch geschmückt mit tausend Gaben.

3. Ist er nicht Gott, des Vaters Bild und Spiegel,
Der Glanz der ewgen Herrlichkeit,
Der bei ihm war, eh alle Berg und Hügel
Geschaffen sind hier in der Zeit?
Ach ja, er ist das schönste Licht,
Das selbst des Vaters Angesicht
Mit höchster Luft und Freud erblicket
Und sich an ihm ohn End erquicket.

4. Er ist ein Meer voll aller Trefflichkeiten,
Ein Quell, der ohn Aufhören fleußt;
Niemand vermag die Fülle auszudeuten,
Die seine Gottheit in sich schleußt.
Schau, wie das ganze Engelheer,
Und was im Himmel sonst noch mehr
Von frommen Geistern wird gezählet,
Ihn hat zur eingen Lust erwählet.

5. Er ist es, der uns hat zuerst geliebet,
Da du und ich nur Zorn verdient.
Fragst du, worin er solches hab geübet?
Darin, dass er uns Gott versühnt,
Gott, der von uns war hoch entehrt,
Da wir uns von ihm abgekehrt,
Der uns darum hätt lassen können
In jenen Flammen ewig brennen.

6. Abgrund, der sich hier dem Aug entdecket!
Tiefe der Barmherzigkeit,
Durch deren Trieb er hat das Werk vollstrecket,
Dadurch gewehrt ist unserm Leid!
Er ward ein Mensch, o Menschenkind,
Uns Sündern gleich, doch ohne Sünd,
Ließ auf die höchste Marterzinnen
Sich stellen, um dich zu gewinnen.

7. Dass er dir wiederbringen möcht den Segen,
Wird er ein Fluch am Kreuzesstanm,
Lässt alle deinen Jammer auf sich legen,
Wird zum Brandopfer selbst das Lamm.
Nicht Gold und Silber legt er dar,
Weil dieses zu unkostbar war,
Dich und mich wieder frei zu machen;
Er stürzt sich selbst ins Todes Rachen.

8. Dadurch wird er dein Hirt, dein Arzt, dein Leben,
Das Heil und die Gerechtigkeit,
Dein Bräutigam, der sich hat hingegeben
Für dich, dein Schmuck und Ehrenkleid.
Er ist dir alles, was ist not,
Er ist der Freund, der weiß und rot;
Mein, sollt er nicht sein wert zu lieben?
Ja wohl, dies Eine ist zu üben.

9. Mit höchstem Recht kann jedermann den schätzen;
Anathema, der ihn nicht liebt!
Er selbst, der Herr, wird tödlich ihn verletzen,
Wenn er einst sein Gericht verübt.
Wohl aber allen, deren Sinn
Sich neigt zur Liebe Christi hin;
Denn er wird ihrer ewig schonen
Und ihrer Lieb mit Liebe lohnen.

10. Hilf, Jesu, hilf, dass ich mit reinem Herzen
Dich über alles lieben mag.
Die Welt und eigne Lieb macht lauter Schmerzen,
Dein Lieben weiß von keiner Plag.
Lass mich empfinden mehr und mehr,
Wie du mich liebst so hoch und sehr,
Damit aus solchen reinen Flammen
Die Funken meiner Lieb herstammen.

11. Man hörte ehmals dich wohl dreimal fragen
Den Simon, ob er dich lieb hätt;
Hilf, dass wie er ich könn aufrichtig sagen,
Falls dein Mund gleiche Frage tät:
Ach Herr, du weißest alle Ding,
Du weißt, dass ich, was wahr, vorbring,
Und ich dich als die höchste Gabe
Im Herzen lieb gewonnen habe.