Gerhardt Tersteegen – Kinder liebet; und betrübet

Kinder liebet; und betrübet
Nicht durch Argwohn euern Freund,
Der euch stündlich unergrundlich
Liebet und von Herzen meint.

Arges Denken, Herzenskranken fre
Und kein Herzensbessern bringt :
Bleib nicht ferne ; Gott hilft gerne,
Wer sich kindlich zu ihm dringt.

Ja, ihr Kinder, wir sind Sünder;
Doch nimmt Jesus Sünder an:
Kommt in Demut, Klagts mit Wehmut,
Und dann sei’s wie nicht getan.

Liebet, liebet! Gott der gibet
Sich den Liebenden umsonst ;
Da verschwinden, alle Sünden,
Wie ein Strohhalm in der Brunst.

Nahet freier, zu dem Feuer
Dieser großen Jesus Lieb,
Bettelt kühne, wenns auch schiene
Dass er euch von dannen trieb.

Seinen Armen und Erbarmen
Ueberlaßt euch wie ihr seid:
Ihm ankleben, in ihm leben,
Wirket alle Heiligkeit.

Mutterherze, unser Schmerze,
Unser Elend lieget bloß:
Wir ersenken unser Kranken
Und uns selbst in deinen Schoß.

Schließe drinnen, Herz und Sinnen ;
Du hast uns gemacht für dich,
Und erlesen, selig’s Wesen,
Dir zum Lustspiel ewiglich.

Weil du liebest und dich gibest
Halten wir auch nichts zurück;
Mit Vertrauen auf dich schauen,
Auf uns selbst mit keinem Blick.