Gottfr. Wilh. von Leibniz – Zueignung des Leidens Christi.

Jesu, dessen Tod und Leiden
Unsre Freud und Leben ist,
Der du abgeschieden bist,
Auf dass wir nicht von dir scheiden,
Sondern durch des Todes Tür
Zu dem Leben folgen dir!

Als der scharfe Speer gestochen,
Herr, in deine Seite dort,
und dein Blut, des Glaubens Hort,
Aus der Seit hervorgebrochen,
Lässt du sehen uns dein Herz
Voll von Lieb und voll von Schmerz.

Deine Arme, ausgestrecket,
Zeigen deine Freundlichkeit,
zu empfangen die bereit,
So dein Kreuz zur Lieb erwecket;
Wer nicht unempfindlich ist,
Sich in deine Arme schließt.

Als sich, Herr, dein Haupt geneiget,
War es, um zu segnen mich;
Da der Geist von dannen wich,
Noch sich deine Liebe zeiget.
Selig, wer auch Zeichen gibt,
Dass er bis in Tod dich liebt.

Lass die matte Seel empfinden
Deiner Liebe süße Flut;
Wem nicht deines Leidens Glut
Kann sein kaltes Herz entzünden,
Jesu, der muss wie ein Stein,
Ohne Lieb und Leben sein.

Bernhard von Derschau – Advents-Erweckung.

Wach auf, du werte Christenheit,
Nimm wahr der freudenreichen Zeit,
Dein Heil ist nun vorhanden;
Des Tages Licht ist wiederbracht,
Vergangen ist die finstre Nacht,
Daher groß Freud entstanden.

Denn Gottes Sohn kommt uns zu gut,
Nimmt an sich unser Fleisch und Blut,
Will unser Bruder werden;
Bald wird bei uns dies Kindelein
Als wahrer Gott und Mensche sein
Und bringen Fried auf Erden.

Du Tochter Zion, freu dich sehr,
Auf einem Eslein kommt der Herr,
Am Kreuze will er sterben.
Wohl dem, der seine Zuversicht.
Und Glauben hat auf ihn gericht,
Der wird das Heil ererben.

Durch das gehörte Wort allein
Kehrt er bei jedem Christen ein,
Ders nur recht nimmt zu Herzen;
Wer nicht betracht diesen Advent,
Christum durchs Wort nicht recht erkennt,
Der wird das Heil verscherzen.

Hilf, Vater, hilf, du wahres Licht,
Wenn dein Sohn halten wird Gericht,
Dass wir recht wohl bestehen,
und wie die klugen Jungfräulein
Mit Glauben schön gezieret sein,
Zur Hochzeit auch eingehen.

Bernhard von Derschau – Das Herzens-Kirchlein.

Mir ist ein geistlich Kirchelein
Erbauet in dem Herzen mein,
Welchs allerseits gefärbet ist
Vom Blut des Lämmleins Jesu Christ.

In diesem kleinen Kirchelein
Hat ihren Sitz und wohnet drein
Die Heilige Dreifaltigkeit,
Gott Vater, Sohn, Heiliger Geist.

Dies Kirchlein ist zwar g’ring und klein,
Weil aber die drei wohnen drein,
Es groß genug und herrlich ist
und Gottes königlicher Sitz.

Dies Häuslein und dies Kirchelein
Lass dir, o Gott, befohlen sein,
Behüt’s vor allem Herzeleid,
Wohn drin hie und in Ewigkeit.

Verf. unbekannt. – Dem Dreieinigen zu Ehren!

Sei Lob, Ehr, Preis und Herrlichkeit
Gott dem Vater in Ewigkeit,
Der alle Ding erschaffen hat
und erhälts durch sein göttlich Gnad.

Ehr sei auch sein’m geliebten Sohn,
Der uns alles Gute hat getan,
Der am Kreuz für uns ist gestorben
und hat den Himmel uns erworben.

Ehr sei auch Gott dem heilgen Geist,
Der uns durch sein Gnad allermeist
Die Wahrheit woll machen bekannt
und eröffnen unsern Verstand.

O Heilige Dreifaltigkeit,
O wahre einige Gottheit,
Erhör uns aus Barmherzigkeit
Und führ uns zu der Seligkeit.

Michael Weiße – Also hat Gott die Welt geliebt!

Von Adam her so lange Zeit
War unser Fleisch vermaledeit,
Seel und Geist bis in Tod verwundt,
Am ganzen Menschen nichts gesund.
uns hatt umfangen große Not,
Über uns herrschte Sünd und Tod,
Wir sanken in der Höllen Grund,
und war Niemand, der helfen konnt.

Gott sah auf aller Menschen Stätt
Nach einem, der sein’n Willen tät,
Er sucht ein’n Mann nach seinem Mut,
Fand aber nichts, denn Fleisch und Blut.
Denn die rechtschaffne Heiligkeit,
Würdigkeit und Gerechtigkeit
Hatten sie in Adam verlorn,
Aus welchem sie waren geborn.

Als er so groß Siechtum erkannt
Und keinen Arzt noch Helfer fand,
Dacht er an seine große Lieb
und wie sein Wort wahrhaftig blieb.
Sprach: Ich will Barmherzigkeit tun,
Für die Welt geben meinen Sohn,
Dass er ihr Arzt und Heiland sei,
Sie gesund mach und benedei.

Er schwur ein’n Eid dem Abraham,
Auch dem David von seinem Stamm,
Verhieß ihn’n zu geben den Sohn
Und durch ihn der Welt Hilfe tun.
Er tat’s auch den Propheten kund
und breitet’s aus durch ihren Mund,
Davon König und fromme Leut
Sein warteten vor langer Zeit.

Ob sie wohl, wie ihr Herz begehrt,
Des leiblich nicht wurden gewährt,
Doch hatten sie im Glauben Trost,
Dass sie sollten werden erlöst.
Da aber kam die rechte Zeit,
Von welcher Jakob prophezeit,
Las er ihm ein Jungfrau aus,
Ein’m Mann vertraut von Davids Haus.

In der wirkt er mit seiner Kraft,
Schuf vom Blut ihrer Jungfrauschaft
Das rein und benedeite Kind,
Bei dem man Gnad und Wahrheit find.
Christe, benedeite Frucht,
Empfangen rein in aller Zucht,
Gebenedei und mach uns frei,
Sei unser Heil, Trost und Arznei!

Joh. Jac. Rambach – Von der ewigen Gnadenwahl.

Ewge Liebe, mein Gemüte
Waget einen kühnen Blick
In den Abgrund deiner Güte:
Send ihm einen Blick zurück,
Einen Blick voll Heiterkeit,
Der die Finsternis zerstreut,
Die mein blödes Auge drücket,
Wenn es nach dem Lichte blicket.

Ich verehre dich, o Liebe,
Dass du dich beweget hast
Und aus einem reinen Triebe
Den erwünschten Schluss gefasst:
Der im Fluch versenkten Welt
Durch ein teures Lösegeld.
und des eignen Sohnes Sterben
Gnad und Freiheit zu erwerben.

O ein Ratschluss voll Erbarmen,
Voller Huld und Freundlichkeit,
Der so einer Welt voll Armen
Gnade, Trost und Hilfe beut!
Liebe, die den Sohn nicht schont,
Der in ihrem Schoße wohnt,
Um zu retten die Rebellen
Aus dem Pfuhl der tiefen Höllen!

Doch du hast, o weise Liebe,
Eine Ordnung auch bestimmt,
Dass sich der darinnen übe,
Der am Segen Anteil nimmt.
Wer nur an den Mittler gläubt
und ihm treu ergeben bleibt,
Der soll nicht verloren gehen,
Sondern Heil und Leben sehen.

Diesen Glauben anzuzünden,
Der ein Werk des Himmels heißt,
Lässest du dich willig finden,
Deinen teuren, guten Geist
Denen, die gebeuget stehn,
Die ihr Unvermögen sehn
Und zum Thron der Gnaden eilen,
Gern und willig mitzuteilen.

Wo du nun vorher gesehen,
Dass ein Mensch auf dieser Erd
Deinem Geist nicht widerstehen,
Noch sein Werk verhindern werd,
Sondern ohne Heuchelschein
Werd im Glauben feste sein:
Diesen hast du auserwählet
und den Deinen zugezählet.

Du hast niemand zum Verderben
Ohne Grund in Bann getan;
Die in ihren Sünden sterben,
Die sind selber Schuld daran.
Wer nicht glaubt an deinen Sohn,
Der hat Fluch und Tod zum Lohn:
Sein mutwillig Widerstreben
Schleußt ihn aus vom Heil und Leben.

Liebe, dir sei Lob gesungen
Für den höchst gerechten Schluss,
Den die Schar verklärter Zungen
Rühmen und bewundern muss;
Den der Glaub in Demut ehrt,
Die Vernunft erstaunet hört,
und umsonst sich unterwindet,
Wie sie dessen Tief ergründet.

Liebe, lass mich dahin streben,
Meiner Wahl gewiss zu sein.
Richte selbst mein ganzes Leben
So nach deinem Willen ein,
Dass des Glaubens Frucht und Kraft,
Den dein Geist in mir geschafft,
Mir zum Zeugnis dienen möge,
Dass ich auf dem Himmelswege.

Lass mich meinen Namen schauen
In dem Buch des Lebens stehn;
Dann so werd ich ohne Grauen
Selbst dem Tod entgegen gehn:
Keine Kreatur wird mich,
Deinen Liebling, ewiglich
Deiner Hand entreißen können,
Noch von deiner Liebe trennen.

Friedrich Rückert – Siehe, dein König kommt zu dir.

Dein König kommt in niedern Hüllen,
Ihn trägt der lastbarn Eslin Füllen,
Empfang ihn froh, Jerusalem!
Trag ihm entgegen Friedenspalmen,
Bestreu den Pfad mit grünen Halmen!
So ists dem Herren angenehm.

O mächtger Herrscher ohne Heere,
Gewaltger Kämpfer ohne Speere,
Friedensfürst von großer Macht!
Es wollen dir der Erde Herren
Den Weg zu deinem Throne sperren,
Doch du gewinnst ihn ohne Schlacht.

Dein Reich ist nicht von dieser Erden,
Doch aller Erde Reiche werden
Dem, das du gründest, untertan.
Bewaffnet mit des Glaubens Worten,
Zieht deine Schar nach den vier Orten
Der Welt hinaus, und macht dir Bahn.

Und wo du kommest hergezogen,
Da ebnen sich des Meeres Wogen,
Es schweigt der Sturm von dir bedroht.
Du kommst auf den empörten Triften
Des Lebens neuen Bund zu stiften,
Und schlägst in Fessel Sünd und Tod.

O Herr von großer Huld und Treue,
Komme du auch jetzt aufs neue
Zu uns, die wir sind schwer verstört.
Not ist es, dass du selbst hiernieden
Kommst zu erneuen deinen Frieden,
Dagegen sich die Welt empört.

O lass dein Licht auf Erden siegen,
Die Macht der Finsternis erliegen,
und lösch der Zwietracht Glimmen aus;
Dass wir, die Völker und die Thronen,
Vereint als Brüder wieder wohnen
In deines großen Vaters Haus!

Christian Keymann – Freuet euch in dem Herrn!

Freuet euch, ihr Christen alle,
Freue sich, wer immer kann!
Gott hat viel an uns getan;
Freuet euch mit großem Schalle,
Dass er uns so hoch geacht,
Sich mit uns befreundt gemacht!
Freude, Freude über Freude!
Christus wehret allem Leide.
Wonne, Wonne über Wonne!
Er ist die Genadensonne.

Siehe, siehe, meine Seele,
Wie dein Heiland kommt zu dir,
Brennt in Liebe für und für,
Dass er in der Krippen Höhle
Harte lieget dir zu gut,
Dich zu lösen durch sein Blut.
Freude, Freude über Freude!
Christus wehret allem Leide.
Wonne, Wonne über Wonne!
Er ist die Genadensonne.

Jesu, wie soll ich dir danken?
Ich bekenne, dass von dir
Meine Seligkeit herrühr.
So lass mich von dir nicht wanken,
Nimm mich dir zu eigen hin:
So empfindet Herz und Sinn
Freude, Freude über Freude.
Christus wehret allem Leide.
Wonne, Wonne über Wonne!
Er ist die Genadensonne.

Jesu, nimm dich deiner Glieder
Ferner in Genaden an,
Schenke, was man bitten kann,
Zu erquicken deine Brüder!
Gib der ganzen Christenschar
Friede und ein seligs Jahr!
Freude, Freude über Freude!
Christus wehret allem Leide.
Wonne, Wonne über Wonne!
Er ist die Genadensonne.

Christian Friedrich Richter – Die Liebe hat den Sohn gesendet!

Liebe, die den Himmel hat zerrissen,
Die sich zu mir ins Elend niederließ,
Was für ein Trieb hat dich bewegen müssen,
Der dich zu mir ins Jammertal verwies?
Die Liebe hat es selbst getan,
Sie schaut als Mutter mich in meinem Jammer an.

Die Liebe ist so groß in deinem Herzen,
Dass du für mich das größte Wunder tust;
Die Liebe macht dir meinetwegen Schmerzen,
Dass du bei mir nur unter Dornen ruhst.
O unerhörter Liebesgrad,
Der selbst des Vaters Wort ins Fleisch gesenket hat!

Die Liebe ist mein Anverwandter worden:
Mein Bruder ist selbst die Barmherzigkeit.
Der Gottheit Quell lebt nun in meinem Orden:
Die Ewigkeit vermählt sich mit der Zeit.
Das Leben selbst ist Mensch geborn,
Der Glanz der Herrlichkeit, das Licht, das wir verlorn.

In ihm wird nun die Menschheit ausgesöhnet,
Die Reinigkeit der Seelen wiederbracht;
Sie wird als Braut der Gottheit nun gekrönet,
Da sie der Himmel selbst so angelacht.
Die Menschheit wird nun ganz erneut
und als ein reiner Thron der Gottheit eingeweiht.

Die Weisheit spielt nun wieder auf der Erden,
Dadurch das Paradies im Menschen grünt.
Nun können wir aus Gott geboren werden,
Weil die Geburt des Herren dazu dient.
Die wohl geborne Seele spürt,
Dass sie ein andrer Geist aus ihrem Ursprung rührt.

Kein Elend kann nun unser Herz besiegen:
Immanuel ist bei uns in der Not.
Ich darf ja nur die Gnadenquelle rügen,
So dient mir selbst das Elend und der Tod.
Der Jammer hängt mir nur noch an,
Der mir in Christo doch nicht schädlich werden kann.

Die Sünde kann mich auch nicht mehr verdammen,
Dieweil sie selbst durch ihn verdammet ist.
Was schaden nun der Seelen ihre Flammen,
Weil Christi Blut und Wasser in sie fließt?
Immanuel löscht ihren Trieb:
Er lässt die Seele nicht, er hat sie viel zu lieb.

Ich habe nun ein ewig Leben funden,
Viel Reichtum, Ehr und Wollust schenkt er mir:
Ich bin mit ihm, er ist mit mir verbunden,
Den ich in mir mit Liebeswirkung spür.
Ich bin vergnügt und ganz gestillt,
Weil mich der lautre Strom der Herrlichkeit erfüllt.

Auf, auf, mein Geist! vergiss die Trauerlieder,
Erfreue dich in dieser Liebesmacht!
Des Himmels Kraft und Glanz bestrahlt dich wieder,
Und der Verlust ist völlig wiederbracht.
O ewig, ewig wohl ist mir,
Dass ich in Christo nun ein Wohlgefallen spür!

Joh. Peter Lange – Gott mit uns! mit uns auf Erden!

Gott mit uns! mit uns auf Erden!
Völker, hört’s in dunkler Welt!
Hört: zum Paradiese werden
Soll das große Dornenfeld!
Er zieht ein, der Fluch hinaus
Und die Erd ist Gottes Haus.

Gott mit uns! im Fleisch erschienen
Ist das göttlich ewge Wort!
Brüder, seht mit Himmelsmienen
Lächelt uns das Kindlein dort;
und der Wilden Angesicht
Adelt seiner Augen Licht.

Gott mit uns! in Nacht und Jammer,
Nacht und Jammer zu zerstreun!
Schaut, ein Stall ist seine Kammer,
Krippe schließt den Tröster ein;
Nun erblüht im hellen Raum
uns der reiche Lebensbaum.

Gott mit uns, für uns im Streite!
Die ihr als Gebundne weint,
Kommt und jubelt als Befreite,
Denn er schlägt den alten Feind,
und im blutgen Siegsgewand
Reicht er uns die Retterhand.

Gott mit uns im letzten Beben!
Er bei uns im Todestal!
Seht der Gräber Nacht verschweben,
Neue Welt im Osterstrahl!
Neigt das Haupt ans treue Herz,
Jesus trägt uns heimatswärts.

Gott mit uns für Ewigkeiten,
Hier und droben unser Licht!
Lass die Zeit vorübergleiten,
Unser Leben endet nicht!
wie glänzt der Morgenstern!
Kommt zum Kindlein, kommt zum Herrn.