Johann Ernst Greding – Der am Kreuz ist meine Liebe

Der am Kreuz ist meine Liebe,
Er allein in dieser Welt!
Ach, wenn Er’s doch ewig bliebe,
Der mir jetzt so wohl gefällt;
Nun es bleibe fest dabei,
Und mir jede Stunde neu,
Sei es heiter, sei es trübe:
Der am Kreuz ist meine Liebe!

Zwar es ist mir unverborgen
Dieser Liebe Kampf und Müh‘;
Schmach, Verfolgung, Not und Sorgen,
Kreuz und Trübsal bringet sie.
Ja, wenn der Geliebte will,
Ist kein bitt’rer Tod zu viel;
Doch es gehe noch so trübe :
Der am Kreuz ist meine Liebe!

Lieber wähl‘ ich diese Plage
Und der Liebe schweren Stand,
Als die sichern, guten Tage
Und der Ehre eiteln Tand.
Heiß ich immerhin ein Tor,
Schmeichle mir die Welt ins Ohr
Dass ich ihre Lust mitübe:
Der am Kreuz ist meine Liebe!

Aber wisst ihr meine Stärke
Und was mich so mutig macht,
Daß mein Herz des Fleisches Werke
Und des Satans Grimm verlacht?
Lieb‘ ist stärker als der Tod!
D’rum so fürcht‘ ich keine Not,
Die mich schrecke und betrübe,
Der am Kreuz ist meine Liebe!

Diese Liebe lohnet endlich,
Führet uns ins Vaterhaus,
Ist zur letzten Zeit erkenntlich,
Und teilt Kränz‘ und Kronen aus,
Ach, dass Macht von Oben doch
Jedes Herz auf Erden noch
Freudig zu bekennen triebe:
Der am Kreuz ist meine Liebe!

Philipp Friedrich Hiller – Singet Gott, denn Gott ist Liebe,

Singet Gott, denn Gott ist Liebe,
Liebe, die da ewig währt;
Singe durch des Geistes Triebe,
Wer es an sich selbst erfährt!
Wenn sein Eifer muss entbrennen,
Brennt er bis zum Höllengrund;
Wenn er sich lässt Liebe nennen,
Wird es allen Himmeln kund.

2. Liebe, die er im Erkenntnis
Seines Sohnes uns bezeugt;
Liebe, welche das Verständnis
Aller Menschen übersteigt:
Du bist weit: ob allen Kindern,
Du währst lang: auf alle Zeit,
Du reichst tief: zu armen Sündern,
Du führst hoch: zur Herrlichkeit!

3. Liebe, die mein Herz darf glauben,
Wenn sie mein Verstand nicht fasst,
Lass den Feind mich dir nicht rauben,
Der uns als Geliebte hasst!
Liebe, lass es mir gelingen,
Dich zu kennen, wie du bist!
Liebe, lehr mich ewig singen,
Wie es Gottes würdig ist!

Gerhardt Tersteegen – Kinder liebet; und betrübet

Kinder liebet; und betrübet
Nicht durch Argwohn euern Freund,
Der euch stündlich unergrundlich
Liebet und von Herzen meint.

Arges Denken, Herzenskranken fre
Und kein Herzensbessern bringt :
Bleib nicht ferne ; Gott hilft gerne,
Wer sich kindlich zu ihm dringt.

Ja, ihr Kinder, wir sind Sünder;
Doch nimmt Jesus Sünder an:
Kommt in Demut, Klagts mit Wehmut,
Und dann sei’s wie nicht getan.

Liebet, liebet! Gott der gibet
Sich den Liebenden umsonst ;
Da verschwinden, alle Sünden,
Wie ein Strohhalm in der Brunst.

Nahet freier, zu dem Feuer
Dieser großen Jesus Lieb,
Bettelt kühne, wenns auch schiene
Dass er euch von dannen trieb.

Seinen Armen und Erbarmen
Ueberlaßt euch wie ihr seid:
Ihm ankleben, in ihm leben,
Wirket alle Heiligkeit.

Mutterherze, unser Schmerze,
Unser Elend lieget bloß:
Wir ersenken unser Kranken
Und uns selbst in deinen Schoß.

Schließe drinnen, Herz und Sinnen ;
Du hast uns gemacht für dich,
Und erlesen, selig’s Wesen,
Dir zum Lustspiel ewiglich.

Weil du liebest und dich gibest
Halten wir auch nichts zurück;
Mit Vertrauen auf dich schauen,
Auf uns selbst mit keinem Blick.

Christian Friedrich Richter – Die Liebe hat den Sohn gesendet!

Liebe, die den Himmel hat zerrissen,
Die sich zu mir ins Elend niederließ,
Was für ein Trieb hat dich bewegen müssen,
Der dich zu mir ins Jammertal verwies?
Die Liebe hat es selbst getan,
Sie schaut als Mutter mich in meinem Jammer an.

Die Liebe ist so groß in deinem Herzen,
Dass du für mich das größte Wunder tust;
Die Liebe macht dir meinetwegen Schmerzen,
Dass du bei mir nur unter Dornen ruhst.
O unerhörter Liebesgrad,
Der selbst des Vaters Wort ins Fleisch gesenket hat!

Die Liebe ist mein Anverwandter worden:
Mein Bruder ist selbst die Barmherzigkeit.
Der Gottheit Quell lebt nun in meinem Orden:
Die Ewigkeit vermählt sich mit der Zeit.
Das Leben selbst ist Mensch geborn,
Der Glanz der Herrlichkeit, das Licht, das wir verlorn.

In ihm wird nun die Menschheit ausgesöhnet,
Die Reinigkeit der Seelen wiederbracht;
Sie wird als Braut der Gottheit nun gekrönet,
Da sie der Himmel selbst so angelacht.
Die Menschheit wird nun ganz erneut
und als ein reiner Thron der Gottheit eingeweiht.

Die Weisheit spielt nun wieder auf der Erden,
Dadurch das Paradies im Menschen grünt.
Nun können wir aus Gott geboren werden,
Weil die Geburt des Herren dazu dient.
Die wohl geborne Seele spürt,
Dass sie ein andrer Geist aus ihrem Ursprung rührt.

Kein Elend kann nun unser Herz besiegen:
Immanuel ist bei uns in der Not.
Ich darf ja nur die Gnadenquelle rügen,
So dient mir selbst das Elend und der Tod.
Der Jammer hängt mir nur noch an,
Der mir in Christo doch nicht schädlich werden kann.

Die Sünde kann mich auch nicht mehr verdammen,
Dieweil sie selbst durch ihn verdammet ist.
Was schaden nun der Seelen ihre Flammen,
Weil Christi Blut und Wasser in sie fließt?
Immanuel löscht ihren Trieb:
Er lässt die Seele nicht, er hat sie viel zu lieb.

Ich habe nun ein ewig Leben funden,
Viel Reichtum, Ehr und Wollust schenkt er mir:
Ich bin mit ihm, er ist mit mir verbunden,
Den ich in mir mit Liebeswirkung spür.
Ich bin vergnügt und ganz gestillt,
Weil mich der lautre Strom der Herrlichkeit erfüllt.

Auf, auf, mein Geist! vergiss die Trauerlieder,
Erfreue dich in dieser Liebesmacht!
Des Himmels Kraft und Glanz bestrahlt dich wieder,
Und der Verlust ist völlig wiederbracht.
O ewig, ewig wohl ist mir,
Dass ich in Christo nun ein Wohlgefallen spür!

Gottfried Arnold – Um völlige Jesusliebe.

Mein Heiland, lehre mich recht lieben Dich!
Ach, ohne Dich lebt man gar jämmerlich;
Du aber hast ja Lust zum Leben nur,
Drum führe mich auf deine Liebesspur!

Ich kann ja von mir selbst Dich lieben nicht;
Drum gib mir Du den rechten Unterricht,
Dass ich Dich lieb‘, dein Lieben fasse recht,
Und bleib‘ in deiner Liebe recht und schlecht.

Dies ist dein größtes Wert; das schaff in mir,
Dass ich, o Herr, Dich liebe für und für!
Ach lass mich ohne Dich nicht leben mehr,
Gib mir Dich ganz mit deiner Liebe her!

In fremden Dingen kann das Herz nicht ruh’n,
Ohn‘ deine Liebe kann’s nur Sünde tun;
Drum leid‘ es nicht, o Liebe, dass in mir
Zur Liebe sich was rege außer Dir!

Gibst Du Dich mir, o große Liebesmacht,
So liebst Du Dich in mir selbst Tag und Nacht!
Aus mir, o Herr, kommt falsche Liebe her;
In Dir ich wahre Liebe nur begehr‘.

Ach gib Dich mir, weil Du die liebe bist!
Sei Du das Brot, das meine Seele isst!
lass keine andre Kraft mich nehmen ein,
Als jene Macht, Dich stets zu lieben rein!

Komm, schaff in mir, dass ich Dich lieben kann,
O Jesu Christ, Du bist der rechte Mann!
Du, der zuerst so zärtlich mich geliebt,
Bist würdig, dass die Seele Dir sich gibt!

Gottfried Arnold – Um völlige Liebe.

O stilles Lamm, o sanftes Wesen!
Wann wird‘ ich Dir doch ähnlich sein,
Dass meine Seel in Dir genesen
Und durch dein Blut kann werden rein?

Ach lass mich seine Kraft durchdringen!
Ach, zeuch mich in dein Herz hinein!
Lass mir’s den tiefsten Frieden bringen,
Darin ich mag verwahret sein!

Tilg‘ meines wilden Feuers Toben!
Nimm hin des Grimmes Heftigkeit,
Und lass mich Dich im Stillen loben
Mit göttlicher Gelassenheit!

Sanftmütig, still und eingezogen,
Bescheiden und in Einfalt weis,
Von Herzen niedrig und gebogen,
Bedachtsam mach‘ mich, Dir zum Preis!

Bin ich von deiner Hand gesetzet,
So ist der Erdkreis völlig mein,
Weil mich kein Sterben mehr verletzet,
Und Friedenspalmen mir gedeih’n.

Ach, holde Sanftmut! mach‘ doch süße
Mein bittres Herz, damit noch hier
Ich deine Leidensfrucht genieße
Und rein in Liebe steh‘ vor Dir!

Albert Zeller – O hätt ich nur die rechte Liebe

O hätt ich nur die rechte Liebe,
Die nichts, als ihren Jesum wüsste;
Die es von Grund der Seele triebe,
Dass sie den Sohn des Heiles küsste!

Dass ich an seinem Herzen ruhte,
Am Herzen voller Gnad und Milde,
Gereiniget mit seinem Blute,
Verklärt von seinem heilgen Bilde!

Dass ich in seiner Treue stünde,
Die nur des Vaters Willen kannte,
Und auch von der geringsten Sünde
Sich weg in hohem Zürnen wandte!

O könnt ich glauben, könnt ich beten,
Wie ers getan in Geist und Wahrheit,
So kindlich vor den Vater treten,
Und dauen seine Gnad und Klarheit!

Könnt ich so heldenmütig streiten,
Den Reiz der Welt so überwinden,
Und meines Gottes Lieblichkeiten
In jeder Lilie wieder finden!

O dass ich Alle so umfasste
Mit solchen reichen Liebeskräften,
Und für den Schlimmsten, der mich haste,
Mich ließ ans Kreuz mit Freuden heften!

Das wär ein selig Leben, Sterben;
Ein Vorschmack von des Himmels Frieden:
Was wollt ich weiter noch erwerben
Auf meinem Gang zu ihn hienieden?

Und hat er Weniger verheißen,
Will er uns denn nicht Alles geben?
Mit Himmelskost den Pilgrim speisen,
Und mit dem Safte seiner Reben?

Wenn wir an ihm wie Zweige hangen,
Am Baume seines reinen Lebens,
Und keine andre Lust verlangen,
Dann bitten wir ja nicht vergebens!

Und was der Vater ihm verliehen,
Das schenkt er uns aus seiner Fülle:
Denn Alle will er zu sich ziehen
Aus dieses Staubes niedrer Hülle.

Gottfried Arnold – Das beste Gut.

Die rechte Liebe zielt auf Tugend,
Sie kennet keinen falschen Schein;
Sie zieht auch in der zarten Jugend
Bei gottgelass’nen Herzen ein.
Wer seinen Sinn vor Allem Gott ergibt,
Von Solchem wird das beste Gut geliebt.

Das tröstet reichlich sein Gemüte,
Wenn er auch noch so einsam ist,
Weil stets ein Glanz von Gottes Güte
Das wohlgeübte Herz begrüßt.
Die Liebe scheut den größten Kummer nicht,
Warum? weil sie das liebste Gut verspricht.

Wo aber die verkehrten Sinnen
Auf eitle Torheit sind bedacht,
Da muss wohl Lieb und Trost zerrinnen,
Und was die Seele vor sich bracht;
Warum? Man hat die Vielheit zwar erwählt,
Wo bei der Lust das ein’ge Gut doch fehlt.

So wenig als der Sonne Blicken
Jemals kann ohne Wärme sein,
So wenig kommt auch ohn‘ Erquicken
Das höchste Gut gezogen ein.
Drum wer sich treu nach diesem Gut umsieht,
Der bleibe dann um Alles unbemüht!

Albert Zeller – Liebe höret nimmer auf

Liebe höret nimmer auf,
Fort und fort zu sorgen;
Sorgen ist ihr Lebenslauf
Heute so wie morgen.

Wie es wohl den Lieben geht
In der weiten Ferne?
Alle Wolken fraget sie,
Sonne, Mond und Sterne.

Wie ihr Leben Sorgen ist,
Ist es auch Vertrauen;
Denn sie liebt es immerdar,
Auf den Herrn zu schauen.

Der ein Herz zu lieben gab,
Muss gewisslich lieben,
Und er sorget fort und fort,
Hüben so wie drüben.

Darum fürcht und hoffe nur,
Aber mit Vertrauen!
Hoffen, Glauben wandelt sich
Leise dann in Schauen.

Grafe, Hermann Heinrich – O lasset uns ihn lieben

1
O lasset uns Ihn lieben,
der uns zuerst geliebt,
und nicht den Geist betrüben,
den uns der Heiland gibt!
Nach Ihm sei das Verlangen,
der Sich uns nahgebracht,
die Liebe zu empfangen,
die uns so selig macht!

2
O lasset uns Ihn lieben,
der uns zuerst geliebt!
Am Kreuze steht’s geschrieben,
was Er für Liebe übt:
Er ist für uns gestorben,
bedeckt mit unsrer Schuld;
so hat Er uns erworben
des Vaters Herz und Huld.

3
O lasset uns Ihn lieben,
der uns zuerst geliebt,
uns in der Liebe üben,
die andern gern vergibt,
die in dem Bruder ehret
des Heilands Ebenbild,
zu dienen nur begehret,
von Christi Sinn erfüllt.

4
Ja, lasset uns Ihn lieben,
der uns zuerst geliebt!
Von Seinem Geist getrieben,
es keine Schranken gibt.
So sehr wir an Ihm hangen,
der uns zuerst geliebt,
so sehr wir auch verlangen,
dass unser Herz Ihn liebt.