Benjamin Schmolck – Jesus soll die Losung sein

1) Jesus soll die Losung sein,
da ein neues Jahr erschienen;
Jesu Name soll allein
denen als Paniere dienen,
die in seinem Bunde stehn
und auf seinen Wegen gehn.

2) Jesu Name, Jesu Wort
soll in den Gemeinden schallen;
und so oft wir an den Ort,
der nach Ihm genannt ist, wallen,
mache seines Namens Ruhm
unser Herz zum Heiligtum.

3) Sein Versühnen und sein Heil
wollen wir im Glauben ehren;
also wird es uns zuteil,
wird sich täglich bei uns mehren.
Auch fürs neue Jahr uns beut
Jesu Name Seligkeit.

4) Unsre Wege wollen wir
nur in Jesu Namen gehen.
Geht uns dieser Leitstern für,
so wird alles wohl bestehen
und durch seinen Gnadenschein
alles voller Segen sein.

5) Alle Sorgen, alles Leid
soll sein Name uns versüßen;
so wird alle Bitterkeit
uns zu Honig werden müssen.
Jesu Nam sei Sonn und Schild,
welcher allen Kummer stillt.

Aemilia Juliana, Gräfin zu Schwarzburg-Rudolstadt – Nun der Winter ist vergangen

Nun der Winter ist vergangen,
Eis, Schnee, Regen ist vorbei;
Gott will seine Kron‘ anfangen
Wiederum zu binden neu;
Was der Frost und Schnee bedecket,
Gott zu uns’rer Lust erwecket:
Gott schließt selbst die Erde auf
Und streut seinen Segen drauf.

Recht mein Herz und Aug sich weidet
Hier seh ich die Lilien an,
Mehr als königlich gekleidet,
Dort die grün beblümte Bahn.
Fels und Wälder gleichsam lachen,
Lustig sich die Vögel machen.
Mich erfreut die grüne Saat
Und was Aug und Knospen hat.

Nun, mein Gott, sei hoch gepriesen
Für das, was mir deine Güt,
Hat erzeiget und bewiesen;
Habe Dank für Blum und Blüt,
Für das Gras und grünen Samen,
Wie es nur mag Namen haben;
Für die ganze Frühlingszeit
Habe Dank in Ewigkeit.

Krön uns fort mit deinem Segen
Und mit Gnade ob uns walt;
Gib Sonn, früh und späte Regen,
Das Gewies’ne uns erhalt;
Lass durch Jesus Blutvergießen,
Es in Frieden uns genießen,
Und dabei mit Herz und Sinn
Denken stets, wo du bist, hin.

Lass, mein Gott, mich zu dir ziehen
Jedes Stämm- und Blümelein,
Dass ich möge mich bemühen
Mit dem kleinsten Gräselein
Dich, den Schöpfer, hoch zu preisen
Und, wie mir’s die Vöglein weisen,
Dir bei Früh- und Abendszeit
Lobzusingen sei bereit.

Lass mich gleich den edeln Reben,
Die recht tränen itz’ger Zeit,
Buß- und Liebestränen geben,
Triefen von Barmherzigkeit;
Lass mich Glaubensfrüchte geben,
In dem Baum des Lebens leben
Und als eine schöne Blum‘
Blühen in dem Christentum.

Lass bei Blüt und Grünen denken:
Macht Gott neu, was tot dalag,
Wird er mir das Leben schenken
Wiederum am jüngsten Tag.
Mein Gebein wird wieder grünen,
Meinem Gott im Himmel dienen
Und genießn viel mehr Lust,
Als der ganzen Welt bewusst.

Aemilia Juliana, Gräfin zu Schwarzburg-Rudolstadt – Mein Vater, lehre mich

Mein Vater, lehre mich,
Stets meine Tage zählen,
So werd ich klug und fromm
Und scheue mich, zu fehlen!
Denn bringt nicht jeder Tag,
Bringt jede Stunde nicht
Mich näher, Gott, zu dir,
Mich näher zum Gericht?

Wie bald erschein ich da,
Von dem, was ich im Leben
Begehrte, sprach und tat,
Dir Rechenschaft zu geben!
Ach, darum will ich selbst
Mich prüfen und mit Fleiß
Mich richten über das,
Was doch mein Richter weiß.

Als ich erwachte, Gott, –
War denn am stillen Morgen
Ein frommer Dank zu dir
Die erste meiner Sorgen?
Du hattest mich bewahrt;
Erhob dich mein Gesang?
Und wenns die Lippe tat,
War auch das Herz voll Dank?

Entschloss ich mich mit Ernst,
Im Guten mich zu üben,
Dich, erstes, höchstes Gut,
Und was du liebst, zu lieben,
Dich über alles, Herr,
Den Nächsten so wie mich?
Lebt ich unsträflich, fromm?
War mild ich, brüderlich?

Hielt ich auch heute mich
Zu dir und deinen Kindern?
Floh ich die Welt? Mied ich
Den Umgang mit den Sündern?
Entweihte meinen Mund
Kein sündliches Geschwätz?
War meine Lust dein Wort?
Bewahrt‘ ich dein Gesetz?

Blieb ich im Glauben fest,
Und tat ich nie mit Wissen,
Was Sünder doch gar oft
So schwer bereuen müssen?
Sah ich nicht deinen Pfad
Für allzu mühsam an
Und wählte mir dafür
Des Leichtsinns breite Bahn?

Ich zittre, Herr, vor mir
Bei allen diesen Fragen!
Wie darf mein Aug‘ zu dir
Emporzusehen wagen?
Wollt ich mir schmeicheln, Herr,
Und dächt‘: ich tat genug,
Ach, wär es nicht für mich
Der schändlichste Betrug?

O lehre du mich tun
Nach deinem Wohlgefallen;
Lass mich nie wissentlich
In eine Sünde fallen!
Regier und leite mich,
Dass ich in Glück und Not
Dich nie verleugne, nie
Dein heiliges Gebot!

Im Schlafe sei mein Schutz,
Im Wachen meine Stärke;
Hinfort sei jeder Tag
Ein Tag voll guter Werke,
Ein Tag, der dir gefällt!
Wie selig bin ich dann
Wenn ich einst jedes Tags
Vor dir mich freuen kann!

Aemilia Juliana, Gräfin zu Schwarzburg-Rudolstadt – Wenn mein Stündlein fürhanden ist

Wenn mein Stündlein fürhanden ist
und soll hinfahrn mein Straße:
so g’leit du mich, Herr Jesu Christ,
mit Hilf mich nicht verlasse!
Mein Seel an meinem letzten End
befehl ich, Herr, in deine Händ:
du wollst sie mir bewahren!

Mein Sünd mich werden kränken sehr,
mein Gwissen wird mich nagen;
denn ihr sind viel, wie Sand am Meer:
doch will ich nicht verzagen;
gedenken will ich an dein Tod,
Herr Jesu, und dein Wunden rot:
die werden mich erhalten.

Ich bin ein Glied an deinem Leib,
des tröst ich mich von Herzen!
von dir ich ungeschieden bleib
in Todesnot und Schmerzen:
wenn ich gleich sterb, so sterb ich dir;
ein ewigs Leben hast du mir
durch deinen Tod erworben.

Weil du vom Tod erstanden bist,
werd ich im Grab nicht bleiben;
mein höchster Trost dein Auffahrt ist:
Tods Furcht kann sie vertreiben;
denn wo du bist, da komm ich hin,
dass ich stets bei dir leb und bin:
drum fahr ich hin mit Freuden!

So fahr ich hin zu Jesu Christ,
mein Arm tu ich ausstrecken;
so schlaf ich ein und ruhe fein,
kein Mensch kann mich aufwecken:
denn Jesus Christus, Gottes Sohn,
der wird die Himmelstür auftun,
mich führn zum ewgen Leben.

Aemilia Juliana, Gräfin zu Schwarzburg-Rudolstadt – Gott Vater, nimm in deine Hände

Gott Vater, nimm in deine Hände
Hiemit mein Leib, Seel, Gut und Blut;
Die Reis‘ zum Guten glücklich wende,
Und schließe mich mit deiner Hut;
O Vaterherz, erbarm dich mein,
Lass deine Gnad‘ mein Führer sein.

Schau, Jesu, meine Hände falten
Und hilf, dass auf der Reis‘ dein Kind
In deiner liebsten Seiten-Spalten
Ich steten Schutz und Ruhe find‘,
Behüt die Meinen, Hab und Haus
Geleit mich fröhlich ein und aus.

Gott, Heil’ger Geist, ach! mit mir reise,
Und weiche nimmermehr von mir,
Dass mir zum Nutz und dir zum Preise
Ich meine ganze Reise führ‘.
So wallt‘ es Gott, in des Geleit
Ich fort zu reisen bin bereit.

Aemilia Juliana, Gräfin zu Schwarzburg-Rudolstadt – Ach, Jesus lebt in mir

Ach, Jesus lebt in mir;
Nichts ist, das uns kann scheiden:
Es ist im Abendmahl
Eins worden aus uns beiden.
Ich hab‘ ihn, er hat mich:
Was sein ist, das ist mein;
Sein Herz, mein Herz Ein Herz;
Was mein ist, das ist sein.

An JEsu hange ich;
Er lebt und ich soll leben:
Er hat mir des zum Pfand
Sein Fleisch und Blut gegeben.
Ich hab die rechte Speis,
Ich hab den rechten Trank,
Dadurch ich ewig leb,
Und dir sag Lob und Dank.

Zum Leben hast du mich
Gespeiset und getränket;
Der Vater hat mir dir
Auch alles mir geschenket.
Auf diesen Trost leb‘ ich
Und fahr‘ auch drauf dahin,
Weil du mein Leben bist
Und sterben mein Gewinn.

Sterb ich dem Leibe nach,
So muss mirs doch gelingen:
Ich werde durch den Tod
Zu dir ins Leben dringen.
Ich weiß es zu gewiss,
Dass mein Erlöser lebt,
Der aus dem Grab auch mich
Zum Leben einst erhebt.

Herr, dieses klaren Worts:
„Ich leb, und ihr sollt leben.“
Will ich durch deine Hilf
Mich nimmermehr begeben.
Sag, Jesu, Amen drauf!
Ich sage dazu Ja.
Es bleibt dabei, ich leb‘,
Amen! Halleluja.

Aemilia Juliana, Gräfin zu Schwarzburg-Rudolstadt – Erhalt‘ uns, Herr der Herrlichkeit

Erhalt‘ uns, Herr der Herrlichkeit,
Erhalt‘ uns unsre Obrigkeit,
Die deine treue Vaterhand
Gesetzet hat in diesen Stand.

Din guter Geist sie leit‘ und führ
Und segn‘ ihr Walten für und für,
Dass sie voll Weisheit und Verstand
regiere christlich Leut‘ und Land.

Damit wir führen unter ihr
Ein still, geruhig Leben hier
Und einst mit ihr, du höchster Hort,
Bestehen wohl im Himmel dort.

Aemilia Juliana, Gräfin zu Schwarzburg-Rudolstadt – Bis hieher hat mich Gott gebracht

Bis hieher hat mich Gott gebracht
durch seine große Güte,
bis hieher hat er Tag und Nacht
bewahrt Herz und Gemüte,
bis hieher hat er mich geleit,
bis hieher hat er mich erfreut,
bis hieher mir geholfen.

Hab Lob und Ehre, Preis und dank
für alle deine Treue
die du, o Gott mir Lebenslang
bewiesen stets aus Neue;
in mein Gedächtnis schreib ich an:
Der Herr hat Großes mir getan,
bis hieher mir geholfen.

Hilf fernerhin, mein treuer Hort,
hilf mir zu allen Stunden,
hilf mir an all und jedem Ort,
hilf mir durch Jesu Wunden;
damit ich rühme bis zum Tod:
Durch Christi Blut hilft mir mein Gott
er hilft, wie er geholfen.

Aemilia Juliana, Gräfin zu Schwarzburg-Rudolstadt – O du dreiein’ger Gott, den ich mir auserlesen

Ich lege Leib und Seel, o Gott! in deine Hände;
ach! lehre du mich stets gedenken an mein Ende,
auch sterben, eh ich sterb, und hören alle Stund:
Mensch! du musst sterben auch, es ist der alte Bund.

Weil Jesus mir zu gut gestorben, wie geboren;
so glaub ich gar gewiss, ich werd nicht sein verloren;
weck mich nur zeitig auf, dass ich bereitet sei,
wie du mich haben willst, wenn mein End kommt herbei.

Ich traue deiner Treu durch Jesu Blutvergießen,
und will auch weder Zeit noch Ort zum Tod ausschließen:
Komm, wenn, wie, wo du willst; nur dass ich selig sterb,
durch Jesu Blut und Tod das Himmelreich ererb.

So lang ich leb allhier, und wenn ich werd einschlafen,
geb ich, Gott Vater! dir, das, was du hast erschaffen;
Gott Sohn! was du erlöst, das geb ich wieder dir;
Gott Heil’ger Geist! was du geheiligt, nimm von mir.

Mein Jesus komme mir stets vor in seinem Leiden,
und sage: dass mich nichts, nichts, nichts von ihm soll scheiden:
Er halt mich mit der Hand, der ich gezeichnet ein,
und rufe stets: Ich soll nicht, nicht verloren sein.

Vor Sünden, Höll und Tod, und vor des Satans Schrecken
mein Jesu stelle sich: Er lass sein Blut mich decken,
und sei ein Vorschmack mir der ew’gen Seligkeit,
dass ich vor Freud nicht fühl des Todes Bitterkeit.

Das, was ich hinterlass, versorge, schütz und liebe;
und gib, dass mich im Tod nichts hindre und betrübe;
erhalt mich bei Verstand und einem frischen Mut,
dass mitten im Gebet ich sterb auf Jesu Blut.

Nun, ich geb meinen Geist nochmals in deine Hände,
und warte, bis du kommst mit einem sel’gen Ende,
dass du mir nach dem Tod drückst selbst die Augen zu,
und bis an jüngsten Tag schenkst eine sanfte Ruh.

Ich weiß, durchs Lammes Blut werd ich schon überwinden,
und einen gnäd’gen Gott im Tod und Leben finden:
Ich halte mich an Gott und meines Jesu Blut;
ich weiß, Gott macht es schon mit meinem Ende gut.

Ich sage Amen drauf in meines Jesu Namen,
es sage gleichfalls auch der Herre, mein Gott: Amen!
Ach! sage ja zu mir, dreieinger Gott! komm du
ach! sage: Sei getrost, mein Kind! Ich komme nu.

Aemilia Juliana, Gräfin zu Schwarzburg-Rudolstadt – Ein Wetter steiget auf

Ein Wetter steiget auf:
mein Herz, zu Gott hinauf!
fall ihm geschwind zu Fuße
durch wahre Reu und Buße,
damit gleich deine Sünden
durch Christi Tod verschwinden.

Herr! der du gut und fromm,
zu dir ich gläubig komm,
bitt mir aus dein Erbarmen,
hab Christum auf den Armen
um dessen willen schone,
mir nicht nach Sünden lohne.

Durch Christi teures Blut
mach mir ein Herz und Mut,
das sich nicht knechtisch scheue,
besonders deiner Treue
in allem kindlich traue,
und auf dein Helfen baue.

Ich will mit dem, was mein,
dir ganz gelassen sein;
dein Flügel wird uns decken,
verjagen alles Schrecken,
und lassen uns aus Gnaden
das Wetter gar nicht schaden.

Wohlan! verlass uns nicht,
bleib unsre Zuversicht,
und lass dein Vaterlieben
auch itzt an uns sich üben:
so wolln wir, weil wir leben,
dir Preis und Ehre geben.