Anna Gräfin von Stolberg – Christus, der ist mein Leben

1) Christus, der ist mein Leben,
Sterben ist mein Gewinn;1Und Sterben mein Gewinn
dem tu ich mich ergeben,2dem will ich mich ergeben
mit Fried fahr ich dahin.3mit Freud fahr ich dahin.

2) Mit Freud fahr ich von dannen
zu Christ, dem Bruder mein,
dass ich zu ihm mög kommen4dass ich mag zu ihm kommen
und ewig bei ihm sein.

3) Nun hab ich überwunden
Kreuz, Leiden, Angst und Not;
durch sein heilgen fünf Wunden5durch seine heil’gen Wunden
bin ich versöhnt mit Gott.

4) Wenn meine Kräfte brechen,
mein Atem geht schwer aus
und kann kein Wort mehr sprechen:
Herr, nimm mein Seufzen auf!

5) Wenn mein Herz und Gedanken6Wenn Sinne und Gedanken
vergehen wie ein Licht,
das hin und her tut wanken,7das hin und her muss wanken
wenn ihm die Flamm gebricht:

6) Alsdenn fein sanft und stille
Herr, lass mich schlafen ein,
nach deinem Rat und Willen,
wenn kommt mein Stündelein.

7) Und lass mich an dir kleben,8An dir lass gleich den Reben
wie eine Klett am Kleid,9mich bleiben allezeit
und ewig bei dir leben
in himmlischer Wonn und Freud.10in Himmelswonn‘ und Freud‘

Fußnoten aus dem Gesangbuch für Evangelische Gemeinden Schlesiens

Paul Flemming – In allen meinen Taten

1) In allen meinen Taten
lass ich den Höchsten raten,
der alles kann und hat.
Er muss zu allen Dingen,
solls anders wohl gelingen,
mir selber geben Rat und Tat.

2) Nichts ist es spät und frühe
um alle meine Mühe,
mein Sorgen ist umsonst.
Er mag’s mit meinen Sachen
nach seinem Willen machen,
ich stells in seine Vatergunst.

3) Es kann mir nichts geschehen,
als was er hat versehen
und was mir selig ist.
Ich nehm es, wie ers gibet;
was ihm von mir beliebet,
Erwähl‘ auch ich zu jeder Frist.

4) Ich traue seiner Gnaden,
die mich vor allem Schaden,
vor allem Übel schützt.
Leb ich nach seinen Sätzen,
so wird mich nichts verletzen,
und nichts mir fehlen, was mir nützt.

5) Er wolle meiner Sünden
in Gnaden mich entbinden,
durchstreichen meine Schuld!
Er wird auf mein Verbrechen
nicht stracks das Urteil sprechen
und mit mir haben noch Geduld.

6) Leg ich mich spät erst nieder,
erwach ich frühe wieder,
lieg oder zieh ich fort,
in Schwachheit und in Banden,
ob auch viel Not vorhanden,
mich tröstet allezeit sein Wort.

7) Hat er es denn beschlossen,
so will ich unverdrossen
an mein Verhängnis gehn;
kein Unfall unter allen
wird je zu hart mir fallen,
Ich will mit Gott ihn überstehn.

8) Ihm hab ich mich ergeben,
zu sterben und zu leben,
sobald er mir gebeut,
es sei heut oder morgen;
dafür lass ich ihn sorgen,
er weiß allein die rechte Zeit.

9) So sei nun, Seele, seine
und traue dem alleine,
der dich erschaffen hat!
Es gehe, wie es gehe,
dein Vater in der Höhe,
der weiß zu allen Sachen Rat.

Johann Christoph Schwedler – Wollt ihr wissen, was mein Preis

1. Wollt ihr wissen, was mein Preis?
Wollt ihr lernen, was ich weiß?
Wollt ihr sehn mein Eigentum?
Wollt ihr hören meinen Ruhm?1wollt ihr hören, was mein Ruhm?
Jesus, der Gekreuzigte!

2. Wer ist meines Glaubens Grund?
Wer stärkt und erweckt den Mund?
Wer trägt meine Straf und Schuld?
Wer schafft mir des Vaters Huld?
Jesus, der Gekreuzigte!

3. Wer ist meines Lebens Kraft?2in anderen Liederbüchern sind Saft und Kraft vertauscht
Wer ist meines Geistes Saft?
Wer macht rein mich und gerecht?3Wer macht mich gerecht und schlecht
Wer macht mich zu Gottes Knecht?
Jesus, der Gekreuzigte!

4. Wer ist meines Leidens Trost?
Wer schützt, wenn der Feind erbost?4wer schützt, wenn mich Sturm umtost
Wer erquickt mein mattes Herz?
Wer verbindet meinen Schmerz?5Wer heilt meines Leibes Schmerz
Jesus, der Gekreuzigte!

5. Wer ist meines Todes Tod?
Wer hilft in der letzten Not?
Wer versetzt mich in sein Reich?
Wer macht mich den Engeln gleich?
Jesus, der Gekreuzigte.

6. Und so wisst ihr, was ich weiß,
ihr wisst meinen Zweck und Preis.
Glaubt, lebt, duldet, sterbet dem,6Glaubt, lebt, duldt, sterbt, aber wem?
der uns vor Gott macht angenehm: 7so sind wir recht angenehm
Jesus, dem Gekreuzigten.

Fußnoten aus „Neues Hirschbergisches Gesangbuch“ von 1793 und Gesangbuch für Evangelische Gemeinden Schlesiens, nach 1878