Friedrich Ludwig Jörgens – Wo findet die Seele die Heimat, die Ruh?

Wo findet die Seele die Heimat, die Ruh?
Wer deckt sie mit schützenden Fittichen zu?
Ach, bietet die Welt keine Freistatt uns an,
Wo Sünde nicht kommen, nicht anfechten kann?
|: Nein, nein, hier ist sie nicht,
Die Heimat der Seele ist droben im Licht! 😐

Verlasset die Erde, die Heimat zu sehn,
Die Heimat der Seele, so herrlich, so schön.
Jerusalem droben, von Golde gebaut
Ist dieses die Heimat der Seele, der Braut?
|: Ja, ja, dieses allein
Kann Ruhplatz und Heimat der Seele nur sein. 😐

Wie selig die Ruhe bei Jesus im Licht!
Tod, Sünde und Schmerzen, die kennt man dort nicht;
Das Rauschen der Harfen, der liebliche Klang
Bewillkommt die Seele mit süßem Gesang.
|: Ruh, Ruh, himmlische Ruh
Im Schoße des Heilands, ich eile ihr zu. 😐

Bei aller Verwirrung und Klage allhier
Ist mir, o mein Heiland, so wohl stets bei Dir!
Im Kreise der Deinen sprichst „Friede!“ Du aus.
Da bin ich mit Deiner Gemeinschaft zu Haus!
|: Heim, heim, ach ja nur heim!
O komme, mein Heiland, und hole mich heim! 😐

Wie freut sich ein jeder, im Himmel zu sein!
Wo viele schon prangen, von Sünden ganz rein,
Die hier schon im Leben mit Jesu verwandt,
Und droben geschmücket mit heil’gem Gewand.
|:Rein, rein, von Sünden rein
Ziehn droben errettet die Seligen ein.:|

Ach, teuerster Jesu, versetze uns bald
Dorthin, wo dir ew’ges Halleluja schallt!
Das Herz in uns brennet von inniger Glut,
Mit himmlischen Zungen zu preisen dein Blut.
|:Still, still!- Wie bald kann’s sein
So holt mich mein Jesus auch zu sich hinein.:|

Drum auf! Liebe Seele, die Heimat ist nah!
Noch wenige Tage, so sind wir schon da.
So kämpfe nun mutig und mach dich bereit,
Schon winket die Krone nach Kampf und nach Streit.
|:Freud‘, Freud‘ ewige Freud‘
Erwartet den Dulder nach Trübsal und Leid.:|

Benjamin Schmolck – Himmelan

1) Himmelan geht unsre Bahn,
wir sind Gäste nur auf Erden,
bis wir dort in Kanaan
durch die Wüsten kommen werden.
Hier ist unser Pilgrims-stand,
droben unser Vaterland.

2) Himmelan schwing dich, mein Geist!
Denn du bist ein himmlisch Wesen
und kannst das, was irdisch heißt,
nicht zu deinem Zweck erlesen.
Ein von Gott erleucht’ter Sinn
kehrt in seinen Ursprung hin.

3) Himmelan! Die Welt kann dir
Nur geborgte Güter geben.
Deine himmlische Begier
muss nach solchen Schätzen streben,
die uns bleiben, wenn die Welt
in ihr erstes Nichts zerfällt.

4) Himmelan! Ich muss mein Herz
auch bei meinem Schatze haben;
denn es kann mich anderwärts
kein so großer Reichtum laben,
weil ich schon im Himmel bin,
wenn ich nur gedenk an ihn.

5) Himmelan! ruft er mir zu,
wenn ich Ihn im Worte höre;
das weist mir den Ort der Ruh,
wo ich einmal hin gehöre.
Hat mich dieses Wort bewahrt,
halt‘ ich eine Himmelfahrt.

6) Himmelan! Denk ich allzeit,
wenn er mir die Tafel decket,
und mein Geist hier allbereit
eine Kraft des Himmels schmecket.
Nach der Kost im Jammertal
folgt des Lammes Hochezitsmahl.

7) Himmelan! Mein Glaube zeigt
mir das schöne Los von ferne,
dass mein Herz schon aufwärts steigt
über Sonne, Mond und Sterne;
denn ihr Licht ist viel zu klein
gegen jenen Glanz und Schein.

8) Himmelan wird mich der Tod
in die rechte Heimat führen,
da ich über alle Not,
ewig werde triumphieren.
Jesus geht mir selbst voran,
dass ich freudig folgen kann!

9) Himmelan! Ach, himmelan!
Das soll meine Losung bleiben.
Ich will allen eitlen Wahn
durch die Himmelslust vertreiben.
Himmelan steht nur mein Sinn,
bis ich in dem Himmel bin.

Richter, Christian Friedrich – Mein Salomo, dein freundliches Regieren

1 Mein Salomo, dein freundliches Regieren
stillt alles Weh, das meinen Geist beschwert.
Wenn sich zu dir mein blödes Herze kehrt,
so lässt sich bald dein Friedensgeist verspüren;
Dein Gnadenblick zerschmelzet meinen Sinn,
und nimmt die Furcht und Unruh von mir hin.

2 Gewiss, mein Freund gibt solche edle Gaben,
die alle Welt mir nicht verschaffen kann.
Schau an die Welt, schau ihren Reichtum an,
er kann ja nicht die müden Seelen laben;
mein Jesus kann’s, er tut’s im Überfluss,
wenn alle Welt zurücke stehen muss.

3 O süßer Freund, wie wohl ist dem Gemüte,
das im Gesetz sich so ermüdet hat,
und nun zu dir, dem Seelenleben, naht,
und schmeckt in dir die wundersüße Güte,
die alle Angst, die alle Not verschlingt,
und unsern Geist zu sanfter Ruhe bringt.

4 Gewiss, mein Freund, wenn deine Liebeszeichen
mein armes Herz so sänftiglich durchgehn,
so kann in mir ein reines Licht entstehn,
durch das ich kann das Vaterherz erreichen,
in dem man nichts, als nur Vergebung spürt,
da eine Gnadenflut die andre rührt.

5 Je mehr das Herz sich zu dem Vater kehret,
je mehr es Kraft und Seligkeit genießt,
dass es dabei der Eitelkeit vergisst,
die sonst den Geist gedämpfet und beschweret:
je mehr das Herz den süßen Vater schmeckt,
je mehr wir es zur Heiligkeit erweckt.

6 Der Gnadenquell, der in die Seele fließet,
der wird in ihr ein Brunn des Lebens sein.
so in das Meer des Lebens springt hinein,
und Lebensströme wieder von sich gießet.
Behält in dir dies Wasser seinen Lauf,
So geht in dir die Frucht des Geistes auf.

7 Wenn sich in dir des Herren Klarheit spiegelt,
die Freundlichkeit aus seinem Angesicht,
so wird dadurch das Leben angericht’t,
die Heimlichkeit der Weisheit aufgesiegelt,
ja selbst dein Herz in solches Bild verklärt,
und alle Kraft der Sünden abgekehrt.

8 Was dem Gesetz unmöglich war zu geben,
das bringt alsdenn die Gnade selbst herfür.
Sie wirket Lust zur Heiligkeit in dir,
und ändert nach und nach dein ganzes Leben,
indem sie dich aus Kraft in Kräfte führt,
und mit Geduld und Langmut dich regiert.

9 Es müsse doch mein Herz nur Christum schauen;
besuche mich, mein Aufgang aus der Höh‘,
dass ich das Licht in deinem Lichte seh‘,
und könne schlechterdings der Gnaden trauen.
Kein Fehler sei so groß und schwer in mir,
der mich von solchem Blick der Liebe führ.

10 Wenn mein Gebrech mich vor dir niederschläget,
und deinen Geist der Kindschaft in mir dämpft,
wenn das Gesetz mit meinem Glauben kämpft,
und lauter Angst und Furcht in mir erreget,
so lass mich doch dein Mutterherze sehn,
und neue Kraft und Zuversicht entstehn.

11 So ruh ich nun, mein Heil, in deinen Armen,
du selbst sollst mir mein ew‘ger Friede sein;
ich hülle mich in deine Gnade ein,
mein Element ist einzig dein Erbarmen;
und weil du mir mein Ein und Alles bist,
so ist’s genug, wenn dich mein Geist genießt.

Aemilia Juliana, Gräfin zu Schwarzburg-Rudolstadt – Ich lasse Gott in allem walten,

Ich lasse Gott in allem walten,
er mach es nur, wies ihm gefällt;
ich will ihm gerne stille halten,
so lang ich leb in dieser Welt:
Wie er, mein lieber Gott, es fügt,
so bin ich auch sehr wohl vergnügt.

Gehts gleich nicht stets nach meinem Willen,
stürmt gleich ein Unfalll auf mich zu,
so soll mich Gottes Wille stillen,
und setzen in vergnügte Ruh;
weil ich mit allem, was Gott fügt,
von ganzem Herzen bin vergnügt.

Bin ich gleich nicht so hoch geschätzet,
und nicht, wie andre, groß und reich;
mein kleines Gütchen mich ergötzet,
als wär ich einem König gleich:
ich bin mit wenigem vergnügt,
weil Gott nicht mehr für mich gefügt.

Wie mancher fällt in Seelenschaden
durch das erscharrte Geld und Gut?
Wie mancher fällt aus Gottes Gnaden
durch Reichtum in die Höllenglut?
Derhalben leb ich wohl vergnügt
mit dem, was Gott mir zugefügt.

Ich strebe nicht nach hohen Stufen,
weil sicherer der Mittelstand.
Wie mich der Himmel hat berufen,
wie mich geführet Gottes Hand,
und wie er es mit mir gefügt,
so bin ich auch sehr wohl vergnügt.

Ich achte nicht des Glückes Lachen,
wie freundlich es auch immer sei;
auch lass ich mich nicht zaghaft machen
durch seine starke Wüterei,
indem ich lebe wohl vergnügt,
wie mein getreuer Gott es fügt.

In Gottes Hand steh ich geschrieben,
er hat ja all mein Haar gezählt;
drum kann kein Unfall mich betrüben;
ohn seinen Willen mich nichts quält;
ich leb in allem wohl vergnügt,
wie mein getreuer Gott es fügt.

Mein Wille soll sich recht verpflichten;
so wohl im Leben, als im Tod,
nach Gottes Willen sich zu richten,
so hat es mit mir keine Not;
weil ich mit dem, wie Gott es fügt,
im Leben, Streben bin vergnügt.

Aemilia Juliana, Gräfin zu Schwarzburg-Rudolstadt – Ich fall auf meine Knie vor dir,

Ich fall auf meine Knie vor dir, Gott mein Erhalten,
dass du mich hast geführt von Kindheit auf ins Alter:
Ach! nimm für jedes Jahr, Tag, Stund und Augenblick,
für alle Lieb und Gnad nun tausend Dank zurück.

Ich gehe auf der Grub, und dabei stets in Sorgen,
wie ich zum Tod mich schick, er komm heut oder morgen;
deswegen ich dein Herz ergreif durch deinen Sohn,
dass deiner Gnad gewiss ich fröhlich scheid davon.

Ich hab in meiner Tauf ja Jesum angezogen,
mein Jesus lebt in mir, du musst mir sein gewogen;
sein Blut deckt meine sünd, und stillet deinen Zorn,
ich glaub an deinen Sohn, ich werde nicht verlorn.

Sieh, wie er für mich bitt’t und zeigt mir seine Wunden,
dadurch ich bin geheilt, hab die Erlösung funden;
ich schließ mich gläubig drein als dein Kind und dein Erb,
du bist mein gnäd’ger Gott, ich lebe oder sterb.

Mein Jesu, du mein Heil, mein Eins und All’s in Allen!
ach! lass mich nimmermehr aus meinem Taufbund fallen;
verbleibe, weil ich schwach, mein Stecken und mein Stab,
und bringe durch die Welt mich selig in das Grab.

Ich halt und lass dich nicht; dein Blut mich wasch und schmücke,
dass ich, zum Tod bereit, auf dein Verdienst abdrücke.
Ein jeder Augenblilck kann wohl mein letzter sein;
drum nimm die Seele hin, sie ist dein, und du mein.

Gott heil’ger Geist! hilf mir, mich lehr, regier und leite,
dass ich an Jesu bleib, die Glaubenslamp bereite,
halt mich an Gottes Gnad, steh fertig auf der Hur,
und Jesum stets erwart mit frohem Herz und Mut.

So komm, Herr, wenn du willst, ich wart dein mit Verlangen,
halt im Gedächtnis dich, seh dich am Kreuze hangen,
ich glaub und bin getauft, ich hab dein’n Leib und Blut,
ich werde selig nun, und erb‘ das Himmelsgut.

Lass ewig nur bestehn, was beide wir geschworen,
und komm mir nimmermehr aus Herz, Mund, Aug und Ohren:
Für ein und allemal geb ich mich nochmals dir,
ich schwörs, ich will dein sein, so wahr Gott helfe mir!

Aemilia Juliana, Gräfin zu Schwarzburg-Rudolstadt – Jesu! allerliebster Bruder!

Jesu! allerliebster Bruder!
ders am besten mit mir meynt;
Du mein Anker, Mast und Ruder,
und mein treu’ster Herzensfreund,
der du, ehe was geboren,
dir das Menschenvolk erkoren,
auch mich armen Erdengast
dir zu Lieb ersehen hast.

Du bist ohne Falsch und tücke,
dein Herz weiß von keiner List;
aber wenn ich nur erblicke,
was hier auf der Erden ist,
find ich alles voller Lügen;
wer am besten kann betrügen,
wer am schönsten heucheln kann,
ist der allerbeste Mann.

Ach! wie untreu und verlogen
ist die Liebe dieser Welt;
ist sie jemand wohl gewogen,
währts nicht länger als sein Geld:
Wenn das Glück uns fügt und grünet,
sind wir schön und hübsch bedienet;
kommt ein wenig Ungestüm,
kehrt sich alle Freundschaft inn.

Treib, Herr! von mir und verhüte
solchen unbeständ’gen Sinn;
hätt ich aber mein Gemüte,
weil ich auch ein Mensche bin,
schon mit diesem Kot besprenget,
und der Falschheit nachgehänget,
so erkenn ich meine Schuld,
bitt um Gnad und um Geduld.

Lass mir ja nicht widerfahren,
was du, Herr, zur Straf und Last
denen, die mir falschen Waren
handeln, angedräuet hast;
da du spricht: Du wollest scheuen,
und als Unflat von dir speyen,
aller Heuchler falsschen Mut,
der Guts vorgibt, und nicht tut.

Gib mir ein beständig Herze
gegen alle meine Freund;
auch dann, wenn mit Kreuz und Schmerze
sie von dir beleget seind,
dass ich mich nicht ihrer schäme,
sondern mich nach dir bequeme,
der du, da wir arm und bloß,
uns gesetzt in deinen Schoß.

Gib mir auch nach deinem Willen
einen Freund, in dessen Treu
ich mein Herze möge stillen,
da mein Mund sich ohne Scheu
öffnen und erklären möge,
da ich alles abelege,
nach dem Maße, das mir gnügt,
was mir auf dem Herzen liegt.

Lass mich Davids Glück erleben,
gib mir einen Jonathan,
der mir sein Herz möge geben,
der auch, wenn nun jedermann
mir nichts Gutes mehr will gönnen,
sich nicht lasse von mir trennen,
sondern fest in Wohl und Weh,
als ein Felsen bei mir steh.

Herr! ich bitte dich, erwähle
mir aus aller Mensschen Meng
eine fromme heil’ge Seele,
die an dir fest kleb und häng,
auch nach deinem Sinn und Geiste
mir stets Trost und Hilfe leiste;
Trost, der in der Not besteht,
Hilfe, die von Herzen geht.

Wenn die Zung und Mund nur liebet,
ist die Liebe schlecht bestellt:
Wer nur gute Worte giebet,
und den Hass im Herzen hält:
Wer nur seinen Kuchen schmieret,
und wenns Bienlein nichts mehr führet,
alsdenn gehet nach der Tür,
ey! der bleibe fern von mir.

Hab ich Schwachheit und Gebrechen,
Herr, so lenke meinen Freund,
mich in Güte zu besprechen,
und nicht als ein Löw und Feind.
Wer mich freundlich weiß zu schlagen,
ist, als der in Freudentagen
häufig auf mein Haupt mir geußt
Balsam, der von Hermon fleußt.

O wie groß ist meine Habe!
O wie köstlich ist mein Gut!
Jesu! wenn mit dieser Gabe
dein‘ Hand meinen Willen tut,
dass mich meines Freundes Treue
und beständigs Herz erfreue:
Wer dich fürchtet, liebt und ehrt,
dem ist solch ein Schatz beschert.

Gute Freunde sind die Stäbe,
da der Menschen Gang sich hält,
dass der schwache Fuß sich hebe,
wenn der Leib zu Boden fällt.
Wehe dem! der nicht zum Frommen
solches Stabes weiß zu kommen,
der hat einen schweren Lauf,
wenn er fällt, wer hilft ihm auf?

Nun, Herr! lass dirs wohlgefallen,
bleib mein Freund bis in mein Grab,
bleib mein Freund, und unter allen
mein getreuster stärkster Stab.
Wenn du dich mir wirst verbinden,
wird sich schon ein Herze finden,
das durch deinen Geist gerührt,
mir was Gutes gönnen wird.

Michael Weiße – Geburt des Herrn Jesu Christi.

Lobet Gott, o liebe Christen,
Singet ihm mit dem Psalmisten
Ein neu fröhlich Lied,
denn aus großer Lieb‘
Macht Gott mit uns einen ewigen Fried!
Der Sohn Gottes ist gekommen,
Hat unser Fleisch angenommen,
Ist hie erschienen, uns zu versühnen
Und ewige Klarheit zu verdienen.
Er ist kommen, uns zu heilen
Und sein Gut mit uns zu teilen,
Uns zu entbinden von allen Sünden,
Wie uns sein‘ Engel fröhlich verkünden.
Danksagung sei Gott, der mit uns durch seinen Sohn
Solche Barmherzigkeit hat getan!

Frohlockt ihr Jungen und Alten,
Denn Gott hat sein Wort gehalten,
Besucht sein Erbteil, aufgericht’t sein Heil,
Gesandt den verheiß’nen Emanuel.
Wer mag was Besseres erdenken,
Das uns Gott hätt mögen schenken,
Als diesen Heiland, der Jesus genannt
Und ein recht‘ Seligmacher wird erkannt?
Wer hätt uns sonst können helfen
Und unsern Feind niederwerfen,
Uns benedeien und Gnad‘ verleihen,
Dadurch uns von allem Übel befreien?
Lob sei Gott! denn er hat sein Volk nicht verstoßen,
Sondern sein’n Sohn ihm helfen lassen.

Freut euch heut‘, ihr Auserkor’nen!
Dankt Gott, o ihr Neugebor’nen!
Denn ihr habt erkannt den wahren Heiland,
Und seine Gnad‘ ist ganz zu euch gewandt,
Er hat euch Freundschaft erweiset,
Seine Lieb‘ an euch gepreiset;
Ihr waret verflucht, er hat euch besucht
Und benedeit durch sein‘ einige Frucht.
Er hat nicht ewig gedreuet1gedroht,
Sondern euch höchlich erfreuet,
Lässt nun verkünden Ablass der Sünden
Und sich barmherzig und mild erfinden.
Dank und Preis sei Gott, dem Vater, zu aller Zeit,
Der sein Volk durch Christum benedeit.

Preiset Gott, o liebe Kinder,
Und Christum, den Trost der Sünder,
Der euch aus Torheit geführt zur Wahrheit,
Verheißt und gibet ewige Klarheit!
Lobsinget dem Herrn mit Freuden
Und preiset das Licht der Heiden,
Das am dunkeln Ort leuchtet durch sein Wort,
Den Auserwählten zur neuen Geburt!
Rühmet Gott, alle Gemeinen,
Habt Lust an Christo, dem Reinen,
Lasst ihm den Vorgang, sagt ihm Lob und Dank,
Und singet fröhlich der Engel Gesang:
„Preis sei Gott! Auf Erden sei Fried‘, und uns allen
In Christo herzlich Wohlgefallen!“ Amen.

Daniel Sudermann – O wie glückselig ist der Mann

O wie glückselig ist der Mann,
Der Gottes Gnad‘ tut nehmen an,
Und all tag wohl betrachtet,
Dass er hier nur ein Pilger ist,
Von hinnen muss in kurzer Frist,
Wie hoch man ihn auch achtet.

O wie glückselig ist der Mann,
Der Gottes Gnad‘ tut nehmen an,
Die Welt hier zu verlassen,
Nicht acht’t vergänglich Ehr und Gut
Und Gott allein nur lieben tut,
Sich selbst nur tuet hassen.

O wie glückselig ist der Mann,
Der Gottes Gnad‘ tut nehmen an,
Gern alles will ertragen,
Was Unrechts ihm allhier geschiecht,
Nimmt Gott nicht Rache und Gericht,
Sondern tut’s ihm nur klagen.

O wie glückselig ist der Mann,
Der Gottes Gnad‘ tut nehmen an
Und führt ein göttlich Leben,
Der eig’nes Brot wohl essen mag,
Mit Händen arbeit’t Nacht und Tag,
Und kann den Armen geben.

O wie glückselig ist der Mann,
Der Gottes Gnad‘ tut nehmen an,
Durch Lehre und Exempel
Andre bekehrt von ihrer Sünd‘,
Zu werden wahre Gotteskind‘
In sein’m geistlichen Tempel.

O wie glückselig ist der Mann,
Der Gottes Gnad‘ tut nehmen an,
Erwartet so mit Freuden
Die Stund‘, wann er von hinnen soll,
Und sich zuvor bereitet wohl
Durch Glauben, Buß und Leiden.

O wie glückselig ist der Mann,
Der Gottes Gnad‘ tut nehmen an,
Und mag hie also sterben,
Dass er nach kurzer Zeit und Leid
Dort leben mög‘ in Ewigkeit
Bei Gott, als seinem Erben.

Lazarus Spengler – Psalm 127 (aktualisiert)

Der 127. Psalm.

Vergebens ist all Müh‘ und Kost,
Wo nicht das Haus Gott selber baut,
Also ist auch der Mensch trostlos,
Wo er sein eig’nen Kräften traut.
Denn wo die Stadt Gott mit sei’m Rat
Nicht selbst erhält und schützet,
Man wach‘ und hüt‘, ohn‘ Gottes Güt‘
Fürwahr dass solch’s nicht nützet.

Was hilft’s, dass wir vor Tags aufsteh’n
Und auf uns laden Sorgen viel,
So doch all‘ unsre Anschläg‘ geh’n
Allein, wie Gottes Ordnung will.
Und ob dein Brot, gleich wird mit Not
Und Kummer überkommen:
Wenn Gott dir nit solch’s segnet mit,
Was reicht dir das zum Frommen?

Der himmlisch Vater tut’s allein,
Dass Land und Leut wird wohl regiert,
Wir sehen’s täglich, als ich mein‘,
Und wenn nicht hütet dieser Hirt‘,
All Regiment nähm bald ein End‘,
Wär’s noch so fest erbauet:
Wie elend Leut‘ sind wir denn heut‘,
Dass wir ihm nicht vertrauen?

Dass Gott den Menschen Kinder b’schert,
Das ist allein sein Gnad und Güt‘,
Er ist’s, der sie erhält und nährt:
Wenn sich der Mensch am höchsten müht,
So ist’s umsonst ohn Gottes Gunst,
Er kann ihr Fußsteig wenden,
Gleichwie in Eil‘ umtreibt ein Pfeil
Ein Starker in sein‘ Händen.

Wie selig ist nun diese Stadt,
Die von Gott selber wird regiert,
Das Haus, das ein’n Vorsteher hat,
Den Gott in seinen Wegen führt!
Darum so schau, dass dein Vertrau’n
Auf ihn allein wird g’stellet,
Denn ohn‘ sein‘ Hand ein jedes Land
Gewiss zu Boden fället.

Hans Sachs – Von den sieben Broten, Mk.8

Markus schreibt im achten klar:
Als viel Volks bei Christo war
Und hatten nicht zu essen,
Ruft Jesus seine Jünger zu sich
Und sprach: „Des Volkes jammert mich,
Drei Tag sind’s hier gesessen:

Wann sie nun nichts zu essen han,
Und lass ich sie un’gessen gan,
Sie werden schwach von Note,
Wann etlich sind kommen von ferrn“.
Sein‘ Jünger sprachen zu ihm:
„Herr, Wo nehmen wir denn Brote,

Dass wir sie speisen in der Wüst‘,
Und ihn’n der Hunger wird gebüßt?“
Und Christus sie da fraget,
Wieviel sie hätten Brotes all:
Sie sprachen sieben an der Zahl“.
Christus gebot und saget,

Dem Volk zu lagern auf der Erd‘,
Und nahm die sieben Brote wert
Und sie dann benedeiet,
Brach sie und gab’s den Jüngern sein,
Die legten vor dem Volk gemein,
Des ward ihr Herz erfreuet.

Auch war ein wenig Fischlein hie,
Und Christus benedeiet sie,
Hieß vortragen der Schare;
Sie aßen all und wurden satt,
Sein‘ Jünger hoben an der Statt
Auf, was da übrig ware,

Brosam’n sieben Körb‘, sollt verstan:
Es waren bei viertausend Mann,
Ohn Weib und kleine Kinde,
Die Christus da gespeiset hat,
Er ließ sie von ihm an der Statt,
Und fuhr von ihn’n geschwinde.

Hört zu, ihr werten Christenleut‘,
Was diese dürre Wüst bedeut’t,
Darin wir Hunger lieden 1leiden:
Bedeut’t Menschengesetz fürwahr,
Ohn‘ Furcht und alle Tröstung gar,
Das G’wissen zu befrieden.

Wenn wir liegen in Hungers Not
Und haben nicht das geistlich‘ Brot,
Verschmachten als die Armen,
So kommet Christus, unser Herr
Und jammert sich des Volkes sehr
Durch sein mildes Erbarmen.

Dann lässt er uns vortragen schon
Das heilig Evangelion
Durch sein heilige Jünger:
Deuten all christlich Prediger,
Die uns speisen durch Gottes Lehr
Für den geistlichen Hunger.

Das Brot sein göttlich Wort bedeut’t,
Darin er uns sein Gnad‘ anbeut,
Er habe uns erworben
Bei dem Vater ewige Huld,
Und hab‘ bezahlet unsre Schuld,
Er sei für uns gestorben.

Wenn wir’s von Herzen glauben thon 2tun,
So seien wir gesättigt schon
Durch den heiligen Geiste,
Und brauchen uns der reinen Lieb
Gen (gegen) den Nächsten in steter Üb 3Übung,
Wie uns Gott hat beweiste 4bewiesen.

Sieben Körb voll, das übrig war,
Bedeutet Gottes Gnaden klar,
Weit über alle Zahle,
Die er uns täglich noch beweist,
Geistlich und leiblich er auch speist
An Leib und Seel uns alle.

Viertausend Mann, die große Zahl,
Bedeut’t uns Christenmenschen all‘,
Die Christus täglich speiset
Mit seinem Wort vor Hungers Not:
Christus, du unser himmlisch Brot,
Dein Nam‘, der sei gepreiset!