Franck, Johann – Michaelisfest.

Von den heiligen Engeln.

Weise: Lasst uns von Herzen danken Gott.

O Thronenprinz, du Siegesheld des Drachen,
Durch dessen Kraft wir Höll‘ und Tod verlachen,
Wir danken dir, o unsers Lebens Meister,
Für deine Geister;

2. Dass du uns lässest durch der Engel Scharen
Vor aller Not so gnädiglich bewahren,
Dass unsre Feind‘, ob sie vor Zorn gleich brennen,
Nicht an uns können.

3. Uns schreckten oft des Hungers Ungeheuer,
Krieg, Krankheit, Pest, Angst, Armut, Wasser, Feuer,
Und wollten jetzt, so wie es schien, bei vielen
Den Garaus spielen.

4. Doch waren dies nur lauter Vaterruten,
Dir musste selbst Dein wallend Herz oft bluten,
Wenn wir hierauf um Gnade sehnlich baten,
Und vor dich traten.

5. Dein‘ Engel mussten in dem größten Zagen
Um uns herum ein feurig Bollwerk schlagen,
Sie trugen uns an allen Ort und Enden
Auf sichern Händen.

6. Herr, schenk‘ uns ferner deiner Engel Wache,
Damit uns ja der feurig‘ Höllendrache,
Der Tag und Nacht uns pfleget nachzustellen,
Nicht möge fällen.

7. Treib doch von uns, du großer Bundesengel,
All Üppigkeit und schwache Fleischesmängel,
Damit also dein‘ himmelische Thronen
Gern um uns wohnen.

8. Lass unsre Herzen sich durch Buß erneuen,
Dass sich die Engel selbst darüber freuen,
Und wir mit ihnen Dermaleinst dort oben
Dich ewig loben.

Zinzendorf, Nikolaus von – Engel-Lied.

Hier ist Nacht,
Dort ist Pracht!
Dort ist Mut, hier Sorglichkeit;
Der Tag bringt bangen Kummer,
Die Nächte trägen Schlummer;
Hier wacht man, Gift zu schäumen,
Und lässt sich Gutes träumen.
Menschenchöre,
Engelheere,
Einem König
Untertänig:
Dass ihr euch so fremde seid!

Geist des HErrn!
Morgenstern!
Und Du Ursprung der Natur:
Wenn eure Donner red’ten!
Ein Geist in Liebesketten
Kann keine Stimm‘ aufbringen,
Die Geister zu besingen.
O, Du Meister
Aller Geister,
Die Dir grünen,
Die Dir dienen,
Hilf uns selber auf die Spur.

Cherubim,
Seraphim,
Stehend vor dem Morgenstern,
Die all gewalt’gen Herren,
Den Abgrund zu versperren,
Und Eden zu verhauen:
Die bücken sich, zu schauen
Gott mit Demut,
Uns mit Wehmut;
Ihre Flügel
Sind die Siegel
Ihrer Ehrfurcht vor dem HErrn.

Schauet an,
Wer da kann!
Denn es ist kein eitler Traum
Der in die Welt versunk’nen,
Von Eitelkeiten trunknen
Und fleischgeword’nen Wesen,
Das Geisterbuch zu lesen.
Wenn die Sinnen
Licht gewinnen,
Dann, dann taugen
Erst die Augen
Für der Engel heitern Raum!

Fürstenvolk,
Thronenvolk
Um den Stuhl zur Hand der Kraft
Des großen Patriarchen
von allen Gnadenarchen,
Der, göttlich angezogen,
Sitzt auf dem prächt’gen Bogen!
Heilige Wächter
Der Geschlechter
Der erkauften
Und getauften Friedensbunds-Genossenschaft:

Möchten wir
Dies Revier,
Was Gefahr es immer hat,
Mit mächtigem Vertrauen
Auf unsern König bauen!
Er ist der Gott der Geister,
Der Engel Ordensmeister,
Und die Heere
Seiner Ehre
Geh’n und schlagen
Flammenwagen
Rings um unsre Lagerstatt.

Nehmt die Hand
Auf das Band
Einer heil‘gen Brüderschaft!
Wir wollen uns verschwören
Zu Lieb‘- und Lobechören.
Dass Gott und Seinem Sohne,
Wie auch dem Geist im Throne,
Unverweilig:
„Heilig, heilig,
Heilig!“ töne;
Wir sind Söhne,
Wir sind Zeugen eurer Kraft.

Hermann, Nikolaus – Am Tage Michaelis, von den lieben Engeln.

1. Heut singt die liebe Christenheit,
Gott Lob und Preis in Ewigkeit,
Und dankt ihm für sein Güte,
Daß er der lieben Engel Schaar
Erschaffen hat, die immerdar
Unser pflegen und hüten.

2. Sie glänzen wie der Sonnenschein,
Hell wie ein Feuerflamm sie sein,
Und ganz himmlische Geister,
Und sein die schönste Creatur,
Heilig von Art und ihr Natur,
Christ ist ihr Schöpfr und Meister.

3. Sie sehen stets Gotts Angesicht,
Spiegeln sich in dem klaren Licht
Göttlicher Majestäte.
Dem singen sie Lob, Preis und Ehr,
Heilig, heilig ist Gott der Herr;
Wie anzeigt der Prophete.

4. Ihr Namen uud Ämter sie han,
Von denen, so sie zugethan
Sind hie in diesem Leben.
Denn wie hie unterschieden sein
Die Ständ, also hat ihn Gott fein
Ihr Ordnung auch gegeben.

5. Michael, unser Herre Christ,
Der oberst Engel, Gott gleich ist,
Unter seim Fähnlein schweben
All Engl, und streiten Tag und Nacht
Wider des Teufels List und Macht,
Und seim Mord widerstreben.

6. Der alte Drach, der feiret nicht,
An Augenblick tracht er und ticht,
Wie er uns mög obsiegen;
An Leib und Seel, Ehr, Gut und Hab
Beschädigen und brechen ab,
Mit seinem Mord und Lügen.

7. Erstlich erregt er Ketzerei,
Aufruhr, Mord, Krieg und Tyrannei,
Gotts Ordnung er zerrüttet.
Köng und Fürsten zusamm er hebt,
All Bündniß trennt er und verletzt,
Sein Zorn er gar ausschüttet.

8. Groß Ungewitter er erregt,
Daß oft der Hagel Alls erschlägt,
Die Luft er auch vergiftet.
Die Frücht der Erd gönnt er uns nicht,
Beschmeißt, verderbt Alls der Böswicht,
Und allen Jammer stiftet.

9. Wo ihm nit wehrt der Engel Schaar,
Unser Leib, Seel, Blut, Haut und Haar
Kein Stund blieb unverletzet.
Mit Feur und Wasser, Wind und Schnee
Uns Allen er verderbete,
So hart er uns zusetzet.

10. Wenn wir stehn in der größten Gfahr,
Nehmen die Engel unser wahr,
Und aus der Noth erretten.
Dem Daniel kein Leu was that,
Weil der Engel Gotts bei ihm steht,
Die ihn sonst gfressen hätten.

11. Da Schwefl und Feur vom Himmel kam
Verderbt Sodom und Gomorrham,
Wurd Lot dennoch, der alte,
Mit seim Weib und zwei Töchterlein
Errettet durch die Engelein,
Und beim Leben erhalten.

12. Da Petrus in dem Kerker saß
Und allbereit verurtheilt was,
Herodes wollt ihn tödten,
Da kam sein Engel in der Nacht,
Und ihn von Ketten ledig macht,
Und hulf ihn aus sein Nöthen.

13. Im feuring Ofen hat dergleich
Der Engel behüt wunderleich
Drei gottselige Knaben,
Gleichwie in einer grünen Au,
Das Feuer wurd ein kühler Thau,
Kein Hitz gefühlt sie haben.

14. Also werd wir noch heut bei Tag
Durch sie behüt für mancher Plag,
Treulich für uns sie wachen,
Streiten und kämpfen Tag und Nacht,
Han uns in guter Hut und Acht
Und wehen dem alten Drachen.

15. Deß dank wir dir, Herr Jesu Christ,
Daß du uns solche Wächter gibst,
Die uns halten in Hute,
Daß uns der Feind nicht übereil,
Und in uns schieß sein giftig Pfeil,
Bewahr uns durch dein Blute

Amen.

Behm, Martin – Als Jesus Christ rang mit dem Tod

Als Jesus Christ rang mit dem Tod,
Schrie er zum Vater in der Noth.
Der Vater hört gar bald den Sohn,
That plötzlich auf sein Himmelsthron,
Schickt ihm ein Engel willig rein,
Der bracht ihm Stärkung in der Pein.

O Vater, schau auf deine Kind,
Wenn wir allhie in Nöthen sind
Und dich von Herzen rufen an;
Denn uns sonst niemand helfen kann.
Dein Engel uns vom Himmel schick,
Der uns in aller Noth erquick.

Hilf, daß wir sind ans Engels statt,
Wenn unser Nächster Kummer hat,
Daß wir durch dein Barmherzigkeit
Ihn trösten in seim Herzeleid.
Laß ihn den Trost auch nehmen an,
Wie dein Sohn selber hat gethan.

dein Engel send, wenn ich verricht
Nah deim Befehl mein Amt und Pflicht;
Hilf, daß er nicht fern von mir sei,
Wenn ich zu dir bet, ruf und schrei.
Dein Engel schick, der mich heim hol,
Wann ich von hinnen wandern soll.

Behm, Michael – Tägliches Gebet um den Dienst der Engel.

Herr Zebaoth, du starker Herr,
Dein ist der Himmel, Erd und Meer,
All Engel sind dir unterthan,
Die vor deim Thron im Himmel stan.

Dein Engel schick vom Himmels Saal,
Der bei mir sei im Jammerthal
Und widern Satan für mich streit
Heut diesen Tag und alle Zeit.

Und weil der Teufel in der Welt
Um uns sein Netz mit List aufstellt,
So schick dein Engel, der mich warn,
Daß ich nicht fall in Satans Garn.

Wenn mein Seel hier abscheiden soll,
So send dein Engel, der sie hol.
Der böse Geist sie nicht hinführ;
Komm, thu ihr auf die Himmelsthür.

Hiller, Philipp Friedrich – Schutzgott, dessen starke Rechte

Schutzgott, dessen starke Rechte
Zuflucht, Schirm und Schatten giebt,
Der das menschliche Geschlechte
Wie ein treuer Vater liebt,
Der in dieser großen Welt,
Alles, was er schuf, erhält,
Der als Herr der Engelschaaren
Alles kann und will bewahren.

Viele heil’ge Seraphinen
Singen dir ein Heilig für;
Zehnmal hunderttausend dienen,
Viele tausend jauchzen dir.
Was bekannt und unbekannt,
Ist ein Werk von deiner Hand.
Die Herrschaften und die Thronen
Loben Gott in lichten Kronen.

Herr, was sind wir, daß du Engel
Uns zu unsern Wächtern giebst?
Menschen sind wir vollen Mängel,
Menschen, die du dennoch liebst.
Engel, die dich allzeit seh’n,
sollen uns zu Diensten steh’n;
Engel hüten uns als Kinder,
Heil’ge Engel schützen Sünder.

Engel sind’s, die nach den Proben
Nun beständig Gutes thun,
Die dich unaufhörlich loben,
Die in deinem Himmel ruh’n.
Die gehorsam, keusch und rein,
Die der Menschen Freunde sein,
Die ihr Antlitz ohne Flecken
Doch vor dir in Demuth decken.

Heere, welche die bewachen,
Die dich fürchten, großer Gott,
Die ein schrecklich Lager machen
Gegen aller Feinde Rott;
Diese sehn in deinem Licht,
Vater, stets dein Angesicht;
Diener, die zu deinen Füßen
Dir in Ehrfurcht dienen müssen.

Gott der Engel, Herr der Helden,
Ach, was sind wir Menschen doch,
Daß wir so viel vor dir gelten?
O wie hältst du uns so hoch!
Deine Engel dienen uns,
sind die Zeugen unsers Thuns.
Laß uns auch mit diesen Chören
Ewig dich im Himmel ehren.

Die alten lutherischen Kirchenlieder des neuen braunschweigischen Gesangbuches Neu-Erkerode bei Braunschweig Verlag der Buchhandlung der Idioten-Anstalt 1877

Schmolck, Benjamin – Du Herr der Seraphinen

Du Herr der Seraphinen,
Dem tausend Engel dienen
Und zu Gebote steh’n,
Du übergroßer Meister
Der wunderschönen Geister,
Mein Mund soll deinen Ruhm erhöh’n.

Die engelischen Thronen,
Die in dem Himmel wohnen,
Giebst du zu meiner Wacht;
Sie seh’n dein Angesichte
In höchst vollkommnem Lichte
Doch nehmen sie mich auch in Acht.

Das sind die starken Helden,
Die deinen Rath vermelden,
Du Großfürst Michael;
Das sind die Feuerflammen,
Die schlagen stets zusammen
Um frommer Christen Leib und Seel‘.

Ich preise deine Güte
Mit dankbarem Gemüthe
Für diese Wunderschaar;
Ich rühme deine Rechte
Für diese Gnadenknechte
Bei denen ich ganz sicher war.

Gieb ferner diese Wache,
Daß sie zu einem Dache
Mir wider Alles sei;
Laß sie auf meinen Wegen
Die Hand mir unterlegen,
So ist mein Fuß vor’m Stoßen frei.

Den Feind laß sie erschrecken
Und mich beständig decken,
Wie dort den Gnadenthron;
Es sei mein ganzes Leben
Mit ihnen stet umgeben,
als wie das Bette Salomon.

Doch, sollen sie nicht weichen,
So laß mich ihnen gleichen
In wahrer Heiligkeit;
Wie sich die Kinder lieben
Und sich in Demuth üben,
So mach‘ auch mich dazu bereit.

Sie thun ja deinen Willen
Den laß mich auch erfüllen;
Sie leben keusch und rein,
O laß mich Nichts beflecken
Und mich an allen Ecken
Vor diesen reinen Geistern scheu’n.

Verhaue Händ‘ und Füße
Und was zum Aergernisse
Mir hier gereichen kann.
Wer ärgert diese Kleine,
Dem hangen schwere Steine
Zur ewigen Versenkung an.

Und endlich, wenn ich scheide,
So führe mich zur Freude
Auf ihren Armen ein;
Da werd‘ ich dich erst loben,
Und in dem Himmel droben
Dir und den Engeln gleiche sein.

Die alten lutherischen Kirchenlieder des neuen braunschweigischen Gesangbuches Neu-Erkerode bei Braunschweig Verlag der Buchhandlung der Idioten-Anstalt 1877

Speratus, Paul – Gesänge von etlichen heylgen ynsonderheit

Eyn underrichtung wie von etlichen heylgen und der yedem ynn sonderheyt, ym thon wie vor von den heylgen yn gemeyn gesungen werden mag. Item. So von eynem heylgen yn sonderheyt gesungen werden wil, ist nemlich czu merken, was von demselbigen heylgen hernach geordent, das solchs erstlich, und alsdann darauff weyters gesungen werde das vorgehende liedt von den heylgen yn gemeyn gemacht. Jdoch erfordert ynn dysem Fall die arth und eygenschafft obgemelter geseng, das ym ersten gesetz des gemeynen heylgen lieds etliche wort untherlassen, unnd an derselben stadt andere wörterr gebraucht werden, wie alles hernach funden und vermerkt werden mag.

a. Von Simon und Juda.

1. In Simone und Juda
apostolischer czyr,
unn andern heylgen schare
o Gott dich loben wir.
Keyn aug gesah noch ny,
ynnß ohr noch hertz nit kumen,
was du bereytst für dy,
so dich von gantzem hertzen liebten hy.

Nota. Hierauff mögen weyters gesungen werden das ander, dritt, viert unn fünfft gesetz des vorgenden lieds von den heylgen yn gemeyn gemacht.

b. Von sant Bartholme.

Nota: Von S. Bartholme wie oben von sant Simon und Juda geschrieben ist, also anfahendt:

1. In sant Bartholomeo
apostolischer czyr u .s . w.

c. Von sant Peter.

1. O Herr den heylgen Petrum
du hoch begnadet host,
erwelt zu eym apostel,
von schwerem fall erlost,
Den felser yhn genennt,
da er dich gottes Sone
auß vatters geyst erkennt,
deyn schaff yhn lieb czu weiden hast gesenndt.

2. In dysem selgen Petro
unnd allen heylgen klar
Herr Gott thun wir dich loben
miit Christenlicher schar.
Kein aug gesah noch ny u. s. w.

Nota. Auff diß obstend annder gesetz von sant Peter sol weytter gesungen werden das ander, das dritt, vierdt und fünft gesetz des vorgeschrieben lieds von den heylgen yn gemeyn gemacht.

d. Von sant Andreas

1. O Herr du hast Andream,
der Petri bruder was,
vom fischer standt erfordert,
das er seyns netz vergaß,
Und folgt dir nach behendt,
denn czu der menschen fischer
hast du sie bed erkent,
deym wort sich willig haben nach gewendt.

2. In diesem sant Andrea
unnd andern heylgen klar u. s. w.

wie oben ym andern gesetz von sant Peter und dem Nota darnach gemelt ist.

e. Von sant Paul.

1. Herr deyn verfolger Saulus,
der dir unglaubig was,
vom geyst genennet Paulus,
deyn auserweltes fass.
Und wunderlich bekert,
entzugkt yn dritten hymel,
da wardt er bald gelert,
deyn kyrchen von den heyden hat gemert.

2. In dysem selgen Paulo
unnd allen helygen klar. u. s. w. wie bei Petrus.

f. Von sant Johans Ewangelist.

1. Johans Ewangeliste,
Apostel stands geert,
vil gots geheymnuß wiste
die treulich schrieb und lert.
Und auß der fischer zal
hat Christus yhn erfordert
zu diser heylgen wal,
seyn Reyne mutter yhm am Creutz befal.

2. In diesem sant Johanne
und allen heylgen klar u. s. w.

g. Von Sant Philip.

1. Sant Philip, Christi yünger,
der hat sich nit gespart
mit predig und vil czeychenn
nach Christi hymelfart,
Samaria gelert.
die czauberer geschendet,
dadurch den glauben mehrt,
darnach eyn mechting moren hat bekert.

h. Von Sant Jacob, dem kleynern.

1. Sant Jacobus der kleyner
des herren both gesendt,
auß nahgesipter freuntschafft
sein bruder wirt genent,
Eyn bruder sant Judas,
lang nach der auffart Christi
der Juden lerer was,
ynn Bischoflichem standt lang bei yhn saß.

2. In dysem selgen botten
unnd andern heylgen klar u. s. w.

Nota: Dieweyl altem gebrauch nach von sant Philip und Jacob des yars eyn eynich fest, Gott czu lob, gehalten wirdt, ist darumb hierynnen yr beder halb auch nur eyn eynicher beschluß gemacht.
i. Von Sant Jacob dem grossern.

1. Jacob Bruder Johannis
Zebedey genent
bei Christo auff dem berge
sein klarheit hat erkenndt,
Dadurch seyn glaub gemert,
unnd nach des herrn auffart
seyn heylges wort gelert,
darumb yhin tödt Herodes mit dem schwerdt.

2. In dem apostel große,
und allen heylgen klar u. s. w.

k. Von Sant Mathias.

1. Mathias, der Aposten,
czur czwelffer schar geczelt,
wardt durch dy yünger Christi
an Judas stadt erwelt.
Als prophezeyet hatt
der geyst durch Davids munde
unnd ytzo wardt bestett,
durch götlich czeychen und gemeyn gebet.

2. In dem heylgen Mathia,
und allen heylgen klar u. s. w.

l. Von Sant Matheus

1. Matheus, der apostel
unnd heylg Evangelist
wardt von dem czol erfordert
durch dich herr Jesu Christ,
Wy du gibst czu versteen,
das auch die offen sünder
den vor yn hymel geen,
dy sich hy grosser frümkeit selbst verwen.

2. In dysem sant Matheo,
und allen heylgen klar u. s. w.

m. Von Sant Thoma.

1. O Herr dem heylgen Thome,
Apostel stands genoß,
hast du genad erczeyget
wiewohl er czweyfelt groß.
Biß er dein wunden czart,
hat griffen und bekennet
götlich und menschlich art,
und darumb von dir selg genennet wardt.

2. In dysem heylgen thoma
und allen heylgen klar u. s. w.

n. Von sant Johans, dem Tauffer

1. Herr, sant Johans, deyn tauffer,
hast grosse gnad beweyst,
das er yn muter leybe
mit freud dich hupffent preyst,
Deyn weg bereyt und lert,
drumb ihn Herodes tödet
auf bitt eyns weybs verkert:
vonn frawen leyb keyn grösser wird bewert.

2. In dysem heylgen teuffer
und allen heylgen klar u. s. w.

o. Von sant Steffan.

O got du hast sant Steffan
gesterket und geert,
das er deyn wort bekennet,
und künlich hat gelert.
Darumb den todt er lydt,
den hymel sah er offen
unn Christum auch damit,
für solche feyndt thet er czu dir seyn bitt.

2. In dysem heylgen Steffan
und allen heylgen klar u. s. w.

p. Von den Kyndleyn.

Von kynden, die man seyget,
hast du, o got, deyn lob,
Des scheynlich ward erzeyget
am palmentag eyn prob,
Und durch der kyndleyn todt,
die Pharon und Herodes
yhr yeder tödet hat,
das alles nit verhyndert deynen rath.

2. Domit wir uns fast stercken,
nit förchten Tyranney,
und dadurch eben mercken,
das nymandt müglich sey,
Deym willen widderstan,
unnd wer sich des vermisset
wy es yhm wirt ergan,
czeygt uns di schrift gar manches beyspil an.

3. In dysen selgen kynden,
und allen heylgen klar u. s. w.

q. Von Maria, der Schwester Marthe

1. Maria, schwester Marthe,
Christus begnadet hat,
das sie mit fleyß gewarte
seyns worts für wircklich that.
Welchs Marthe nit gefelt,
und doch alleyn ist nöttig
wy Christus selbst erczelt,
das sy damit den gutten theyl erwelt.

2. In dysem helgen weybe
und allen heylgen klar u. s. w.

r. Von den heylgen Vetern und Propheten.

1. O got deyn heylg propheten
du hoch begnadet hast,
das sy verkünden thetenvdeynn Sohn, der uns erlost.
Im samen Abrahe
ist uns solch heyl herkommen,
durch reyner yungkfraw ehe,
damit von uns gewendet ewigs we.

2. In vetern und Propheten
und allen heylgen klar u. s. w.

s. Von allen Engeln.

1. Herr, durch den fall der Engel
der ewig ist verkündt,
umb yhrer hoffart mengel,
merck wir dy schwer der sünd,
Dagegen freud und trost
der engeliischen geyste,
dy du geseylget hast
und wie von grossem ubel wir erlost.

2. Dy heylgen Engel sehen
steth gotis angesicht,
deyn lob allczeyt veryehen
keyn gutes yhn gebricht,
Ausrichtenn, was er heyst,
verkünden strafen, schützen,
domit seyn will geleyst.
O Herr send uns deyn hilffe durch dyse geyst.

3. In dysem seylgen Engeln
und allen heylgen klar u. s. w.

Cosack – Paul Speratus

Hermann, Nikolaus – Nunc angelorum gloria.

HEut sein die leiben Engelein
in hellem schein
erschienen bey der nachte
Den Hirten, die jr Schefelein
bey Monen schein
im weitem Feld bewachten:
Grosse Freud und gute Mehr
wollen wir euch offenbaren,
die euch und aller Welt solln widerfaren!
Huic sit memoria.

Ein Son die Göttlich Maiestat
euch geben hat
und ein menschen lan werden,
Ein Jungfraw jn geboren hat
in Dauids Stad,
do jr jn finden werdet
Ligen in einm Krippelein,
nackt, blos und elende,
das er all ewr elend von euch wende!
Huic sit memoria.

Darnach sungen die Engelein:
Gott gebürt allein
in der Höhe preis unnd ehre!
Guter fried wird auff ERden sein,
des sollen sich
die Menschen frewen sehre,
Und ein wolgefallen han,
das der Heiland ist komen,
hat euch zu gut das Fleisch an sich genomen!
Huic sit memoria.

Die Hirten sprachen: Nu wolan!
so last uns gahn
unnd diese ding erfaren,
Die uns der HERR hat kund gethan:
unser Vieh wird
er in des wol bewaren!
Da funden sies Kindelein
in tüchelein gehüllet,
das alle Welt mit seiner gnad erfüllet!
Huic sit memoria.

Wackernagel – Das deutsche Kirchenlied von Martin Luther bis auf Nicolaus Herman und Ambrosius Blaurer

Selneccer, Nikolaus – Wo Gott der Herr nicht bei uns hält

Am Tage Michaelis.

Von den lieben Engeln.

Nach eigener Melodie.

Wo Gott der Herr nicht bei uns hält
Und sendt seine lieben Diener
Wenn er sich nicht genädig stellt
Durch Christum den Versühner,
So ists mit uns verloren Sach,
Gerathen nur in Ungemach,
Können uns selbst nicht helfen.

Gott Lob und Dank, er mit uns ist
Mit seinen lieben Engeln.
Die schickt uns der Herr Jesus Christ,
Der thut alls wohl bestellen
Behütet uns an Leib und Seel,
Daß uns kein Plag noch Unglück quäl,
Tag und Nacht für uns wachet.

Die lieben Engel Geister sind,
Die Gott auf sein Dienst warten.
Er sendt sie aus zu jedem Kind
Aus seim himmlischen Garten,
Daß sie solln unsre Gleitsleut sein,
Und uns schützen vor Noth und Pein,
Dem Widersacher wehren.

Der Teufel ist ein stolzer Feind,
Kein Mensch ihn überwindet.
Christus allein es herzlich meint,
Streit für uns und ihn bindet.
Der Siegsfürst ist der Michael,
Unser Großfürst für Leib und Seel.
Christus den Streit gewinnet.

Sein Diener und Trabanten gut,
Die lieben Engel mit Haufen,
Schützen uns gern an Leib und Blut,
Wie Feuerflammen laufen.
Die dienstbarn Geister stets sie sind,
Bewahren uns vor Schand und Sünd,
Dem Teufel thun sie wehren.

Wenn auch nicht dieser Schutz da wär,
Wo wollten wir doch bleiben?
Kein Stund, kein Augenblick wär mehr,
Der Feind thät uns aufreiben
Mit Leib und Seel, mit Weib und Kind,
Mit Haus und Hof und allem Gsind,
Kein Leben könntn wir haben.

Mit Mord, Krieg, Pest und Hungersnoth,
Aufruhr, Unglück und Schaden,
All Stund mit Blut Unfall und Tod
Der Teufel will beladen
Uns Armen. Aber Gottes Gnad
Giebt uns seine Engel früh und spat,
Die unsern Feind erlegen.

O frommer Christ, o Liebes Kind,
Bedenk doch das von Herzen.
Vertreib die Engel nicht durch Sünd,
Mach dir nicht selbst groß Schmerzen.
Gleich wie der Rauch vertreibt die Bien,
Also gehn auch die Engel hin,
Vertrieben durch die Sünde.

Kein sicher Gleit du nimmer hast,
Wenn Engel von dir weichen.
Da thut alsdann der leidig Gast
Mit Sünden dich erschleichen.
Wo du nicht hast die Engel gut,
Da taugst du nichts an Seel und Muth,
Dein Leben ist verloren.

Herr Christe, wahrer Gottessohn,
Du unser Fleisch bist worden.
Groß Michael aus Vaters Thron
Wehr du des Satans Morden.
Stürz ihn durch deine Engel fromm
Und selbst bald herrlich zu uns komm.
Führ uns aus diesem Elend.

Wenn wir von hinnen scheiden schier,
Dein Engel uns bewachen,
Unsre Seel nehmen mit Begier,
Zu ihrn Gefährten machen.
Wie ein Credenz, mit deinem Blut
Gereinigt, und mit Freudenmuth
Wird unsre Seel getragen.

Laß dir Herr Christ befohlen sein
Dein Kirch, Schul und Regierung,
Haushaltung, Zucht und Christgemein,
Wend ab alle Verführung.
Ein christlich Leben uns verleih,
Ein selig Abschied bei uns sei,
Dein Engeln uns zueigne.

Wir wollen dir recht dankbar sein
Im Himmel hoch dort oben,
Mit den Engeln all insgemein
Dich ewig können loben.
Dem Vater, Sohn und heilgem Geist,
Der uns all Gnad und Guts beweist,
Sei Preis, Ehr, Dank ohn Ende.

Selneccer – Himmelfahrt