Kern, Georg – Von edler art

Von edler art
auch rein und zart
erquillt uns fort
das göttlich wort,
welichs gar lang
in schwerem zwang
enthalten ist
durch teufels list
und menschen tand,
die all irn bestand
auf eigene werk gebauet hand.

Wie vil ich tu,
so bleibt kein ru
der gewißen nit;
wo gnad nit mit
durch Got bereit
die werk bekleit,
ists als umbsunst;
allein aus gunst
barmherzigkeit,
die ewig freud
uns aufgeerbt ist durch Christus streit.

O herre Got,
wend solich not
von deim volk ab,
erleucht und lab
durch gütigkeit
all tunkelheit.
dein wort wirt frei
hie richter sein;
dir eigt allein
er, lob und preis von aller gemein.

Goedeke/Tittmann – Deutsche Dichter des sechszehnten Jahrhundert

Schneegaß, Cyriacus – Ein Hochzeitslied

Frisch, frölich wölln wir singen,
mit pfeifn und seiten klingen,
braut, breutigam und gesten
zur er und sie zu trösten!

Zu hochzeit Christ, der here,
daß er den ehestand ere,
mit seinen jüngern gehet;
sein mutter mit aufsehet.

Es wil an weine mangeln,
das ist ein armer handel.
die mutter klagts dem sone,
daß er zu hülfe kome.

Er tut sein erstes zeichen,
trübsal und not muß weichen,
aus waßer wein er machet;
wol dem der sölchs betrachtet!

Der herr die seinen prüfet,
doch wenn man in anrüfet,
er alles leid und klage
wendet noch heut zu tage.

Von rat ist er ser kreftig,
von taten auch ganz mechtig;
er kan uns wol erneren
und allen unfall weren.

Der elich orden heilig
und im ganz wolgefellig
wirt doch von im beschirmet,
obgleich der teufel zürnet.

Des freu sich braut und breutgam,
und alle geste lobsan,
und preisen Christi güte,
die er beweist noch heute.

Seit in dem herren frölich,
untereinander friedlich!
getrost in Gottes namen,
singt, lieben Christen, amen!

Goedeke/Tittmann – Deutsche Dichter des sechszehnten Jahrhundert

Reuschmar, Jacob – O treuer Heiland, Jesu Christ.

O treuer heiland, Jesu Christ,
mein erlöser allein du bist.
wenn ich dich hab und glaub an dich,
so bin ich selig ewiglich.

Gib, daß ich dich im glauben rein
recht kenn und bleib bei dir allein,
all billich er dir gebe frei,
so kan mein sel frölich sein.

O Jesu zart, du Gottes lam,
mich armen sünder nicht verdamm,
erbarm dich mein, wend allen feil!
du bist mein einiger trost und heil.

Laß dir mein sach befolen sein,
bitt für mich stets den vater dein,
denn du der rechte heiland bist,
o menschen freund, herr Jesu Christ.

Kom bald, hilf uns, eil zum gericht,
du wollst doch lang ausbleiben nicht!
wie ist doch itzt die welt so bös,
ach Gottes son, uns bald erlös!

Weil es dir so wol gefellt,
daß du lang schonst der bösen welt,
gibst zeit zur buß ganz gnediglich,
auf daß die welt bekere sich.

In diser letzten zeit, o HERR,
erhalt bei uns dein wort und ler;
gib gnad, daß sich vil leut bekern,
den satan wer, der hindert gern!

Dir sei, HERR Christe, lob bereit,
mit vater und dem heiligen geist!
al ding in himmel und auf ert
dich billich preiset und hoch ert.

Amen.

Goedeke/Tittmann – Deutsche Dichter des sechszehnten Jahrhundert

Thaurerus, Benedict – Der XXIII Psalm

Der HERR ist mein getreuer hirt,
darumb mir gar nichts mangeln wirt;
er weidet mich auf gründer heid,
zum frischen waßer er mich leit.
kyrioleis.

Mein sel er wil erquicken lan,
er fürt mich auf rechter ban,
nach seinem wort, der fromme HERR,
zu seines namens lob und er.
kyrioleis.

Und ob ich schon im finstern tal
muß wandern leider überal,
förcht ich kein unglück noch gefer,
denn du bist bei mir, lieber HERR.
kyrioleis.

Dein stecken und dein starker stab
trösten mich steif bis in mein grab,
für meinen feinden einen tisch
bereitest du mir bald und risch.
kyrioleis.

Mein haupt mit öl salbstu mir fein
und schenkest mir vol und frisch ein;
barmherzigkeit und gutes vil
werden mir folgen one zil.
kyrioleis.

So lang als ich das leben han,
wird er mir solches nicht abschlan,
und werd im haus der HERREN mein
ewiglich leben one pein.
kyrioleis.

Hermann, Nikolaus – Am neuen Jahrstage.

Ev. Lucä 2.

Da Jesus nach jüdischer Art
Am achten Tag beschnitten ward,
Wurd sein Name Jesus genannt,
Denn er war der rechte Heiland.

Ehe denn sein Mutter ihn empfing
Im Leib, und mit ihm schwanger ging,
Gab ihm der Engel diesen Nam,
Den er in der Beschneidung bekam.

Kein Mensch den Namen hat erdacht,
Der Engel ihn vom Himmel bracht,
Gott selbst ihn also heißen wollt,
Denn er sein Volk erlösen sollt.

Nicht aus einer zeitlichen Noth,
Sondern von Sünd, von Höll und Tod,
Und uns durch sein Leiden und Tod
Ein ewigs Reich erwürb bei Gott.

Es ist kein ander Heiland nicht,
Wiewohl der Welt ihr sehr viel dicht,
Allein hilft uns aus aller Noth
Jesus, der wahre Mensch und Gott.

Lob, Ehr und Preis zu aller Zeit,
Sei dir, Heiland der Christenheit,
Hilf, daß der süße Name dein
Am Tod erquick die Seele mein.

Amen.

Hermann, Nikolaus – Bescher uns, Herr, das täglich Brot

1. Bescher uns, Herr, das täglich Brot;
vor Teurung und vor Hungersnot
behüt uns durch dein´ lieben Sohn,
Gott Vater in dem höchsten Thron.

2. O Herr, tu auf dein milde Hand,
mach uns dein Gnad und Güt bekannt,
ernähre uns, die Kinder dein,
der du speist alle Vögelein.

3. Erhörst du doch der Raben Stimm,
drum unsre Bitt, Herr, auch vernimm;
denn aller Ding du Schöpfer bist
und allem Vieh sein Futter gibst.

(spätere Einfügung:)
4. Doch dies zeitliche Brot allein
kann uns nicht gnug zum Leben sein;
dein göttlich Wort die Seele speist,
hilft uns zum Leben allermeist.

5. Drum gib uns beides, Herre Gott;
hilf endlich auch aus aller Not.
So preisen wir dein´ Gütigkeit
hier und auch dort in Ewigkeit.

Hermann, Nikolaus – Christ fuhr gen Himmel.

Christ fuhr gen Himmele,
Was sandt er uns herwiedere?
Seinen heiligen Geist
Zu Trost der armen Christenheit.
Kyrieleis.

Er sitzt zus Vaters Rechten,
Da theilt er aus sein Knechten
Seines Geists Gab und Gnad,
Daß uns kein Sünd noch Teufel schad.
Kyrieleis.

Von dannen wird er kommen,
Zu richten Bös und Frommen
Herrlich mit großer Gwalt,
Wie er auffuhr in solcher Gstalt.
Kyrieleis.

Auf sein Zukunft wir hoffen,
Die Zeit ist schier verloffen,
Der jüngste Tag ist nicht weit,
Des freut sich alle Christenheit.
Kyrieleis.

Amen.

Ledderhose – Nikolaus Hermans und Johannes Mathesius geistliche Lieder

Hermann, Nikolaus – Das Osterlamm, ein Abbild Christi.

Durchs Osterlamm bedeutet ist
Unser Heiland, der Herre Christ.
Kein Fehl noch mangel er an ihm hat,
Ist schuldig keiner Missethat.
Er wurd verrathen in der Nacht,
Und für aller Welt Sünd geschlacht.

Sein Blut unser Seelen bestreicht,
Tod., Sünd, Höll, Teufel von uns weicht.
Für uns in heißer Liebesflamm
Wurd er gebratn ans Kreuzes Stamm.
Was bedeut denn die bittere Salz?
Das Kreuz, wenns uns liegt auf dem Hals.

Rechtschaffne Lehr durch süße Brod
Dein Schrift uns fürgebildet hat.
Kein Sauerteig soll sein dabei,
Daß Lehr und Leben heilig sei.
Falsche Lehr ist das gesäurt Brod
Wer davon ißt, wird ausgerott.

Gegürt sein und Schuh haben an
Und ein Stab in den Händen han,
Bedeut, daß wir all Augenblick
Zu wandern sollen sein geschickt
Aus dem elenden Pilgrimsstand
Ins recht verheißne Vaterland.

Da hilf uns hin, Herr Jesu Christ,
Der du selbst fürgegangen bist
Deim Volk und sie errettest hast
Von der Egypter schweren Last;
Führ uns auch in das Vaterland,
Weil du dein Blut hast dran gewandt.

Amen.

Ledderhose – Nikolaus Hermans und Johannes Mathesius geistliche Lieder

Hermann, Nikolaus – Der Abend Segen.

//In Tons eodem.//

HInunter ist der Sonnenschein,
die finstre nacht bricht starck herein:
Leucht uns, HErr Christ, du wares liecht,
las uns im finstern tappen nit!

Dir sey danck, das du uns den tag
für schaden, fahr und mancher plag
Durch deine Engel hast behüt
aus gnad und veterlicher güt.

Womit wir han erzürnet dich,
dasselb verzeih uns gnediglich,
Und rechnes unser Seel nicht zu,
las uns schlaffen mit fried und rhu.

Durch deine Engel die wach bestell,
das uns der böse feind nicht fell!
Für schrecken, gspenst und fewers not
behüt uns heint, o lieber Gott!
Amen.

Wackernagel – Das deutsche Kirchenlied von Martin Luther bis auf Nicolaus Herman und Ambrosius Blaurer

Hermann, Nikolaus – Der Morgen segen,

//Im thon, Wo Gott nicht gibt zum haus etc.//

1. Die helle Sonn leucht jtzt herfür,
Frölich vom schlaff auffstehen wir,
Gott lob, der vns heint diese nacht
Behüt hat fur des Teuffels macht.

2. Herr Christ, den tag vns auch behüt
Für sünd vnd schand durch deine güt,
Las deine lieben Engelein
Vnser hüter vnd wechter sein,

3. Das vnser hertz in ghorsam leb,
Deim wort vnd wiln nicht widerstreb,
Das wir dich stets für augen han
In allem, was wir heben an.

4. Las vnser werck geraten wol,
Was ein jeder ausrichten sol,
Das vnser arbeit, müh vnd vleis
Gereich zu deim lob, ehr vnd preis.

AMEN.