Selneccer, Nikolaus – Wo Gott der Herr nicht bei uns hält

Selneccer, Nikolaus – Wo Gott der Herr nicht bei uns hält

Am Tage Michaelis.

Von den lieben Engeln.

Nach eigener Melodie.

Wo Gott der Herr nicht bei uns hält
Und sendt seine lieben Diener
Wenn er sich nicht genädig stellt
Durch Christum den Versühner,
So ists mit uns verloren Sach,
Gerathen nur in Ungemach,
Können uns selbst nicht helfen.

Gott Lob und Dank, er mit uns ist
Mit seinen lieben Engeln.
Die schickt uns der Herr Jesus Christ,
Der thut alls wohl bestellen
Behütet uns an Leib und Seel,
Daß uns kein Plag noch Unglück quäl,
Tag und Nacht für uns wachet.

Die lieben Engel Geister sind,
Die Gott auf sein Dienst warten.
Er sendt sie aus zu jedem Kind
Aus seim himmlischen Garten,
Daß sie solln unsre Gleitsleut sein,
Und uns schützen vor Noth und Pein,
Dem Widersacher wehren.

Der Teufel ist ein stolzer Feind,
Kein Mensch ihn überwindet.
Christus allein es herzlich meint,
Streit für uns und ihn bindet.
Der Siegsfürst ist der Michael,
Unser Großfürst für Leib und Seel.
Christus den Streit gewinnet.

Sein Diener und Trabanten gut,
Die lieben Engel mit Haufen,
Schützen uns gern an Leib und Blut,
Wie Feuerflammen laufen.
Die dienstbarn Geister stets sie sind,
Bewahren uns vor Schand und Sünd,
Dem Teufel thun sie wehren.

Wenn auch nicht dieser Schutz da wär,
Wo wollten wir doch bleiben?
Kein Stund, kein Augenblick wär mehr,
Der Feind thät uns aufreiben
Mit Leib und Seel, mit Weib und Kind,
Mit Haus und Hof und allem Gsind,
Kein Leben könntn wir haben.

Mit Mord, Krieg, Pest und Hungersnoth,
Aufruhr, Unglück und Schaden,
All Stund mit Blut Unfall und Tod
Der Teufel will beladen
Uns Armen. Aber Gottes Gnad
Giebt uns seine Engel früh und spat,
Die unsern Feind erlegen.

O frommer Christ, o Liebes Kind,
Bedenk doch das von Herzen.
Vertreib die Engel nicht durch Sünd,
Mach dir nicht selbst groß Schmerzen.
Gleich wie der Rauch vertreibt die Bien,
Also gehn auch die Engel hin,
Vertrieben durch die Sünde.

Kein sicher Gleit du nimmer hast,
Wenn Engel von dir weichen.
Da thut alsdann der leidig Gast
Mit Sünden dich erschleichen.
Wo du nicht hast die Engel gut,
Da taugst du nichts an Seel und Muth,
Dein Leben ist verloren.

Herr Christe, wahrer Gottessohn,
Du unser Fleisch bist worden.
Groß Michael aus Vaters Thron
Wehr du des Satans Morden.
Stürz ihn durch deine Engel fromm
Und selbst bald herrlich zu uns komm.
Führ uns aus diesem Elend.

Wenn wir von hinnen scheiden schier,
Dein Engel uns bewachen,
Unsre Seel nehmen mit Begier,
Zu ihrn Gefährten machen.
Wie ein Credenz, mit deinem Blut
Gereinigt, und mit Freudenmuth
Wird unsre Seel getragen.

Laß dir Herr Christ befohlen sein
Dein Kirch, Schul und Regierung,
Haushaltung, Zucht und Christgemein,
Wend ab alle Verführung.
Ein christlich Leben uns verleih,
Ein selig Abschied bei uns sei,
Dein Engeln uns zueigne.

Wir wollen dir recht dankbar sein
Im Himmel hoch dort oben,
Mit den Engeln all insgemein
Dich ewig können loben.
Dem Vater, Sohn und heilgem Geist,
Der uns all Gnad und Guts beweist,
Sei Preis, Ehr, Dank ohn Ende.

Selneccer – Himmelfahrt

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