unbekannt – GOdt, Hillige Schepper aller Sthern

De Hymnus, Conditor alme syderum.

GOdt, Hillige Schepper aller Sthern,
vorlücht uns, de wy sint so vern,
Tho erkennen dynen waren Christ,
de vor uns minsch geworden ys.

Wente ydt ging dy tho herten seer,
dat wy geuangen wern so swer
Unde scholden ewich des Dodes syn,
darümme nempstu up dy schuldt unde pyn.

Do sick de werlt thom auende want,
de Brüdegam Christus wordt bekant
Uth syner moder kemmerlin,
de Junckfrouwe bleff zart unde rein.

Bewiset hefft he syne grothen gewalt,
dat ydt in aller werlt erklang,
Sick möthen bögen alle de knee
im Hemmel, Hellen und ock hyr.

Allent, wat dorch een geschapen ys,
dem gifft he krafft, wesent unde frist,
Nach synes willens ordeninge twar,
een tho erkennen apenbar.

Wy bidden dy, O Hillige Christ,
wente du thokamende richter bist,
Leer uns hyt trouörn dynen willen don
unde in dem louen nemen tho.

Loff, Pris sy, Vader, dyner krafft,
dynem zarten Son, de alle ding schafft,
In einem wesende der dreuoldicheit
mit dem geist dyner hillicheit. Amen.

unbekannt – All ehr und lob sol Gottes sein

Gloria in excelsis deo

All ehr und lob sol Gottes sein,
er ist und heist der höchst allein.
Sein zorn auf erden hab ein end,
sein frid und gnad sich zu uns wend.
Den menschen das gefalle wol,
dafür man hertzlich dancken sol.
Ah lieber Gott, dich loben wir
und preisen dich mit gantzer gir,
Auch kniend wir anbeten dich,
dein ehr wir rhümen stetiglich.
Wir dancken dir zu aller zeit
umb deine grosse herrligkeit.
HERR Gott, im himel künig du bist,
ein Vater, der allmechtig ist.
Du Gottes Son vom Vater bist,
einig geborn, HERR Jhesu Christ.
HERR Got, du zartes Gottes lamb,
ein Son aus Gott des Vaters stam,
Der du der welt sund tregst allein,
wolst uns gnedig barmhertzig sein!
Der du der welt sund tregst allein,
las dir unser bitt gefellig sein!
Der du gleich sitzst dem Vater dein,
wolst uns gnedig barmhertzig sein!
Du bist und bleibst heilig allein,
uber alles der HERR allein.
Der aller höchst allein du bist,
du lieber Heiland Jhesu Christ,
Sampt dem Vater und heilgem Geist,
in Göttlicher Maiestet gleich.
Amen, das ist gewislich war,
das bekent aller Engel schar
Und alle welt so weit und breit,
von anfang bis in ewigkeit. AMEN.

unbekannt – GOt ist geborn ze bethleem

GOt ist geborn ze bethleem
des koment küng von orient
hin gen iherusalem.
su frogtend: wo ist er geborn,
der iuden küng erkorn,
des ssternen wür gesehen hant,
der uns ermant,
dz wür sind komen sunder won
mit goben schon,
dem künge here
ze lob und ere
nun iemermere?
des firmament
hat uns gewent
har von orient.

Herodes nam der froge war,
der iuden schar
besant er dar
und wart betrübet gar:
su seitend im in kurzer frist,
wo es geschriben ist.
Er sprach, so zichend all dahin
und suchend in
und tunt mir kunt
in kurtzer stunt
des kindes funt,
so kum ouch ich
mit goben rich
gar snellenclich.
O falsches wort,
o grosses mort
an der engel hort!

Gen bethleem kertend si sich,
der stern zeigt in gar minnenclich
das edel kinde rich
jn einem cleinen krippfelin,
da by die muter sin.
Su vielend nider uf die erd
die künge wert
und tatend uf ir gaben schrin
dem kindelin,
mirren, wirouch und ouch gould
in richem sould,
in wart bekant
ein ander weg wider in ir land.

unbekannt – Ein Geistlich Lied und Dancksagung vor das Leiden Christi

welche die Kirch in der Charwochen sonst pflegt zu singen.

(Geistlich Lieder und Psalmen rc. durch Joh. Leisentrit. Budissin 1567. 8. L. fol. 96.)

WIr danken dir, lieber HErre,
der bitter Marter dein
Heut und ummer mehre,
das du uns hast aus pein
Erlöst gar mildiglichen:
wir weren verlorn,
Gott Vatter hat entwichen
sein ewigen zorn.
Kyrieeleison.

Christ, König, Schöpffer lobesam,
der reinen Jungfraw kindt,
Wie bitter die Juden gram
auff dich gefallen sind,
Das sie dich haben gefangen
als einen bösen man
mit Schwertern und mit Stangen:
du woltests also han.
Kyrieeleison.

Eya der grossen liebe,
die dich gebunden hat
Gar hart als einen diebe,
mensch und warer Gott!
Du hast uns, Herr, gegeben
mit deinem blut so roth
das Himmelische leben,
danck sey dir, warer Gott.
Kyrieeleison.

Son Gottes in der ewigkeit,
aller welt ein Trost,
Von deines todes bitterkeit
du blut geschwitzet hast,
Das dir gar krefftiglichen
drang durch dein gewand;
du kamst gar mildiglichen
in deiner feinde handt.
Kyrieeleison.

Eya der grossen unthat!
dein Angsicht, HErre, zart
mit speichlen und mit unflat
gar fast geunehrt ward,
Da du für gerichte
gebunden wardest bracht,
da ward vill falsch gedichte
auff dich, Herr, erdacht.
Kyrieeleison.

Der arge Bischoff Annas
der erste Richter was,
Und der schendlich Caiphas,
der auch zu Richten saß,
Von dem du, lieber Herre,
geschlagen wardest sehr,
das solten wir dir dancken
heut und ummer mehr.
Kyrieeleison.

O Du armer Judas,
was hastu gethan,
Das du unsern Herren
also verrathen hast!
Darumb mustu leiden
hellische pein,
Lucipers geselle
mustu ewig sein.
Kyrieeleison.

unbekannt – Patris sapientia

O weishait gottes vaters zart,
christus gottes sune,
Zw metten zeit gefangen wart
die götlich warhait frone,
Er war wol von den jüngern gar
ellendigklich verlassen,
verkauffet von der Juden schar,
geschlagen und gestossen.

Zw preim zeyt wart er angeklagt,
vor pilato gepunden,
Vill falscher lug auff in gesagt,
wie sy es erdencken kunden.
Sy spiben im under die augen fein
nach der propheten sage,
si punden in hart wol an ain feill
und gaben im manigen schlage.

Si schriren zw der dritten stund:
kreützige in, pilate!
Sy legten im an ain spötlich gewant,
ain allte purpur wate;
Ein dörnene kron mit grosser not
die theten sy im auff drucken,
das kreütz umb unser missetat
trug er auff seinem rugke.

Zw sext zeyt ward er nacket und bloß
an das kreütz gespannet,
Man hieng zw im in schmachait groß
gar zwen schedlich manne.
Von pitter marter dürst in hart,
das lamp an alle schulde
mit essich unnd gallen getrencket wart,
das led er mit gedulde.

Mein got, mein got! rufft er laut
woll zw der newnten stunde,
Er befalch sein geist in seins vaters handt,
erplichen ward im sein munde.
Dar umb verlor die sunn iren schein,
das erdtrich pidmet sere;
sy stachen im zw der seyten ein
mit einem scharffen spere.

Zw vesperzeyt mit grosser klag
ward er vom kreütz genomen,
Die kron der eren nider lag,
ist uns zw freuden kummen.
Erlitten hat an der menschait er
der schöpfer aller güte,
doch pelts die gothait unuersert
in menschlichem gemüte.

Zw Complet zeyt begraben wardt,
sagt uns die geschrift gar eben,
Der edel leichnam Cristi zart,
ain trost des künftigen leben;
Mit kostlicher salben man in begoß,
da ward die geschrift volprachte,
die tag zeyt deines leydens groß
sey dir zw lob gedachte.

Wir piten dich, herr, durch dein not,
die dw umb uns hast erliten;
Durch deinen schmächen pittern tot,
den du umb uns hast erstritten:
Verleich unns dein parmhertzigkait
durch deinen heiligen namen,
verlaß unns nit an unserm endt,
so sing wir frölich Amen.

unbekannt – Das Hymnus Pange lingua

Ende des funfzehnte Jahrhunderts.

MEin zung erkling und frölich sing
von dem zarten leychnam fron,
Von dem blut und kostlichen ding,
dz gossen hat der welt zu lohn
Frucht des leybes
reinen weybes,
der künig aller völcker schon.

Uns geboren außerkoren
von der zarten junckfraw feyn,
Bey uns drey und dreyssig jaren
außgesprengt den samen seyn,
Da beschlossen
unuerdrossen
sein zeyt in wunderwerk und peyn.

Auff des letzten nachtmals essen,
als er bey den brüdern saß,
Das gesatz ward nicht vergessen,
als er das Osterlemblin aß,
Wolt er senden
mit seynen henden
den jüngern sich zu eynem maß.

Fleysch aus worten und wares brot
ward auß wort zu fleysch gemacht,
Weyn verwandelt sich in blut,
wiewol vernunfft das nit verstat,
Uns zu stercken
ist zu mercken:
allein eyn guter glaub ist not.

Darumb last uns fleyssig ehren
ein so grosses sacrament,
Das new ist und macht aufhören
dz gesatz des alten testament.
Der glaub leren
macht uns mehren
was unser sinn nit han erkent.

Lob und freüd sey Gott dem vatter,
Gott dem sün sey heyl und preyß,
Krafft, zier, ewig segen hat er;
dem geyst, der von in beyde entspreüst,
Lob deß gleychen
ewigklichen,
von jm all gnad und tugent fleüst.

unbekannt – Von dem heylichen Nammen Jesu

JEsus ist ein süsser namm,
den ruffen wir armmen Sünder an,
Dar durch wir huldt erlangen
umb unser Sünd vergangen.
Genad, herr, genad
umb all unser missethat.

Jesus, wer dich suchen will,
der findt bey dir genaden vil.
Heylig, sälig ist der Mensch,
der Jesus tag und nacht bedenckt;
Der wirdt getröst,
von allen Sünden erlöst.

Jesus, wir fallen dir zu füssen,
wir wöllen dich so lang anruffen,
Mit klagen unnd mit wainen,
mit Maria Magdalena,
Biß wir finden
vergebung unser Sünden.

Jesus, du bist mein höchster trost,
den mir Gott selb hat außerkost;
In rechter lieb und gantzer begier
hoff ich deiner genaden schier,
Hilff, HERre, mir,
das sie nymmer scheyd von dir.

Jesus, mit deinem Rosenfarben Blut
hast unns erworben das Ewig gut,
Das du von Hymmel kommen bist,
hast uns erlöst von des Teüffels list.
Lob und Ehr
sey dir im Hymmel und auff Erdt.

Jesus, lieber Herre,
durch deiner Marter ehre
Verleych uns hie ein säligs endt
unnd dort ein frölich aufferstehendt;
Das ist die freüd,
die Gott seinen dienern geyt.

Lob und Ehr in der ewigkeit,
sey grüßt, du heylige dreyfaltigkeit,
Gott Vatter, Son, heyliger Gaist,
unnd das Sacrament sey hoch gepreyßt;
Wer das sucht,
der findt das Ewig liecht.

Alleluia singen wir,
Jhesum Christum loben wir
In diser gnaden reichen zeyt,
die uns vil frewd und wuhne geyt.
Allelia!
gegrüst seyst du Maria!

unbekannt – Die zehen gebot unseres herren.

Anfang des sechzehnten Jahrhunderts.

Aus einer Breslauer Handschrift.

EInen got den sol wir eren,
bei seinem namen nummere sweren,
got haben lieb von herzen grund,
sein namen nicht eitel nemen in mund.
Got genade uns.

Den heiligen tag halten feier und here,
vater und muter die sol wir eren,
nieand morgen ist gottes bevelen,
auch nieant das seine stelen.
Got genade uns.

In unkeuscheit mit nicht leben,
falsch gezeugniß auch nicht geben,
eines anderen egenoß nicht begeren,
fremdes gutes und ere emperen.
Got genade uns.

Das sein al die zehen gebot,,
daß wir sie halten, das helfe uns got,
so sein wir freilich unverloren:
halte wir sie, got lat sein zoren.
Got genade uns.

Eher wir von hinnen scheiden,
verleih uns allen reu und leide,
durch dein marter und sterben am kreuze
gnade, herre, und derbarm dich heute.
Got genade uns.

unbekannt – Die sieben Tagzeiten.

Anfang des sechzehnten Jahrhunderts.

Einzelner Druck, mit zwei andern Liedern zusammen, 3 Bl. 4°. Siehe H. Hoffmann Geschichte d. deutsch. Kirchenliedes S. 192. Vergl. Nr. 153.

Zur mettenzeit gefangen ward
des vaters weisheit feine,
Das ist der gotlich ware Christ
in seiner menscheit reine;
Verraten, verkauft er do wart
den juden, die mit schalle
schlugen seinen leichnam zart,
seine jünger flohen alle.

Zur primzeit gefüret ward
Jesus vor Pilaten,
Die große falscheit ward fürgekart,
sie war auf in geraten.
Sie schlugen jm halsschläge hart,
sein augen sie jm verunden,
sie spien an sein antlitz zart,
sie schlugen jm vil wunden.

Zur teciezeit spottlich gekleidt,
in purpur und in seiden,
Do rief zumal die judischeit:
am kreuze sol er leiden.
Ein dornekron sein heubt durchgrub,
geschach von unser schulde,
den tramen auch seiner achseln trug,
den tod den mußt er dulden.

Zur sechsten zeit genagelt ward
an das kreuze mit schalle.
So jn von herzen dursten ward,
tränchten sie jn mit galle.
Zwen schächer hiengen sie neben jn,
den ward er gleich geachtet,
das gab der muter traurigen sin,
verfemert und verschmachtet.

Zur none rief der süße Christ:
heli! mit ellende,
Vater, nimm in diser vrist
mein geist in deine hände!
Ein ritter in sein seiten stach
mit einem scharfen spere;
darnach groß erdbeben geschach,
die sonn ward scheine lere.

Jesus vom kreuz genommen ward
zur vesperzeit in leide,
Klägelich tät seine muter zart,
sie tät sam sie wolt verscheiden.
Ein sulchen tod gelitten hat
unsers lebens erzteie,
der eren kron er niderlag
von sünden also freie.

Zur completzeit begraben ward
in trüber handelunge
Der heilige leichnam gottes zart,
des lebens hoffenunge;
Mit salben gut bewart man jn,
die schrift die ward verendet:
den tod nim, mensche, in deinen sin,
so wird dein leid verwendet.