Unbekannt – Kyrie Paschale, deutsch

(Aus dem Val. Bapstschen Gesangbuche von 1545, L Nro. LX.)

KYrie,
Gott, aller welt schöpffer und Vater,
Eleyson!
Christe,
war Gott und mensch geborn,
der du für uns trugest Gottes zorn,
Eleyson!

Kyrie,
Heiliger geist mit Vater und Son ein Gott,
Eleyson!
Kyrie,
hilff uns, das wir in solchem glauben rein
dich anbeten allein
und bleiben die diener dein.
Eleyson!

Unbekannt – Mich rewt und klag

Im thon, Ich rew und klag.

Gedruckt zu Nürnberg, durch Friderich Gutknecht

MIch rewt und klag meine junge tag,
so ich unnutz hab verzeret
In üppigkeit, das ist mir leid,
Gottes wort nicht baß hab geleret,
In welchem wort mein trost und hort
ligt gantz und gar verborgen,
derhalb will lehrn, zum Wort mich kern,
es hilfft auß allen sorgen.

Das wort ist war, hell, lauter, klar,
es kan noch mag nicht liegen.
Wer jm fast glaubt, ist Gott sein haupt,
der Tod kan jn nicht trieben.
Erfürt auß pein zu Christo hinein,
der für uns hat geliten,
auch selbst verheist durch seinen Geist,
so wir im glauben biten.

On unterlaß will bitten baß,
biß Gott mich thut erhören,
Denn er ist trew, gibt gnad und rew,
das thu ich täglich spüren.
Wens ubel gat, beger ich gnad,
und laß jn mit mir walten,
obs fleisch wol felt, den Geist erhelt,
last er nicht gar erkalten.

unbekannt – O Herre Gott

A. H. Z. W.

1528

Nach V. Babst Geystl. Lieder. Leipz. 1545. 8. Nr. 1. Bogen Q. S. 2-5 Die Chiffre über dem Liede nach dem angeblichen, von Serpilius eingesehen „Original“. S. dessen Prüfung des Hohensteinischen Gesangbuchs S. 497. Olearius Ev. Liederschatz I, S. 125. schließt aus einer Andeutung bei Cyr. Spangenberg Arelsspiegel II, 20, daß P. Speratus der Verfasser sein könne.

O Herre Gott,
Dein göttlich Wort
Ist lang verdunkelt blieben,
Bis durch dein Gnad
Uns ist gesagt,
Was Paulus hat geschrieben.
Und andere
Apostel mehr
Aus deim göttlichen Munde;
Das danken dir
Mit Fleiß, daß wir
Erlebet han die Stunde,

Daß es mit Macht
An Tag ist bracht,
Wie klärlich ist für Augen.
Ach Gott, mein Herr,
Erbarm dich der,
Die dich noch itzt verlaugnen
Und achten sehr
Auf Menschen Lehr,
Darin sie doch verderben.
Deins Worts Verstand
Mach ihn bekannt,
Daß sie nicht ewig sterben.

Willt du nu fein
Gut Christen sein,
So mußt du erstlich glauben,
Setz dein Vertrau,
Darauf fest bau
Hoffnung und Lieb im Glauben
Allein durch Christ
Zu aller Frist,
Dein Nächsten lieb darneben,
Das Gwissen frei,
Rein Herz dabei,
Das kein Creatur kann geben.

Allein, Herr, du
Mußt sölches thun,
Doch gar aus lautern Gnaden.
Wer sich deß tröst,
Der ist erlöst,
Und kann ihm niemand schaden.
Ob wöllten gleich
Papst, Kaiser, Reich
Sie und dein Wort vertreiben,
Ist doch ihr Macht
Gen dir nichts gacht;
Sie werdns wol lassen bleiben.

Hilf, Herre Gott,
In dieser Noth,
Daß sich die auch bekehren,
Die nichts betrachtn,
Dein Wort verachtn
Und wöllens auch nicht lehren.
Sie sprechen schlecht,
Es sei nicht recht,
Und habens nie gelesen,
Auch nie gehort
Das edle Wort.
Ists nicht ein teuflisch Wesen?

Ich gleub gwiß gar,
Daß es sei wahr,
Was Paulus uns thut schreiben:
Ehe muß geschehn,
Daß alls vergeh,
Dein göttlich Wort soll bleiben
In Ewigkeit,
Wär es auch leid
Viel hartverstockten Herzen;
Kehrn sich nicht umb,
Werden sie drumb
Leiden gar großen Schmerzen.

Gott ist mein Herr;
So bin ich der,
Dem Sterben kömmt zu gute,
Dadurch uns hast
Aus aller Last
Erlöst mit deinem Blute.
Das dank ich dir;
Drumb wirst du mir
Nach deinr Verheißung geben,
Was ich dich bitt,
Versag mirs nit
Im Tod und auch am Leben.

Herr, ich hoff je,
Du werdest die
In keiner Noth verlassen,
Die dein Wort recht
Als treue Knecht
Im Herzn und Glauben fassen;
Giebst ihn bereit
Die Seligkeit
Und läßt sie nicht verderben.
O Herr, durch dich
Bitt ich, laß mich
Fröhlich und willig sterben.

Amen.

Unbekannt – Psalm 112.

Teutsch Kirchen ampt mit lobgesengen rcx. Getruckt by Wolff Köpphel. Straßburg 1525.

O jr knecht, loben den herren,
sein namen sollen jr eren,
Er ist lobsam gar wyt und breit
von jtzund biß in ewigkeyt.

Von vffgang hoch der sonnen schein
biß obent lobt den namen syn,
Uber alles volck der herr du bist,
dein eer über all hymmel ist.

Er wont so hoch, wer ist im gleich?
sicht herab in erd und himelreych,
Vom staub der erd macht er auffston
und auch vom kot den armen man.

Das er jn setz den fürsten gleich
und von ewig in seinem reych,
Macht wz unfruchtbar ist im huß
ein muter viler kinder Druß.

Eer dem vater, sun, heilgen geist,
der uns sein gnad in ewig leyst!

Unbekannt – Lebt friedsam, spricht Christus der Herr

Scheidelied der Täufer

Lebt friedsam, spricht Christus der Herr
Zu seinen Auserkoren.
Geliebte, nehmt dies für ein‘ Lehr
Und wollt sein‘ Stimm gern hörn:
Das ist gefeit
Zu eim Abscheid
Von mir, wollt fest drin stehen,
Ob scheid ich gleich, Bleibts Herz bei euch
Bis wir zur Freud eingehen.

Ein Herzensweh mir überkam
Im Scheiden über d’Maßen,
Als ich von euch mein Abschied nahm,
Und damals mußt verlassen.
Mein Herz war bang,
Beharrlich bang,
Es bleibt noch unvergessen:
Ob scheid ich gleich, Bleibts Herz bei euch,
Wie sollt ich euch vergessen.

Nach dem Wesen Christi euch doch halt‘,
Gleichwie ihrs habt empfangen:
Gebaut auf’m Grund zu rechter G’stalt,
Sein‘ Wegen wollt anhangen.
Darin besteht
Mein Rath, weils geht
Auf ein Scheiden sehr traurig:
Ob scheid ich gleich, Bleibts Herz bei euch,
Bis an mein End gedaurig 1).

Es ist ja kund und offenbar
Wie friedsam wir zusammen
Gelebt han und einmüthig gar,
Gemäß dem Christusnamen:
Als Kinder Gotts, Lieblich guts Muths,
Da that mir weh das Scheiden.
Ob scheid ich gleich, Bleibts Herz bei euch,
Gotts Lob mehr auszubreiten.

Mein liebste Freunde, mancher Thran 2)
Ist mir um euch entfallen:
Dies hat die Lieb zu euch gethan,
Ihr bleibt auch mit euch allen
In Tag und Nacht
In mein‘ Obacht,
Der Herr woll euch bewahren.
Ob scheid ich gleich, Bleibts Herz bei euch,
Wollt nichts an Tugend sparen!

Und ihr Väter wollt tapfer sein,
Die Gemeine Gotts versorgen,
Die euch nun ist befohlen sein,
Auf daß ihr unverborgen
Die Ehrenkron
Zu einem Lohn
Auf eurem Haupt mögt tragen.
Ob scheid ich gleich, Bleibts Herz bei euch,
Um Gottes Wohlbehagen.

Seid klug und unterthänig fort
Ihr Jungen all im Leben:
In Eintracht, christlichem Accord3),
Wollt‘ nach dem Besten streben.
Habt eure Freud
In dieser Zeit
Stets im Gesetz des Herren.
Ob scheid ich gleich, Bleibts Herz bei euch,
Lebt doch nach Gotts Begehren!

Kommts doch von meinest Herzens Grund,
Mit Thränen ists gesungen:
Im Herzen bleibet doch gesund,
Ihr Alten und ihr Jungen:
Hüt‘ euch für Zwist,
Vor Satans List
Woll euch der Herr befreien.
Ob scheid ich gleich, Bleibts Herz bei euch,
Bis wir uns ewig freuen.

Gelobt sei Gott um dies sein Werk,
Das er kräftig gelenket:
Geht ihr zu dem Gebete sterk,
Dann meiner auch gedenket,
Im Beten rein,
Daß Gott allein
Mich wölle wohl berathen.
Ob scheid ich gleich, Bleibts Herz bei euch,
Gott wohn‘ euch bei in Gnaden!

—-

1) dauerhaft
2) Träne
3) Übereinstimmung

Unbekannt – Van Edler ardt, Geistlick vörandert,

Von dem Kindeken Jesu.

(„Nye Christlike Gesenge unde Lede, up allerley ardt Melodien, der besten, olden, Düdeschen Leder. rc. Dörch Hermannum Vestpasium, Predyger tho Stade P. K. 1571.“ klein 8°, Nro. CVII, unter den Liedern „van fremen Christen gemakett“.)

VAn Edler art gebaren wardt
ein Kindlyn klein tho Bethlehem
van einer Magdt, dedt Godt behagt:
Syn nham is groß, wil maken loeß
uns armen all, de Adams vall
vördoruen hefft thor ewyger qwal.

Dith is de Heldt, ded alles erheldt,
des Abraham gelaffde Saem,
in dem allein gesegent syn
All, de up Erdt syn Gades werdt:
de butem ehm wiln Salich syn,
de möthen all thor ewygen pyn.

O JEsu Christ, mein heil du bist!
in dy allein schal schal jümmer syn
myn Herdt und moth und alles goedt!
Wat nicht in dy werdt geuen my,
vhar alles hen, idt is neen gewin,
all goedt und heil schaltu my syn! Amen.