Gerhard Tersteegen – Wo ist die Schule denn auf Erden

Wo ist die Schule denn auf Erden,
Da große Männer Kinder werden,
Und kleine Kinder heißen groß?
Wo ist die Schule, da man liebet,
Da man sein All’s zum Schulgeld gibet,
Da man zur Schul‘ geht, arm und bloß?

Wo lern‘ ich’s, dass ich All’s verlerne,
Und mich von mir und All’m entferne;
Da Ein Kind Einen Meister hört,
Und Eins nur hört, und Eins nur übet;
Und Ein sich an den Einen gibet,
Da man uns gibt, was man uns lehrt?

Da man uns lehrt, nur immer geben,
In Allem ohne Leben leben,
In Allem leiden ohne Leid;
In Allem folgen ohne Fragen,
Auf alle Fragen Ja zu sagen,
In allen Proben steh’n bereit?

Wo lernet man das tiefe Schweigen,
Beschau’n, Anbeten und sich Beugen,
In stiller, veiner Liebesbrunst?
Wo lernet man Gott bloß umfassen,
Das Nichtstun, und das Überlassen,
Wo lernet man die Kinderkunst?

Wo ist die Schule doch zu finden,
Der Ort, da Ort und Zeit verschwinden,
Weil nur ein stetes Jetzt da gilt?
Still Seele, lass dein Sorgen, Fragen,
Gott will dir’s selbst gern geben, sagen,
Im Seelengrund, wenn er dich stillt.