Zinzendorf, Nikolaus Ludwig Graf von – Am Jahresschluß.

So ist denn nun auch dieses Jahr
Mit Gott zurückgelegt,
Das von besondrer Zeichnung war,
Wenn man es recht erwägt.

Preis Ihm, der Alles herrlich macht!
Er hat uns nicht gefragt,
Und weil man Nichts voraus bedacht,
So hat man nie geklagt.

Gelobt sei Der, der aller Noth,
So leicht als Wind und Wellen,
Durch Sein auch uns bekannt Gebot
Die Grenzen wußt zu stellen.

Wir glauben Ihm (ein Wort, ein Mann!)
Durch alle harten Stände.
Er ruhet nicht, Er bring‘ es dann
Zu einem sel’gen Ende.

Glück zu, zum sel‘gen neuen Lauf,
Ihr treu verbund’nen Brüder!
Es steiget unser Flehen auf
Für alle Seine Glieder.

Herr Gott, sei Allen Sonn‘ und Schild,
Und leuchte und beschütze,
Wenn’s trüb hergehet oder mild,
Daß uns doch Alles nütze!

Laß, Herr, für Arbeit wie für Ruh
Dich überall stets loben:
Bis Du uns führst der Heimath zu,
Die Du uns aufgehoben.

(um 1751.)

Zinzendorf, Nikolaus Ludwig Graf von – An Weihnachten.

Blut und Wunden,
Haben uns mit Gott verbunden;
Denn Er ehrte unser Blut.
Er ließ sich damit vermählen,
Und sich zu den Menschen zählen;
Das macht unsern Schaden gut.

Wer erzittert,
Daß er seinen Gott erbittert,
Springe jetzt voll Freuden her,
und erseh in dieser Wiegen
Gott als armen Menschen liegen:
Seine Hand ist nicht zu schwer!

Diese Hände
Segnen aller Erden Ende;
Diese sind dieselbe Statt,
Wo Er aller Menschen Seelen,
Die Ihn zum Erlöser wählen,
Treulich aufgezeichnet hat.

Diese Augen
Müssen zur Gesundheit taugen;
Wem die Sünde weh gethan,
Sehe auf zu dieser Schlangen (Joh. 3, 15.)
Und, von Glauben und Verlangen,
Ihre holden Augen an!

Diese Ohren
Lassen sich für uns durchbohren
An des Vaters Gnadenthür,
und der König der Geschlechte
Wird dadurch zu einem Knechte,
In dem irdischen Revier.

Diesem Munde,
Welcher sonst zu aller Stunde
Seinen Vater für uns bat,
Schmecket jetzt, nach Menschenweise
Eine gar geringe Speise,
Weil er Durst und Hunger hat.

Dieser Odem,
Welcher dermaleinst den Todten
Lebensgeister geben kann,
Scheinet jetzund kaum zu wehen,
Und soll noch dazu vergehen,
Beim Beschluß der Lebensbahn.

Diesen Füßen,
Die sich kaum zu regen wissen,
Muß des alten Drachen Wuth
Erst noch in die Fersen stechen,
Bis sie sich vollkommen rächen,
An dem Kopf der Schlangenbrut.

Diese Thränen,
Welche sich nach Labung sehnen,
Werden für der Menschen Schuld
Sich noch öftermals ergießen
Und gleich einem Blutstrom fließen
Von der ewigen Geduld.

Dieser Rücken
Wird sich zu dem Kreuze bücken,
Wann die Leidenszeit regiert,
Und der Ruthen Schläg‘ empfinden,
Welche unsre Bosheit binden
Und ein Mordkind führen wird.

Aus der Seiten
Werden in den letzten Zeiten
Blut- und Wasserströme gehn,
Uns zu waschen und zu heilen,
Uns Erquickung mitzutheilen,
Die wir so verlassen stehn.

Dieses Herze
Reget sich mit Müh und Schmerze;
Und wie leis es jetzo schlägt.
So durchdringend wird es brechen,
Und die armen Herzen rächen,
Die der Seelenfeind erlegt.

Neugebornes
Und von Ewigkeit erkor’nes
Auserwähltes Gnadenkind!
Höre, wie die Menschenkinder,
Die entblößten armen Sünder,
Über Dich erfreuet sind!

Sie umfangen
Voller Liebe Deine Wangen,
Ja, sie küssen Deinen Mund;
Dein noch unverständlichs Lallen
Muß den Seelen süße schallen,
Die der Schlange Zahn verwundt.

Sie erheben
Dein kaum angegang’nes Leben
Sie sind voller Glaubenslust:
Daß Du in den Gnadenzeiten
Ihnen solch ein Heil bereiten
Und ein Kindlein werden mußt.

Herzensknabe!
Aller Erden Gut und Habe
Ist nur Unflath gegen Dich!
Du kannst uns mit wenig Blicken
Millionenmal erquicken;
Wirf auch einen Blick auf mich!

Laß bei Zeiten
Alle andre Eitelkeiten
Mir aus den Gedanken gehn!
Will sich fremde Lust erregen
Und zur Sünde mich bewegen:
Laß mich auf Dein Kripplein sehn,

Wo Du, König,
Dem die Erde unterthänig,
Und der Himmel eigen ist.
So gar elend, und auf Wegen,
Die kein Mensch betreten mögen,
Bei uns eingekehret bist!

Holde Hände!
Nehmt mich auf am letzten Ende;
Denn ich werde nach euch sehn,
Wenn ich als ein Kind gen Himmel
Aus dem Jammer und Getümmel
Dieser Erden werde gehn!

(1720.)

Zinzendorf, Nikolaus Ludwig Graf von – Anbetung zu Weihnachten.

Rath, Kraft und Held und Wunderbar!
Dein Nam‘ ist meiner Seele klar, (1. Joh. 2, 13.)
Die Du mit Deinem Blut erkauft
und mit der Liebesglut getauft.
Mein Bräutigam, an meiner Stirne brennt
Dein Nam‘ und Kreuz, seitdem mein Herz Dich kennt!

Wenn ich, mit allem meinem Fleiß,
Mir nimmermehr zu rathen weiß,
Und meine Ohnmacht, Unverstand
Und Schwachheit kräftiglich erkannt:
So bist ja Du der unerforschte Mann,
Der allen meinen Sachen rathen kann.

Fehlt mir’s an aller Lebenskraft,
Hat meine Rebe keinen Saft,
Und sinke ich vor Mattigkeit
Beinahe hin zu mancher Zeit:
So ist Dein kräftiges Gefühl in mir,
Das hält mir neue Heldenkräfte für.

Wenn ich im schweren Glaubenskampf
Durch manchen dicken Rauch und Dampf,
Durch manche Leib’s- und Geist’s-Gefahr
Mich dränge zu der Siegesschaar:
So bist Du’s, unbezwungner Wunderheld,
Der meinetwegen alle Feinde fällt.

Wenn sich mein Senfkorns-Glaube regt,
Und kindlich Dir zu Füßen legt,
So mag der Feinde Hohngeschrei
Ertönen: daß ich thöricht sei
Ich fürchte mich deswegen doch kein Haar:
Mein Glaub‘ ist Sieg, mein Ziel ist: Wunderbar!

Mein Alles! mehr als alle Welt,
Mein Freund der ewig Treue hält!
Mein weiß- und rother Bräutigam! (Hohel. 5, 10.)
Mein immerwährend Osterlamm!
Mein Leitstern! meine Liebe! meine Zier!
Sei ewiglich mein‘ Zuflucht, mein Panier!

Hast du mich in der Zeit gewollt,
Die räderschnell von dannen rollt,
So miß mir Selbst die Stunden ab,
Sei meiner Reise Wanderstab!
Sei meines Handelns Schöpfer! führe mich,
In Allem Dir zu wandeln würdiglich!

Soll ich viel Jahr im Joche fort,
So zeige mir den Ruheport
Von ferne zeige mir die Stadt,
Die Deine Hand bereitet hat,
Das güldne Seraphinen-Liebeslicht:
So schrecket mich die lange Reise nicht!

Und wenn ich meiner Brüder Zahl
Nach Deiner holden Gnadenwahl
In meinem Theil einst auch erfüllt,
Wenn’s endlich auch Belohnen gilt:
So weiß’st Du, daß mein Lohn, mein Licht und Ruh‘
Nur Du alleine werden sollst, nur Du!

Über Jes 9,6. (1721.)

Zinzendorf, Nikolaus Ludwig Graf von – Weihnachtsgedanken

Das Weihnachtsfest,
Das Gott uns läßt
Auf’s Neue wohl und hoch vergnügt erleben,
Bringt Wonn‘ und Freud‘
Der Christenheit;
Drum laßt uns Gottes Wunderthat erheben!

Gott liebt die Welt,
Weil er sich stellt
Zum Bürgen dar in unsern großen Nöthen;
Gott ist uns hold,
Und hat das Gold
Der Unschuld selbst im Feuer lassen löthen.

Bedenkt den Tod,
Die große Noth.
Die Er um unsertwillen hat gelitten!
Ach, danket Ihm
Mit heller Stimm‘:
Er stillt den Zorn, und stellt sich in die Mitten!

Nachdem er nun,
Dies uns zu thun,
Sich keine Müh‘ und Arbeit lassen dauern,
Wer wollte denn
Nicht fest bestehn,
Wie Stahl und eisenfest erhöhte Mauern?

Erhebet Ihn
und euren Sinn!
Denn Seinen Ruhm kann Niemand gnugsam preisen;
So wird der HErr
Uns auch noch mehr,
Als er bisher verliehen hat, erweisen.

(1712.)

Zinzendorf, Nikolaus Ludwig Graf von – Weihnachts-Harmonie.

Die wahre Gnadensonne
Geht auf zu unsrer Wonne,
Und macht ein Heer von Sündern
Zu frohen Lichteskindern.

Der Erst- und Eingeborne
Besuchet uns Verlorne,
Hat Seinen Schwur gehalten:
Drum laßt Ihn immer walten!

Der HErr ist in dem Orden
Der Sünder Mensch geworden,
Und gleich doch ohne Sünde
Dem schwächsten Erdenkinde.

Er wird ein Knecht auf Erden,
Daß ich ein Herr kann werden:
Den Wechsel gnug zu preisen,
Fehlt’s noch aus Singeweisen.

Seht nur auf dieses Kindlein
Im Kripplein, in den Windlein,
Das euch mit Seinem Blute
Verschaffet alles Gute.

Wenn ich’s im Geiste sehe
In Seiner Gotteshöhe:
So denk‘ ich, ich vergehe,
Bis ich den Menschen sehe.

Gott geht aus Seiner Kammer,
Die Welt aus ihrem Jammer;
Das Kindlein in der Krippe
Hat Honig auf der Lippe.

Er liegt in Seiner Krippen
Und ruft mit süßen Lippen:
Grämt euch nicht, lieben Brüder,
Ich bringe Alles wieder!

O Kind, o süßer Knabe,
Du, den ich lieber habe
In Seinen Kindsgeberden
Als alle Schätz‘ auf Erden;

Laß, Schönster, Dich erblicken,
Mein Herze zu erquicken,
Du seligs, kleines Kindlein,
In Deiner Kripp‘ und Windlein!

Ist das mein lieber Bruder,
Der an der Welten Ruder
Der Alt‘ ist alle Tage?
Ach, Er bejaht die Frage!

Wie soll man dich empfangen?
O aller Welt Verlangen!
Du kommst, die Welt zu segnen;
Wie soll man Dir begegnen?

Ach, sei willkomm’n hienieden,
Du edler Gast, den Müden!
Komm‘, sieh‘, wie’s ihnen gehet,
Du hast sie nie verschmähet!

Du Schöpfer aller Dinge,
Wie wirst Du so geringe!
Der Alles hält alleine,
Wie wirst Du doch so kleine!

Gib dich uns, Herzensknabe,
zu einer Christnachtsgabe!
Du kannst mit wenig Blicken
Millionenmal erquicken.

Ich will hier bei Dir stehen;
Du wirst mich nicht verschmähen,
Wenn ich zur Krippe gehe
Und um ein rein Herz flehe.

Ach, Dein Advent in Fleische,
Der halte Deine keusche,
Sonst sündige Gemeine
Von Stund‘ zu Stunde reine!

Wir lassen uns gefallen,
Die Zeiten durchzuwallen,
Da uns Dein menschlich Leben
Beispiel und Trost gegeben.

Wenn Christnacht und Dein Leiden,
Die Ursach‘ ew’ger Freuden,
Im neuen Lied erscheinen,
Dann wird man nicht mehr weinen.

Dann wird das Lamm, so theuer,
Mit seinem Strahlenfeuer,
Die Engel und die Thronen
Und wir beisammen wohnen!

(um 1752.)

Zinzendorf, Nikolaus Ludwig Graf von – Herz und Herz vereint zusammen

Herz und Herz vereint zusammen
Sucht in Gottes Herzen Ruh‘;
Lasset eure Liebesflammen
Lodern auf den Heiland zu!
Er das Haupt, wir Seine Glieder;
Er das Licht, und wir der Schein;
Er der Meister, wir die Brüder,
Er ist unser, wir sind Sein!

Kommt, ach kommt, ihr Gnadenkinder,
Und erneuert euren Bund!
Schwöret unserm Überwinder
Lieb‘ und Treu‘ von Herzensgrund:
Und wenn eurer Liebeskette
Festigkeit und Stärke fehlt,
O so flehet um die Wette,
Bis sie Jesus wieder stählt!

Tragt es unter euch, ihr Glieder,
Auf so treues Lieben an,
Daß ein Jeder für die Brüder
Leib und Leben lassen kann!
So hat uns der HErr geliebet,
So vergoß Er dort Sein Blut:
Denkt doch, wie es Ihn betrübet,
Wenn ihr selbst euch Eintrag thut!

Einer reize doch den Andern,
Kindlich, leidsam und gering
Unserm Heiland nachzuwandern,
Der für uns am Kreuze hing!
Einer soll den Andern wecken,
Alle Kräfte Tag für Tag
Nach Vermögen darzustrecken,
Daß man Ihm gefallen mag!

Nichts nur, als des Bräut’gams Stimme,
Sei die Regel unsrer That,
Weil Er nicht im Löwengrimme
Uns in Staub getreten hat,
Sondern mit gehäuften Strömen
Seines Bluts den Zorn ertränkt,
Ei! so muß sich Jedes schämen,
Das sich Ihm nicht willig schenkt.

Halleluja! welche Höhen,
Welche Tiefen reicher Gnad‘,
Daß wir Dem in’s Herze sehen,
Der uns so geliebet hat!
Daß der Vater aller Geister,
Der der Wunder Abgrund ist,
Daß Du, unsichtbarer Meister,
Uns so sichtbar nahe bist!

Ach Du holder Freund, vereine
Deine Dir geweihte Schaar,
Daß sie sich so herzlich meine,
Wie’s Dein letzter Wille war!
Ja, verbinde in der Wahrheit,
Die Du selbst im Wesen bist.
Alles, was von Deiner Klarheit
In der That erleuchtet ist!

So wird Dein Gebet erfüllet:
Daß der Vater alle die,
Denen Du Dein Herz enthüllet,
Auch in Seine Liebe zieh‘;
Und daß, wie Du Eins mit ihnen,
Also sie auch Eines sei’n,
Sich in wahrer Liebe dienen,
Und einander gern erfreu’n.

Liebe! hast Du es geboten,
Daß man Liebe üben soll:
O so mache doch die todten,
Trägen Geister lebensvoll,
Zünde an die Liebesflamme,
Daß ein Jeder sehen kann:
Wir, als die von Einem Stamme,
Stehen auch für Einen Mann!

Laß uns so vereinigt werden,
Wie Du mit dem Vater bist,
Bis schon hier auf dieser Erden
Kein getrenntes Glied mehr ist;
Und allein von Deinem Brennen
Nehme unser Licht den Schein;
Also wird die Welt erkennen,
Daß wir Deine Jünger sei’n!

(1725.)

Zinzendorf, Nikolaus Ludwig Graf von – Henoch’s Leben. (Vor seinen Augen schweben)

Vor Seinen Augen schweben,
Ist wahre Seligkeit.
Ein unverrücktes Leben
In der Verborgenheit;
Nichts können und Nichts wissen,
Nichts wollen und Nichts thun,
Als Jesu folgen müssen,
Das heißt in Frieden ruh’n.

Man steht von seinem Schlafe
In Christi Freundschaft auf;
Man fürchtet keine Strafe
Im ganzen Lebenslauf;
Man ißt und trinkt in Liebe,
Man hungerte wohl auch;
Man hält im Gnadentriebe
Beständig einen Brauch.

Wann man den Tag vollendet,
So legt man sich zur Ruh;
Von Christo unverwendet
Thut man die Sinne zu,
Und wünschet selbst den Träumen,
Wenn’s ja geträumt soll sein,
Nichts andres einzuräumen,
Als Christi Wiederschein.

Man geht in einer Fassung
Dahin bei Tag und Nacht,
Und ist auf die Verlassung
Der ganzen Welt bedacht:
Man hört und sieht und fühlet,
Hört, sieht und fühlt doch nicht,
Und wenn uns Schmerz durchwühlet,
Hat man doch Freudenlicht.

Gewiß, wer erst die Sünde
In Christi Blut ertränkt,
Und dann, gleich einem Kinde,
Ihm unverrückt anhängt:
Der wird auch heilig handeln,
Und kann bald anders nicht; (1. Joh. 3,8.)
HErr Jesu, lehr‘ uns wandeln
In Deiner Augen Licht!

(1731.)

Arndt, Ernst Moritz – Abschiedslied.

Schon dunkeln meine Lebenstage
Sich tief hinab zum Abendschein,
Und ernster fragt die große Frage:
Was bist du? sprich! was wirst du sein?
Wie löst das Räthsel deines Lebens
Sich hinter deinem Grabe auf?
War all dein Streben nicht vergebens?
War eitel Irrlauf nicht dein Lauf?

Ja wohl, die letzten Glockenschläge,
Der letzte Strahl des Abendlichts
Was klingen sie im Busen rege?
Was leuchtet er aus deinem Nichts?
Was melden deiner Augen Thränen?
Was wird im kranken Herzen wach?
O all dein Irren Träumen Sehnen,
Des Lebens langes Weh und Ach.

So ist’s: Mit Düsterniß umhangen
Wie oft war dir die wunde Brust,
Ein Dorn dein Sehnen und Verlangen,
Ein Gift die Süßigkeit der Lust;
Wie mogte sich der Blinde hüten
Auf bunter Täuschung Blumenfeld,
Wo oft die Natter unter Blüthen
Den Biß auf ihren Pflücker schnellt?

Doch still! Auch lieblich ist verklungen
Dir mancher schöne Erdentag,
Von Gottes Lieb‘ und Lust durchsungen,
Die tönt Erinn’rung fröhlich nach.
Ja, Gott, ich danke für dein Werde!
Für’s Wonnewort Es werde Licht!
Für deine schöne grüne Erde
Und all ihr Sonnenangesicht.

Ja Dank dir, Herr, für reiche Freude
Auf schwerstem längsten Pilgergang.
Es macht des Abends Schlafgeläute
Dem müden Wandrer nimmer bang;
Wie oft er auch auf wüstem Pfade
Von deinem Lichte tief verirrt,
Er weiß, daß deine Huld und Gnade
Ihn nimmermehr verlassen wird.

Nein, nimmer! Felsen sind die Worte,
Die Worte dein, Herr Jesus Christ,
Durch welche mir die Himmelspforte
Der Gnade weit geöffnet ist.
Mag dieser Erde Licht verscheinen,
Mag diese Sonne untergeh’n,
Ich werde selig mit den Deinen
Lobsingend steh’n auf höhern Höh’n.

Ja, süßer Heiland, mit den Deinen,
Sei auch ich unter Kleinsten klein –
Dein Licht wird ewig auf mir scheinen,
Dein Glanz wird ewig bei mir sein.
Hier gilt kein Zagen und kein Fragen,
Hier gilt: Halt fest, den Glauben fest,
Daß Gott nach diesen Dunklen Tagen
Dir hellere Sterne scheinen läßt.

 

Arndt, Ernst Moritz – Ermunterung.

Willst du sinken, nicht als sinken
Armes krankes Menschenherz?
Immer nur den Becher trinken,
Den dir füllet Sorg und Schmerz?
Immer alles nur in grauen
Schwarzen Erdenfarben seh’n?
Lerne doch nach oben schauen,
Wo die hellen Sterne geh’n.

Dahin schau! da ist dein Eigen,
Da dein altes Heimathland,
Dahin schau! und ferne steigen
Aus dem dürren Erdensand
Aus dem trüben Nebelstaube
Nimm den Flug und zittre nicht,
Glaube, was der Christenglaube
Schon zweitausend Jahre spricht.

Da hinauf! da ist dein Streiter,
Vor dem Noth und Tod zerfällt,
Dahin schau! und hell und heiter
Blüht dir wieder Gottes Welt;
Schaue, schau auf diesen Einen
Immer steht der Held bereit,
Der sein Himmelslicht läßt scheinen
Auf dein kurzes Erdenleid.

Ja, auf diesen Einen, deinen
Heiland schaue, halte fest
An dem Einen, der die Seinen
Nun und nimmermehr verläßt;
Auf ihn sollst allein du schauen,
Der vom Himmel niederkam,
Der hinweg des Todes Grauen
Und der Hölle Schrecken nahm.

Schaue, suche! du wirst finden,
Halt, was du gefunden hast,
Und so gib den leichten Winden
Alle schwere Erdenlast.
Muthig! denn der höchste Sieger
Schreitet dir im Streit voran,
Und die Loosung tönt dem Krieger:
Sei ein Christ und steh als Mann.

Arndt, Ernst Moritz – Klage und Trost.

O Erde, Land der Thränen,
Voll Unlust und voll Lust,
Voll Träumen und voll Sehnen
Der kranken Menschenbrust,
Voll Lichter und voll Schatten
Vielfacher Täuscherei,
Wo was wir heute hatten
Ist morgen schon vorbei.

Ja, bunter Gaukelschimmer
Ist diese bunte Welt,
Die mit der Kugel immer
Im Wechsel steigt und fällt,
Wo Blinde unter Blinden
Sich stoßen hin und her
Und Ruh und Frieden finden
Die Herzen nimmermehr.

Hier läufst du in der Irre,
Mensch, zwischen Nacht und Licht,
Und findest im Gewirre
Die rechte Straße nicht,
Auf tausend falschen Wegen,
Der bunten Täuschung Spiel,
Bald feige bald verwegen
Läufst du vorbei dem Ziel.

Und tiefer stets und weiter
Läuft fort die Biesterniß,
Kein Zeiger, kein Geleiter
Macht dich des Wegs gewiß;
Nur Einer hält den Faden,
Der durch die Wirren führt,
Er, der auf Sternenpfaden
Das große All regiert.

Drum nach den Sternenpfaden,
Nach oben mußt du schau’n,
Dort vor dem Licht der Gnaden
Entfliehen Nacht und Grau’n,
Von dort geht heller Morgen
Dir schon hienieden auf,
Vor Lug und Trug geborgen
Läuft klar dein Lebenslauf.

Dahin! dahin! von hinnen
Zum lichten Heimathland
Mit Herzen und mit Sinnen
Vom eitlen Erdentand!
So fliege, froher Flieger,
Empor im Muth des Lichts!
So schreite, tapfrer Sieger,
Hin durch die Nacht der Nichts!