- Gott Vater, sende deinen Geist,
den uns dein Sohn erbitten heißt,
aus deines Himmels Höhen.
Wir bitten, wie er uns gelehrt:
Laß uns doch ja nicht unerhört
von deinem Throne gehen! - Kein Menschenkind hier auf Erd
ist dieser edlen Gabe wert,
bei uns ist kein Verdienen.
Hier gilt gar nichts als Lieb und Gnad,
die Christus uns verdienet hat
mit Büßen und Versühnen. - Es jammert deinen Vatersinn
der große Jammer, da wie hin
durch Adams Fall gefallen.
Durch dieses Fallen ist die Macht
des bösen Geistes leider bracht
auf ihn und auf uns allen. - Wir halten, HErr, an unserm Heil
und sind gewiß, daß wir dein Teil
in Christo werden bleiben,
Die wir durch seinen Tod und Blut
des Himmels Erb und höchstes Gut
zu haben treulich Gaben. - Und das ist auch ein Gnadenwerk
und deines heil‘gen Geistes Stärk,
in uns ist kein Vermögen.
Wie bald würd unser Glaub und Treu,
HErr, wo du uns nicht stündest bei,
sich in die Aschen legen. - Dein Geist hält unsres Glaubens Licht,
wenn alle Welt dawider Sicht
mit Sturm und vielen Waffen,
Und wenn auch gleich der Fürst der Welt
selbst wider uns sich legt ins Feld,
so kann er doch nichts schaffen. - Wo Gottes Geist ist, da ist Sieg,
wo dieser hilft, da wird der Krieg
gewißlich wohl ablaufen.
Was ist doch Satans Reich und Stand?
Wann Gottes Geist erhebt die Hand,
fällt alles übern Haufen. - Er reißt der Höllen Band entzwei,
er tröst‘t und macht das Herze frei,
von allem, was uns kränket;
Wenn uns des Unglückswetter schreckt,
so ist ers, der uns schützt und deckt
viel besser, als man denket. - Er macht das bittre Kreuze süß,
ist unser Licht in Finsternis,
führt uns als seine Schafe,
Hält über uns sein Schild und Wacht,
daß seine Herd in tiefer Nacht
mit Ruh und Frieden schlafe. - Der Geist, den GOtt vom Himmel gibt,
der leitet alles, was ihn liebt,
auf wohlgebahnten Wegen,
Er setzt und richtet unsern Fuß,
daß er nicht anders treten muß,
als wo man findt den Segen. - Er macht geschickt und rüstet aus
die Diener, die des HErren Haus
in diesem Leben bauen;
Er ziert ihr Herz, Mund und Verstand,
laßt Ihnen, was uns unbekannt,
zu unserm Besten schauen. - Er öffnet unsers Herzens Tor,
wenn sie sein Wort in unser Ohr
als edlen Samen streuen,
Er gibet Kraft demselben Wort,
und wenn es fället, bringt ers fort
und lässets wohl gedeihen. - Er lehret uns die Furcht des HErrn,
liebt Reinigkeit und wohnet gern
in frommen, keuschen Seelen.
Was niedrig ist, was Tugend ehrt,
was Buße tut und sich bekehrt,
das pflegt er zu erwählen. - Er ist und bleibt stets getreu,
er steht uns auch im Tode bei,
wenn alle Ding abstehen;
Er lindert unsre letzte Qual,
laßt uns hindurch in Himmels Saal
getrost und fröhlich gehen. - O selig, wer in dieser Welt läßt
diesem Gaste Haus und Zelt
in seiner Seel aufschlagen!
Wer aufnimmt in dieser Zeit,
den wird er dort zur ewgen Freud
in Gottes Hütte tragen. - Nun, HErr und Vater aller Güt,
Hör unsern Wunsch: Geuß ins Gemüt
uns allen deine Gabe!
Gib deinen Geist, der uns allhier
regiere und dort für
im ewgen Leben lobe!
Tag: 16. Juni 2019
Gerhardt, Paul – Jesu, allerliebster Bruder
- Jesu, allerliebster Bruder,
ders am besten mit mir meint,
Du mein Anker, Mast und Ruder
und mein treuster Herzensfreund;
Der du, ehe was geboren,
dir das Menschenvolk erkoren,
Auch mich armen Erdengast
dir zur Lieb ersehen hast: - Du bist ohne Falsch und Tücke,
dein Herz weiß von kleiner List,
Aber wenn ich nur erblicke
was hier auf der Erde ist,
find ich alles voller Lügen:
Wer am besten kann betrügen,
Wer am schönsten heucheln kann,
ist der allerbeste Mann. - Ach, wie untreu und verlogen
ist die Liebe dieser Welt;
Ist sie jemand wohl gewogen,
Währts nicht länger als sein Geld.
Wenn das Glück uns fügt und grünet,
sind wir schön und hübsch bedienet,
kommt ein wenig Ungestüm,
kehrt sich alle Freundschaft üm. - Treib, Herr, von mir und verhüte
solchen unbeständgen Sinn;
hätt ich aber mein Gemüte,
weil ich auch ein Mensche bin,
Schon mit diesem Kot besprenget
und der Falschheit nachgehänget,
so erkenn ich meine Schuld,
Bitt um Gnad und um Geduld. - Laß mir ja nicht widerfahren,
was du Herr zur Straf und Last
denen, die mit falschen Waren
Handeln, angedräuet hast,
Da du sprichst, du wollest scheuen
und als Unflat von dir speien
aller Heuchler falschen Mut,
der Guts fürgibt und nicht tut. - Gib mir ein beständges Herze
gegen alle meine Freund;
Auch dann, wann mit Kreuz und Schmerze
Sie von dir beleget seind,
Daß ich mich nicht ihrer schäme,
sondern mich nach dir bequeme,
Der du, da wir arm und bloß,
uns gesetzt in deinen Schoß. - Gib mir auch nach deinem Willen
einen Freund, in dessen Treu
Ich mein Herze möge stillen,
da mein Mund sich ohne Scheu
Öffnen und erklären möge,
Da ich alles abelege
nach dem Maße, das mir gnügt,
was mir auf dem Herzen liegt. - Laß mich Davids Glück erleben:
Gib mir einen Jonathan,
der mir sein Herz möge geben,
Der auch, wenn nun jedermann
mir nichts Gutes mehr will gönnen,
sich nicht lasse von mir trennen,
Sondern fest in Wohl und Weh
als ein Felsen bei mir steh. - Herr, ich bitte dich, erwähle
mir aus aller Menschenmeng
eine fromme heilige Seele,
Die an dir seine Kleb und Häng,
Auch nach deinem Sinn und Geiste
mir stets Trost und Hilfe leiste:
Trost, der in der Not besteht,
Hilfe, die von Herzen geht. - Wenn die Zung und Mund nur liebet,
ist die Liebe schlecht bestellt.
Wer mir gute Worte gibet
und den Haß im Herzen hält,
Wer nur seinen Kuchen schmieret
und, wanns Bienlein nicht mehr führet,
Als dann geht er nach der Tür –
Ei, der bleibe fern von mir. - Hab ich Schwachheit und Gebrechen,
Herr, so lenke meinen Freund,
mich in Güte zu besprechen
und nicht als ein Löw und Feind.
Wer mich freundlich weiß zu schlagen,
ist als der in Freudentagen
reichlich auf mein Haupt mir geußt
Balsam, der am Jordan fleußt - O, wie groß ist meine Habe,
O, wie köstlich ist mein Gut,
Jesu, wenn mit dieser Gabe
Dein Hand meinen Willen tut,
Daß mich meines Freundes Treue
und beständigs Herz erfreue!
wer dich fürchtet, liebt und ehrt,
dem ist solch ein Schatz beschert. - Gute Freunde sind wie Stäbe,
Da der Menschengang sich hält,
Daß der schwache Fuß sich hebe,
Wann der Leib zu Boden fällt.
Wehe dem, der nicht zum Frommen
solches Stabes weiß zu kommen!
Der hat einen schweren Lauf,
Wann er fällt, wer hilft ihm auf? - Nun, Herr, laß dirs wohl gefallen,
bleib mein Freund bis in mein Grab!
Bleib mein Freund und unter allen
mein getreuster, stärkster Stab!
Wenn du dich mir wirst verbinden,
wird sich schon ein Herze finden,
das, durch deinen Geist gerührt,
mir was Gutes gönnen wird.
Gerhardt, Paul – Nun geht frisch drauf, es geht nach Haus
- Nun geht frisch drauf, es geht nach Haus,
Ihr Röslein, regt die Bein;
Ich will dem, der uns ein und aus
Begleitet, dankbar sein. - Ich will ihm singen Lob und Preis,
So viel ich singen kann,
Ich will sein Werk, so gut ichs weiß,
Mit Freuden zeigen an. - Es ist fürwahr nicht Menschenkunst,
Auf sichern Wegen gehn,
Führt uns nicht Gott und Gottes Gunst,
Würds oftmals seltsam stehn. - Wie manches Leid, wie manche Not,
Wie manches Jammerheer
Brächt uns in Angst, tät uns den Tod,
Wo Gott nicht bei uns wär. - Wie mancher Feind, wie mancher Dieb,
Wo ihn nicht Gott gerührt,
Hätt uns das Unsre, das uns lieb,
Genommen und entführt. - Wie mancher böser schwarzer Geist
Hätt unser Leib und Seel,
Wo uns der Herr nicht Gnad erweist,
Erschreckt aus seiner Höhl. - Es ist der alte große Drach
Doch allzeit ohne Ruh,
Wohin wir gehn, da geht er nach
Und setzt uns heftig zu. - Er sucht zu Haus, er sucht zu Feld,
Er sucht zur See und Land,
Er sucht uns in der ganzen Welt
Mit unverdroßner Hand. - Noch dennoch trifft er uns nicht an,
Sein Anschlag geht zurück,
Denn Gottes Schutz hegt unsre Bahn
Für unsres Feindes Tück. - Es zeucht der heilgen Engel Schar,
Mit Waffen ausgerüst,
Und wehren fleißig hier und dar
Des Tausendkünstlers List. - Es müssen ja noch immerfort
Die Mahanaim gehn
Und Gottes Volk auf Gottes Wort
Zu Dienst und Willen stehn. - Wenn Gott mir meiner Augen Licht
Mit Licht erfüllen wollt,
Als wie dem Jacob, der sich nicht
Für Esau fürchten sollt: - Ach, was für Wunder würd ich hier
Auf meinen Reisen sehn,
Wie schön, wie lieblich würde mir
In falschem Sehn geschehn. - Nun, was den Augen nicht vergunnt,
Das sieht mein Herz und Geist,
Dem Gott der heilgen Weisheit Grund
In seinem Geiste weist. - Es ist sein Wort, er hats gesagt:
Sein Heervolk sei bereit,
Uns zu umlagern, wenn uns plagt
Des Satans Neid und Streit. - Was Gott geredt, das ist vollbracht,
Mein Herz, sei wohlgemut
Und laß ja nimmer aus der Acht,
Was dein Gott an dir tut. - Du sieht und greifst, wie gut er sei
Dem, der ihn ehrt und liebt,
Er ziert mit Lieb, er ziert mit Treu
Ein Herz, das ihm sich gibt. - Er trägt uns, wie (wenn einher schlägt
Blitz, Hagel, Sturm, und Wind)
Ein treuer frommer Vater trägt
Sein kleines zartes Kind. - Er deckt uns zu mit seiner Hand,
Wie eine Mutter tut,
In deren Schoß das süße Pfand
Der keuschen Liebe ruht. - Er räumt aus unsern Wegen weg
Des Unglücks scharfen Stein
Und schafft, daß unsre Bahn und Steg
Fein schlicht und eben sein. - Er führt uns über Berg und Tal,
Und wenns nun rechte Zeit,
So führt er uns in seinen Saal
Zur ewgen Himmelsfreud. - Alsdann werd ich die letzte Reis
Und schönste Heimfahrt tun
Und nach dem sauren Erdenschweiß
In süßer Stille ruhn.
Gerhardt, Paul – Weltskribenten und Poeten
- Weltskribenten und Poeten
Haben ihren Glanz und Schein,
Mögen auch zu lesen sein,
Wenn wir leben außer Nöten;
In dein Unglück, Kreuz und Übel
Ist nichts Bessers als die Bibel, - Cato deuchte sich zu stellen
In der Angst mit Plato Buch,
Aber Gottes Zorn und Fluch
Drückt ihn gleichwohl bis zur Höllen;
Sein verirrter blinder Sinn
Ging und wußte nicht wohin. - Was Homerus hat gesungen
Und des Maro hoher Geist,
Wird gerühmet und gepreist
Und hat alle Welt durchdrungen;
Aber wenn der Tod uns trifft,
Was hilft da Homerus´ Schrift? - Gottes Wort, das ists vor allen,
So uns, wenn das Herz erschrickt,
wie ein kühler Tau erquickt,
Daß wir nicht zu Boden fallen.
wenn die ganze Welt verzagt,
steht und siegt, was Gott gesagt. - Wenn die Scharen aller Teufel
Sich empören und bemühn,
Dich von Christo abzuziehn
Und zu stürzen in den Zweifel,
Und du spricht nur: So spricht Gott!
Werden sie zu Schand und Spott. - Darum liebt, ihr lieben Herzen,
Gottes Schriften, die gewiß
In der Herzensfinsternis
Besser sind als alle Kerzen;
Hier sind Strahlen, hier ist Licht,
Das durch alles Herzleid bricht. - Unser Schirmer wirds euch lehren,
Wenn ihr, was sein heilger Fleiß
Ihm zum Trost und Gott zum Preis
Hier gesetzet, werdet, hören.
Lobt das Werk und liebt den Mann,
Der das gute Werk getan.
Gerhardt, Paul – O Jesu Christ, mein schönstes Licht
- O Jesu Christ, mein schönstes Licht,
Der du in deiner Seelen
So hoch mich liebst, daß ich es nicht
Aussprechen kann noch zählen:
Gib, daß mein Herz dich wiederum
Mit Lieben und Verlangen
Mög’ umfangen
Und als dein Eigentum
Nur einzig an dir hangen! - Gib, daß sonst nichts in meiner Seel’
Als deine Liebe wohne;
Gib, daß ich deine Lieb’ erwähl’
Als meinen Schatz und Krone!
Stoß alles aus, nimm alles hin,
Was dich und mich will trennen
Und nicht gönnen,
Daß all mein Mut und Sinn
In deiner Liebe brennen! - Wie freundlich, selig, süß und schön
Ist, Jesu, deine Liebe!
Wo diese steht, kann nichts bestehn,
Das meinen Geist betrübe;
Drum laß nicht andres denken mich,
Nichts sehen, fühlen, hören,
Lieben, ehren
Als deine Lieb’ und dich,
Der du sie kannst vermehren! - O, daß ich dieses hohe Gut
Möchte ewiglich besitzen!
Gebet und christlichs Leben
O, daß in mir dies‘ edle Glut
Ohn Ende möchte hitzen!
Ach, hilf mir wachen Tag und Nacht
Und diesen Schatz bewahren
Vor den Scharen,
Die wider uns mit Macht
Aus Satans Reiche fahren. - Mein Heiland, du bist mir zulieb
In Not und Tod gegangen
Und hast am Kreuz als wie ein Dieb
Und Mörder da gehangen,
Verhöhnt, verspeit und sehr verwundt;
Ach laß mich deine Wunden
Alle Stunden
Mit Lieb im Herzensgrund
Auch ritzen und verwunden. - Dein Blut, daß dir vergossen ward,
ist köstlich, gut und reine,
Mein Herz hingegen böser Art
Und hart gleich einem Steine.
O laß doch deines Blutes Kraft
Mein hartes Herze zwingen,
Wohl durchdringen
Und diesen Lebenssaft
Mir deine Liebe bringen! - O daß mein Herze offen stünd
Und fleißig möchte auffangen
Die Tröpflein Bluts, die meine Sünd
Im Garten dir abdrangen!
Ach daß sich meiner Augen Brunn
Auftät und mit Stöhnen
Heiße Tränen
Vergösse, wie die tun,
Die sich in Liebe sehnen. - O daß ich wie ein kleines Kind
Mit Weinen dir nachginge
So lange, bis dein Herz, entzünd’t,
Mit Armen mich umfinge
Und deine Seel’ in mein Gemüt
In voller, süßer Liebe
Sich erhübe
Und also deiner Güt’
Ich stets vereinigt bliebe! - Ach zeuch, mein Liebster, mich nach dir,
So lauf’ ich mit den Füssen,
Ich lauf’ und will dich mit Begier
In meinem Herzen küssen!
Ich will aus deines Mundes Zier
Den süßen Trost empfinden,
Der die Sünden
Und alles Unglück hier
Kann leichtlich überwinden. - Mein Trost, mein Schatz, mein Licht und Heil,
Mein höchstes Gut und Leben,
Ach nimm mich auf zu deinem Teil,
Dir hab ich mich ergeben.
Denn außer dir ist lauter Pein,
Ich find hier überalle
Nichts denn Galle;
Nichts kann mir tröstlich sein,
Nichts ist, das mir gefalle. - Du aber bist die rechte Ruh,
In dir ist Fried und Freude,
Gib, Jesu, gib, daß immerzu,
Mein Herz in dir sich weide!
Sei meine Flamm und brenn in mir,
Mein Balsam, wollest eilen,
Lindern, heilen
Den Schmerzen, der allhier
Mich seufzen macht und heulen. - Was ists, o Schönster, das ich nicht
In deiner Liebe habe?
Sie ist mein Stern, mein Sonnenlicht,
Mein Quell, da ich mich labe,
Mein süßer Wein, mein Himmelsbrot,
Mein Kleid vor Gottes Throne
Meine Krone,
Mein Schutz in aller Not,
Mein Haus, darin ich wohne. - Ach, liebstes Lieb, wann du entweichst,
Was hilft mir sein geboren?
Wann du mir deine Lieb entzeuchst,
Ist all mein Gut verloren.
So gib, daß ich dich, meinen Gast,
Wohl such und bester Maßen
Möge fassen
Und, wenn ich dich gefaßt,
In Ewigkeit nicht lassen! - Du hast mich je und je geliebt
Und auch nach dir gezogen;
Eh ich noch etwas Guts geübt,
Warst du mir schon gewogen.
Ach, laß doch ferner, edler Hort,
Mich diese Liebe leiten
Und begleiten,
Daß sie mir immerfort
Beisteh auf allen Seiten! - Laß meinen Stand, darin ich steh’.
Herr, deine Liebe zieren
Und, wo ich etwa irregeh’,
Alsbald zurechteführen;
Laß sie mich allzeit guten Rat
Und weise Werke lehren,
Steuern, wehren
Der Sünd’ und nach der Tat
Bald wieder mich bekehren! - Laß sie sein meine Freud’ in Leid,
In Schwachheit mein Vermögen,
Und wenn ich nach vollbrachter Zeit
Mich soll zur Ruhe legen,
Alsdann laß deine Liebestreu’,
Herr Jesu, bei mir stehen,
Luft zuwehen,
Daß ich getrost und frei
Mög’ in dein Reich eingehen!
Paul Gerhardt – O Gott, mein Schöpfer, edler Fürst
- O Gott, mein Schöpfer, edler Fürst
und Vater meines Lebens,
Wo du mein Leben nicht regierst,
so leb ich hier vergebens.
Ja lebendig bin ich auch tot,
der Sünden ganz ergeben,
Wer sich wälzt im Sündenkot,
der hat das rechte Leben
noch niemals recht gesehen. - Darum so wende deine Gnad
zu deinem armen Kinde
und gib mir allzeit guten Rat:
Behüte meines Mundes Tür,
Daß mir ja nicht entfahre
ein solches Wort, dadurch ich dir
und deiner frommen Schare
verdrießlich sei und schade. - Bewahr, o Vater mein Gehör
auf dieser schönen Erde
vor allem, dadurch deine Ehr
und Reich beschimpfet werde;
Laß mich der Lästrer Gall und Gift
ja nimmermehr berühren,
Denn wen ein solcher Unflat trifft,
den pflegt er zu verführen,
auch wohl gar umzukehren. - Regier meiner Augenlicht,
daß sie nichts Arges treiben,
ein unverschämtes Angesicht
laß ferne von mir bleiben:
Was ehrbar ist, was Zucht erhält,
Wonach die Englein trachten,
was dir beliebt und wohlgefällt,
das laß auch mich hochachten,
all Üppigkeit verlachen. - Gib, daß ich mich nicht lasse ein
zum Schlemmen und zum Prassen,
laß deine Lust mein eigen sein,
die andere fliehn und hassen.
Die Lust, die unser Fleisch ergetzt,
Die zeucht uns nach der Höllen,
und was die Welt für Freude schätzt,
pflegt Seel und Geist zu fällen
und ewiglich zu quälen. - O selig ist, der stets sich nährt
mit Himmels Speis und Tränken,
Der nichts mehr schmeckt, nichts sieht und hört,
auch nichts begehrt zu denken,
Als nur was zu dem Leben bringt,
da man bei Gotte lebet
Und bei der Schar, die fröhlich singt
und in der Wollust schwebet,
die keine Zeit aufhebet.
Gerhardt, Paul – O Herrscher in dem Himmelszelt
- O Herrscher in dem Himmelzelt,
Was ist es doch, das unser Feld
Und was es uns hervorgebracht,
So ungestalt und traurig macht! - Nichts anders, traun, als daß die Schar
Der Menschen sich so ganz und gar
Bis in den tiefsten Grund verkehrt
Und täglich ihre Schuld vermehrt. - Die, so, als Gottes Eigentum,
Stets preisen sollten Gottes Ruhm
Und lieben seines Wortes Kraft,
Sind gleich der blinden Heidenschaft. - Drum wird uns auch der Himmel blind,
Des Firmamentes Glanz verschwind´t,
Wir warten, wenn der Tag anbricht,
Aufs Tageslicht und kommt doch nicht. - Man zankt noch immer fort und fort,
Es bleibet Krieg an allem Ort,
In allen Winkeln Haß und Neid,
In allen Ständen Streitigkeit. - Drum strecken auch all Element
Hier wider uns aus ihre Händ,
Angst kommt uns aus der Tief und See,
Angst kommt uns aus der Luft und Höh. - Es ist ein hochbetrübte Zeit;
Man plagt und jagt die armen Leut,
Eh als es Zeit, zur Grube zu
Und gönnet Ihnen keine Ruh. - Drum trauert auch der Freudenquell,
Die Sonn, und scheint uns nicht so hell;
Die Wolken gießen allzumal
Die Tränen ohne Maß und Zahl. - Ach, wein auch du, o Menschenkind,
Und traure über deine Sünd ;
Halt doch von deinen Lastern ein
Und mache dich durch Buße rein. - Fall auf die Knie, fall in die Arm
Des Herrn, daß sich sein Herz erbarm
Und der so wohl verdienten Rach
In Gnaden bald ein Ende mach! - Er ist ja fromm und bleibet fromm,
Begehret nichts mehr, als daß man komm
Und mit geneigter Furcht und Scheu
Ihn bitt um Gnad und Vatertreu. - Ach Vater, Vater, höre doch
Und lös uns aus dem Sündenjoch
Und zeuch uns aus der Welt herfür
Und kehr uns selbsten du zu dir! - Erweiche unsern harten Mut
Und mach uns Böse fromm und gut;
Wen du bekehrst, der wird bekehrt,
Und wer dich hört, der wird erhört. - Laß deine Augen freundlich sein
Und nimm mit gnädigen Ohren ein
Das Angstgeschrei, das von der Erd
Aus unserm Herzen zu dir fährt. - Reiß weg das schwarze Zorngewand,
Erquicke uns und unser Land
Und der so schönen Früchte Kranz
Mit süßem warmen Sonnenglanz. - Verleih uns bis in unsern Tod
Alltäglich unser liebes Brot
Und dermaleinst nach dieser Zeit
Das süße Brot der Ewigkeit!
Gerhardt, Paul – Sei mir tausendmal gegrüßet
Sei mir tausendmal gegrüßet,
der mich je und je geliebt,
Jesus, der du selbst gebüßet
das, womit ich dich betrübt;
ach, wie ist mir doch so wohl,
wenn ich knien und liegen soll
an dem Kreuze, da du stirbest
und um meine Seele wirbest.
Ich umfange, herz und küsse
der gekränkten Wunden Zahl
und die purpurroten Flüsse,
deine Füß‘ und Nägelmal.
O, wer kann doch, schönster Fürst,
den so hoch nach uns gedürst’t,
deinen Durst und Liebsverlangen
völlig fassen und umfangen?
Heile mich, o Heil der Seelen,
der ich krank und traurig bin;
nimm die Schmerzen, die mich quälen,
und den ganzen Schaden hin,
den mir Adams Fall gebracht,
und ich selber mir gemacht;
wird, o Arzt, dein Blut mich netzen,
wird sich all mein Jammer setzen.
Schreibe deine blutgen Wunden
mir, Herr, in das Herz hinein,
daß sie mögen alle Stunden
bei mir unvergessen sein;
du bist doch mein schönstes Gut,
da mein ganzes Herze ruht.
Laß mich hier zu deinen Füßen
deiner Lieb und Gunst genießen.
Diese Füße will ich halten,
Herr, so fest ich immer kann.
Schau, o schau mein Händefalten
und mich selber freundlich an
von des hohen Kreuzes Baum
und gib meiner Bitte Raum,
sprich: Laß all dein Trauern schwinden;
ich, ich tilg all deine Sünden.
Gerhardt, Paul – Zeuch ein zu deinen Toren
Zeuch ein zu deinen Toren,
sei meines Herzens Gast,
der du, da ich geboren,
mich neu geboren hast,
o hochgeliebter Geist
des Vaters und des Sohnes,
mit beiden gleichen Thrones,
mit beiden gleich gepreist.
Zeuch ein, laß mich empfinden
und schmecken deine Kraft,
die Kraft, die uns von Sünden
Hülf und Errettung schafft.
Entsündge meinen Sinn,
daß ich mit reinem Geiste
dir Ehr und Dienste leiste,
die ich dir schuldig bin.
Ich war ein wilder Reben,
du hast mich gut gemacht,
der Tod durchdrang mein Leben,
du hast ihn umgebracht
und in der Tauf ersticket,
als wie in einer Flute,
mit dessen Tod und Blute,
der uns im Tod erquicket.
Du bist das heilig Öle,
dadurch gesalbet ist
mein Leib und meine Seele
dem Herren Jesu Christ
zum wahren Eigentum,
zum Priester und Propheten,
zum Könge, den in Nöten
Gott schützt vom Heiligtum.
Du bist ein Geist, der lehret,
wie man recht beten soll.
Dein Beten wird erhöret,
dein Singen klinget wohl;
es steigt zum Himmel an,
es steiget sonder Ende,
bis der sich zu uns wende,
der allen helfen kann.
Du bist ein Geist der Freuden,
willst unser Trauern nicht,
erleuchtest uns im Leiden
mit deines Trostes Licht.
Ach ja, wie manches Mal
hast du mit süßen Worten
mir aufgetan die Pforten
zum goldnen Freudensaal.
Du bist ein Geist der Liebe,
ein Freund der Freundlichkeit,
willst nicht, daß uns betrübe
Zorn, Zank, Haß, Neid und Streit.
Der Feindschaft Feind du bist,
willst, daß durch Liebesklammern
sich wieder tu zusammen,
was voller Zwietracht ist.
Du, Herr, hast selbst in Händen
die ganze weite Welt,
kannst Menschenherzen wenden,
wie es dir wohlgefällt.
So gib doch deine Gnad
zu Fried- und Liebesbanden,
verknüpf in allen Landen,
was sich getrennet hat.
Ach, edle Friedensquelle,
schleuß deinen Abgrund auf
und gib dem Frieden schnelle
hier wieder seinen Lauf.
Halt ein die große Flut,
die Flut, die eingerissen
so, daß man siehet fließen
wie Wasser, Menschenblut.
Laß deinem Volk erkennen
die Vielheit seiner Sünd,
auch Gottes Grimm so brennen,
daß er bei uns entzünd
den ernsten bittern Schmerz
und Buße, die bereuet,
des sich zuerst gefreuet
ein weltergebnes Herz.
Auf Buße folgt der Gnaden,
auf Reu der Freuden Blick,
sich bessern heilt den Schaden,
fromm werden bringet Glück.
Herr, tus zu deiner Ehr,
erweiche Stahl und Steine,
Auf daß das Herze weine,
das böse sich bekehr.
Erhebe dich und steure
dem Herzleid auf der Erd,
bring wieder und erneuere
die Wohlfahrt deiner Herd!
Laß blühen wie zuvorn
die Länder, so verheeret,
die Kirchen, so zerstöret
durch Krieg und Feuerszorn.
Beschirm die Polizeien,
bau unsers Fürsten Thron,
daß er und wir gedeihen;
schmück als mit einer Kron
die Alten mit Verstand,
mit Frömmigkeit die Jugend,
mit Gottesfurcht und Tugend
das Volk im ganzen Land.
Erfülle die Gemüter
mit reiner Glaubenszier,
die Häuser und die Güter
mit Segen für und für.
Vertreib den bösen Geist,
der sich dir widersetzet
und, was dein Herz ergötzet,
aus unserm Herzen reißt.
Gib Freudigkeit und Stärke,
zu stehen in dem Streit,
den Satans Reich und Werke
uns täglich anerbeut,
hilf kämpfen ritterlich,
damit wir überwinden
und ja zum Dienst der Sünden
kein Christ ergebe sich.
Richt unser ganzes Leben
allzeit nach deinem Sinn,
und wenn wirs sollen geben
in Todes Hände hin,
wenns mit uns hie wird aus,
so hilf uns fröhlich sterben
und nach dem Tod ererben
des ewgen Lebens Haus.
Gerhardt, Paul – Hör an, mein Herz, die sieben Wort
1. Hör an, mein Herz, die sieben Wort,
die Jesus ausgesprochen,
Da ihm durch Qual und blutgen Mord
sein Herz am Kreuz gebrochen.
Tu auf den Schrein
und schleuß sie ein
als edel Höhegaben,
So wirst du Freud
in schwerem Leid
und Trost am Kreuz haben.
2. Sein allererste Sorge war,
zu schützen, die ihn hassen,
Bat, daß sein GOtt der bösen Schar
wollt ihre Sünd erlassen.
Vergib, vergib,
sprach er aus Lieb,
o Vater, Ihnen allen!
Ihr keiner ist,
der säh und wüßt,
in was für Tat sie fallen.
3. Lehrt uns hiermit, wie schön es sei,
die lieben, die uns kränken,
Und Ihnen ohne ohne Heuchelei
all ihre Fehler schencken.
Er zeigt zugleich,
wie Gnadenreich
und fromm sei sein Gemüte,
Daß auch sein Feind,
ders böse meint,
bei ihm nichts find als Güte.
4. Drauf spricht er seine Mutter an,
die bei Johanne stunde,
Tröst‘t sie am Kreuz, so gut er kann,
mit seinem schwachen Munde:
Sieh hier dein Sohn!
Weib, der wird schon
mein Amt bei dir verwalten.
Und, Jünger, sieh,
hier stehet, die
du sollst als Mutter halten.
5. Ach, treues Herz, so sorgest du
für alle deine Frommen.
Du siehst und schauest fleißig zu,
wie sie in Trübsal kommen,
Trittst auch mit Rat
und treuer Tat
zu Ihnen auf die Seiten,
Du bringst sie fort,
gibst Ihnen Ort
und Raum bei guten Leuten.
6. Die dritte Red hast du getan
dem, der dich, HErr, gebeten:
Gedenk und nimm dich meiner an,
wenn du nun wirst eintreten
In deinen Thron
und Ehr und Kron
als Himmelsfürst auf setzen!
7. O süßes Wort, o Freudenstimm!
Was will uns nun erschrecken?
Laß gleich den Tod mit großen Grimm
hergehn aus allen Ecken;
Stürmt er gleich sehr,
was kann er mehr,
als Leib und Seele scheiden?
Indessen schwing
ich mich und spring
ins Paradies mit Freuden.
8. Nun wohl, der Schächer wird mit Freud
aus Christi Wort erfüllt,
Er aber selbst fängt an und schreit,
gleich als ein Leue brüllt:
Eli, mein Gott!
welch Angst und Not
muß ich, dein Kind, ausstehen!
Ich ruf, und du
schweigst still dazu,
läßt mich zu Grunde gehen.
9. Nimm dies zur Folge, frommes Kind,
wann GOtt sich grausam stellet,
Schau, daß du wenn sich Trübsal findt,
nicht werdest umgefället.
Halt steif und fest:
der dich jetzt lätzt,
wird dich gar bald erfreuen,
Sei du nur treu
und halt dabei
stark an mit gläubgem Schreien.
10. Der HErr fährt fort, ruft laut und hell
klagt, wie ihn heftig dürfte:
Mich dürftet, sprach der ewge Quell
und edel Lebensfürste.
Was meint er hier?
Er zeigt dir,
wie mutig er getragen
An deiner Last,
die du ihm hast
gemacht in Sündentagen.
11. Er deutet auch darneben an,
wie ihn so hoch verlange,
Daß dies sein sein Kreuz bei jedermann
Frucht bring und wohl verfange.
Das merk mit Fleiß,
wer sich im Schweiß
der Seelenangst muß quälen:
Das ewge Licht
Schleußt keinen nicht
vom Teil und Heil der Seelen.
12. Als nun des Todes finstre Nacht
begunnt hereinzudringen,
Sprach Gottes Sohn: Es ist vollbracht
das, was ich soll vollbringen.
Was hier und dar
die heilge Schar
der Väter und Propheten
Hat aufgesetzt,
wie man zuletzt
mich kreuzgen würd und töten.
13. Ists denn vollbracht, was willst du nun
dich so vergeblich plagen,
Als müßt ein Mensch mit seinem Tun
die Sündenschuld abtragen?
Es ist vollbracht!
Das nimm in Acht,
du darfst hier nichts zu geben,
Als daß du gläubst
und gläubig bleibst
in deinem ganzen Leben.
14. Nun endlich redt er noch einmal,
schreit auf ohn alle Maßen:
Mein Vater, nimm in dein Saal
das, was ich jetzt muß lassen:
Nimm meinen Geist,
der hier sich reißt
aus meinem halten Herzen!
Und hiermit wird
der große Hirt
entbunden aller Schmerzen.
15. O wollte GOtt, daß ich mein End
auch also möchte Enden
Und meinen Geist in Gottes Händ
und treuen Schoß hinsenden!
Ach laß, mein Hort,
dein letztes Wort
mein letztes Wort auch werden!
So werd ich schön
und selig gehn
zum Vater von der Erden.