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Schlagwort: Sieben Worte

Behm, Martin – Mein Seel, dies Wort mit Ernst betracht,

Behm, Martin – Mein Seel, dies Wort mit Ernst betracht,

1. Mein Seel, dies Wort mit Ernst betracht,
Das Jesus schreit: „Es ist vollbracht“!
Des Vaters Willen ist erfüllt,
Sowohl die Straf und alle Bild
Der Juden Grimm und Christi Krieg
Hat auch ein End, hier ist der Sieg,
Dadurch wir all erlöset sein
Von Gottes Zorn und Höllenpein.

2. Drum dank ich dir, Herr Jesu Christ,
Daß du der recht Vollbringer bist,
Hast gnädig dich zu uns gewendt,
Dies sauer Werk gebracht zu End,
Dadurch die recht Vollkommenheit
Vor dir uns Armen ist bereit,
Daß wir auf rechter Bahn eingehn,
Zuletzt vor deim Gericht bestehn!

3. Ich klag: Vollkommen bin ich nicht,
Es mangelt mir am Glaubenslicht.
So ist mein Leben so gethan,
Daß ichs Gut nicht vollbringen kann.
Gar unvollkommen ich jetzt bin
In all mein Werken, Muth und Sinn
Das rechn nicht meiner Seelen zu,
Sonst hätt ich hier und dort nicht Ruh.

4. Ich bitt: Laß dein Vollkommenheit
Erstatten meine Dürftigkeit,
Hilf, daß ich mög vollkommen sein,
Im Glauben recht, in Werken rein;
Was ich nicht kann, darin mich stärk,
Daß ich durch dich verbring mein Werk
Und von dir habe Trost und Freud
Hier in der Unvollkommenheit.

5. Laß mir in dieser Zeit gelingn,
Daß ich das Bös nicht mög verbringn,
Der bösen Lust im Herzen wehr,
Daß ich nicht Sünd zu thun begehr,
Richt mein Herz zur Vollkommenheit,
Die bei dir ist in Ewigkeit,
Daß ich im Himmel hab mein Theil
Zu deiner Ehr und meinem Heil.

Gerhardt, Paul – Hör an, mein Herz, die sieben Wort

Gerhardt, Paul – Hör an, mein Herz, die sieben Wort

1. Hör an, mein Herz, die sieben Wort,
die Jesus ausgesprochen,
Da ihm durch Qual und blutgen Mord
sein Herz am Kreuz gebrochen.
Tu auf den Schrein
und schleuß sie ein
als edel Höhegaben,
So wirst du Freud
in schwerem Leid
und Trost am Kreuz haben.

2. Sein allererste Sorge war,
zu schützen, die ihn hassen,
Bat, daß sein GOtt der bösen Schar
wollt ihre Sünd erlassen.
Vergib, vergib,
sprach er aus Lieb,
o Vater, Ihnen allen!
Ihr keiner ist,
der säh und wüßt,
in was für Tat sie fallen.

3. Lehrt uns hiermit, wie schön es sei,
die lieben, die uns kränken,
Und Ihnen ohne ohne Heuchelei
all ihre Fehler schencken.
Er zeigt zugleich,
wie Gnadenreich
und fromm sei sein Gemüte,
Daß auch sein Feind,
ders böse meint,
bei ihm nichts find als Güte.

4. Drauf spricht er seine Mutter an,
die bei Johanne stunde,
Tröst‘t sie am Kreuz, so gut er kann,
mit seinem schwachen Munde:
Sieh hier dein Sohn!
Weib, der wird schon
mein Amt bei dir verwalten.
Und, Jünger, sieh,
hier stehet, die
du sollst als Mutter halten.

5. Ach, treues Herz, so sorgest du
für alle deine Frommen.
Du siehst und schauest fleißig zu,
wie sie in Trübsal kommen,
Trittst auch mit Rat
und treuer Tat
zu Ihnen auf die Seiten,
Du bringst sie fort,
gibst Ihnen Ort
und Raum bei guten Leuten.

6. Die dritte Red hast du getan
dem, der dich, HErr, gebeten:
Gedenk und nimm dich meiner an,
wenn du nun wirst eintreten
In deinen Thron
und Ehr und Kron
als Himmelsfürst auf setzen!

7. O süßes Wort, o Freudenstimm!
Was will uns nun erschrecken?
Laß gleich den Tod mit großen Grimm
hergehn aus allen Ecken;
Stürmt er gleich sehr,
was kann er mehr,
als Leib und Seele scheiden?
Indessen schwing
ich mich und spring
ins Paradies mit Freuden.

8. Nun wohl, der Schächer wird mit Freud
aus Christi Wort erfüllt,
Er aber selbst fängt an und schreit,
gleich als ein Leue brüllt:
Eli, mein Gott!
welch Angst und Not
muß ich, dein Kind, ausstehen!
Ich ruf, und du
schweigst still dazu,
läßt mich zu Grunde gehen.

9. Nimm dies zur Folge, frommes Kind,
wann GOtt sich grausam stellet,
Schau, daß du wenn sich Trübsal findt,
nicht werdest umgefället.
Halt steif und fest:
der dich jetzt lätzt,
wird dich gar bald erfreuen,
Sei du nur treu
und halt dabei
stark an mit gläubgem Schreien.

10. Der HErr fährt fort, ruft laut und hell
klagt, wie ihn heftig dürfte:
Mich dürftet, sprach der ewge Quell
und edel Lebensfürste.
Was meint er hier?
Er zeigt dir,
wie mutig er getragen
An deiner Last,
die du ihm hast
gemacht in Sündentagen.

11. Er deutet auch darneben an,
wie ihn so hoch verlange,
Daß dies sein sein Kreuz bei jedermann
Frucht bring und wohl verfange.
Das merk mit Fleiß,
wer sich im Schweiß
der Seelenangst muß quälen:
Das ewge Licht
Schleußt keinen nicht
vom Teil und Heil der Seelen.

12. Als nun des Todes finstre Nacht
begunnt hereinzudringen,
Sprach Gottes Sohn: Es ist vollbracht
das, was ich soll vollbringen.
Was hier und dar
die heilge Schar
der Väter und Propheten
Hat aufgesetzt,
wie man zuletzt
mich kreuzgen würd und töten.

13. Ists denn vollbracht, was willst du nun
dich so vergeblich plagen,
Als müßt ein Mensch mit seinem Tun
die Sündenschuld abtragen?
Es ist vollbracht!
Das nimm in Acht,
du darfst hier nichts zu geben,
Als daß du gläubst
und gläubig bleibst
in deinem ganzen Leben.

14. Nun endlich redt er noch einmal,
schreit auf ohn alle Maßen:
Mein Vater, nimm in dein Saal
das, was ich jetzt muß lassen:
Nimm meinen Geist,
der hier sich reißt
aus meinem halten Herzen!
Und hiermit wird
der große Hirt
entbunden aller Schmerzen.

15. O wollte GOtt, daß ich mein End
auch also möchte Enden
Und meinen Geist in Gottes Händ
und treuen Schoß hinsenden!
Ach laß, mein Hort,
dein letztes Wort
mein letztes Wort auch werden!
So werd ich schön
und selig gehn
zum Vater von der Erden.

Zwick, Johannes – Da Jesus an des Kreuzes Stamm

Zwick, Johannes – Da Jesus an des Kreuzes Stamm

1.) Da Jesus an des Kreuzes Stamm
Der ganzen Welt Sünd‘ auf sich nahm,
Sprach er in seinen Schmerzen
Noch sieben Wort. Ach, lasset uns
Die nehmen wohl zu Herzen.

2.) Zum ersten: ‚Vater, strafe nicht
An ihnen, was mir jetzt geschicht,
Weil sie es nicht verstehen.‘
Vergib uns, Gott, wenn wir auch noch
Aus Irrtum uns vergehen.

3.) Zum andern er des Schächers dacht
Und sprach: ‚Du wirst noch vor der Nacht
In meinem Reich heut‘ leben.‘
O, Herr, nimm uns auch bald zu dir,
Die wir in Nöten schweben!

4.) Zum dritten: ‚deinen Sohn, sieh, Weib!
Johannes, ihr zu Diensten bleib
Und sie als Mutter liebe.‘
Versorg, Herr, die wir lassen hier,
Dass niemand sie betrübe.

5.) Zum vierten sagte er: ‚Mich dürst’t.‘
O, Jesu, großer Lebensfürst,
Du hast Durst und Verlangen
Nach unsrer Seligkeit, drum hilf,
Dass wir sie auch empfangen.

6.) Zum fünften: ‚O, mein Gott, mein Gott,
Wie lässt du mich so in der Not!‘
Hier wirst du, Herr, verlassen,
Dass Gott uns wieder dort aufnehm.
Den Trost lass uns wohl fassen.

7.) Zum sechsten: ‚Es ist nun vollbracht
Und alles nunmehr wohl gemacht.‘
Gib, dass wir auch durchdringen
Und was du, Herr, uns auferlegst,
Hilf seliglich vollbringen!

8.) Zum letzten: ‚ich nun meine Seel‘,
O Gott, mein Vater, dir befehl
Zu deinen treuen Händen.‘
Dies Wort sei unser letzter Wunsch,
Wenn wir das Leben enden.

9.) Verleih uns dies, Herr Jesu Christ,
Der du für uns gestorben bist.
Gib, dass wir deine Wunden,
Dein Leiden, Marter, Kreuz und Tod
Betrachten alle Stunden.

Zwick, Johannes – Im ersten Wort der Hauptgrund steht

Zwick, Johannes – Im ersten Wort der Hauptgrund steht

1.) Im ersten Wort der Hauptgrund steht
Des Heils und ewigs Leben,
Indem, dass Christus g’beten hat,
Dass Gott wollt‘ Sünd‘ vergeben.
Sein’n größten Feinden, dess‘ auch wir
Genießen solln, so wir mit B’gier
Solcher Genad begehren,
Dann wird’s uns Gott gewähren.

2.) Den Jüngern und sein‘ Mutter zart,
Die will er auch bewahren,
Befiehlt ihn‘ Liebe, Treu und Wart,
All’s Zeitlichs lässt er fahren:
Solch treu‘ Fürsorg und Freundlichkeit,
Göttliche Lieb‘ und Einigkeit
Ist nun der Christen G’setze,
Das lässt der Herr zuletzte.

3.) Dem Schächer spricht er gnädig zu
Und tröstlich über Maßen,
Verheißt ihm ewig Freud und Ruh‘,
Es sei schon auf der Straßen:
All Christen lehrt er auch hierbei,
Dass noch ein Reich vorhanden sei,
Dahin uns soll verlangen,
So wir am Kreuz tun hangen.

4.) Höll‘, Tod und Sünd‘, Schand, Schmach und Spott
Den Herren tut anfechten,
Mit großem Schrei klagt er’s sei’m Gott
Und leidt’s für uns Ung’rechten:
Dies‘ Not erfährt er unverschuldt,
Dass er durch Leiden und Geduld
Auch unser Not könnt‘ tragen
Und wir nicht mehr verzagen.

5.) ‚Mich dürst‘, spricht hier der Herre dein
Für dich und für uns alle:
Der Glut muss ihm verbittert sein
Mit Essig und mit Galle.
Und er ist’s doch, der Gnade schenkt
Und ’s Herz mit Trost und Freuden tränkt:
Verbittert er’s mit Myrrhen,
So lass dich’s auch nicht irren.

6.) Erfüllt ist alles, was die Schrift
Hat g’sagt von Gottes Sohne,
Und was die Seligkeit betrifft
Ist auch vollbracht in Wonne,
Das einig‘ Opfer ist vollendt,
Gott hat sich gnädig zu uns g’wendt,
Der Himmel müsst eher brechen,
Eh fällt, was er tut sprechen.

7.) Zum Schluss befiehlt er seinen Geist
In‘ lieben Vaters Hände,
Daher auch du jetzt sicher weißt,
Dich richten zu dei’m Ende.
Gib deine Seel‘ in Gottes Hand
Und fahr dahin ins Vaterland,
Lass dich den Tod nicht kränken,
Gott will dir’s Leben schenken.

Witzel, Georg – Die Heyligen Sieben Wortt unsers Herren,

Witzel, Georg – Die Heyligen Sieben Wortt unsers Herren,

rechtschaffen gesetzt, wie sie gesungen werden sollen auf die feiertage und sonst.

DA Jhesus an dem Creutze stundt
und ihm sein Leychnam war verwundt
mit bitterlichem schmertzen,
Die Sieben Wort, die er sprach,
betracht in deinem hertzen.

Zu erst sprach er von hertzen grund:
O vatter, vergib ihn diese sund,
die mir mein blutt vergissen;
Sie wissen doch nicht was sie thun,
laß sie der biete geniessen.

Nu merck die groß barmhertzigkeit,
die Jhesus do dem Schecher zeygt
also gahr gütliche:
Vorwar, heut soltu bey mir sein
in meines vatters reyche.

Der Herr auch seiner mutter gedacht,
do er das dritte wort zu ihr sprach:
Weyb, schaw dein Sohn gar eben;
Joannes, nim deiner mutter war,
wolst ihr getreulich pflegen.

Zum vierden sprach er in grosser pein:
ach Gott, ach Gott, Herr vatter mein,
wie hastu mich verlassen!
Die marter, die der Herre leyd,
war peinlich ubermassen.

Zum funfften sprach er in grosser nott:
mich dürst, vergossen ist mein blutt
ann meinem gantzen leybe.
Domit hat er die Schrifft volnbracht,
welch Dauid thut beschreiben.

Zum sechsten redt er ein krefftigs wort,
das manch man bey dem Creutz erhort
auß seim Göttlichen munde:
Es ist volnbracht das Leiden mein
itzundt in dieser stunde.

Zum siebenden redt er vor seinem end
mein geyst befhel ich in dein hend,
so ich jtzund soll sterben.
du wolst den sündern genedig sein
und sie nicht lassen verderben.

Liscovius, Salomon – Da Jesus an dem Kreuze stund

Liscovius, Salomon – Da Jesus an dem Kreuze stund

Die heiligen sieben Worte unsers Herrn.

Nach Anleitung und Wiese des Liedes von Johann Böschenstein: Da Jesus an dem Kreuze stund.

Da Jesus an dem Kreuze stund
Und war bis auf den Tod verwund’t
Von Dornen und von Schlägen,
So lehrt und tröstet doch sein Mund,
Verspricht auch Heil und Segne.

Erst fleht er um der Feinde Schuld:
Vergieb doch, Vater, aus Geduld,
Was sie sich unterfangen!
Dadurch soll Gottes Gnad und Huld
Ein Sünder noch erlangen.

Zum Andern sagt er mit Bedacht:
Johannes, nimm das Weib in Acht,
Weib, pflege deines Sohnes!
So sind auch wir von Gott gemacht
Zu Kindern seines Thrones.

Zum dritten tröstet er gar schön:
Fürwahr, du sollst mit mir eingehn
Zu meinem Paradeise!
So werden wir auch bei hm stehn
Nach unsrer Todesreise.

Zum Vierten klagt er seine Noth:
Warum hast du bis in den Tod,
Mein Vater, mich verlassen?
Hiervor soll uns der treue Gott
Mit süßem Trost umfassen.

Zum Fünften darbt und sehnt er sich:
Mich dürstet sehr, o Mensch, um dich!
Dafür wird uns Gott schenken
Der Seelen Heil, und ewiglich
Mit Wollustströmen tränken.

Zum Sechsten nimmt er guten Nacht,
Läßt uns den Trost: Es ist vollbracht,
Was zur Erlösung dienet!
Nun ist der Mensch mit Gottes Macht
Durch Christum ausgesühnet.

Zum Letzten ruft er mit Begier:
Herr, meinen Geist befehl ich dir
In deine Vaterhände!
Nun bleibet uns gewiß dafür
Ein selig Todesende.

O Jesu, deine Leidensnoth,
Dein Blut und deinen Schmerzenstod
Und deine sieben Worte
Laß sein mein Heil und Lebensbrot,
Mein Licht und Himmelspforte!

Pasig – M. Salomon Liscovius geistliche Lieder

Gerhardt, Paul – O Mensch, beweine deine Sünd

Gerhardt, Paul – O Mensch, beweine deine Sünd

1. O Mensch, beweine deine Sünd,
Um welcher willen Gottes Kind
Ein Mensche mußte werden:
Er kam von seines Vaters Thron,
Wird einer armen Jungfrau Sohn,
Tat große Ding auf Erden.
Die Kranken macht er frisch und stark
Und risse, was schon lag im Sarg,
Dem Tod aus seinem Rachen;
Bis daß er selbst durch Feindes Händ
Am Kreuze seines Lebens End
In Schmerzen mußte machen.

2. Denn als nun wieder Ostern war,
Nahm er zu sich der Zwölfe Schar
Und sprach mit treuem Munde:
Nach zweien Tagen kommt die Nacht,
Da man das Osterlämmlein schlacht´t;
Dann ist auch meine Stunde.
Da ging die ganze Klerisei
Zu Rat, wie sie ihm käme bei,
Hingegen die ihn liebte,
Salbt ihn gar schön in Simons Haus,
Der Herr strich diese Tat heraus,
Schalt den, der sie betrübte.

3. Das war der bös Ischarioth,
Der seinen Herrn der bösen Rott
Geschworen und verraten,
Das fromme Lamm, der Heiland, kam,
Aß süßes Brot und Osterlamm,
Wie andre Juden taten.
Drauf stiftet er sein Fleisch und Blut,
Des Neuen Testamentes Gut,
Zu trinken und zu essen,
Und stund hernach von seinem Ort,
Wusch seine Jünger, red´te Wort,
Die nimmer zu vergessen.

4. Er kam zum heilgen Öleberg;
Da, da ging an das hohe Werk
Mit Zittern und Zagen.
Die Erde nahm den Blutschweiß an,
Der häufig aus ihm drang und rann,
Der Himmel hört ihn sagen:
O Vaterherz, gefällt es dir,
So gehe dieser Kelch von mir;
Wo nicht, gescheh dein Wille!
Und täte das zum dritten Mal.
Indessen lag der Jünger Zahl
In Schlaf und süßer Stille.

5. Ach, sprach das liebe treue Herz,
Ihr liegt und schlaft; mich hat der Schmerz
Und Todesangst umfangen.
Ach, wacht und betet, betet, wacht!
Damit ihr von des Feindes Macht
Nicht werdet hintergangen.
Nun ist mein Stündlein vor der Tür,
Steht auf! Da kommet her zu mir
Mein Jünger und Verräter!
Er hatte kaum gehöret auf,
Umringt ihn Judas und sein Hauf
Als einen Übeltäter.

6. Der Führer küßt ihn mit dem Mund,
Und war doch nichts im Herzensgrund
Als bittres Gift und Fluchen,
Doch trat der Heiland frei dahin,
Sprach klar und deutlich: Seht, ich bin,
Den eure Augen suchen.
Sucht ihr denn mich, so lasset gehn,
Die ihr hier bei mir sehet stehn.
Meint hiermit seine Jünger.
Und als des Petri strenger Sinn
Den Malchum schluge, heilt er ihn
Am Ohr mit seinem Finger.

7. Steck ein das Schwert, sprach unser Licht,
Solch Arbeit dienet hieher nicht,
Mein Kelch muß sein getrunken.
Drauf ist der Richter aller Welt
Den Hohepriestern dargestellt;
Und da ist auch gesunken
Des Petri Herz und Leuenmut,
Nit zwar durch Schwert und Feuersglut,
Nur durch ein bloßes Fragen,
Ob er nicht Jesu Jünger sei?
Da fällt sein Glaube, Lieb und Treu,
Weiß nichts als Nein zu sagen.

8. Auf diesen Fall kam große Reu,
Er sing an, da der Hahne schrei,
Sehr bitterlich zu weinen.
Das Auge, das die Herzen sieht,
Tät einen Blick, ließ Gnad und Güt
Dem armen Petro scheinen.
Die falsche Zeugen traten dar
Und red´ten viel, so nimmer wahr,
Auch niemals wird geschehen;
Drum auch der Herr unnötig schätzt,
Daß er sein Wort dagegen setzt,
Läßts durch den Wind zerwehen.

9. Dem aber, er ward verklagt,
Antwortet er, da er ihn fragt,
Ob er von Gott geboren:
Ja, ich bin Mensch und Gottes Sohn,
Der Welt zum Heil, zur Freud und Kron
Vom Vater auserkoren;
Ihr werdet meine Herrlichkeit
Zur Rechten Gottes mit der Zeit
Hoch in den Wolken sehen.-
Das nennt der Lästrer Lästerwort,
Da schrei ein jeder: Tod und Mord!
Da ging es an ein Schmähen.

10. Man schlug, man speit ihm ins Gesicht.
O Wunder, Wunder, daß hei nicht
Die Erde sich zerrissen!
Mit seiner starken Donnerstimm
Vom Himmel drein geschmissen!
Sie bunden ihm die Augen zu
Und hatten weder Maß noch Ruh
Im Höhnen und im Schlagen;
Denn wenn sie schlugen, sagten sie:
Sag an, wer tats? Du kannst es hie
Als ein Prophete sagen!

11. Und damit war er noch nicht aus.
Am Morgen wird er in das Haus
Pilati hingeführet.
Der Judas dacht den Sachen nach,
Sein frecher Sinn sank hin und brach,
sein Herze wird gerühet:
Es war ihm leid, er hatte Reu,
Weil aber kein Trost war dabei,
Ging Leib und Seel zugrunde.
Er und sein Name bleibt geschänd´t
Noch bis auf diese Stunde.

12. Da Jesu vor Pilato stund,
War sehr viel Klag und gar kein Grund,
Das meiste, das man triebe
War, daß er nichts mehr tu und lehr,
Als was die Untertanen kehr
Vons Kaisers Pflicht und Liebe,
Dieweil er sich zum Könge macht.
Pilatus wird dahin gebracht,
Daß er den Herren fragte,
Ob er der Juden König wär?
Der Herr sprach: Ja, zu Gottes Ehr,
Er wäre, was er sagte.

13. Weil nun Herodes, dessen Hand
Sanft herrlich im Galiläerland,
Gleich damals war zugegen,
Schickt ihm Pilatus Christum hin.
Des freut er sich in seinem Sinn,
Ließ ihn zum Spott anlegen
Ein weißes Kleid, ein arme Tracht,
Und da man seiner gnug gelacht,
Da schickt man ihn zurücke
Pilato heim: Der ging zu Rat
Und fand ihn rein von arger Tat,
Unschuldig aller Tücke.

14. Er nahm den Mörder Barrabam,
Dem jedermann sanft war sehr gram.
Den stellt er in die Mitten:
Hier sind der Übeltäter zwei,
Sprach er zum Volk, es steht euch frei,
Ihr möget einen bitten.-
Halt Jesum, schrei die tolle Schar,
Laß Barrabam, wie er vor war,
Frei ledig in das Seine.-
Was sang ich denn mit Jesu an? –
Ans Kreuz, ans Kreuz mit diesem Mann!
Antwortet die Gemeine.

15. Da gab Pilatus Jesum hin
Dem Kriegesvolk, das geißelt ihn
Ohn alle Gnad und Schonen.
Der freche Haufe trat zuhauf
Und setzte unserm Könige auf
Von Dornen eine Kronen.
Er wird gehandelt als ein Tor;
Sie äfften ihn mit einem Rohr
Und schlugen ihn nicht wenig.
Du bist ein König, sagten sie,
Glück zu, o Judenkönig!

16. Als er nun übel zugericht´t,
Führt ihn Pilatus ins Gesicht
Des Volks und sprach daneben:
Seht, seht doch, welch ein armer Wurm;
Nun wird sich euer Grimm und Sturm
Einmal zufrieden geben.-
Nein, nein, sprach die vergallte Rott,
Zum Kreuz, zum Kreuz! Nur immer tot!-
Pilatus wusch die Hände
Und wollt im Kote reine sein;
Dem aber, der in allem rein,
Bestimmt er Tod und Ende.

17. Das Leben ging zum bittern Tod
Und mußte seine letzte Not
Mit eignen Schultern tragen.
Er trug sein Kreuz und unsern Schmerz,
Darüber führt manch Mutterherz
Ein hochbetrübtes Klagen.
`Weint nicht,´ sprach Christus, über mich,
Ein jeder weine über sich
Und über seine Sünde!
Es kommt die Zeit, da selig wird
Gepreiset die, so nicht gebiert
Und gar nicht weiß vom Kinde .-

18. Da man nun kam zur Schädelstatt,
Da wird, ders nicht verdienet hat,
Bis in den Tod gekränket.
Zwar also, daß ein Mörderpaar
Zur Seiten wurde hier und dar
Er mitten ein gehenket.
Man nahm ihm Leben, Ehr und Blut;
Den sanften Sinn, den frommen Mut,
Den mußten sie ihm lassen.
Er liebte, die ihm weh getan,
Rief seinen Vater für die an,
Die ihm sein Herz zerfraßen.

19. Pilatus heftet oben an
Ein Überschrift, die jedermann,
Der bei dem Kreuz gewesen,
Hebräer, Römer, Griechenland
Und wer Vernunft hat und Verstand,
Gar wohl hat können lesen.
Die Krieger nehmen ihm sein Kleid
Und teilen sich in diese Beut,
Der Rock bleibt unzerstücket;
Er wird dem Los anheimgestellt,
Des soll er sein, wem jenes fällt;
Laßt sehen, wen es glücket.

20. Maria voller Lieb und Treu
Stund an dem Kreuz, und auch dabei,
Den unser Heiland liebte.
Sieh hier, sprach Jesus, Weib, dein Sohn!
Und Jünger, siehe deine Kron
Und Mutter, die betrübte;
Die laß dir ja befohlen sein! –
Dies Wort, das drang ins Herz hinein
Johanni, dem geliebten.
Er nahm die auf und tat ihr wohl,
Die andern machten Jammers voll
Durch Bosheit, die sie übten.

21.Viel Lästrer red´ten bös Ding,
Auch einer, der zur Seiten hing,
Goß auf ihn seinen Geifer.
Der aber an dem andern Ort
Straft ihn und seine Lästerwort
Mit großem Ernst und Eifer,
Sprach Jesum an: O Himmelsfürst,
Gedenke meiner, wenn du wirst
Nun in dein Reich eingehen! –
Fürwahr, fürwahr, ich sage dir,
Sprach Jesus, du wirst heut bei mir
Im Paradiese stehen.

22. Der Mittag kam, und ward doch Nacht,
Die Sonn, die alles fröhlich macht,
War selbst mit Leid erfüllet.
Des Lichtes Schöpfer fühlet Pein,
Drum muß mit finstern Schatten sein
Das schönste Licht verhüllet.
`Eli!,´ rief Jesus, `Gott mein Gott,
Wie läßt du mich in meiner Not
Und Angst so gar allein?´
Und bald darauf: Mich dürstet sehr! –
Das alles hört der Juden Heer
Und weiß nicht wen er meine.

23. Sie sind vom Zorne taub und blind,
Hart wie ein Stein, der nichts empfindt,
Auch gar nicht zu erweichen.
Sie nehmen aus dem Essigfaß
Und machen einen Schwamm mit naß,
Den lassen sie ihm reichen.
Ihr Herz ist voller Bitterkeit,
Und damit sind sie auch bereit,
Den, der jetzt stirbt, zu laben.
Viel machen aus dem Ernst ein Spiel
Und sprechen: `Halt sehn, er will
Eliä Hilfe Haben. –

24. Er aber sprach: `Es ist vollbracht!
Und darauf wird er von der Macht
Des Todes überfallen.´
Er neigte sich zur sanften Ruh,
Er schloß die schwachen Augen zu
Und schrie mit großem Schallen:
Nimm auf, Herr, meinen Geist,
Du, mein herzlieber Vater, weißt,
Wie du ihn sollt bewahren! –
Und also ist der große Held,
Der Himmel, Erd und alles hält,
Von dieser Welt gefahren.

25. Er fuhr dahin, im Augenblick
Zerriß der Vorhang in zwei Stück,
Die Erd erschrak und bebte.
Die Felsen sprangen in die Luft,
Auch öffnet sich der Gräber Gruft
Und was darinnen lebte.
Der Juden Herzen bleiben hart,
Allein der Hauptmann, dem da ward
Die Wach am Kreuz befohlen,
Der glaubt, und mit ihm sein Gesind,
Es wäre Jesus Gottes Kind
Und sagens unverhohlen.

26. Man brach den Schächern ihre Bein,
Mein und dein Heiland bleib allein
An Beinen ungebrochen.
Das aber ist wahr und gewiß,
Daß ein Soldat mit seinem Spieß
Die Seiten ihm zerstochen.
Aus welcher Wund ein edle Flut
Von Blut und Wasser uns zugut
Alsbald herausgeflossen.
Zuletzt wird er vom Kreuz gebracht
Und, wohl beschickt, nach vor der Nacht
In Josephs Grab geschlossen.

27. Die Juden hatten wohl gehört,
Er würde, wir er selbst gelehrt,
Von Toten auferstehen;
Das halten sie für unwahr sein,
Sie bilden Ihnen aber ein,
Es möchte List ergehen.
Drum siegeln sie des Grabes Tür
Und legen starke Wache für:
Umsonst und gar vergebens!
Der Herr bringt durch, kein Fels und Stein,
Kein Wächter mag zu mächtig sein
Dem Fürsten unsres Lebens.

28. Nun seh und lern ein jedermann,
Wie sehr viel Gutes uns getan
Der Bräutgam unsrer Seelen:
Er nahm auf sich unser Schuld
Und ließ aus treuer Lieb und Huld
Sich unserhalben quälen.
Zerknirschtes Herz, betrübter Geist,
Den seine Sünde nagt und beißt,
Laß Sorg und Kummer fallen.
Weil unser Heiland Jesus Christ
Ein Sündenopfer worden ist
Dir und uns Menschen allen!

29. Du aber, der du sicher stehst,
Und ohne Buße täglich gehst
In ungescheute Sünden,
Betrachte, was für Straf und Last,
Wenn du dein Maß gefüllet hast,
Dich endlich werde finden!
Denn tut man das am grünen Baum,
So denke, was für Ort und Raum
Der dürre werd erlangen.
O Jesu, gib uns deinen Sinn
Und bring uns alle, wo du hin
Durch deinen Tod gegangen!

Böschenstein, Johann – Da Jesus an des Kreuzes Stamm

Böschenstein, Johann – Da Jesus an des Kreuzes Stamm

1. Da Jesus an des Kreuzes Stamm
Der ganzen Welt Sünd‘ auf sich nahm,
Sprach er in seinen Schmerzen
Noch sieben Wort‘, die lasset uns
Erwägen wohl im Herzen.

2. Zum ersten: Vater, strafe nicht
An ihnen, was mir jetzt geschicht,
Weil sie es nicht verstehen.
Vergib uns, Gott, wenn wir auch noch
Aus Irrtum was begehen!

3. Zum andern er des Schächers dacht‘:
Fürwahr du wirst noch vor der Nacht
In meinem Reich heut‘ leben.
O Herr, nimm uns auch bald zu dir,
Die wir im Elend schweben.

4. Zum dritten: Deinen Sohn sieh, Weib!
Johannes, ihr zu Dienste bleib
Und sie als Mutter liebe!
Versorg, Herr, die wir lassen hier,
Daß niemand sie betrübe!

5. Zum vierten sagte er: Mich dürst’t!
O Jesu, großer Lebensfürst,
Du hast Durst und Verlangen
Nach unsrer Seligkeit; drum hilf,
Daß wir sie auch empfangen.

6. Zum fünften: O mein Gott, mein Gott,
Wie läßt du mich so in der Not?
Hier wirst du, Herr, verlassen,
Daß uns Gott wieder dort aufnehm‘.
Den Trost laß uns wohl fassen.

7. Zum sechsten: Hiermit ist vollbracht
Und alles nunmehr gutgemacht.
Gib, daß wir auch durchdringen,
Und was du, Herr, uns auferlegt,
Hilf seliglich vollbringen.

8. Zum siebenten: Ich meine Seel‘,
O Gott, mein Vater, dir befehl‘
Zu deinen treuen Händen.
Dies Wort sei unser letzter Wunsch,
Wenn wir das Leben enden.

9. Wer oft an diese Wort‘ gedenkt,
Wenn seine Missetat ihn kränkt,
Der wird es wohl genießen;
Denn er durch Gottes Gnad‘ erlangt
Ein ruhiges Gewissen.

10. Verleih und dies, Herr Jesu Christ,
Der du für uns gestorben bist!
Gib, daß wir deine Wunden,
Dein Leiden, Marter, Kreuz, und Tod
Betrachten alle Stunden!

Böschenstein, Johann – Passionslied

Böschenstein, Johann – Passionslied

Nach einem alten bei Friedrich Gutknecht in Nürnberg ohne Jahr erschienen Druck unter dem Titel „Ein geistlich Lied von den siben Worten, die der Herr an dem Creutze sprach. Ein ander Lied von einem Apffel und von dem leiden Christi. In dem roten Zwinger thon“

Da Jesus an dem Kreuze stund 1)
Und ihm sein Leichnam was verwund’t
So gar mit großem Schmerzebn,
Die sieben Wort, die der Herre sprach,
Betracht‘ in deinem Herzen.

Zum Ersten sprach er gar süßiglich
Zu seinem Vater vom Himmelreich
Mit Kräften und mit Sinnen:
Vergieb ihn’n, Vater! sie wissen nicht,
Was sie an mir verbringen.

Zum Andern gedenk seiner Barmherzigkeit,
Die Gott an den Schächer hat geleit,2)
Sprach Gott gar gnädigleiche:
Fürwahr, du wirst heut‘ bey mir seyn
In meines Vaters Reiche.

Zum Dritten gedenk seiner großen Noth,
Laß dir die Wort‘ nicht seyn ein’n Spott:
Weib, schau dein’n Sohn gar eben!
Johannes, nimm deiner Mutter wahr,
Du sollt ihr’r gar eben pflegen.

Nun merket, was das viert‘ Wort was:
Mich dürst’t so hart ohn Unterlaß,
Schrey Gott mit lauter Stimme.
Das menschleich‘ Heil thät‘ er begehr’n;
Seiner Nagel ward er empfinden.

Zum Fünften gedenk seiner Barmherzigkeit,
Die Gott am heiligen Kreuz ausschrey:
Mein Gott, wie hast du mich verlassen!
Das Elend, das ich leiden muß,
Das ist ganz über die Maßen.

Das sechst‘ was gar ein kräftigs Wort,
Das mancher Sünder auch erhört
Aus seinem göttlichen Munde:
Es ist vollgracht mein Leiden groß
Wol hie zu dieser Stunde.

Zum Siebenten befehl ich mich, Vater, in deine Händ‘!
Den heiligen Geist du zu mir send‘
An meinen letzten Zeiten,
Wenn sich mein‘ Seel‘ von mir will scheiden,
Und mag nicht länger beiten.3)

Wer Gottes Marter in Ehren hat
Und oft gedenkt der sieben Wrot,
Des will Gott eben pflegen
Wol hie auf Erd‘ mit seiner Gnad‘,
Und dort im ewigen Leben.

—-

1) In dem Original steht: hieng
2) gelegt, erzeigt
3) warten, bleiben

Rambach – Anthologie christlicher Gesänge aus der neueren Zeit

Bengel, Johann Albrecht – Der sterbende Christ

Bengel, Johann Albrecht – Der sterbende Christ

Mittler, alle Kraft der Worte,
Die du in der hohen Pein
Vor der offnen Todespforte
Lassen deine Losung seyn,
Bleibt, indem ich auch abscheide
Meiner Seelen Füll und Weide,
Nun ich so gerüstet bin,
Sehnt michs dir nach, zu dir hin.

Wenig Wort‘ in langen Stunden
Redtest du vom Kreuze dar,
Bis du Alles überwunden,
Was dir in dem Wege war,
Zu dem Vater durchzudringen
Und auch uns zu ihm zu bringen,
Weil du die Versöhnungsmacht
Meist in stillem Kampf vollbracht.

Doch was deine Lippen sagen,
Macht zu Gott gewisse Bahn;
Aller, die dich lieben, Plagen,
Flehen nehmest du dich an.
Dies geschiehet, mich zu lehren,
Wo ich auch mich hin soll kehren,
Wenn der heimgerufne Geist
Alles richtig machen heißt.

Vater! sagtest du, laß Diesen
Ihren blinden Frevel nach!
Edle LAngmuth, sey gepriesen!
Nun, wie sollt ich eigne Rach‘
Wider meinen Nächsten hegen,
Und mir selbst den WEg verlegen?
Jesu, deine Fürbitthuld
Tilge mein‘ und seine Schuld.

Deine Mutter, deinen Jünger,
Welchen du, er dich geliebt,
Hast du, Eintrachts-Wiederbringer,
Gleich versorgt und gleich geübt.
Gieb, daß die, so ich verlasse,
Rechter Sinn zusammenfasse,
Und in deiner Lieb‘ und Treu‘
Eins des Andren Zuflucht sey.

Heute (unvergleichlichs Heute!)
Heute sollest du gewiß
(Glaube, rede, bete, streite!)
Seyn mit mir im Paradies.
Dieses lasse, wie dem Schächer,
So auch mir, o Todesrächer,
Wenn der Augen matter Schein
Bricht, den letzten Leitstern seyn.

Ach! warum bin ich verlassen,
O mein Gott, mein Gott, von dir?
Jesu, wie ist dieß zu fassen?
Klagst du so: wie gehts denn mir?
Ja, durch dieses scharfe Ringen
Wirst du deinen Flüchtling bringen,
Trotz der Sünden Scheidewand
Zum geheimen Priesterstand.

Aber welch bedenklich Dürsten
Klagt der ausgedörrte Mund,
Dein, des reichen Lebensfürsten,
In der Schrift Erfüllungsstund‘?
Für die lechzensvolle Kehle,
Ja die ächzendmatte Seele,
Bleibt, wenn Nichts den Stich mehr hält,
Mir zum Labsal dieß bestellt.

Nun, nun ist das Heil erworben,
Denn du sagst: Es ist vollbracht!
Jesu, eh‘ du noch gestorben,
Blicket schon die Siegesmacht.
Laß nun immerhin ergehen,
Was den Gliedern auszustehen:
Mein Vollender! du in mir,
Und ich, jetzt vollend’t in dir.

Vater, dir will ich befehlen
Meinen dir geweihten Geist!
Schreyest du mit ganzer Seelen
So vertritt mich allermeist
Wenn der letzte Zug vorhanden;
Lös mich aus des Todes Banden,
Nimme deines Pilgrims wahr,
Stelle mich dem Vater dar.

Diese sieben feste Siegel
Drück‘, o Lamm, auf meine Brust,
Daß ich zu dem Zionshügel,
Dessen Spur mir nun bewußt,
Unverweilt gezogen steige,
Und sonst alles Andre schweige,
Außer deiner Worte Chor;
Dieser hebet mich empor.

Wahrheit! prüfe; Licht! durchscheine
Noch einmal, was in mir ist,
Ob ich alles lauter meyne,
Daß dein Sinn, o Jesu Christ,
Mich enthalt‘ in Tod und Leben,
Laß den Geist das Zeugniß geben,
Daß ich Gnad- und Glaubensgab‘
Und sofort das Leben hab.

Nun so darf ich mit dir rufen,
Nun so werd‘ ich auch erhört.
Nun so folg‘ ich durch die Stufen,
Wo der Eingang unverwehrt
Zu dir führet und zu Allen,
Die dir Hallelujah schallen,
Weil durch dich der Feind gedämpft,
Und es ewig ausgekämpft.

Rambach – Anthologie christlicher Gesänge aus der neueren Zeit
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