Gerhardt, Paul – Gott Vater, sende deinen Geist

Gerhardt, Paul – Gott Vater, sende deinen Geist

  1. Gott Vater, sende deinen Geist,
    den uns dein Sohn erbitten heißt,
    aus deines Himmels Höhen.
    Wir bitten, wie er uns gelehrt:
    Laß uns doch ja nicht unerhört
    von deinem Throne gehen!
  2. Kein Menschenkind hier auf Erd
    ist dieser edlen Gabe wert,
    bei uns ist kein Verdienen.
    Hier gilt gar nichts als Lieb und Gnad,
    die Christus uns verdienet hat
    mit Büßen und Versühnen.
  3. Es jammert deinen Vatersinn
    der große Jammer, da wie hin
    durch Adams Fall gefallen.
    Durch dieses Fallen ist die Macht
    des bösen Geistes leider bracht
    auf ihn und auf uns allen.
  4. Wir halten, HErr, an unserm Heil
    und sind gewiß, daß wir dein Teil
    in Christo werden bleiben,
    Die wir durch seinen Tod und Blut
    des Himmels Erb und höchstes Gut
    zu haben treulich Gaben.
  5. Und das ist auch ein Gnadenwerk
    und deines heil‘gen Geistes Stärk,
    in uns ist kein Vermögen.
    Wie bald würd unser Glaub und Treu,
    HErr, wo du uns nicht stündest bei,
    sich in die Aschen legen.
  6. Dein Geist hält unsres Glaubens Licht,
    wenn alle Welt dawider Sicht
    mit Sturm und vielen Waffen,
    Und wenn auch gleich der Fürst der Welt
    selbst wider uns sich legt ins Feld,
    so kann er doch nichts schaffen.
  7. Wo Gottes Geist ist, da ist Sieg,
    wo dieser hilft, da wird der Krieg
    gewißlich wohl ablaufen.
    Was ist doch Satans Reich und Stand?
    Wann Gottes Geist erhebt die Hand,
    fällt alles übern Haufen.
  8. Er reißt der Höllen Band entzwei,
    er tröst‘t und macht das Herze frei,
    von allem, was uns kränket;
    Wenn uns des Unglückswetter schreckt,
    so ist ers, der uns schützt und deckt
    viel besser, als man denket.
  9. Er macht das bittre Kreuze süß,
    ist unser Licht in Finsternis,
    führt uns als seine Schafe,
    Hält über uns sein Schild und Wacht,
    daß seine Herd in tiefer Nacht
    mit Ruh und Frieden schlafe.
  10. Der Geist, den GOtt vom Himmel gibt,
    der leitet alles, was ihn liebt,
    auf wohlgebahnten Wegen,
    Er setzt und richtet unsern Fuß,
    daß er nicht anders treten muß,
    als wo man findt den Segen.
  11. Er macht geschickt und rüstet aus
    die Diener, die des HErren Haus
    in diesem Leben bauen;
    Er ziert ihr Herz, Mund und Verstand,
    laßt Ihnen, was uns unbekannt,
    zu unserm Besten schauen.
  12. Er öffnet unsers Herzens Tor,
    wenn sie sein Wort in unser Ohr
    als edlen Samen streuen,
    Er gibet Kraft demselben Wort,
    und wenn es fället, bringt ers fort
    und lässets wohl gedeihen.
  13. Er lehret uns die Furcht des HErrn,
    liebt Reinigkeit und wohnet gern
    in frommen, keuschen Seelen.
    Was niedrig ist, was Tugend ehrt,
    was Buße tut und sich bekehrt,
    das pflegt er zu erwählen.
  14. Er ist und bleibt stets getreu,
    er steht uns auch im Tode bei,
    wenn alle Ding abstehen;
    Er lindert unsre letzte Qual,
    laßt uns hindurch in Himmels Saal
    getrost und fröhlich gehen.
  15. O selig, wer in dieser Welt läßt
    diesem Gaste Haus und Zelt
    in seiner Seel aufschlagen!
    Wer aufnimmt in dieser Zeit,
    den wird er dort zur ewgen Freud
    in Gottes Hütte tragen.
  16. Nun, HErr und Vater aller Güt,
    Hör unsern Wunsch: Geuß ins Gemüt
    uns allen deine Gabe!
    Gib deinen Geist, der uns allhier
    regiere und dort für
    im ewgen Leben lobe!

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