Adam Thebesius – O großer Schmerzensmann

1. O großer Schmerzensmann, vom Vater sehr geschlagen,
Herr Jesu, dir sei Dank für alle deine Plagen,
Für deine Seelenangst, für deine Band und Not,
Für deine Geißelung, für deinen bittern Tod.

2. Ach das hat unsre Sünd und Missetat verschuldet,
Was du an unsrer Statt, was du für uns erduldet.
Ach unsre Sünde bringt dich an das Kreuz hinan.
O unbeflecktes Lamm, was hast du sonst getan?

3. Doch deine Herzenslieb erweiset unserm Herzen,
Wie lieb wir dir gewest. Dein Leiden, Tod und Schmerzen
Hat nun versöhnet Gott den Vater mit der Welt,
Uns seine Gnade bracht, zufrieden ihn gestellt.

4. Dein Kampf ist unser Sieg, dein Tod ist unser Leben,
In deinen Banden ist die Freiheit uns gegeben,
Dein Kreuz ist unser Trost, die Wunden unser Heil,
Dein Blut das Lösegeld, der armen Seelen Teil.

5. O hilf, daß wir uns auch zum Kampf und Leiden wagen
Und unter unsrer Last des Kreuzes nicht verzagen.
Hilf tragen mit Geduld durch deine Dornenkron,
Wenns kommen soll mit uns zum Blute, Schmach und Hohn.

6. Dein Schweiß komm uns zu gut, wenn wir im Schweiße liegen;
Durch deinen Todeskampf laß uns im Tode siegen;
Durch deine Banden, Herr, bind uns, wie dirs gefällt;
Hilf, daß wir kreuzigen durch dein Kreuz Fleisch und Welt.

7. Laß deine Wunden sein ein Arznei unsrer Sünden,
Laß uns auf deinen Tod den Trost im Tode gründen.
O Jesu, laß an uns durch dein Kreuz, Tod und Pein
Dein Leiden, Kreuz und Angst ja nicht verloren sein.

Quelle: Hymns of the 1912 Lutheran Hymnal for Church, School and Home Evangelical Lutheran Synod of Wisconsin and other States

L. Laurenti – Fließt, ihr Augen, fließt von Tränen

1. Fließt, ihr Augen, fließt von Tränen
Und beweinet eure Schuld;
Brich, mein Herz, von Seufzen, Sehnen,
Weil ein Lämmlein in Geduld
Nach Jerusalem zum Tod,
Ach zum Tod für deine Not
Und der ganzen Welt hinwandelt.
Ach denk, wie du hast gehandelt.

2. Es soll nun vollendet werden,
Was davon geschrieben ist,
Und warum auf diese Erden
Ist gekommen Jesus Christ.
Schauet nur des Höchsten Sohn
In dem Leiden, Schmach und Hohn,
In den Wunden, in den Schmerzen,
Und nehmt alles wohl zu Herzen.

3. Es wird in der Sünder Hände
Überliefert Gottes Lamm,
Daß sich dein Verderben wende.
Jud und Heide sind ihm gram
Und verwerfen diesen Stein,
Der ihr Eckstein sollte sein.
Ach das leidet der Gerechte
Für die bösen Sündenknechte.

4. Jesus steht in Strick und Banden,
Dessen Hand die Welt gemacht,
Bei Verachtung, Spott und Schanden
Und wird höhnisch ausgelacht;
Backenstreich und Fäustenschlag,
Jud- und Heidengrimm und Rach
Duldet er für deine Sünden;
Wer kann solche Lieb ergründen?

5. Laß es dir zu Herzen gehen,
Beßre und bekehre dich.
Wer kann diese Tat ansehen,
Ohne tief zu Beßren sich?
Jesus steht an unsrer Statt;
Was der Mensch verdienet hat,
Büßet Jesus und erduldet,
Was der Sünder hat verschuldet.

6. Er hält seinen heilgen Rücken
Geißel, Rut und Peitschen dar.
Wer kann dies ohn Neu erblicken,
Wenn die rohe Judenschar
Hand anlegt an Gottes Bild,
Das so freundlich, fromm und mild,
Und doch nackend wird gehauen?
Wer kann solche Greul anschauen?

7. Also sollt man dir begegnen,
Du verruchtes Menschenherz,
Aber nun kömmt, dich zu segnen
Und zu tragen deinen Schmerz,
Jesus und entblößet sich
Und wird dort so jämmerlich
Abgestraft, verspeit, zerschlagen,
Daß kein Maß noch Ziel der Plagen.

8. Endlich wird der Schluß gesprochen,
Jesus muß zum Tode gehn,
Über ihn der Stab gebrochen;
Es hilft hier kein Bitten, Flehn.
Barrabas wird losgezählt,
Jesus wird zum Kreuz erwählt.
Weg mit diesem, dem Verfluchten!
Ruft der Haufe der Verruchten.

9. Folge denn zur Schädelstätte
Deinem Jesu traurig nach,
Aber auf dem Wege bete,
Bet im Geist mit Weh und Ach,
Daß der Vater auf sein Kind
Als den Bürgen für die Sünd
Sehen woll und sich erbarmen
Über dich Elenden, Armen.

10. Muß ich, Jesu, dich denn sehen
Am verfluchten Kreuzespfahl,
Ach so laß ich übergehen
Meine Tränen ohne Zahl.
Ach erbarm dich Gotteslamm,
Das da hängt am Kreuzesstamm.
Ach erbarm dich, weil dein Leiden
Mir gedeihen soll zur Freuden.

11. Ich will dir ein Opfer geben,
Seel und Leib ist meine Gab.
Jesu, nimm dies arme Leben,
Weil ich ja nichts Bessers hab;
Töt in mir, was dir mißfällt,
Leb in mir auf dieser Welt,
Laß mich mit dir leben, sterben
Und dein Reich im Himmel erben.

12. Tausendmal sei dir gesungen,
Liebster Jesu, Preis und Ruhm,
Daß du Höll und Tod bezwungen.
Nun bin ich dein Eigentum
Und du meine Freud und Wonn;
Möcht ich dich, o schönste Sonn,
Bald in deiner Krone sehen.
Komm, dein Leiden ist geschehen.

Quelle: Hymns of the 1912 Lutheran Hymnal for Church, School and Home Evangelical Lutheran Synod of Wisconsin and other States

Johann Caspar Schade – Meine Seel, ermuntre dich

1. Meine Seel, ermuntre dich,
Deines Jesu Lieb bedenke,
Wie er für dich gibet sich,
Darauf deine Andacht lenke.
Ach erwäg die große Treue,
Und dich deines Jesu freue.

2. Sieh, der wahre Gottessohn
Ist für dich ans Holz gehänget,
Sein Haupt trägt die Dornenkron,
Sein Leib ist mit Blut vermenget.
Er läßt sich für dich verwunden,
Wo ist größre Lieb gefunden?

3. Da du solltest große Pein
Ewig leiden in der Höllen
Und von Gott verstoßen sein
Wegen vieler Sünderfällen,
Träget Jesus deine Sünden
Und läßt dich Genade finden.

4. Durch sein Leiden ist gestillt
Deines Gottes Zorn und Rache,
Er hat das Gesetz erfüllt,
Gut gemacht die böse Sache,
Sünde, Teufel, Tod umschränket
Und den Himmel dir geschenket.

5. Was zu tun, o liebes Herz,
Wie sollst du dich recht anstellen?
Jesu Leiden ist kein Scherz,
Seine Liebe kein Verstellen.
Denke drauf, was dir oblieget
Gegen den, der für dich sieget.

6. Ich kann nimmer, nimmermehr
Das Geringste nur vergelten,
Er verbindt mich allzu sehr,
Meine Trägheit muß ich schelten,
Daß ich ihn so schlecht geliebet
Und wohl gar mit Sünd betrübet.

7. Was geschehen, soll nun nicht
Hinfort mehr von mir geschehen,
Mein Schluß sei nun fest gericht,
Einen andern Weg zu gehen,
Darauf ich nur Jesum suche
Und, was ihn betrübt, verfluche.

8. Weg ihr Sünden, weg von mir,
Euch kann ich an mir nicht leiden,
Euretwegen muß ich hier
Und dort von dem sein gescheiden,
Ohne welchen ist kein Leben,
Keine Gnade, kein Vergeben.

9. Du, mein Jesu, du, mein Heil,
Dir will ich mich ganz verschreiben,
Daß ich dir als meinem Teil
Ewig will getreu verbleiben,
Dir zu leben, dir zu leiden,
Dir zu sterben, dir zu meiden.

10. Du, mein Jesu, sollst es sein,
Den ich mir zum Zweck gesetzet;
Wie du mein, so will ich dein
Bleiben stets und unverletzet;
Was du liebest, will ich lieben,
Und was dich, soll mich betrüben.

11. Was du willst, das sei mein Will,
Dein Wort meines Herzens Spiegel;
Wenn du schlägest, halt ich still,
Dein Geist bleibt mein Pfand und Siegel,
Daß ich soll den Himmel erben;
Darauf kann ich fröhlich sterben.

12. Nun so bleibt es fest dabei,
Jesus soll es sein und bleiben,
Dem ich lebe, des ich sei;
Nichts soll mich von Jesu treiben.
Du wirst, Jesu, mich nicht lassen,
Ewig will ich dich umfassen.

13. Ist bereits schon jetzo hier
Solche Freud und Ruh zu finden,
Wenn im Glauben wir mit dir
Uns, mein Jesu, recht verbinden,
Schenkst du schon so viel auf Erden,
Ei, was will im Himmel werden?

14. Was für Lust und Süßigkeit,
Was für Freud und Jubilieren,
Was für Ruhe nach dem Streit,
Was für Ehre wird uns zieren!
Ewig, ewig werd ich loben,
Wenn ich ganz in Gott erhoben.

15. Ach ich freu mich alle Stund
Auf dies freudenvolle Leben,
Danke dir mit Herz und Mund,
Du, o Jesu, hasts gegeben.
Nur im Glauben laß mich halten
Und dein Kraft in mir stets walten.

Quelle: Hymns of the 1912 Lutheran Hymnal for Church, School and Home Evangelical Lutheran Synod of Wisconsin and other States

Michael Bapzien – Kommt her und schaut, kommt, laßt uns doch von Herzen

1. Kommt her und schaut, kommt, laßt uns doch von Herzen
Betrachten Christi Leiden, Pein und Schmerzen,
Er tritt die Kelter Gottes, wie ich meine,
Wohl recht alleine.

2. Ach seht, wie angst wird ihm von unsern Sünden,
Er muß sich wie ein Wurm am Ölberg winden,
Daß ihm der Todesschweiß, mit dem er ringet,
Blutig ausdringet.

3. Gott selbst fällt hier im Garten zu der Erden,
Ein Engel muß des Trösters Tröster werden,
Die Kreatur muß ihren Schöpfer stärken,
Welchs wohl zu merken.

4. Was wir und Adam hatten übertreten,
Das muß der unschuldigste Herr verbeten,
Den scharfen Zorn, der über uns ergrimmet,
Er hier vernimmet.

5. Der treulos Judas sorglich rennt und laufet,
Den Herren um ein schnödes Geld verkaufet,
Gibt drauf der Rott die Losung durch sein Grüßen
Und falsches Küssen.

6. Die da mit Spieß und Stangen fertig stunden,
Führten ihn mit vor Kaiphas gebunden,
Da er um seine Lehre wird gefraget
Und hart verklaget.

7. In dessen Mund auch kein Betrug gefunden,
Der wird durch falsches Zeugnis überwunden,
Er wird verspott, verspeiet und verhöhnet,
Mit Dorn gekrönet.

8. Er wird gepeitscht mit dicht geflochtnen Riemen,
Der Rücken lag blutrünstig voller Striemen,
Von seinem Haupt, mit Dornen wund gestoßen,
Blutstropfen flossen.

9. Blutig ward er zum Schauspiel umgeführet,
Mit einem Purpur nur zum Spott gezieret,
Höhnisch gegrüßt, man speit ihm ins Gesichte,
Daß ihn vernichte.

10. Er ward verurteilt und ans Kreuz gehenket,
Mit Essig und mit bittrer Gall getränket,
Zuletzt schon, als sein Geist sich von ihm machet,
Ward er verlachet.

11. Wir sollen nicht ihn, sondern uns beklagen.
Ach freilich wir, wir haben ihn geschlagen
Ans Holz, weil Adam von dem Baum den Schaden
Ihn aufgeladen.

12. Ach unsre Sünd, ist Ursach seiner Wunden,
Wir haben ihn mit selbgen angebunden;
Wir hätten ewig, ewig, ewig müssen
Dies alles büßen.

13. Herr Jesu, dir, dir soll man Dank erweisen,
Für die Erlösung soll man stets dich preisen;
Doch kann es keines Menschen Witz ausdenken,
Was dir zu schenken.

14. Nimm dies so lang, was meine Lippen singen,
Bis du mich an der Engel Tor wirst bringen,
Daselbst will ich dein Lob in jenem Leben
Völlig erheben.

15. Hilf, Jesu, daß ich Gott auch meine Seele,
Wie du getan, an meinem End befehle,
Daß ich mag selig auf dein Blut und Namen
Einschlafen. Amen.

Quelle: Hymns of the 1912 Lutheran Hymnal for Church, School and Home Evangelical Lutheran Synod of Wisconsin and other States

Sigismund von Birken – Jesu, deine Passion

1. Jesu, deine Passion
Will ich jetzt bedenken;
Wollest mir vom Himmelsthron
Geist und Andacht schenken.
In dem Bild jetzund erschein,
Jesu, meinem Herzen,
Wie du, unser Heil zu sein,
Littest alle Schmerzen!

2. Meine Seele sehen mach
Deine Angst und Bande,
Deine Speichel, Schläg und Schmach,
Deine Kreuzesschande,
Deine Geißel, Dornenkron,
Speer- und Nägelwunden,
Deinen Tod, o Gottessohn,
Und den Leib voll Schrunden!

3. Doch so laß mich nicht allein
Deine Marter sehen,
Laß mich auch die Ursach fein
Und die Frucht verstehen!
Ach, die Ursach war auch ich,
Ich und meine Sünde;
Diese hat gemartert dich,
Nicht das Heidengsinde.

4. Jesu, lehr bedenken mich
Dies mit Buß und Reue;
Hilf, daß ich mit Sünden dich
Martre nicht aufs neue!
Sollt ich dazu haben Lust
Und nicht wollen meiden,
Was Gott selber büßen mußt
Mit so großem Leiden?

5. Wenn mir meine Sünde will
Machen heiß die Hölle,
Jesu, mein Gewissen still,
Dich ins Mittel stelle!
Dich und deine Passion
Laß mich gläubig fassen;
Liebet mich sein lieber Sohn,
Wie kann Gott mich hassen?

6. Gib auch, Jesu, daß ich gern
Dir das Kreuz nachtrage,
Daß ich Demut von dir lern
Und Geduld in Plage,
Daß ich dir geb Lieb um Lieb!
Indes laß dies Lallen
Besser Dank ich dorten geb,
Jesu, dir gefallen!

Quelle: Hymns of the 1912 Lutheran Hymnal for Church, School and Home Evangelical Lutheran Synod of Wisconsin and other States

Abraham Klesel – Seele, mach dich eilig auf

1. Seele, mach dich eilig auf,
Jesum zu begleiten
Gen Jerusalem hinauf,
Tritt ihm an die Seiten.
In der Andacht folg ihm nach
Zu dem bittern Leiden,
Bis du aus dem Ungemach
Zu ihm wirst verscheiden.

2. Seele, siehe, Gottes Lamm
Gehet zu dem Leiden,
Deiner Seelen Bräutigam,
Als zu Hochzeit Freuden.
Geht, ihr Töchter von Zion,
Jesum zu empfangen,
Sehet ihn in seiner Kron
Unter Dornen prangen.

3. Du zeuchst als ein König ein,
Wirst dafür empfangen,
Aber Bande warten dein,
Dich damit zu fangen.
Für die ehre Hohn und Spott
Wird man dir, Herr, geben,
Bis du durch des Kreuzes Tod
Schließen wirst dein Leben.

4. Das Kreuz ist der Königsthron,
Drauf man dich wird setzen,
Dein Haupt mit der Dornenkron
Bis in Tod verletzen.
Jesu, dein Reich auf der Welt
Ist in lauter Leiden,
So ist es von dir bestellt
Bis zum letzten Scheiden.

5. Du wirst, Herr der Herrlichkeit,
Ja wohl müssen sterben,
Daß des Himmels Ewigkeit
Ich dadurch mög erben.
Aber ach wie herrlich glänzt
Deine Kron von ferne,
Die dein siegreich Haupt bekränzt,
Schöner als die Sterne.

6. Liebster Jesu, nun Glück zu!
Es muß dir gelingen,
Nach der guten Freitagsruh
Wirst du Freude bringen.
Tritt nur auf die Todesbahn,
Die gestreuten Palmen
Bilden dir den Sieg voran
Aus den Osterpsalmen.

7. Laß mich diese Leidenszeit
Fruchtbarlich bedenken,
Voller Andacht, Reu und Leid,
Und darüber kränken.
Auch dein Leiden tröste mich
Bei so vielem Jammer,
Bis nach allem Leiden ich
Geh zur Ruhekammer.

Quelle: Hymns of the 1912 Lutheran Hymnal for Church, School and Home Evangelical Lutheran Synod of Wisconsin and other States

Johann Olearius – Fürwahr der Herr trug selbst

1. Fürwahr der Herr trug selbst
Die Krankheit unsrer Sünden,
Lud unsern Schmerz auf sich,
Für uns ihn zu empfinden.
Das, was uns Gottes Fluch
An Leib und Seel gedroht,
Das übernimmet er
Und büßt es durch den Tod.

2. Sein Volk hielt ihn für den,
Den Gott also geschlagen,
Und meinte nicht, daß wir
Die Ursach solcher Plagen.
Doch kommt dies alles her
Von unsrer Missetat,
Nur unsre Sünde ist’s,
Die ihn zerschlagen hat.

3. Die Strafe liegt auf ihm,
Damit wir Frieden haben,
Durch seine Wunden heil,
Kann sich die Seele laben.
Wir gingen in der Irr
Und folgten unserm Sinn,
Der Herr warf unsre Sünd
Auf ihn, er nahm sie hin.

4. Wie ein geduldig Lamm,
Das man zur Schlachtbank führet,
Vor seinem Scherer schweigt
Und seinen Mund nicht rühret,
So trug der Herr die Schmach,
So willig litte er;
So willig bring, o Mensch,
Dich ihm zum Opfer her.

Quelle: Hymns of the 1912 Lutheran Hymnal for Church, School and Home Evangelical Lutheran Synod of Wisconsin and other States

Johann Heermann – Jesu, deine tiefen Wunden

1. Jesu, deine tiefen Wunden,
Deine Qual und bittern Tod
Laß mir geben alle Stunden
Trost in Leibs- und Seelennot!
Wenn mir fällt was Arges ein,
Laß mich denken deiner Pein,
Daß ich deine Angst und Schmerzen
Wohl erwäg in meinem Herzen!

2. Will sich gern in Wollust weiden
Mein verderbtes Fleisch und Blut,
Laß mich denken, daß dein Leiden
Löschen muß der Hölle Glut!
Dringt der Satan ein zu mir,
Hilf, daß ich ihm halte für
Deiner Wunden Mal und Zeichen,
Daß er von mir müsse weichen!

3. Wenn die Welt mich will verführen
Auf die breite Sündenbahn,
Wollst du mich also regieren,
Daß ich alsdann schaue an
Deiner Marter Zentnerlast,
Die du ausgestanden hast,
Daß ich kann in Andacht bleiben,
Alle böse Lust vertreiben!

4. Gib für alles, was mich kränket,
Mir aus deinen Wunden Saft;
Wenn mein Herz hinein sich senket,
So gib neue Lebenskraft,
Daß mich stärk in allem Leid
Deines Trostes Süßigkeit,
Weil du mir das Heil erworben,
Da du bist für mich gestorben.

5. Laß auf deinen Tod mich trauen,
O Mein Gott und Zuversicht!
Laß mich feste darauf bauen,
Daß den Tod ich schmecke nicht!
Deine Todesangst laß mich
Stets erquicken mächtiglich;
Herr, laß deinen Tod mir geben
Auferstehung, Heil und Leben!

Quelle: Hymns of the 1912 Lutheran Hymnal for Church, School and Home Evangelical Lutheran Synod of Wisconsin and other States

Gellert, Christian Fürchtegott – Erforsche mich, erfahr mein Herz,

Erforsche mich, erfahr mein Herz,
Und sieh, Herr, wie ich’s meine.
Ich denk an deines Leidens Schmerz,
An deine Lieb, und weine.
Dein Kreuz sei mir gebenedeit!
Welch Wunder der Barmherzigkeit
Hast du der Welt erwiesen!
Wenn hab ich dies genug bedacht,
Und dich aus aller meiner Macht
Genug dafür gepriesen?

Rat, Kraft und Friedefürst und Held!
In Fleisch und Blut gekleidet,
Wirst du das Opfer für die Welt,
Und deine Seele leidet.
Dein Freund, der dich verrät, ist nah.
Des Zornes Gottes Stund ist da,
Und Schrecken strömen über.
Du zagst, und fühlst der Höllen Weh:
»Ist’s möglich, Vater, o so geh
Der Kelch vor mir vorüber!«

Dein Schweiß wird Blut; du ringst und zagst,
Und fällst zur Erden nieder;
Du, Sohn des Höchsten, kämpfst, und wagst
Die erste Bitte wieder.
Du fühlst, von Gott gestärkt im Streit,
Die Schrecken einer Ewigkeit,
Und Strafen sonder Ende.
Auf dich nimmst du der Menschen Schuld,
Und gibst mit göttlicher Geduld
Dich in der Sünder Hände.

Du trägst der Missetäter Lohn,
Und hattest nie gesündigt;
Du, der Gerechte, Gottes Sohn!
So war’s vorher verkündigt.
Der Frechen Schar begehrt dein Blut,
Du duldest, göttlich groß, die Wut,
Um Seelen zu erretten.
Dein Mörder, Jesus, war auch ich;
Denn Gott warf aller Sünd auf dich,
Damit wir Friede hätten.

Erniedrigt bis zur Knechtsgestalt,
Und doch der Größt im Herzen,
Erträgst du Spott, Schmach und Gewalt,
Voll Krankheit und voll Schmerzen.
Wir sahn dich, der Verheißung Ziel;
Doch da war nichts, das uns gefiel,
Und nicht Gestalt noch Schöne.
Vor dir, Herr, unsre Zuversicht,
Verbarg man selbst das Angesicht;
Dich schmähn des Bundes Söhne.

Ein Opfer nach dem ewgen Rat,
Belegt mit unsern Plagen,
Um deines Volkes Missetat
Gemartert und zerschlagen,
Gehst du den Weg zum Kreuzesstamm,
In Unschuld stumm, gleich als ein Lamm,
Das man zur Schlachtbank führet.
Freiwillig, als der Helden Held,
Trägst du, aus Liebe für die Welt,
Den Tod, der uns gebühret.

»Sie haben meine Hände mir,
Die Füße mir durchgraben,
Und große Farren sind’s, die hier
Mich, Gott! umringet haben.
Ich heul, und meine Hülf ist fern.
Sie spotten mein: Er klagt’s dem Herrn,
Ob dieser ihn befreite!
Du legst mich in des Todes Staub.
Ich bin kein Mensch, ein Wurm; ein Raub
Der Wut, ein Spott der Leute.

Ich ruf und du antwortest nie,
Und mich verlassen alle.
In meinem Durste reichen sie
Mir Essig dar und Galle.
Wie Wachs zerschmelzt in mir mein Herz.
Sie sehn mit Freuden meinen Schmerz,
Die Arbeit meiner Seelen.
Warum verläßt du deinen Knecht?
Mein Gott! mein Gott! ich leid und möcht
All mein Gebeine zählen.«

Du neigst dein Haupt. Es ist vollbracht.
Du stirbst! die Erd erschüttert.
Die Arbeit hab ich dir gemacht,
Herr, meine Seele zittert.
Was ist der Mensch, den du befreit?
O wär ich doch ganz Dankbarkeit?
Herr, laß mich Gnade finden.
Und deine Liebe dringe mich,
Daß ich dich wieder lieb, und dich
Nie kreuzige mit Sünden!

Welch Warten einer ewgen Pein
Für die, die dich verachten;
Die, solcher Gnade wert zu sein,
Nach keinem Glauben trachten!
Für die, die dein Verdienst gestehn,
Und dich durch ihre Laster schmähn,
Als einen Sündendiener!
Wer dich nicht liebt, kömmt ins Gericht.
Wer nicht dein Wort hält, liebt dich nicht;
Ihm bist du kein Versühner.

Du hast’s gesagt. Du wirst die Kraft
Zur Heiligung mir schenken.
Dein Blut ist’s, das mir Trost verschafft,
Wenn mich die Sünden kränken.
Laß mich im Eifer des Gebets,
Laß mich in Lieb und Demut stets
Vor dir erfunden werden.
Dein Heil sei mir der Schirm in Not,
Mein Stab im Glück, mein Schild im Tod,
Mein letzter Trost auf Erden!

Weisse, Michael – Christus, der vns selig macht

CHristus, der vns selig macht,
kein böß hat begangen,
Der ward für vns inn der nacht
als ein Dieb gefangen,
Gefürt für Gottlose leut
vnd felschlich verklaget,
verlacht, verhönt vnd verspeyt,
wie denn die Schriefft saget.

Inn der ersten tages stund
ward er vnbescheyden
Als ein Mörder dargestelt
Pilato dem Heyden,
Der jn vnschuldig befand
one sach des Todes,
jn der halben von sich sandt
zum König Herodes.

Vmb drey ward der Gottes Son
mit Geysseln geschmissen
Vnd sein haupt mit einer Kron
von Dörnern zerrissen,
Gekleydet zu hon vnd spot
ward er sehr geschlagen,
vnd das Creutz zu seinem tod
mus er selbest tragen.

Vmb sechs ward er nackt vnd bloß
an das creutz geschlagen,
An dem er sein blut vergoß,
bettet mit weeklagen;
Die zuseher spotten sein,
auch die bey jm hiengen,
biß die Sonn auch jren scheyn
entzog solchen dingen.

Jesus schrey zur neundten stund,
klaget sich verlassen;
Bald ward Gall inn seinen mund
mit Essig gelassen;
Da gab er auff seinen Geyst,
vnd die erd erbebet,
des Tempels vorhang zerreyß
vnd manch Felß zerklübet.

Da man het zur Vesper zeyt
die schechher zerbrochen,
Ward Jesus inn seine seyt
mit eim Sper gestochen,
Darauß blut vnd wasser rhan,
die Schriefft zu erfüllen,
wie Johannes zeyget an,
nur vmb vnsert willen.

Da der tag sein ende namm,
der abent war kommen,
Ward Jesus vons Creutzes stamm
durch Joseph genommen,
Herrlich nach Jüdischer art
inn ein Grab geleget,
alda mit hüttern verwart,
wie Mattheus zeyget.

O hilff, Christe, Gottes Son,
durch dein bitter leyden,
Das wir stetz dir vnterthan
all vntugent meyden,
Deinen tod vnd sein vrsach
fruchtbarlich bedencken,
dafür, wiewol arm vnd schwach,
dir danckopffer schencken. Amen.

Quelle