Liscovius, Salomon – Vom Leiden Christi.

Weise: Freu dich sehr, o meine Seele.

1. Liebster Jesu, deine Schmerzen,
Deines Leidens schwere Zeit,
Gehen mir sehr tief zu Herzen;
Deines Todes Bitterkeit
Kränket mich bei Tag und Nacht,
Weil ich dich dazu gebracht,
Dass du, wegen meiner Sünden,
Solche Marter musst empfinden.

2. Du, mein Jesu, wirst gebunden,
Bald verspottet, bald verspeit,
Und noch mehr als alle Stunden
Wird dein Leiden dir verneut.
Dein Gefängnis macht mich los,
Deine Schande macht mich groß,
Dein betrübtes schweres Leiden
Schaffet mir des Himmels Freuden.

3. Was für Speichel, was für Schläge
Fliegen dir in’s Angesicht?
Jesu, meine Lasterwege
Haben dir das zugericht’t.
Du erträgest Angst und Weh,
Dass es mir nur wohl ergeh,
Und daß mir nach deinen Schlägen
Blühen möge Trost und Segen.

4. Ach, du König aller Ehren,
Du geliebter Gottessohn,
Was musst du für Spott anhören?
Kreuz und Dornen sind dein Lohn,
Speer und Nägel sind dein Dank,
Gall und Essig sind dein Trank;
Und so lässest du dich quälen,
Dass mir Labsal nicht soll fehlen.

5. Du stehst da mit bloßem Leibe,
Trägst ein altes Purpurkleid,
Dass ich angekleidet bleibe,
Würdig sei zur Seligkeit.
Ach, dein Purpur schmücket mich,
Ewig anzuschauen dich,
Und durch alle deine Schande
Hilfst du mir zum Ehrenstande.

6. Jesu, deiner Dornen Spitzen
Haben dich so sehr verletzt,
Dass dein Haupt ist voller Ritzen,
Und dein Leib mit Blut benetzt.
Deine Dornen und dein Blut
Schützen vor der Höllenglut,
ja dein Blut und Dornenkrone
Helfen mir zum Himmelsthrone.

7. Jesu, deine Schmerzenswunden
Helfen meiner Krankheit ab,
Meine Sünden sind verschwunden
Und verscharret in dein Grab.
Sünd und Krankheit werd ich los,
Weil man sich in’s Grab verschloss;
Deine Striemen, Qual und Wunden
Haben mir mein Herz verbunden.

8. Tod und Teufel sind gestorben,
Kreuz und Leiden sind versüßt,
Heil und Leben sind erworben,
Jesu, weil du so gebüßt.
Weil du dich für mich verbürgt
Und am Kreuze wirst erwürgt,
Bleibet mir, wenn ich gleich sterbe,
Das erwünschte Lebenderbe.

9. Nun, o Jesu, laß dein Leiden,
Deine Marter, Kreuz und Pein,
Dein betrübtes Abescheiden
Meiner Seelen Labsal sein.
Deine Wunden, Blut und Tod
Helfen mir aus meiner Not,
Und verschleußt in meinem Herzen,
Liebster Jesu, deine Schmerzen.

Liscovius, Salomon – Auf Maria Reinigung.

Weise: Herr Christ, der ein’ge Gottessohn.

1. Hochselig sind zu schätzen,
Die reines Herzens sind,
Da will sich Jesus setzen,
Das hochgelobte Kind.
Er will mit Freuden kommen,
zu wohnen bei den Frommen,
Und wo sich Glauben find’t.

2. Weil aber nichts als Sünder
Hier anzutreffen sein,
Weil alle Menschenkinder
Im Herzen insgemein
Mit Lastern sind beladen,
Und wenn wir uns gleich haben,
Ist keiner fromm und rein:

3. Als hat um unsertwillen
Sich Jesus dargestellt,
Die Sündennot zu stillen,
Und die befleckte Welt
Von ungerechten Sachen
Gerecht und rein zu machen
Als unser Lösegeld.

4. Denn er ist rein von Sünden,
Reich an Gerechtigkeit,
Ein helles Licht der Blinden,
Der Sünder Ehrenkleid.
Er ist ein Arzt, zu heilen
Und Labsal mitzuteilen
Der kranken Christenheit.

5. Er ist ganz ohne Tadel,
Schön, heilig, unbefleckt;
Und solchen feinen Adel
Hat er uns vorgestreckt.
Dadurch sind unsre Laster
Als wie mit einem Pflaster
Verbunden und bedeckt.

6. Durch ihn ist unser Herze
Geheiligt, rein und klar,
Von aller Sündenschwärze
Gereinigt ganz und gar.
Nun gibt es schöne Schätze,
Weil Jesus dem Gesetze
Für uns sich stellet dar.

7. O Jesu, Trost der Sünder,
Wir bitten sich mit Fleiß:
Vertritt und arme Kinder
Und mach uns rein und weiß;
Nimm weg die Sündenmängel
Du reiner Friedensengel,
Durch deinen roten Schweiß.

8. Auch hilf uns hier im Leben,
Dass wir der Reinigkeit
Uns immerdar ergeben,
Und dann, zur Sterbenszeit,
Lass uns in Frieden fahren
Zu’n auserwählten Scharen
In deiner Herrlichkeit.

Werner, Georg – Dank für die Wiederkehr des Friedens.

Ihr Alten mit den Jungen,
Erhebet eure Zungen,
Lobt Gott mit süßem Klang!
Den Himmelskönig preiset,
Der uns den Fried‘ jetzt weiset;
Gebt seinem Namen Ehr und Dank!

Du Vaterland, beschweret,
Voit Feinden ausgezehret,
Verwüstet hie und da,
Lob Gott! den Krieg er endet,
und alles Unglück wendet;
Von Herzen sing: Alleluja!

Ihr, die vordem geplaget,
Von Haus und Hof verjaget,
Seid dankbar immerdar!
Der Feind mit Schwert und Bogen
Ist nunmehr abgezogen;
Nehmt wieder ein, was euer war!

Der Krieg ist weggenommen,
Der Fried‘ ist wiederkommen;
Gott sei Lob, Ehr und Preis!
Jetzt scheinet uns die Sonne
Und bringt nach Trauren Wonne;
Drum, Preußen, lobe Gott mit Fleiß!

Groß sind, Herr, deine Gaben,
Die wir empfangen haben
Von deiner milden Hand;
Zu vielen tausend Malen
Kann man sie nicht bezahlen,
Die du uns allen zugewandt.

Wir bitten deine Treue:
Den Frieden uns verleihe,
Herr Gott, zu unser Zeit!
Wir wollen dafür oben
Mit allen Engeln loben
Dein Ehr und große Herrlichkeit.

Herman, Nikolaus – Am sechszehnten Sonntag nach Trinitatis.

Lucä 17.

Ein Wittfrau hat ein eingen Sohn,
Der war ihr Trost, ihr Freud und Wonn,
Der starb in seiner besten Blüt,
Sein Mutter wird herzlich betrübt.

2. Mit Jammer, weh und Herzenleid
Gab sie zum Grab ihm das Geleit;
Wie man zum Tor austrug die Bahr,
Kam Christus mit sein Jüngern dar.

3. Da er das Weib so weinen sah,
Jammerts ihn sehr, und zu ihr sprach:
Hör auf zu weinen und schweig still,
Dein Sohn ich dir aufwecken will.

4. Die Träger hieß er stille stahn,
Ging hin zur Bahr und rührt sie an,
Von Stund an wurd der Tod gewahr,
Dass sein Herr da vorhanden war.

5. Es erhub sich ein groß Gedräng,
Das Tor wollt werden gar zu eng,
Der Tod wollt raus, das Leben h’nein,
Ein Jeder wollt der stärkste sein.

6. Da aber Christ sprach nur ein Wort,
Da wich der Tod, und musst bald fort,
Den Jüngling hieß der Herr aufstehn,
Bald musst der Tod ihn lassen gehn.

7. Es war ein Starker vor der Hand,
Derselb zerreißt des Todes Band,
Der Jüngling sich bald auf der Bahr
Aufricht und wieder lebend war.

8. Zu reden auch fing an der Knab,
Christ der Mutter ihn wieder gab,
Da wurd ihr Weinen und Herzleid
Verkehrt in eitel Wonn und Freud.

9. Des entsetzt sich die ganze Schaar,
Die nachgefolget hat der Bahr,
Und preisten Gott in Ewigkeit,
Und rühmten sein Barmherzigkeit.

10. Am jüngsten Tag werdn wir dergleich
Vom Tod erweckt zum ewign Reich,
Das ist der Christen Freud und Trost,
Dass sie vom Tod Christ hat erlöst,

Gebet.

Herr Christ, lass dir‘ befohlen sein
All Witwen und auch Waiselein;
Wenn sie oft leiden Gwalt und Not,
So schütz du sie, o gütiger Gott.

Amen.

Herman, Nikolaus – An das Bild des Todes.

Das Totenbild spricht:

O Mensch, mit Fleiß anschaue mich,
Wie du jetzt bist, gleich so war ich,
Jung, schön und stark, aufs hübschst geziert,
Gleich wie ein Bild artig formiert.

2. Jetzund bin ich nur Asch und Staub,
Mein Fleisch die Würm han zu eim Raub;
Adel, Kunst, Ehr, Geld, Gut und Pracht,
Der Tod hat uns zu nicht gemacht.

3. Wer ist, der mich jetzt kennen kann,
Ob ich sei gwest ein Edelmann,
Ein Fürst, ein Graf, Herr oder Knecht,
Ein Bürger oder Bauer schlecht.

4. Nach dem Tod werden arm und reich,
Fürsten und Bauern alle gleich.
Man kennt ein für dem andern nicht;
Denn da ist gar kein Unterscheid.

5. Drum lass sich Niemand auf sein Gwalt,
Ehr, Jugend, Stärk und schöne Gstalt;
Solche All‘ ist gleich, wies grüne Gras,
Heut grünts, morgen verwelket das.

6. Bist du heut frisch, gsund, stolz und reich,
Morgen bist du ein arme Leich.
Hält man dich heut schön, lieb und wert,
Morgen legt man dich in die Erd.

7. So ist dein Pracht und Zier denn hin,
Und wirst gestalt, wie ich jetzt bin.
Drum weil du noch jung und stark bist,
Bedenk das End und trau auf Christ.

8. Der wird dich durch den zeitlich Tod
Retten von der Angst und Not,
Und dir ein neuen Körper geben,
Der ewig wird mit ihm leben.

9. Des tröst dich, wenn du anschaust mich,
Und jetzt der Tod will holen dich,
So kannst du fröhlich fahren hin,
Und ist der Tod nur dein Gewinn.

Herman, Nikolaus – Ein geistliches Lied von Dürftigkeit menschlichen Geschlechts und vom Tode, wie ihn Christus überwunden, derwegen auch nicht soll gefürchtet werden rc.

In Sterbenszeiten tröstlich zu singen.

Der Mensch wird von eim Weib geborn,
Mit Weh und Schmerzen in Gotts Zorn,
Und lebt alhie ein kleine Zeit
In Jammer, Not und Dürftigkeit.

2. Jetzt blüht er, wie ein Blümlin schon,
Bald fleucht er wie Schatten darvon.
Sein Tun und Werk hat kein Bestand,
Im Augenblick ists Alls gewandt.

3. Sein Leben ist nichts, denn Unruh,
Welchs er mit Angst und Not bringt zu,
Bis kommt der Sünden Sold, der Tod,
Und erlöst ihn aus aller Not.

4. Derselbige kommt uns Allen gleich,
Wir sind jung, alt, arm oder reich;
Denn über uns das Recht er hat
Durch Adams Schuld und Missetat.

5. Da er aber griff Christum an
Und würget ihn wie sonst ein Mann,
Der doch ohn Sünd was und gerecht,
Verlor sein Recht der Höllenknecht,

6. Und blieb ihm nichts, denn Todesg’stalt,
Ihm wurd geschwächet all sein Gwalt;
Die währt nur bis an jüngsten Tag,
Darnach er Nichts mehr würgen mag.

7. Denn wird der Tod vertilget gar,
Kein Leich wird mehr sein noch kein Bahr.
Denn werd wir all vom Tod aufstehn,
Und lebend aus den Gräbern gehn.

8. In solcher Form und gleicher Gstalt,
Wie Christ erstund durch eigne Gwalt,
So werden wir auch durch sein Kraft
Auch wiederum zum Leben bracht.

9. Was hilft sein Würgen denn den Tod?
Er wird doch Jedermann ein Spott
Sein an demselben großen Tag.
Keim Christen er nicht schaden mag.

10. Er sei so gräßlich als er woll,
Doch länger er nicht herrschen soll,
Denn bis kommen wird Christ der Herr;-
Der wird ihm nehmen Harnisch und Wehr.

11. Denn kommt ein Stärkrer über ihn,
Der wird sein Raub ihm nehmen hin,
Sein Stachel, Spieß, sein Bogen und Seng.
Gelt, ob ihn der wird helfen eing.

12. Drum lasst uns, o ihr Christenleut,
Solchs wohl bedenken allezeit,
Auf dass wir sein beherzt und keck,
Damit der Tod uns nicht erschreck,

13. Gleichwie er allen Heiden tut;
Denn er nimmt all ihr Freud und Mut,
Drum dass sie gar kein Hoffnung han,
Dass sie vom Tod solln wiedr aufstan.

14. Lasst uns nicht werden ihnen gleich,
Und so bekümmern um ein Leich,
Dass, wenn Eins stirbt aus unsrem Haus,
Wir denken: nu ists mit ihm aus.

15. Wir wolln dort sehen unser Freund,
Die in dem Herrn entschlafen sind,
Herrlich in aller Freud und Wonn
Leuchten gleichwie die helle Sonn.

16. Dort werden alle Kinderlein,
Die auf Christum getaufet sein,
Ihr Eltern sehen in Gottes Reich,
Und sein den lieben Engeln gleich.

17. Auch wird ein Vater seine Kind,
So in Gotts Furcht erzogen sind,
Mit Freuden sehen immerdar.
Bei Christo und der Engel Schaar.

18. Drum bitt wir dich, Herr Jesu Christ,
Wenn unser Stündlin kommen ist,
Lass uns in deiner Zuversicht
Hinfahren, und verzagen nicht

19. Für Höllenangst, für Sünd und Tod.
Dein Osterbild in letzter Not
Uns scheinen lass ins Herz und Sinn,
Auf dass wir fröhlich fahrn von hinn.

20. Denn du doch überwunden hast
Tod, Teufel, Höll und Sündenlast.
Dass uns der keines schaden wird.
Du bist ja unser treuer Hirt,

21. Der für sein Schaf das Leben gab;
Darum du Tod bist, gar schabab1aus, weg;
Denn sterben wir, so sterben wir ihm,
Und bist du, Tod, nur unser Gwinn.

22. Ein bessers Leben ist uns bereit,
Darein Herr Christe uns geleit,
Auf dass wir durch ein seligs End
Zu dir kommen aus dem Elend.

Amen.

Herman, Nikolaus – Eine Betrachtung des Todes

Mit Todesg’danken gehe ich um,
Denn er sich stets dreht um mich hrum
Und tritt mir nach gar auf dem Fuß,
All Stund ich seiner warten muss.

2. Den Bogen hat er schon gespannt
Und hat den Pfeil in seiner Hand.
Er nimmt des Siegers eben wahr,
Wenn er ist ausgeloffen gar.

3. Denn wird er mir lassen kein Frist,
Ich sei wohl oder üb’l gerüst;
Bald er beginnt zu klopfen an,
Ist ihm die Tür schon aufgetan.

4. Kein Bürgen er mir setzen will,
Steckt mir auch kein gewisses Ziel.
Wenn er kommt und spricht nur ein Wort,
So muss ich auf und mit ihm fort.

5. Drum, o mein liebe Seel, dich rüst,
Ob du vom Leib heut scheiden müsst.
Mach dich gerüst und sei bereit;
Lass dir den Tod nicht machen Leid.

6. Leg ab, mein Leib, die schwere Last,
Drin du jetzt bist nur wie ein Gast;
Du musst doch aus dem alten Haus
Ziehen, da wird nicht anders aus.

7. Doch aus dem armen Madensack
Wird dir Christus am jüngsten Tag
Ein Haus bauen, spannen und klar,
Drin wirst du wohnen immerdar.

8. Denn wollen wir beide zugleich
Einwohner sein im Himmelreich,
Und ewig sehen Gottes Sohn,
Mit Lust alls nach seim Willen tun.

9. Wie wir erstlich geschaffen sein
Von aller Sünd pur, lautr und rein,
Werd‘ wir sein fromm, grecht, klug und weis,
Wie Adam war im Paradeis.

10. Mein liebe Seel, drum sei getrost,
Christ unser Herr hat uns erlost.
Scheid nur willig von diesem Leben,
Gott wird uns viel ein bessers geben.

Amen.