Simon Dach – Als die hochlöblichen crohnen Pohlen und Schweden nach abgelauffenem sechsjährigen stillstand in Preussen sich wiederumb zum krieg rüsteten, im jahr 1635.

Das leid ist hier,
Da sehen wir,
O grosser Gott,
Wenn dein gebot
Nicht wird vollbracht,
Was krieg und schlacht
Uns dann für grossen jammer macht.

Der feinde heer
Fleucht durch das meer,
Setzt ohne ruh‘
Auff uns nur zu.
Wie steht ihr muth
Nach unserm gut,
Wie dürstet sie nach mord und blut

Wo sol man doch
In diesem joch
Und creutz hinziehn?
Wir wollen fliehn
Zu dir, o Gott;
Der grossen noht
Entheb uns doch durch Christi todt!

Zeuch du, o held,
Mit uns ins feld!
Wir sind zu schwach;
Führ du die sach‘
Und schütz‘ hinfort
Bey uns dein wort,
Sey ewig unser fels und hort!

Simon Dach – Psalm 113.

So lobt nun Gott, ihr seine knechte,
Lobet seines nahmens ehre,
Gelobt sey seine gnad und rechte,
Alle welt sein lob vermehre.
Ihn soll man rühmen und nicht schweigen,
So lang, als sich nach dieser zeit,
Kein ziel und maß wird können zeigen
Der ungeendten ewigkeit.

Des herren nahme sey erhöhet,
Seiner gnaden lob gelange
Von dar an, wo die sonn‘ auffgehet,
Biß zu ihrem niedergange.
Ihm müssen alle heyden weichen
An grosser hoheit, zier und pracht,
So weit die liechten sterne reichen,
Geht seines namens ehr und macht.

Wer ist wie unser Gott so prächtig,
Der so hoch gesetzt mag werden,
Und siehet auff das niederträchtig
In dem himmel und auff erden?
Der aus dem staube den geringen
Gar herrlich auffzurichten weiß,
Den armen aus dem koht zu bringen
Und ihm zu geben ehr und preiß.

Er setzt ihn an der fürsten seite,
Ehret ihn mit hohem stande,
Daß seiner kunst sich alle leute
Freuen in dem gantzen lande.
Auch wil der herr mit freud und segen
Die, so noch nie gebohren hat,
Im hause seines volcks belegen,
Daß man ihn lobe früe und spat.

Simon Dach – O, wie selig seydt ihr doch, ihr frommen,

O, wie selig seydt ihr doch, ihr frommen,
Die ihr durch den todt zu Gott gekommen!
Ihr seyd entgangen
Aller noth, die uns noch helt gefangen.

Muß man hie doch wie im kercker leben,
Da nur sorge, furcht und schrecken schweben;
Was wir hie kennen,
Ist nur müh und hertzeleid zu nennen.

Ihr hergegen ruht in euer kammer,
Sicher und befreyt von allem jammer,
Kein creutz und leiden
Ist euch hinderlich in euren freuden.

Christus wischet ab euch alle thränen,
Habt das schon, wornach wir uns erst sehnen,
Euch wird gesungen,
Was durch keines ohr alhie gedrungen.

Ach, wer wolte dann nicht gerne sterben
Und den himmel vor die welt ererben?
Wer wolt hie bleiben,
Sich den jammer länger lassen treiben?

Komm, o Christe, komm uns auszuspannen.
Löß uns auff und führ uns bald von dannen!
Bey dir, o sonne
Ist der frommen seelen freud und wonne.

Simon Dach – Der breutgam an seine braut, und an Christum.

Nun du hast mein festes hoffen,
Liebste seel, einmahl gestillt,
Komm, mein herze steht dir offen,
Außgeschmückt und angefüllt
Mit standhafter flammen,
Die so lange wehrt,
Biß uns Gott zusammen
Durch den tod begehrt.

Dir, o Christe, wahres leben,
Heyrahts-stifter, breutigam,
Sey von hertzen danck gegeben,
Daß du, als ich zu dir kam
Umb ein lieb zu bitten,
Eine mir geschenckt
Von so schönen sitten,
Als mein hertz gedenckt.

Wer auff deinen nahmen bauet,
Als der niemals hat gefehlt,
Und sich dir in hoffnung trauet,
Hat das allerbest erwehlt;
Wird’s ihm saur und bitter,
Bleibt er doch bestehn,
Biß das ungewitter
Muß vorüber gehn.

Darumb wil ich allem glauben,
Was mir, Gott, dein wort fürhelt,
Du kanst, was du sagest, treiben,
Daß es dir zu willen fellt;
Alles muß geschehn
Auff dein wort allein,
Ob gleich wir nicht sehn
Wie es könne sein.

Alles wesen, was wir kennen
In dem grossen weltgebeu,
Wird und muß zuletzt verbrennen,
Wenn du wirst ein feldgeschrey
In den wolken machen,
Da der Erdenkreis
Auß dem grab‘ erwachen
Wird auff dein geheiß.

Welches auch die klügsten heyden
Wiederstritten und verneint,
Die natürlich gar nicht leiden,
Wenn dein volck was anders meint,
Des sich doch ein Christe
Tröstet in der pein,
Oder sonsten müste
Gar kein Gott nicht sein.

Simon Dach – Eh all wir aus der hölen

Eh all wir aus der hölen
Des finstern körpers ziehn,
Und zu den leichten seelen
Der abgeleibten fliehn,
Steht uns die thür der gnaden
Noch immer auffgethan,
Dahin der, so beladen
Mit sünden, Aiehen kan.

Kommt, klopffet an, ihr sünder,
Durch ware reu‘, und sprecht:
Du bist, o Gott, nicht minder
Gedultig, all gerecht,
Denn wirst du ohn‘ erbarmen
Mit uns zu rechten gehn,
Wer wird wol von uns armen
Alsdann für dir bestehn?

Ist nicht dein sohn gestorben
Den sündern nur zu gut,
Und hat uns ihm erworben
Durch sein selbst eigen blut?
Nur einig dich zu stillen
Geschahe dieser kauff,
Darumb umb seinet willen
Nimb uns zu gnaden auff!

Wie wollen wir uns freuen
Alsdann der gütigkeit,
Die du aus vater-treuen
Uns zeigst zu rechter zeit!
Du solt gepriesen werden
Dan, wan die sonn‘ erwacht,
Und mit den schnellen pferden
Sich wieder von uns macht.

Nur laß uns das verüben,
Worauff du uns geweist,
Und nicht die zeit verschieben,
Die wie ein strom hinfleust;
Du wirst es wol belohnen,
Ob wir’s wol nicht verdient,
Und ewig unser schonen,
Weil Gott uns dir versühnt.

Simon Dach – Ich steh‘ in Angst und Pein

Ich steh‘ in angst und pein
Und weiß nicht aus, nicht ein,
Der sinnen krafft sinckt nieder,
Das hertz wil mir zergehn,
Die zunge bleibet stehn,
Mir starren alle glieder,

So offt als die gewalt
Der stimm‘ in mir erschallt:
Ihr todten in der erden,
Steht auff und seumt euch nicht,
Kompt vor das halß-gericht,
So ietzt gehegt sol werden!

Ach Gott, kein harter schlag
Des rauen wetters mag
Die felsen so erschüttern,
Als dieser thon mein hertz;
Und wer‘ ich stahl und ertz,
Müst ich hiefür erzittern.

Ich ess‘, ich wach und ruh,
Ich thu auch was ich thu,
Sey, wo ich wil, zu spüren,
So müssen fort und fort
Mir diese donner-wort
Hertz, geist und seele rühren.

Denn werd ich nicht gewahr,
Wie in so grosser schaar
Die menschen stets verbleichen?
Den raffet pest, den glut,
Den schickt die wilde flut
Hinunter zu den leichen.

Die reyh kompt auch an mich,
Das ende fördert sich,
Das keinen kan begnaden;
Der todt ist vor der thür
Und klopfet an bey mir,
Mich schon dorthin zu laden.

Wen fleh‘ ich doch nun an?
Wer ist, der helffen kan?
Wer wird das wort mir sprechen?
Hier hilfft nicht gut, nicht geld,
Der den gerichts-tag helt,
Lässt gantz sich nicht bestechen,

Hat nicht auff purpur acht,
Nicht auff der krohnen pracht
Noch auff gewalt und tittel,
Begehrt nicht zu verstehn,
Daß die in seide gehn
Und die im groben kittel.

Ach komm, herr Jesu Christ,
Komm! dieses einig ist,
Worumb du mensch gebohren!
Komm, mache durch dein blut
Die böse sache gut,
Sonst bin ich gantz verlohren!

Komm, führe du mein wort
Und laß mich, o mein hort,
Den spruch der gnaden hören!
Ich wil auch iederzeit,
Itzt und in ewigkeit,
Dich, meinen fürsprach, ehren.

Dach, Simon – O wie selig

O wie selig seid ihr doch, ihr Frommen,
die ihr durch den Tod zu Gott gekommen!
Ihr seid entgangen
aller Noth, die uns noch hält gefangen.

Muß man doch hie wie im Kerker leben,
da nur Sorge, Furcht und Schrecken schweben;
was wir hie kennen
ist nur Müh und Herzeleid zu nennen.

Ihr hingegen ruht in eurer Kammer,
sicher und befreit von allem Jammer;
kein Kreuz und Leiden
ist euch hinderlich in euren Freuden.

Christus wischet ab euch alle Thränen;
habt das schon, wonach wir uns erst sehnen;
euch wird gesungen
was durch Keines Ohr allhie gedrungen.

Ach wer wollte denn nicht gerne sterben
und den Himmel für die Welt ererben?
Wer wollt hie bleiben,
sich den Jammer länger laßen treiben?

Komm, o Christe, komm uns auszuspannen,
lös‘ uns auf, und führ uns bald von dannen!
Bei dir, o Sonne!
ist der frommen Seelen Freud und Wonne.

Geistliche Lieder

Simon Dach – Biographie

Simon Dach wurde 1605 zu Memel geboren und ging, nachdem er zuerst die Schule seiner Vaterstadt besucht hatte, im 14. Lebensjahre nach Königsberg und später nach Wittenberg und Magdeburg, um seine Schulstudien zu vollenden. Schon frühe zeigte er große Anlagen, namentlich für Musik, und widmete sich daher, als er auf der Universität zu Königsberg Theologie und Philologie studierte, ganz besonders auch dem Studium der Beredsamkeit und Dichtkunst, und wurde bald in letzterer ein Muster und Vorbild für ganz Preußen. Seine erste öffentliche Anstellung erhielt er 1633 als Kollaborator an der Domschule zu Königsberg. In dieser Zeit schloss er mit Robert Roberthin, dem Kurfürstlichen Rat bei der preußischen Regierung, der sich seiner besonders annahm und ihn ermunterte, sich der deutschen Dichtkunst zu widmen, sowie mit Heinrich Albert und einigen andern einen innigen Freundschaftsbund, wodurch sein Name in kurzer Zeit berühmt wurde. Dieser Bund war die sogenannte Königsberger Dichterschule, welche sich als eine besondere Zweigschule der ersten schlesischen Dichterschule bildete. Im Jahre 1636 wurde er Konrektor an der Domschule und 1639 Professor der Poesie an der dasigen Universität, nachdem er zuvor den großen Kurfürsten mit einem Gedichte begrüßt hatte. Von da ab stand er überhaupt in einem gewissen zutraulichen und herzlichen Verhältnisse zum Kurfürsten und besang alle seine Taten und Ereignisse seines Hauses. Auch erhielt er als Lohn für diese Lieder zum Preise des Kurfürsten und seines Hauses das Landgut Cuxheim zum Geschenk. Im Jahre 1640 wurde er Magister und 1649 sogar Rektor Magnificus der Universität. Nach Roberthins Tode 1648 bemächtigte sich seiner ein tiefer Ernst, so dass er von nun an sich ausschließlich dem geistlichen Liede widmete, während er früher mit anmutiger Leichtigkeit und naiver Treuherzigkeit sich auf dem Gebiete des weltlichen Liedes bewegt hatte. Er starb im Jahre 1659.

Die Zahl seiner geistlichen Lieder beläuft sich auf 150, die er meist bei bestimmten Veranlassungen, namentlich bei Sterbefällen angesehener und befreundeter Personen, dichtete. Sie zeichnen sich durch große Leichtigkeit der Sprache und Gefälligkeit des Ausdrucks aus und tragen das Gepräge natürlicher Herzlichkeit und frommer Innigkeit an sich. Sie erschienen teils in Heinrich Alberts „musikalischer Kürbishütte“, teils in den Königsberger Gesangbuchsausgaben, am vollständigsten in der vom Jahre 1690.