Zeller, Christian Heinrich – Freuet euch, ihr Menschenkinder

Freuet euch, ihr Menschenkinder,
Freut euch alle, groß und klein!
Freuet euch, verlorne Sünder!
Selig, selig sollt ihr sein!
Der, Dem Sich die Himmel neigen,
Dessen Wort die Welt gebar,
Stellt Sich in der Weihnacht Schweigen
Niedrig, als ein Kindlein dar.

Alle Himmelsheere singen,
Und die Welt, sie höret’s nicht,
Sieht nicht durch das Dunkel dringen
Das verheiß’ne Himmelslicht.
In der tiefsten Armuth Stille,
Wo die Welt nichts sucht und find’t,
Wird erfüllt des Ew’gen Wille,
Und die Lieb‘ erscheint als Kind.

Euch ist dieses Kind geboren,
Euer Heiland Jesus Christ,
Ohne Den die Welt verloren
Und der Hölle Vorhof ist.
Höret es, ihr Menschenkinder:
Hier, hier ist Immanuel!
Kommet her, verzagte Sünder,
Glaubt und rettet eure Seel‘!

Jesus ist die Weihnachtsgabe,
Die uns Gott vom Himmel beut;
Er ist Geber und ist Gabe!
Wer Ihn nimmt, wird hoch erfreut.
Darum greifet zu, ihr Kinder,
Nehmet Den zur Weisheit an,
Der allein gerecht die Sünder
Und sie heilig machen kann!

Weißel, Georg – Such wer da will ein ander Ziel

Such‘, wer da will, Ein ander Ziel,
Die Seligkeit zu finden:
Mein Herz allein Bedacht soll seyn,
Auf Christum sich zu gründen.
Sein‘ Wort‘ sind wahr, Sein‘ Werk‘ sind klar;
Sein heilger Mund Hat Kraft und Grund,
All‘ Feind‘ zu überwinden.

Such‘, wer da will, Nothhelfer viel,
Die uns doch nichts erworben:
Hie ist der Mann, Der helfen kann,
Bey dem nie was verdorben.
Uns wird das Heil Durch ihn zu Theil;
Uns macht gerecht Der treue Knecht,
Der für uns ist gestorben.

Ach, sucht doch den! Laßt alles stehn,
Die ihr das Heil begehret!
Er ist der Herr, Und keiner mehr,
Der euch das Heil gewähret.
Sucht ihn all‘ Stund‘ Von Herzensgrund,
Sucht ihn allein! Denn wohl wird seyn
Dem, der ihn herzlich ehret.

Meins Herzens Kron, mein Freudensonn
Sollst du, Herr Jesu, bleiben;
Laß mich doch nicht von deinem Licht
Durch Eitelkeit vertreiben!
Bleib du mein Preis, dein Wort mich speis;
Bleib du mein Ehr, dein Wort mich lehr,
An dich stets fest zu gläuben!

Wend von mir nicht dein Angesicht,
Laß mich im Kreuz nicht zagen;
Weich nicht von mir, mein höchste Zier,
Hilf mir mein Leiden tragen;
Hilf mir zur Freud nach diesem Leid,
Hilf, daß ich mag nach dieser Klag
Dir ewig dort lobsagen!

Quelle: Hymns of the 1912 Lutheran Hymnal for Church, School and Home Evangelical Lutheran Synod of Wisconsin and other States

Wegelin, Josua – Himmelfahrt

Allein auf Christi Himmelfahrt\
Mein‘ Nachfahrt ich thu gründen;\
Allein auf seine Hülf‘ ich wart‘,\
Und bitt‘, er woll‘ mir senden\
Sein‘ himmlische Gnad oben ‚rab,\
Daß ich der Welt mög sagen ab\
Und, was droben ist, suchen;

Weil er gen Himmel sich gewend’t,\
Das Irdische verlassen.\
Mein Herz auch nirgend Ruhe find’t;\
Es will nun diese Straßen\
Zur himmlischen Ruh, Freud‘ und Ehr‘,\
Wo Christus ist sein Haupt und Herr;\
Dabey will es auch ruhen.

Ach laß, Herr Christe, mich die Gnad’\
Von dein’r Auffahrt empfangen,\
Daß mein Herz hie die Nachfahrt hab‘,\
Bis daß ich werd‘ erlangen\
Das Himmelfahr’n mit Seel‘ und Leib\
Dir zu Ehren und mir zur Freud‘!\
So will ich dir lobsingen.
—-
Auf Christi Himmelfahrt allein
ich meine Nachfahrt gründe,
und allen Zweifel, Angst und Pein
hiermit stets überwinde;
denn weil das Haupt im Himmel ist,
wir seine Glieder JEsus Christ
zur rechten Zeit nachholen.

Weil er gezogen himmelan,
und große Gab’n empfangen,
mein Herz auch nur im Himmel kann,
sonst nirgends Ruh erlangen;
denn wo mein Schatz gekommen hin,
da ist auch stets mein Herz und Sinn;
nach ihm mich sehr verlanget.

Ach Herr, laß diese Gnade mich
von deiner Auffahrt spüren,
daß mit dem wahren Glauben ich
mög meine Nachfahrt zieren,
und dann einmal, wenn dirs gefällt,
mit Freuden scheiden aus der Welt.
Herr, höre dieß mein Flehen.

Thilo, Valentin – Mit Ernst, ihr Menschenkinder

Mit Ernst, ihr Menschenkinder
das Herz in euch bestellt,
damit das Heil der Sünder,
der große Wunderheld,
den Gott aus Gnad allein
der Welt zum Licht und Leben
gesendet und gegeben,
bei allen kehre ein.

Bereitet doch fein tüchtig
den Weg dem großen Gast,
macht seine Steige richtig,
laßt alles, was er haßt;
macht alle Bahnen recht,
die Thal‘ laßt sein erhöhet,
macht niedrig, was hoch stehet,
was krumm ist, gleich und schlecht.

Ein Herz, das Demuth liebet,
bei Gott am höchsten steht;
ein Herz, das Hochmuth übet,
mit Angst zu Grunde geht.
Ein Herz, das richtig ist,
und folget Gottes Leiten,
das kann sich recht bereiten,
zu dem kommt Jesus Christ.

Ach, mache du mich Armen
in dieser Gnadenzeit
aus Güte und Erbarmen,
Herr Jesu, selbst bereit!
Zeuch in mein Herz hinein
vom Stall und von der Krippen,
so werden Herz und Lippen
dir ewig dankbar sein.

Tholuck, August – Wen hast Du Dir geladen

Mel. Herzlich thut mich verlangen.

Wen hast Du Dir geladen,
Mein Heiland, mild und gut,
Zu Deinem Tisch der Gnaden? –
Nicht, die voll Kraft und Muth,
Die Reichen nicht und Satten
Sind Dir willkommen dran; –
Die Kranken und die Matten
Ruffst Du voll Huld heran.

Da darf auch ich es wagen,
Und treten mit heran;
Ich müßte wohl verzagen,
Ging’s nur die Starken an.
Bei Dir, dem guten Hirten,
Stell ich voll Muth mich ein:
Du willst ja den Verirrten
Von Herzen gnädig sein.

Wohlan, im Bußgewande
Wag ich’s und komme auch;
Bei Dir geht’s nicht nach Stande
Und nicht nach Menschenbrauch.
Wen Andrer Thür abweiset,
Läß’st Du zu Deiner ein,
Und wer der Letzte heißet,
Der soll der Erste sein!

Triller, Valentin – Nunc angelorum gloria

Es ist der Engel Herrlichkeit
Den Menschen itzt
Erschienen hie auf Erden.
Die sagten gute neue Mähr;
Deß feiren wir
Mit fröhlicher Gebärden.
Daß ein Jungfrau Mutter ist,
Bringt uns ein Freud und Leben;
Ein göttlich Licht wird uns damit gegeben.
Freu dich, liebe Christenheit,
Und lobe Gott in Ewigkeit.

Ihr Hirten, sagt uns neue Mähr,
Zu Bethlehem
Was hat geborn Maria.
Christum, den wahren Mensch und Gott,
Der allen hat
Zum Heil den Weg verliehen.
Nu ist uns ein wahres Licht
Von Gott zum Friede kommen;
Der Mutter Jungfrauschaft wird nichts benommen.
Freu dich, liebe Christenheit,
Und lobe Gott in Ewigkeit.

Des Kindes Name ist gar groß,
Der heißt also:
Gott wird mit uns gemeine.
Der arme Sünder wird auch los,
Der freuet sich
In seinem Glauben reine.
Weil wir so erlöset sein,
Laßt uns dem Heiland singen;
Das wird uns wol zum neuen Jahr gelingen.
Freu dich, liebe Christenheit,
Und lobe Gott in Ewigkeit.

Du höchster König heut geborn,
In Todes Noth
Halt uns bei festem Glauben,
Daß wir nach dieser kurzen Zeit
In Ewigkeit
Dich mögen fröhlich loben.
Lob und Ehr und Herrlichkeit
Sei Gott im höchsten Throne,
Den Menschen Fried in seinem lieben Sohne.
Freu dich, liebe Christenheit,
Und lobe Gott in Ewigkeit.

Stegmann, Josua – Ach, bleib mit deiner Gnade

Ach, bleib mit deiner Gnade
bei uns, Herr Jesu Christ!
daß uns hinfort nicht schade
des bösen Feindes List.

Ach bleib mit deinem Worte
bei uns, Erlöser werth!
daß uns beid‘ hier und dorte
sei Güt‘ und Heil bescheert.

Ach bleib mit deinem Glanze
bei uns, du werthes Licht!
dein Wahrheit uns umschanze,
damit wir irren nicht.

Ach bleib mit deinem Segen
bei uns, du reicher Herr!
dein Gnad und alls Vermögen
in uns reichlich vermehr.

Ach bleib mit deinem Schutze
bei uns, du starker Held!
daß uns der Feind nicht trutze,
noch fäll die böse Welt.

Ach bleib mit deiner Treue
bei uns, mein Herr und Gott!
Beständigkeit verleihe;
hilf uns aus aller Noth.

Geistliche Lieder

Spangenberg, August Gottlieb – Die Kirche Christi

Mel. Nun bitten wir den heiligen Geist

Die Kirche Christi, die Er geweiht
Zu Seinem Hause, ist weit und breit
In der Welt zerstreuet, in Nord und Süden,
In Ost und West, und doch so hienieden,
Als droben, Eins.

Die Glieder sind sich meist unbekannt,
Und doch einander gar nah verwandt;
Einer ist ihr Heiland, ihr Vater Einer,
Ein Geist regiert sie, und ihrer keiner
Lebt mehr sich selbst.

Sie leben Dem, Der sie mit Blut erkauft
Und mit dem heiligen Geiste tauft,
Und im wahren Glauben und treuer Liebe
Gehn ihrer Hoffnung lebend’ge Triebe
Auf’s Ewige.

Wie sieht’s mit ihrer Versammlung aus?
Hier stehn sie nirgend in Einem Haus.
In Kirchen und Kirchlein getheilt, verschieden,
Sind alle vereint in Christi Frieden;
Ein Leib des Herrn!

Da tritt die Gemeine des Herrn hervor,
Wo Christi Feuer steigt hell empor,
Da wohnen die Seinen, Er in der Mitten,
Gnade und Wahrheit füllt solche Hütten,
Und Fried‘ und Freud‘.

Mit solchen Gemeinden ist unsre Zeit
Reichlich gesegnet, wir sind erfreut
Ueber Jesu Gnade, und bitte: mehre
Du, Geist des Herrn, Seine Gnadenheere
An Zahl und Kraft.

Schaff – Deutsches Gesangbuch

Rerau, E. J. – Vertrauen auf Gott

GOTT ist mein Heil, Glück, Hilf und Trost,
Mein‘ Hoffnung und Vertrauen.
Er hat mich durch sein’n SOhn erlöst;
Auf ihn will ich vest bauen.
Er hülfet mir aus aller Noth
Und steht mir bey im Leben und Tod;
Drum hab‘ ich diese Zuversicht,
Und bins bericht’t,
Daß Gott verläßt die Seinen nicht.

Verläßt mich Welt, Freund, Haab und Gut
Und was sonst ist auf ERden:
So gläub ich doch mit freyem Muth,
Von Gott soll mir Hülf‘ werden.
Er will uns weder hie noch dort
Verlassen, wie er uns im Wort
Durch seinen lieben Sohn zuspricht.
Es treugt uns nicht:
Denn Gott verläßt die Seinen nicht.

Die Seinen hat der liebe Herr
Allzeit aus Noth gerissen,
Wie Daniel und ander‘ mehr
Thun offenbar zu wissen.
Der fromme Joseph war in Noth,
Moses desgleich; aber zu Gott
Hatten sie all‘ ihr‘ Zuversicht.
Das Band zerbricht:
Denn Gott verläßt die Seinen nicht.

Nicht mehr begehr‘ ich hie von Gott,
Denn daß ich müg erwerben
Ein ehrlich Leben nach sei’m Gebot,
Und darnach selig sterben,
Daß ich hie leb‘ nach seinem Wort,
Also, daß ich auch lebe dort.
Wenn er wird kommen zum Gericht.
Damit man sicht,
Daß Gott verläßt die Seinen nicht.

Rambach – Anthologie christlicher Gesänge aus der neueren Zeit

Preiswerk, Samuel – Neujahrslied

Mel. Allein Gott in der Höh‘ sei Ehr‘.

Wir treten in das neue Jahr
In Jesu heil’gem Namen.
In Ihm ist, was verheißen war,
Der Seinen Ja und Amen.
Die Welt, und was sie hat, zerstiebt,
Doch wer den Namen Jesu liebt,
Der hat das ew’ge Leben.

Wir ziehen mit dem Volk des Herrn
Und Seines Reichs Geweihten;
Wir folgen unserm Morgenstern
Im Dunkel dieser Zeiten.
Denn über allen Nächten klar
Strahlt uns Sein Name: Wunderbar,
Rath, Kraft und Ewig-Vater.

Wir legen auf den Hochaltar
Des Herrn, in Ihm verbunden,
Das angetretne neue Jahr
Und alle seine Stunden.
Die Thränen alle, die es bringt,
Die Lieder alle, die es singt, –
Dem Herrn sei Alles heilig.

Schaff – Deutsches Gesangbuch