Johann Franck – Verlangen nach dem Heiligen Geiste.

In seiner eignen Weise.
Oder: Zeuch ein zu deinen Toren.

Komm, komm, o Himmelstaube,
Komm, komm, o werter Geist,
Komm, komm, dieweil mein Glaube
Dich schon willkommen heißt.
Komm kehre bei mir ein,
Es ist, wie sich’s gebühret,
Mein Herz schon ausgezieret,
Das soll Dein Lusthaus sein.

2. Mein Jesus hat die Maie
Des Glaubens drein gepflanzt,
Und es mit Buß‘ und Reue.
Als einem Zaun umschanzt;
Er hat es zubereit’t
Gleich einen hohen Throne,
In welchen nunmehr wohne
Selbst die Dreifaltigkeit.

3. Komm, komm, du güldner Regen,
Befeuchte meinen Sinn,
Komm, schütt‘ auch deinen Segen
Auf alle Frommen hin.
Lass deinen Liebesbach
Mit reichen Strömen fließen,
Und derer Herz begießen,
Die da sind matt und schwach.

4. Du bist ein Mund der Blöden,
Der Armen Schatz und Gut,
Ein Gasthof in der Öden,
Der hart Erschreckten Mut;
Ein Weg dem, der da irrt,
Der Blinden Licht und Sonne,
Der Herzbetrübten Wonne,
Der Kranken Arzt und Wirt.

5. Du kannst die Herzen lenken
In einem Blick und Nu,
Wenn Menschen Arges denken,
So spricht du Nein dazu,
Machst ihren Rat zu Spott,
Kannst ihren Hochmut schwächen,
Das Jeber drauf muss sprechen:
Seht, das tut unser Gott.

6. Du bist ein Glanz der Trüben,
Der Müden Ruh‘ und Stab,
Der Sehnenden Belieben,
Treibst allen Kummer ab.
Du hebest auf den Stuhl,
Doch wer in hohen Sachen
Sich allzu groß will machen,
Den wirfst du in den Pfuhl.

7. Oft, wenn es mit den Deinen
Jetzt scheinet aus zu sein,
Und die Tyrannen meinen:
Sie wären es allein,
Die Niemand steuern kann:
Da pflegest du ein Schrecken
In ihnen zu erwecken,
Und stürzest Ross und Mann.

8. Will Pharao gleich denken
Durch unerhörte Tat
Dein Israel zu kränken:
So weißt du doch schon Rat.
Wenn er der Frommen Schar
Die Arbeit heißt verdoppeln
und Stroh zusammenstoppeln,
Schickst du den Mosen dar.

9. Nun wohl, auch ich will trauen,
Du werdest bei mir stehn
Und alles Unglücks Drauen
Vorüber lassen gehn.
Wenn vor der Welt mit mir
Es scheinet wie geschehen,
Lässt du dein‘ Allmacht sehen
Und ziehest mich herfür.

10. Drum komm, o Trost, von oben,
Komm, kehre bei mir ein,
So kann im größten Toben
Ich still und mutig sein.
Dir ist mein‘ Angst bekannt,
Im ärgsten Ungewitter
Guckst du schon durch’s Gegitter
Hart hinter meiner Wand.

Johann Franck – Brunnquell aller Güter.

In seiner eignen Weise.

Brunnquell aller Güter,
Herrscher der Gemüter,
Lebendiger Wind;
Stiller aller Schmerzen,
Dessen Glanz und Kerzen
Mein Gemüt entzündt:
Lehre meine schwachen Saiten
Deine Kraft und Lob ausbreiten.

2. Starker Gottesfinger,
Fremder Sprachen Bringer,
Süßer Herzenssaft;
Tröster der Betrübten,
Flamme der Verliebten,
Alles Odems Kraft:
Gib mir deine Gunst und Gaben,
Dich von Herzen lieb zu haben.

3. Bräutigam der Seelen,
Lass mich in der Höhlen.
Deiner Lieblichkeit
Ruh‘ und Zuflucht finden!
Lass mich von den Winden
Trüber Not befreit.
Komm hervor, o Gnadensonne,
Küsse mich mit Trost und Wonne.

4. Teure Gottesgabe,
Komm, o komm, mich labe,
Sieh, ich bin verschmacht’t.
Komm, o mein Verlangen,
Komm, mein Lieb, gegangen,
Denn mein Herz, das lacht,
Wird von Neuem ganz erquicket,
Wann es, Labsal, dich erblicket.

5. Wie ein Hirschlein gähnet,
Sich nach Wasser sehnet,
Wenn es wird gejagt:
So pflegt mein Gemüte,
Herr, nach deiner Güte,
Wann es wird geplagt,
Tief zu seufzen und im Dürren
Nach dir, reichem Strom, zu girren.

6. Wahrer Menschenschöpfer,
Unsres Tones Töpfer,
Gott von Ewigkeit;
Zunder keuscher Liebe,
Gib, dass ich mich übe,
Auch im Kreuz und Leid
Alles dir anheim zu stellen,
Und mich tröst‘ in allen Fällen.

7. Führe meine Sachen,
Meinen Schlaf und Wachen,
Meinen Tritt und Gang,
Glieder und Gesichte,
Dass mein arm Gedichte,
Dass mein schlecht Gesang,
Wandel, Werk und Stand vor allen
Dir, o Vater, mag gefallen.

8. Lass die Macht der Höllen
Nicht mit Listen fällen
Meiner Tage Lauf.
Nimm nach diesem Leiden
Mich zu Himmelsfreuden
Deiner Diener auf;
Da soll sich mein Mund erheben,
Dir ein Hallelujah geben.

Johann Anastasius Freylinghausen – Neujahrsgesang.

Weise: So ist denn nun die Hütte aufgebauet.

1. Der du bist A und O, Anfang und Ende,
Ein Herr der Zeit und auch der Ewigkeit,
Dem alles steht zu seinem Dienst bereit,
Zu deinem Thron, Jehovah, ich mich wende,
Da diese Zeit ein neues Jahr uns bringt,
Und Zion dir ein Hallelujah singt.

2. Dich bet ich an, unwandelbares Wesen,
Du Wesen, das kein Zeitenwechsel trifft.
Du bist, von welchem zeugt der Psalmen Schrift,
Dass deiner Jahre Zahl nicht ist zu lesen;
Denn obgleich Erd und Himmel muss vergehn,
Bleibst du doch wie du bist und ewig stehn.

3. Wir aber sind von gestern her entstanden
Und müssen auch, eh wir uns des versehn,
Oft in der besten Blüte untergehn;
Wir sind wie Gras, das frühe zwar vorhanden,
Und doch wohl, eh die Sonne von uns weicht,
Durch Schnitters Hand sein Ende schon erreicht.

4. Das macht der Fall, der deinen Zorn erwecket
Und uns in diesen Jammer hat versenkt,
(O wohl dem Menschen, der es recht bedenkt!)
Der sich nun über alles Fleisch erstrecket.
Fleisch ist wie Heu, wie eines Grases Blum,
Wie leichte Spreu, in seinem besten Ruhm.

5. Du bist gerecht, wer darf dein Urteil tadeln?
Doch sei gepriesen die Barmherzigkeit,
Die von uns nimmt so gnädig unser Leid
Und uns so hoch hat wieder wollen adeln,
Dass, ob wir gleich hier die Verwesung sehn,
Wir doch dereinst zum Leben auferstehn.

6. Durch Christum ist uns dieses Heil geschenket;
Der kommt aus deinem Schoß zu uns herab,
Wird Mensch und scheuet weder Tod noch Grab
Wodurch er deine Huld so zu uns lenket,
Dass aller Jammer, alle Not und Pein
Uns nichts als Segen und Gewinn muss sein.

7. Durch ihn sind wir zur Ewigkeit erkaufet,
Wo Freud und unvergänglich Wesen grünt;
Hiezu sind wir dir, Vater, ausgesühnt
Und auf des Sohnes Blut und Tod getaufet.
Wie gnädig hast du, Gott, an uns gedacht,
Dass du durch unser Heil dies Heil gebracht.

8. Dies ist der Brunn, aus welchem hergeflossen,
Was mich in meiner Wallfahrt früh und spat
An Seel und Leib jemals erquicket hat,
Der sich hat stromweis über mich ergossen,
Dass ich den Augenblick nicht nennen kann,
Da mir nicht wäre daraus Guts getan.

9. Gelobet sei, o Herrscher, diese Liebe,
Die sonderlich auch im verstrichnen Jahr
Mich armen Staub, der des unwürdig war,
So merklich spüren lassen ihre Triebe.
Ich stelle mich dafür in meinem Sinn
Dir, großer Gott, selbst zum Dankopfer hin.

10. O denke nicht an der vergangnen Zeiten
Gemachte viel und überhäufte Schuld;
Lass deine Gnad und milde Vaterhuld
Zu meinem Trost in Christo sie bespreiten1bedecken.
Was ich gelebet hab, das decke zu,
Was ich noch leben soll, regiere du.

11. Erneure mich, der du machst alles neue,
Das Alte lass von nun an untergehn,
Lass Heiligkeit an dessen Stelle stehn,
Die neue Kreatur dich stets erfreue;
Der Geist aus dir verändre Sinn und Mut,
Nur dich zu lieben als das höchste Gut.

12. Die Zeit fleucht hin, lass mich auch von ihr fliehen
Die Ewigkeit rückt näher stets herbei,
Gib, dass ich ihr im Geist recht nahe sei,
Lass mich als eilend stets von hinnen ziehen,
Es müsse mir nie kommen aus dem Sinn,
Dass ich hier fremd, ein Gast und Pilgrim bin.

13. Ach, lehre mich recht meine Tage zählen,
Dass ich sie all aufs best anwenden mag;
Hilf mir auch tragen ihre Last und Plag,
So will des rechten Zwecks ich nicht verfehlen;
Ich will dereinst mit der erkauften Schar
Bei dir begehn das große neue Jahr.

Johann Anastasius Freylinghausen – So ist denn nun die Hütte aufgebauet.

Johannes 1,14.

Eigene Weise.

1. So ist denn nun die Hütte aufgebauet,
Die Hütte, die der Cherubinen Heer
Und was sich sonst von Engeln findet mehr
Mit wundervoller Freud und Luft beschauet,
Weil ihres Gleichen diese weite Welt
An Herrlichkeit und Schmuck nicht in sich hält.

2. Zwar das Vernunftsaug weiß hier nichts zu preisen,
Der Schein ist schlecht, der sich von außen zeigt;
Das macht, dass der Vernunft ihr Urteil treugt,
Sie richtet nur nach den gewohnten Weisen.
Die Trefflichkeit ist hier gar sehr versteckt,
Ohn Gottes Licht bleibt sie unaufgedeckt.

3. Die Gottheit selbst hat schöners nichts gesehen,
So lange diese Erd und Himmel steht.
Seht, wie die Lust zu diesem Bau nur geht,
Vor ihm muss jene Hütte untergehen,
Weil, was dort nur in dunkeln Schatten war,
Sich hier im Wesen zeiget offenbar.

4. Die Menschheit ist die Hütte, die ich meine,
Die sich das Wort in Gnaden auserkiest,
(Das Wort, davon man schon im Mose liest)
Dass es mit ihr persönlich sich vereine,
Und seiner Gottheit Pracht und Majestät
An ihr ein Zelt, ein Haus und Tempel hätt.

5. Nicht Menschenhand, Gott selbst hat sie erbauet,
Die Werkstatt war der keuschen Jungfraun Leib;
Maria ist das benedeite Weib,
Der sich der Geist in reiner Zucht vertrauet.
Des Wortes keusche Überschattung macht,
Dass dieser Bau wird an das Licht gebracht.

6. O großes Werk, Geheimnis sonder Gleichen!
Wer hat doch, frag ich, jemals dies gehört,
Dass Gott bei Menschen also eingekehrt?
Vernunft, sei still, du wirst es nicht erreichen;
Verehre nur die unumschränkte Kraft,
Die Allmacht, die dies große Wunder schafft.

7. Gesegnet seist du, allerschönste Hütte!
Die ganze Füll der Gottheit wohnet hier,
Sie weichet nun und nimmermehr von dir,
Des Vaters Wort bleibt stets in deiner Mitte;
Und ob dich gleich der Tod in Stücken bricht,
So weicht nach solchem Bruch das Wort doch nicht.

8. Man riecht an dir die edlen Spezereien,
Des Geistes übertrefflichs Balsamöl,
Mit welchem dich dein Gott nach Leib und Seel
Zu seiner Hütte hat gewollt einweihen.
Dir ist kein Maß der Gaben angesetzt,
Was dir geschenkt, ist ohne Maß geschätzt.

9. Hier findet man den rechten Altar stehen
Zusamt dem Opfer, das uns Gott versöhnt,
Der von uns Sündern schändlich ist verhöhnt;
Das Opfervieh muss nun bei Seite gehen.
Hier ist der Born, draus Lebenswasser springt,
Das unsern Geist zur Reinigung durchdringt.

10. Hier siehet man ohn Unterlass aufsteigen
Vom Räuchaltar das priesterlich Gebet;
Man findet Brot an dieser heilgen Stätt;
Der güldne Leuchter ist nicht zu verschweigen,
Der hier mit seinen sieben Lampen brennt
Und aller Welt die lichten Strahlen gönnt.

11. Hier ist der Thron der Heiligkeit und Gnaden,
Den Engel auch gelüstet anzuschaun;
Der Glaube tritt hinzu ohn Furcht und Graun,
Empfänget Heil und Stärk für Adams Schaden.
Was Gottes Wohlgefallen an uns sei,
Wird hier durchs Licht und Recht entdecket frei.

12. Mit einem Wort: das Wort, das Fleisch geworden,
Des höchsten Vaters eingeborner Sohn,
Der in der Ewigkeit hat seinen Thron
Und huldreich sich vermählt mit unserm Orden,
Hat, was ehmals in Bildern eingehüllt
Verborgen war, in und durch sich erfüllt.

13. Gelobet sei, Jehovah, deine Treue,
Die Gnad und Wahrheit nunmehr hergestellt,
Wodurch, was Satan vormals hat gefällt,
Gerettet wird; o Seele, dich des freue!
Stimm mit der Engel Chor ein Danklied an,
Erhebe ihn um das, was er getan!

14. Du aber, der du vormals angenommen
Dies Fleisch, die arme menschliche Natur,
(O nie verspürte Heils- und Liebesspur!)
Und aus der Höh zu uns herab gekommen,
Lass auch, bitt ich, bewegen deinen Sinn
Und nimm mein Herz zu deiner Hütte hin.

Gottfried Arnold – Glückseligkeit des Christen.

Wo ist wohl ein süßer Leben
Auf der ganzen weiten Welt,
Als in Gottes Liebe schweben,
Die uns stets gefangen hält;
Wenn ein rein Gemüte
Bloß auf Jesu Güte
Alles Tun und lassen gründ’t,
Und Ihn selbst in Allem find’t?

Unglaub und Vernunft mag sorgen,
Eigenwille quäle sich;
Was nicht will dem Geist gehorchen,
Muss sich schleppen jämmerlich
Mit viel tausend Lasten;
Aber ich will rasten
In dem sichern Liebesschoß,
Der mich macht vom Kummer los.

O wie ist dem Geist geraten,
Der, als Kindlein umgekehrt,
Alles hält für Kot und Schaden,
Was nicht Jesum selbsten ehrt!
Er darf nicht mehr klagen
Über so viel Plagen;
Er verbringt die Lebenszeit
In gewisser Fröhlichkeit.

Keine Unruh‘, keine Schmerzen
Macht ihm mehr der Heuchelschein;
Was nicht geht aus reinem Herzen,
Muss bei ihm begraben sein.
Er will nicht mehr scheinen,
Noch es fälschlich meinen;
Das selbstständige Wesen schafft
Neues Leben, neue Kraft.

Sein Bewegen und sein Gehen
Geht hinfort in sanfter Ruh‘,
Und was göttlich soll geschehen,
Geht nicht mit Verwirrung zu.
Selbst sein süßes Schlafen
Muss sein Heiland schaffen,
Und sein Wachen muss allein
Täglich in der Liebe sein.

Hört man ihn gleich fröhlich singen,
Bleibt er doch in süßer Still‘,
Weil sein Wollen und Vollbringen
Gott geheim vollenden will.
Darum wird sein Wesen,
Das in Gott genesen,
Von der Welt, die lustentbrannt,
Oft geschmähet und verkannt.

Will’s die Eigenheit gelüsten,
Fremde Kraft vermessen sein,
Und darin sich spiegelnd brüsten:
Hüllt die keusche Sonn‘ sich ein;
Sie will mit den Strahlen
Keinen Kot bemahlen;
Also bleibt ihr Schatz bewährt
Und von Feinden unversehrt.

O verborgnes Liebesleben!
Lass den sanften Liebesgeist
Mir den Gottesfrieden geben,
Der dein ew’ger Sabbat heißt!
Ach, mit welcher Wonne
Krönt uns diese Sonne,
Wenn sie ihre Macht erhöht
Und im Herzen brennend steht!

Süße Kräfte, reine Flammen,
Nehmt mein ganzes Leben ein,
Haltet mich mit Dem zusammen,
Der mir ewig g’nug will sein!
Liebe soll Ihn binden,
Alles überwinden,
Dass sein heitrer Lebenstag
Ewig in mir bleiben mag.

Halt‘ ich Dich gleich noch so feste,
Willst Du doch noch näher sein,
Und vom Guten selbst das Beste
Mir als Wesen drücken ein;
wie soll mein Leben
Stets Dir sein ergeben!
Ich in Dir und Du in mir,
Ja, Du Alles für und für!

Gottfried Arnold – Volle Genüge in Christo.

Ach, wie so glücklich ist ein Herze,
Das seinen rechten Schatz erkennt,
Von keiner fremden Liebe brennt,
Entzogen von der Unruh Schmerze!
Seitdem ich so entzündet bin,
Hat Gott mein ganzes Herz dahin.

Ich schlaf‘, und muss im Herzen wachen;
Im Gehen find‘ ich lauter Ruh‘;
Ich weiß, was Jesus in mir tu‘,
Wenn ich für mich darf gar Nichts machen;
Ich denke stets an Ihn allein,
Er muss mein Wort und Schweigen sein.

Bei ihm scheint mir die Sonne helle,
Die Luft weht mir vom Paradies;
Die Frucht vom Lebensbaum, so süß,
Erschließt in mir die Lebensquelle;
Wohin ich sehe, find‘ ich Den,
Der mich lässt lauter Liebe seh’n.

Er lehret mich in Liebe handeln;
Kein Feind verklagt mich mehr in mir;
Ich bleibe freudig für und für,
Kann ruhig meine Straße wandeln,
Weil Er zu Gnaden mich gebracht
Und über mir als Hirte wacht.

Wie wohl wird mir’s nun immer geben!
Ich lebe nicht, Er lebt in mir;
Sein Bild ist’s, das Er stets allhier
In meinem Geist muss leuchten sehen;
Ich bin hinfort nicht selber Ich –
O Liebe, Du erfüllest mich!

Gottfried Arnold – Um ewige Inwohnung der Liebe Christi.

Bleib‘ hier, o Gottes Sohn!
Bleib‘ in mir immerhin!
Besiege Mut und Sinn!
Entzünde unsre Herzen,
Die in der Liebe schon
An Dich gebunden sind
Mit süßen Liebesschmerzen!
So soll die Liebe nun
Mit ihren Kräften weiden,
Die, so sie hat besiegt!
Was Gott zusammenfügt,
Soll ewig Niemand scheiden
In Gott ist’s süß zu ruh’n!
Ja, nichts ist süßer auf der Erden,
Als lieben, und geliebet werden!

Lass deine Kräfte seh’n,
Liebe, die kein Mann,
Wie Du, verrichten kann!
Was gleichet deinen Flammen?
Wie oft ist es gescheh’n,
Dass Du den Bräutigam
Und mich gebracht zusammen!
O soll nicht Tag und Nacht
In Liebe sein verbracht?
Drum hör‘ mein sehnlich Ach!
Und stärk die schwachen Flammen!
Ach, zeuch mich Dir stets nach!
Es ist nichts besser auf der Erden,
Als lieben und geliebet werden!

Und weil Du, Gottes Kind,
Die Flammen angezünd’t,
Die mir im Herzen sind:
So wollst Du sie auch hegen
Mit deines Atems Wind!
Dann werd‘ ich immer mehr
Mich an dein Herze legen.
Du hast ja bis daher
In mir so gewohnet;
Drum lass mich fernerweit
Genießen diese Freud‘,
Womit die Liebe lohnet,
Und ewig bricht herfür!
Es ist nichts reicher auf der Erden,
Als lieben, und geliebet werden.

Dies ist das Beste noch,
Dass Du bei jeder Pein
Mir Arzt und Arznei willst sein.
So lange ich gezogen
An Deinem Liebesjoch,
Bist Du mir blieben treu,
Und hast mich überwogen.
Drum wünsch‘ ich nimmermehr
Aus diesem Stand‘ zu kommen!
O dass mir Deine Treu‘
Werd‘ alle Tage neu,
Und ewig nicht von mir genommen!
Ja, König, sanft und hehr:
Es ist nichts stärker auf der Erden,
Als lieben, und geliebt zu werden!

Gottfried Arnold – Versunkenheit in Gott.

Ihr Schwestern, was nimmt so das Herze mir ein?
Was fühl ich für Wonnen, so himmlisch, so rein?
Was reizt mir die Sinnen
So mächtig von hinnen?
Warum kann ich nimmer wie früherhin sein?

O König! Du ziehst mich zu herrlich dahin,
So dass ich voll himmlischer Freudigkeit bin.
Du willst mich entzücken
Durch sel’ges Erquicken,
Damit Du mich habest nach eigenem Sinn.

Das Meer deiner Liebe dringt immer mehr ein;
Der Abgrund der Gnade muss bodenlos sein;
Ich sehe kein Ende,
Wohin ich mich wende,
Ich sage nur: Herr, ich bin ewiglich dein!

Was hilft mir bei Dir mein so schwacher Verstand?
Der ist von dem Besten das kleineste Pfand,
Dadurch Du mich rühren,
Und höher willst führen,
Was sonsten so feindlich von Dir sich gewandt.

Nun folg‘ ich mit Jauchzen dem heiligen Zug!
Die andern Dinge sind lauter Betrug;
Du gibst mir das Wesen,
Und machst mich genesen,
Bis endlich zur Herrlichkeit gehet der Flug!

Gottfried Arnold – Aufgang der Lebenssonne.

Wer ist doch Die, die wie der Glanz am Morgen
In meine Sinne fällt,
Und mit dem Blitz mein düstres Herz erhellt?
Was weht mir hin die lang getragnen Sorgen?
Wer trägt mir solche Ruh
Nach meiner Unruh zu,
Nachdem mich stets des Zweifels Nacht besessen?
Wer macht mich Das vergessen?
Wo ist das Dunkle blieben?
Welch‘ übergroße Freud‘
Ergreift die Seele heut!
Wer hat mich aus dem Zorn zur Liebe hingetrieben?

Rennst du noch nicht der Gnade helles Blitzen,
Die deinen dunklen Ort
Unmittelbar mit ihrem Wort
So oft gesucht in Liebe zu besitzen?
Ist diese nicht das Licht,
Das in den Seelen stets anbricht,
Wenn sie nur nicht die Kräfte unterdrücken?
Sie ist’s, die dich erfreuen
Und ganz verklären kann,
Wenn du sie nimmest an.
O lass dich ihren Glanz im Innersten erneuen!

Bist du’s, o Sonn‘, aus deren klarem Bronnen
Mir so viel Licht und Kraft,
Die lauter neues Wesen schafft,
Mein ganzes Leben lang ist in’s Gemüt geronnen?
So geht’s! man kennt Dich nicht;
So lange nicht dein Licht
Zuvorkommt, weiß man nicht, woher wir haben
Die ungesuchten Gaben.
Nun aber will ich nehmen
Was mir dein Geist darlegt,
Und selbst in’s Herze prägt!
Heil mir! – Ach wolle mein
Dich ewiglich nicht schämen!

Johann Baptist von Albertini – Holdseliger Knabe,

Holdseliger Knabe,
den Menschen vom Thron
zur köstlichsten Gabe
geschenketer Sohn –
0 Brudergebärde,
die Himmel und Erbe
vereinigt, und Edens verschlossenes Tor
neu öffnet! dich preist der Erlöseten Chor.

Uns bist Du gegeben,
so viel unser sind,
zum ewigen Leben,
Du heiliges Kind!
der Ewigkeit Vater,
der Menschheit Berater,
Du Herzog des Friedens, Du mächtiger Held!
Dir, Wunderkind! jauchzt die gerettete Welt,

Uns bist Du geboren,
Du göttlicher Sohn!
zum Himmel erkoren,
dem Abgrund entflohn,
lobsingen wir fröhlich:
ja heilig und selig
ertönen die Lieder, die Liebe Dir zollt!
Sie brachten dir Weihrauch und Myrrhen und Gold:

Wir bringen Dir Herzen,
kostbarer als Gold
Dir glühn ihre Kerzen;
empfange sie hold!
hör‘ unser Verlangen:
behalt sie gefangen!
entsündige, füll sie mit Klarheit und Mut!
ernähre, verew’ge‘ die heilige Glut!