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Schlagwort: Teufel

Henrich Knaust – Der Hund, Christlich verendert

Henrich Knaust – Der Hund, Christlich verendert

auf den hellischen hund, der wie ein brüllender Lewe uns allen nachstellet, suchende, welchen er möge verschlinden, D. H. K.

DEr Hundt mir für dem licht umbgeht,
fru und auch spet
hab ich kein ruh, wie ich ihm thu:
das richtet alls der Sathan zu.

Thu was ich wöll, so haßt er mich,
viel harter stich
gibt mir geschwindt sein Judas kindt,
an dem mann kein trew aber find.

Dem Sathan ist es leidt vorwar
wol immerdar,
daß ich ein stundt sein unuerwundt,
so feind ist mir der hellisch hund.

Umb uns er gehet rund umbher,
sucht mit gefehr
einn frommen Mann, macht sich daran,
ob er ihn nit verschlinden kan.

Vil böser leut bringt auff die bahn,
setzt zu im an,
ist sein gesind: kein fried mann find,
wo diese Buben erhaben sind.

So wehret doch dem Sathan Gott
und seiner rot,
daß nichts böß kan werden gethan,.
wann auff Gott trawt ein frommer Man.

Demnach ich hoff ein gute zeit,
die mich erfriet!
hab keinen grauß, unfall sei auß,
mein Katz, wils Gott, fecht auch ein mauß!

Quelle

Savonarola, Girolamo – Klage der Braut Christi

Savonarola, Girolamo – Klage der Braut Christi

1497.

Wen ruf ich an, wohin soll ich mich wenden,
Von Schmach und Schande überall erdrückt?
Der Stadt, der Mauern Hüter fanden mich,
Sie haben mich geschlagen und verwundet,
Und rissen von der Schulter mir das Kleid.
Es hat der Skorpion nach mir gestochen
Und hat sein Gift tief in mich eingebohrt.
Im Fell des Lammes kamen Wölfe her,
Die haben meine Heerde mir verlockt.
Und Füchse haben sich an sie geschlossen.
Das Lamm verstummte, witternd ihren Trug,
Der Miethling hat der Heerde sich entwunden,
Und mit den Wölfen hat er sich verbunden.
Der treue Hund hat ihren Trug erspürt,
Mit seinem Bellen ihre Wuth erweckt.
Sie springen ohne Hehl schon an ihm auf,
Mit starrem Blick, in ihres Zornes Geifer.
Im Knirschen ihrer Zähne schäumt ihr Grimm,
Sie sperren gähnend ihre Rachen auf,
Zerreissen mit den Klauen wild den Grund,
Ihr Rücken wölbt sich und es droht ihr Mund:
Umschleichet ihn und fahret auf ihn los,
Er ist uns unnütz, unserm Thun zuwider,
Jetzt rückt er gar uns unsre Sünden vor,
Und macht berüchtigt unsre schlechte Zucht.
Wie ist er uns beschwerlich, seit er läßt
Ein anderes Leben sehen, als die Andern!“

So bringt des Teufels Neid der Welt den Tod,
Und seines Gleichen helfen ihm dazu.
Und um dem treuen Hunde mehr zu schaben,
So dringen sie zu seiner Felsenburg-,
Die ihn doch sicher hält in ihrer Hut.
Doch ihre Pfeile prallen auf sie selbst.
Wo ist der Dämon, der die Zwietracht säte
In Brüderreihen, die so innig wallten?
Wer hat genähret ihren eklen Haß?
Ist Christus denn in euch zertheilt geworben?
Ist Gott ein Gott des Haders, nicht des Friedens?
Wer hat die ehebrecherische Zucht
Zu buhlen um der Großen Gunst gelehrt,
Und zu beschwatzen feil der Reichen Ohr,
Die Weg‘ und Stege alle zu durchrennen,
Um Schwache und um Weiber zu bestricken,
Sie wegzulocken von dem Tugendpfad?
War das zu sehen in der Väter Leben?
Gestattet das der Kirche fromm Gesetz?
Und hat euch euer Schein dazu berufen,
Der Demuth Schein, der eure Blicke neigt,
Der Heiligkeit, der eure Nacken beugt?
Ach solltet ihr denn nicht die Hände bieten,
Um zu erwerben den Gekreuzigten,
Um ihn zu legen in der Menschen Herzen,
Den noch der Wächter und die kleine Schaar
Verkündet, die nach seinen Wegen zieht?
Verlanget denn der Menschen böse Sitte
Und fordert dieser Nage schnöder Brauch
Nur Zustimmung und leeren Beifall jetzt,
Damit die Wahrheit tief verborgen bleibe,
Oder getreten werde in den Staub?
Die Guten sollen Wahrheit nicht erschauen?
Zum Schweigen nöthigt sie die Schaar der Lauen?
Wie weit gelingt es ihrer Bosheit noch?
Erhebe dich, an Zion üb‘ Erbarmen,
Die Zeit ist da, Herr, komm‘ zu deiner Armen.

Ihr aber, Otternbrut, getünchte Gräber,
Von außen glänzend, in der Thoren Wahn,
Im Innern voll von Gift und von Verwesung,
O rufet das Gewissen auf zum Leben
Und zügelt das zerfleischende Gebiß.
Ja fühlet endlich die entwohnte Schaam,
Nicht könnt ihr länger heuchlerisch sie bergen.
Seht dort die Früchte an der frommen Heerde,
Die guten Werke, die im Herrn sie thut,
Sie stoßen vor die Augen euch wie Riegel,
Wie Mauerbrecher von geschärftem Erz.
Ja, seht die Frommen, in der Demuth Frieden,
So froh im Leid, so mäßig und so keusch,
So rein die Pflicht, als Gottesdienst, begehend.
Nun seht auf Jene, die sich euch vereint,
Wie sie der Wahrheit hämisch widerbellen,
Wie unterm Schaaffell sie der Neid verzehrt,
Wie sie in Rangsucht, Geiz und Ehbruch freveln,
Im Raube prassen, seit sie längst vergessen,
Daß sie der Herr in seinen Bund berief.
Ja seht doch, seht, kann noch ein Rufen vor
Zu eurem dumpfen, tauben Schlangenohr?

Und die ihr Glauben habt im Priesterkleide,
Noch ist die Zahl der Treuen ja nicht aus,
So kommt und flehet zu der Aerndte Herrn,
Daß er in’s Feld die treuen Knechte sende.
Daß er das Unkraut aus dem Weizen siebe,
Und es verbrenne, während rein die Saat.
Denn nah ist mir der Tag und eilt zu kommen,
Da mein Geliebter offenbart den Arm,
Daß er Gericht, Erbarmung übe aus,
Ja hebet die Häupter, sehet hinaus,
Der Sommer ist nah, die Aernte weiß.
Ihr lieben Kindlein, ihr mein Preis,
Auf, lasset uns hoffen und beten gehn,
Für die Liebenden all, für die Feinde flehn,
Zu ihm, nach dem meine Liebe wallt,
Daß er kehre zu mir, und bald, ach bald!

Ja komm, ja komm, Geliebter mein,
So krank vor Liebe harr‘ ich dein,
Daß ich ruh‘ an dir in des Mittags Gluth,
Wo treu dein Arm mir Frieden beut,
Der du lebst und regierst in Ewigkeit.

Rapp – Die erwecklichen Schriften Savonarolas