Arndt, Ernst Moritz – Das Wort.

Was ist die Macht, was ist die Kraft,
Des Christen stolze Ritterschaft,
Der Schirm und Schild und Schmuck der Ehren,
Die ungebrochne Wehr der Wehren,
In jeder Noth und Fahr der Hort?
Das ist das Wort, das feste Wort.

Was kann wie ein zweischneidig Schwerdt,
Das blitzend aus der Scheibe fährt,
Mark und Gebein im Hui zerschneiden,
Die Geister und die Leiber scheiden?
Was hat so freißlich scharfen Ort?
Das ist das Wort, das feste Wort.

Was braust daher wie Windesbraut
Und überdonnert Donners Laut?
Was donnert in der Sünder Ohren,
Gleich einem Schwur von Gott geschworen?
Was ists, was durch die Seelen bohrt?
Das ist das Wort, das feste Wort.

Was säuselt wie ein Westenwind
Vom Frühlingshimmel sanft und lind?
Was säuselt lieblich durch die Herzen,
Ein Trost und Balsam aller Schmerzen?
Was wehet alle Sorgen fort?
Das thut das Wort, das feste Wort.

O Wort der Macht, o Wort der Kraft,
Das so gewaltig wirkt und schafft,
O Wort der Schrecken und der Freuden,
Zum Heilen mächtig und Zerschneiden!
Du warest eh’r als Zeit und Ort,
Du starkes Wort, du festes Wort.

O Wort der Macht, o Wort der Kraft,
Du meines Herzens Ritterschaft,
Wollst ewig in und bei mir bleiben,
Durch Donner und durch Säusel treiben
Zum rechten Kampfe fort und fort,
Mein starkes Wort, mein festes Wort.

Arndt, Ernst Moritz – Anrufung des Worts

O Gottes Wort, gewaltig Wort,
Wie führt dein Schwerdt so scharfen Ort!
Fast unsichtbar und zart und fein,
Doch bohrt er tief durch Mark und Bein.

O Gottes Wort, gewaltig Wort,
Du Seelenschrecken, Geisterhort!
Du ernst geheime Majestät,
Die still durch alle Welten geht.

Bald gleich dem Sturmwind wild und graus
Du fährst mit Blitz und Donner aus,
Bald freundlich, fröhlich, lieb und lind
Du hauchest gleich dem Maienwind.

O Wort so mächtig und so treu!
O ältstes Wort, doch ewig neu!
Laß deine Schrecken mich durchwehn,
Damit ich lerne Gott verstehn.

O Wort so freundlich und so lind!
Durchhauche mich wie Maienwind,
Laß deine Liebe mich durchwehn,
Damit ich lerne Gott verstehn.

Dann wird mir alles offenbar
Und sternenhell und himmelklar,
Dann liegt mein kurzes Erdenlos
Geborgen fromm in Gottes Schoß.

O Wort so mächtig und so treu!
O ältstes Wort, doch ewig neu!
Du Wort von Liebe, Wort von Licht!
Verlaß mich nun und nimmer nicht.

unbekannt – Was David sprach

Was David sprach,
Das sag‘ ich nach:
Dein Wort, Herr, ist mir lieber,
Als Centner Gold;
Ihm bleib‘ ich hold
Bis an das Grab, und drüber!

2. Das Gold vergeht,
Dein Wort besteht.
Mein Leib, der Staub, zerstäubet;
Die Erde weicht,
Der Himmel fleucht,
Doch, was Du sagst, das bleibet!

3. Es ist voll Geist;
Wie oft zerreißt
Es felsengleiche Herzen!
Den nichts bewegt,
O dem erregt
Es oft die bangsten Schmerzen.

4. Gott hat’s gesagt:
Wer nach ihm fragt,
Dem lehrt es seine Pflichten;
Es ist das Wort,
Nach dem auch dort
Gott will den Erdkreis richten.

5. Froh denk‘ ich d’ran,
Wie manchen Wahn
Es meiner Seel entrissen,
Mir Gott enthüllt,
Mein Herz gestillt,
Beruhigt mein Gewissen!

6. Ich rühm‘ es laut:
Ich darf vertraut
Vor den Erhab’nen treten.
Treu unterweis’t
Der Kindschaft Geist
Mich durch dies Wort im Beten.

7. So oft die Welt
Mir Netze stellt,
Und ich zu schwach mich merke,
Les ich dies Wort,
Bis mich ein Ort
In ihm beseelt mit Stärke.

8. Vom Sündengift
Heilt nur die Schrift,
Da, wo sie Christum lehret;
Mein Herz, voll Reu‘,
Wird kummerfrei,
Wenn es von Christo höret.

9. O Wort von Gott!
Kein Haß, kein Spott,
Kein Drohen, kein Versprechen
Soll je zu Dir
Die Lieb‘ in mir
Und den Gehorsam schwächen.

10 Wird’s Pflicht für mich,
Wort Gottes! dich
Vor Königen zu reden,
So soll mein Mund
Zu keiner Stund‘
Sich dieser Pflicht entblöden.

Heinrich Cornelius Hecker – Wort aus Gottes Munde,

Wort aus Gottes Munde,
Wort vom Friedensbunde,
Evangelium!
Brunnquell ew’ger Freuden!
Trost in allen Leiden,
Unser höchster Ruhm!
Gotteskraft,
Die Glauben schafft,
Süße Botschaft, uns zum Leben
Von dem Herrn gegeben!

Was sein höchster Wille
In der Gnaden Fülle
Vor der Welt verseh’n,
Was der Opfer Schatten
Vorgebildet hatten,
Das ist nun gescheh’n.
Gottes Rath
Wird nun zur That,
Ist in Jesu Ja und Amen;
Preis sei seinem Namen!

Alles ist vollendet,
Uns ist zugewendet
Freie Gnad‘ und Huld.
Jesus ist gestorben,
Jesus hat erworben
Tilgung unsrer Schuld.
Jesus thront
Bei Gott, und lohnt
Allen, die sich Ihm ergeben
Nun mit ew’gem Leben.

Kommt, zerknirschte Herzen
Die in bittern Schmerzen
Das Gesetz zerschlug,
Kommt zu dessen Gnaden
Der, für euch beladen,
Alle Schmerzen trug!
Jesu Blut
Stärkt euren Muth;
Gott ist hier, der euch geliebet,
Und die Schuld vergibet.

Dieser Grund bestehet;
Wenn die Welt vergehet,
Fällt er doch nicht ein,
Darauf will ich bauen,
So soll mein Vertrauen
Evangelisch sein;
Auch will ich
Nun würdiglich
In der Kraft, die mir gegeben,
Evangelisch leben.

Jesu, deine Stärke,
Schaffet diese Werke;
Stehe Du mir bei!
Nichts soll uns nun scheiden;
Hilf, daß auch mein Leiden
Evangelisch sei.
Laß auch mich
Dereinst durch Dich,
Als ein Kind, mit Dir zu erben,
Evangelisch sterben!

Carl Bernhard Garve – Lob des Wortes.

Wort von Gotteskraft, durch dich

Wird das Herz sich aufgeschlossen,

Und ein Feld eröffnet sich,

Wo dem Himmel Ernten sprossen.

Keiner Weltmacht kann gelingen,

Was Du hilfst in Kraft vollbringen.

 

  1. Selig, die an Gottes Wort

Geist und Herz so gern erquicken,

Und vom Baum, der nie verdorrt,

Blätter der Gesundheit pflücken,

Und in seinen Bergwerksgründen

Immer neue Schätze finden!

Carl Bernhard Garve – Dein Wort, o Herr! ist milder Thau

Dein Wort, o Herr! ist milder Thau

Für trostbedürft‘ge Seelen.

Laß keinem Pflänzchen deiner Au

Den Himmelsbalsam fehlen!

Erquickt durch ihn,

laß jedes blüh’n,

Und in der Zukunft Tagen

Dir Frucht und Saamen tragen.

 

  1. Dein Wort ist, Herr, ein Flammenschwert,

Ein Blitz, der Felsen splittert,

Ein Feuer, das im Herzen zehrt,

Und Mark und Bein erschüttert.

O laß dein Wort

Noch fort und fort

Der Sünde Macht zerscheitern

Und alle Herzen läutern!

 

  1. Dein Wort ist uns der Morgenstern

für unsre Pilgerreise.

Es führt auch Thoren hin zum Herrn,

Und macht die Einfalt weise.

Dein Himmelslicht

Verlösch‘ uns nicht;

Es leuch‘ in jede Seele,

Daß keine Dich verfehle!

Behm, Martin – Gott Vater, reich von Güte

Gott Vater, reich von Güte,
Ich dank dir in meim Gemüthe,
Weil du hast die Menschen alle
Nach dem schweren Sündenfalle
Gnädigst wieder angenommen,
Dein Sohn lassen zu uns kommen,
Der uns sollt von Sünden retten,
Daß wir ewig Frieden hätten.

Davon zeugten die Propheten,
Daß man ihn für uns sollt tödten.
Die Figuren auf ihn weisten,
Daß er uns sollt Hülfe leisten.
Dazu hat er selbst gesaget,
Er sollt sein für uns geplaget,
Hasts auch offenbart den Heiden,
Daß dein Sohn den Tod sollt leiden.

Herr, dein Wort erhalt uns reine,
Weil es Christum weist alleine,
Das Verständniß uns aufthue,
Daß wir in ihm finden Ruhe;
Wollst der Menschen Satzungn wehren
Und ausreuten falsche Lehren,
So auf Werk die Menschen weisen,
Nicht allein dein Gnade preisen.

Durch dein Geist das Herz entzünde,
Uns durch Lieb mit dir verbinde,
Daß wir nach der Schrift uns richten
Und zu deinem Dienst verpflichten,
Daß wir mit den lieben Alten
Unverrückt im Glauben halten
Und mit ihn allsammt zugleiche
Bei dir sein im Himmelreiche.

Gellert, Christian Fürchtegott – Gott ist mein Hort!

Gott ist mein Hort!
Und auf sein Wort
Soll meine Seele trauen.
Ich wandle hier,
Mein Gott, vor dir
Im Glauben, nicht im Schauen.

Dein Wort ist wahr;
Laß immerdar
Mich seine Kräfte schmecken.
Laß keinen Spott,
O Herr mein Gott,
Mich von dem Glauben schrecken!

Wo hätt ich Licht,
Wofern mich nicht
Dein Wort die Wahrheit lehrte?
Gott, ohne sie
Verstünd ich nie,
Wie ich dich würdig ehrte.

Dein Wort erklärt
Der Seele Wert,
Unsterblichkeit und Leben.
Zur Ewigkeit
Ist diese Zeit
Von dir mir übergeben.

Dein ewger Rat,
Die Missetat
Der Sünder zu versühnen;
Den kennt ich nicht,
Wär mir dies Licht
Nicht durch dein Wort erschienen.

Nun darf mein Herz
In Reu und Schmerz
Der Sünden nicht verzagen;
Nein du verzeihst,
Lehrst meinen Geist
Ein gläubig Abba sagen.

Mich zu erneun,
Mich dir zu weihn,
Ist meines Heils Geschäfte.
Durch meine Müh
Vermag ich’s nie;
Dein Wort gibt mir die Kräfte.

Herr, unser Hort,
Laß uns dies Wort!
Denn du hast’s uns gegeben.
Es sei mein Teil,
Es sei mir Heil,
Und Kraft zum ewgen Leben!

Johannes Tauler – Ach Ewigs Wort

Ach Ewigs Wort, wie bist so sehr
Verborgen mir, dort oben fehr
Im Vätterlichen Hertzen?
Wer gibt dich auß der Ewigkeit
Mir gantz vnd gar in dieser zeit?
Nach dem ich wart mit schmertzen.

Auff das du seyst mein Bruder trew
Durch ein gleichheit der Geburt new
Menschlicher Natur eben:
Vnd ich dich küß, ohn Mittel schlecht,
Zur Einigung meins Geistes recht,
Welch mir bringts Ewig Leben.

O hilff, das ich all ding verlaß,
In dieser Welt nur desto baß
Dich ewig zu bewahren:
Das du in mir vnd ich in dir
Bleiben Einig, auch für vnd für
Dich mir thust offenbaren.

unbekannt – Allein auf Gottes wort

ALlein auff Gottes wort wil ich
mein grund und glauben bawen,
Das sol mein Schatz sein ewiglich,
dem ich allein wil trawen.
Kein Menschlich weisheit wil ich nicht
dem Göttlich wort vergleichen,
Was Gottes wort klar spricht vnd richt,
soll billich alles weichen.

Allein auff Gott vnd sein Wort rein,
mein Hertz sich sol verlassen,
Sein Wort soll mir ein Leuchte sein,
zu gehn auff rechter strassen.
O Gott, las mich kein falsche Lehr
von deiner warheit trennen,
Hilff mir vmb deines namens ehr
die Warheit zu bekennen.

Allein auff Gott verlas ich mich,
auff seine Gnad vnd Güte,
Ich hoff, er wird mich gnediglich
fürs Teuffelslist behüten.
Erhalt mich, Gott, bei deinem Wort,
vnd gönne mir solchs reine
Fürs Teuffels lügen, trug vnd mord,
für allem falschen scheine.

Alleine Christum, Gottes Son,
von Ewigkeit geboren
Vom Vater, Gott in gleichem thron,
hab ich zum trost erkoren,
Den hat Gott in die Welt gesand
allen Menschen auff Erden,
Für alle Sünd solch hohes Pfand
ein Opffer lassen werden.

Alleine Christus ist mein Trost,
der für mich ist gestorben,
Mich durch sein Blut vom Todt erlost,
die Seligkeit erworben,
Hat meine Sünd getragen gar,
bezalt an seinem Leibe,
Das ist für Gott gewislich war,
hilff Gott, das ichs fest glaube.

Alleine Christus hats gethan,
der mich mit Gott versünet,
KEin Menschlich werck mir helffen kan,
wie hoch und schön es scheinet.
Alleine Christus ist der Schatz,
der mir hat bracht das Leben,
Mein werck sind nur des Nechsten nutz,
die glaubens frucht mus geben.

Alleine Gott, der Heilig Geist,
gibt diese lehre reine
Vmb Christus willen allermeist
Der Christlichen gemeine:
Vernunfft, Verstandt, Kunst, Witz vnd Krafft
dis Wort nicht kan erlangen,
Der Freie will hie gar nichts schafft,
bleibt stets im jrrthumb hangen.

Alleine Gott durch seinen Geist
muß gutes in vns wircken,
Was wöllen vnd vollbringen heist,
erleuchten vnd auch stercken:
Der Mensch, zum Guten tod vnd blind,
kan sich zu Gott nicht lencken,
ISt gar verderbet durch die Sünd,
das er nichts guts kan dencken.

Alleine Gottes Geist vnd sterck
das Hertz zum guten rüret,
Die Newgeburt ist Gottes werck,
die zu der warheit führet.
O Gott, mein HErr, erleuchte mich,
mein Hertz auch zu dir wende,
Bey deinem Wort mich seliglich
erhalt bis an mein ende.

Gott Vater, Son vnd heilger Geist,
hilff, das mein Glaub dich preise,
Mein Fleisch dem Geist gehorsam leist,
des Glaubens frucht beweise.
Hilff, HErre Christ, aus aller not,
wenn ich von hinnen scheide,
Vnd führe mich auch aus dem Todt
zur Seligkeit vnd Freude.

Amen.

Quelle: Quelle in der Glaubensstimme