Johannes Evangelista Gossner – Sonntagslied.

Melodie: Du Geist des Herrn, der du u. s. w.

Auf, auf! mein Herz, und du mein ganzer Sinn!
Wirf alles heut, was Welt ist, von dir hin.
Heut hat das Werk der Schöpfung angefangen,
Da diesem Rund das Licht ist aufgegangen.

Auf, auf! mein Herz, wirf alles Ird’sche ab,
Heut Jesus ist erstanden aus dem Grab.
Heut hat er sein Erlösungswerk geendet;
Heut hat er auch den Geist herabgesendet.

Dieß heilig Heut heißt Dich auch heilig sein,
Gott zieht an diesem Tag selbst bei dir ein.
So ruhe du von Arbeit und von Sünden,
Daß er in dir mög‘ seine Ruhe finden.

Gott giebt dir ja sechs Tage für den Leib,
Der siebente der Seele eigen bleib‘;
Sie muß ja doch von sieben einen haben,
Daß sie sich mög‘ mit Himmelsspeise laben.

Viel Sünden ladet dir die Woche auf;
An diesem Tag mit Bitten Gnade kauf.
Leg‘ ab die Last, geh‘ Gottes Wort zu hören,
Dies laß dir heut die Wochenwege lehren.

Sechs Tage dich Gott segnet, schützt und nährt,
Heut er mit Dank dafür will sein geehrt.
Der erste soll heut für die andern bitten,
Daß Gott sie woll‘ mit Segen überschütten.

Gott wöchentlich giebt sieben Tage dir,
Gieb einen du, den ersten, ihm dafür.
Der erste wird die andern sechst zieren,
Wirst du Gott heut im Mund und Herzen führen.

Am ersten tu nach Gottes Reiche tracht‘,
Obschon die Welt nur deiner Andacht lacht,
Der Schad‘ ist ihr, dir aber wird’s gedeihen,
Gott alles Glück auf dich wird reichlich streuen.

An diesem Tag Hab‘ deine Lust am Herrn,
Was dein Herz wünscht, wird er dir geben gern.
Befiehl Gott heute deine Weg‘ und Sachen,
Und hoff auf ihn: gewiß, er wird’s wohl machen.

Wirst du ihm aber rauben seinen Tag,
So macht er dir die Woche voller Plag‘.
Wer ehret Gott, den ehrt er auch auf Erden,
Wer ihn veracht’t, soll auch verachtet werden.

Johannes Tauler – Ach Ewigs Wort

Ach Ewigs Wort, wie bist so sehr
Verborgen mir, dort oben fehr
Im Vätterlichen Hertzen?
Wer gibt dich auß der Ewigkeit
Mir gantz vnd gar in dieser zeit?
Nach dem ich wart mit schmertzen.

Auff das du seyst mein Bruder trew
Durch ein gleichheit der Geburt new
Menschlicher Natur eben:
Vnd ich dich küß, ohn Mittel schlecht,
Zur Einigung meins Geistes recht,
Welch mir bringts Ewig Leben.

O hilff, das ich all ding verlaß,
In dieser Welt nur desto baß
Dich ewig zu bewahren:
Das du in mir vnd ich in dir
Bleiben Einig, auch für vnd für
Dich mir thust offenbaren.

Tauler, Johannes – Von Gelassenheit

O Jesu Christ, du lieblichs guet,
Du reüchest daß dan Meyen bluet,
Wer dich stetz trägt in seim gemuet,
Der soll sich billich frewen.

Wer Jesum wil im hertzen han,
Der muß sein eigen will verlahn
Und alle Zeit Gotts geheiß than,
Deß glaubens werck, ohn schewen.

Dem Jesus also worden ist,
Der achtet nit was ihm gebrist,
Dan zeitlich ding ist als ein mist,
Darauff sol man nit bewen.

Der Creatur verachtet hatt
Vnd frey in ledigkeit bestaht,
Das Jesus in seim hertzen ghat,
Derselbig darff nit sorgen.

Sein tröster ist der Herre Christ,
Er tröstet nur der trostloß ist,
Wer sein leid in geduld vergist,
Deß creütz bleibt vnuerdorben.

Hab Einigkeit vnd Innern Sinn,
Manchfeltigkeit bilde nicht deinn,
Dein gegenwurff sol Jhesus sein,
So hastu ihn erworben.

Ohn Jhesus ist es alles nicht
Inn lieb vnd leid, wer ihn vergicht
Vnd seine wort nit widerspricht,
Der hat die warheit funden.

Die natur vns betreüget sehr,
Drumb folge nur deß Geiste lehre,
Wirff dein gemüt nicht hin vnd her,
Halt deine Sinn gebunden.

Vil auß vnd ein mag nit bestahn,
Nun merck vnd schaw wie eß sol gahn,
Es leit nur alls – an willen lahn,
Das der noch nicht verschwunden.

Gib dem nit statt, daß dich vermißt
Zu aller zeit bleib wer du bist
Vnd trag nit heim was nit dein ist,
So bleibstu unbehangen.

Biß nit zu schnell mit deim gericht,
Man wiget vil mit falschem gwicht,
Nach Jesus Christ sey dein gedicht
Mit gantzer lieb vmbfangen.

Der sich zuuil darbieten will,
Der verfehlt offt der warheit zill,
Sein Schifflein dz hat wind zu vill
Es mags land kaum erlangen.

Der leiblich trost hat abgelegt,
Gott in sein hertz verborgen tregt
Vnd alle ding zum besten regt,
Deß kümmer nimpt ein ende.

Der in dem streit gesieget hat
Vnd Jesum folgt in alle that,
Auch ihme nur zu dienste staht,
Ein Cron erlangt behende.

Gott helff vns zu der Seligkeit,
Die vns Jhesus nun hat bereit.
Gelobet seyst drey einigkeit,
Ewig dein Hilff vns sende. Amen.

Tauler, Johannes – Lob der Armut

Mein eigen lohn und alles gut
Hab ich willig vffgeben,
Mir leüchtet ein nichts den armut,
Die soll auch mein wol pflegen;
In allen landen ist mein theil,
Mein Reich ist vngemessen,
Armut ist mir vmb dwelt nit feil,
Die mein bald würd vergessen.

Wa ich bin komm ist mir bereit
Mein trincken vnd mein essen,
Mancher mensch gibt mirs in der zeit,
Der sichs nit hät vermessen.
Dauon ich bin gar sofgenfrey,
Mit kömmer vnbeladen,
Vff anders baw, sey wa ich sey,
Dz ist vff Gottes gnaden.

Wir dörffen doch nit Irre gahn,
Der weg ist vns gebawnet;
Christus vff erden hats gethan,
Er vns darzu vermanet.
Sein Apostel vnd lehrer lroß,
Die weisen vns behende
Durch vil geduld in armut bloß,
Auch in ein thieff ellende.

Wöllen wir doch von armut recht
Singen, so müßn wir eben
Betrachten, dz die armut schlecht
Vor Gott nichts gilt im leben.
Sie sey dan auch durch liebe rein,
Allein vmb Christi willen.
Armut des geists, die gilt allein,
Thut liebe werck erfüllen.

Es ist armut ein freyes pfand,
Wöllen wir es nun lösen,
Armut deß geists durch liebe band
Auch meidung alles bösen
Müssen wir han; welches erhelt
In Einigkeit all frommen.
Durch leiden, schmach in dieser welt,
Mögen wir baldt zukommen.

All die armut geliebet han,
Die hat man ser getrücket,
Leiden gehört noch armut ahn,
Damit sie sich wol schm´ücket.
Christus hats vns auch vorgesagt,
Drumb sol Ich nit verzagen,
Armut manchen in himmel tragt
Durch Christi hilff eriagen.

Dieweil armuth den rhume hat,
Wie vns Christus thut leeren,
Ob man die schänd an alle statt,
Zur armut wil mich keeren.
Armut ist mir lieber dan Goldt,
Ich will die nitt verkauffen,
Der mir vmb Reichthumb nemmen wolt,
Von dem wölt ich weg lauffen.

Doch sollen vnuerachtet sein
All gnedig gottes gaben,
Ob ir vil seind reich in gemein,
Hauß, hoff vnd äcker haben,
die sollen drauff sich lassen nitt,
Zergencklich mag nit bleiben,
Ir gut den armen theilen mitt,
Nur Gott seim gut zuschreiben.

Der hie nicht hat, auch nichts begert,
Ist frey von allen sorgen,
Gott ihn alltag so vil beschert,
Daß keiner ihn darff borgen.
Wer voran tracht nach Gottes reich,
Dem wirt alles zufallen,
Er hat mit Gott all ding zugleich,
Christus alles in allen.