Blaurock, Jörg – Gott führt ein recht Gericht

Diß Lied hat gemacht Jörg Blawrock, der ersten Brüder einer, in Echzland verbrandt An. 27. Im Dannheuser Thon.

1. Gott führt ein recht gericht,
Und niemand mags ihm brechen,
Wer hie thut seinen willen nicht,
Deß Urtheil wird er sprechen.

2. Gnädig bist du O HErr und gut,
Gütiglich läßst dich finden.
Wer hie auff Erd dein willen thut,
Erkennst vor deine Kinden.

3. Durch Christum sagn wir lob und danck,
Vor alle seine güten,
Daß er uns unser lebenlang
Vor Sünden wöll behüten.

4. Der Sünder führt ein schwer gericht,
Wird ihn sicher gereuen.
Von Sünden will er lassen nicht,
Gott wahrnet ihn mit treuen.

5. So er kommt in sein Herrlichkeit
Daß ers gericht wird bsitzen,
Dann wird es ihnen werden leid,
Kein außred wird sie schützen.

6. Sein wort laßt er hie zeigen an,
Der Mensch soll sich bekehren,
Glauben dem wort und tauffen lahn,
Und folgen seiner lehren.

7. Nun mercket auff ihr Menschenkind,
Steht ab von euren Sünden.
Seyd nit verrucht, gottloß und blind,
Weil ihr den Arzt mögt finden.

8. Grausam wird es dem Sünder gohn,
Der sich nit läßt bescheiden.
In ewig Pein wird ihn Gott thun,
Da er muß bleiben und leiden.

9. Dann du Herr bist ein gerechter Gott,
Niemand wirstu betriegen,
Bewahrest für dem andern Todt
Die dich von Herzen lieben.

10. Du bist o Herr ein starcker Gott,
Die Höll hast auffgestossen,
Und wirffst darein die gottloß Rott,
Die deine Kinder hassen.

11. Gott dein Barmherzigkeit ist groß
Ob den so sich bekehren.
Machst sie all ihrer Sünden loß
Durch Christum unsern Herren.

12. Gott heißt das ganz menschlich geschlecht
Ihn förchten und auch lieben,
Nachfolgen seinem grechten Knecht,
In seiner Lehr uns üben.

13. Der Sünder achts vor einen spott,
Wenn man ihn Gott heißt lieben,
Welchs ihm wird bringen grosse noht,
Gott läßt sich nit betriegen.

14. Endtchrist lehnt sich mit schärffe auff,
Uber die so Gott förchten.
Ach Herre Gott wöllst sehen drauff,
Dein schwache gschirrlein stärcken.

15. Nun habt gedult ihr lieben Kind,
Um meines Namens willen.
Ob ihr schon hie gehasset sind,
Den kummer will ich stillen.

16. Gott Vatter wollst durch deine treu
Uns nimmermehr verlassen,
Täglich O Herr du uns erneu,
Zu bleiben auff der strassen.

17. Durch Christum ruffen wir zu dir,
Als durch dein leiden zarte
Dein treu und liebe kennen wir,
Auff diser Pilgerfahrte.

18. Verlaß uns nicht als deine kind,
Von jetzt biß an das Ende,
Beut uns dein vätterliche Händ,
Daß wir den Lauff vollenden.

19. So wir den streit vollendet hon,
Dann ist die Kron erlanget,
Die setzt uns auff der Jünglein schon,
So an dem Creutz gehanget.

20. Das leiden ist zwar groß und schwer
Um unsert willen gschehen:
Hilff daß wir dir drum dancken sehr,
Und dich mit freuden sehen.

21. Vatter auß gnad hast uns erwehlt,
Und uns nit thun verschmahen,
Gib daß wir, wenns zum scheiden fellt,
Den lohn mit freud entpfahen.

22. Zum Abendtmal mach uns bereyt
Durch Christ dein liebes Kinde,
Mit deinem Geist du uns bekleydt,
Vom Tod und leyd uns binde.

23. So wir dasselbig essen wend,
Wer wird uns zu Tisch dienen?
Das thut der alle Herzen kendt,
Thät unser Sünd versöhnen.

24. Selig sind, die geladen seind
Zu disem Abendmale,
Bey Christo harren biß ans endt,
In allerley trübsale.

25. Wie er dann selbst gelitten hat,
Als er am Creutz gehangen,
Also es jetzt den frommen gaht,
Sie leiden grossen zwangen.

26. Allen, die ihr hoczeitlich kleydt
In keinen weg verletzen,
Den hat der Herr ein Kron bereyt,
Die will er ihn auffsetzen.

27. Welcher das kleyd nit an wird hon,
So der König wird kommen,
Derselbig muß zur lincken stohn,
Die Kron wird ihm genommen.

28. Man wird ihn binden händ und füß,
Weil sie nit seyn bekleyden,
Und werffen in die finsternüß
Von disen grossen freuden.

29. Ach Herr so gib uns liebe reyn,
Zu wandlen unverdrossen,
So wir von hinnen scheiden seyn,
Die Thür nit sey verschlossen.

30. Wie es den thörechten ergieng:
Herr Herr thäten sie rüffen.
Kein öl ihr Ampel in entpfieng,
Sonder alle entschlieffen.

31. Selig ist der da wachen thut
Mit den klugen Jungfrauen,
Der wird einnemmen ewigs gut,
Und Gottes klarheit schauen.

32. Wann der König auffbrechen wird
Mit der Posaunen schalle,
Alsdann werden mit ihm geführt
Die auserwehlten alle.

33. Darum Zion du heilge Gmeyn,
Schau was du hast entpfangen,
Das halt und bleib von Sünden reyn,
So wirst die kron erlangen. Amen.

Ausbund
Weitere Texte des Autors in der „Glaubensstimme“

Baumann, Christoph – Klagelied der Täufer

Wo soll ich mich hinkehren,
ich dummes Brüderlein?
Allein zu Gott, meinem Herren,
Der wird mein Helfer sein.
In aller meiner Noth,
Vertrau ich dir, mein Gott:
Du wirst mich nicht verlassen,
Mir beistehn bis in Tod.

Ich hab mir auserkoren,
Mein Gott, dein theures Wort:
Darum hab ich verloren
Der Welt Huld an allem Ort.
Gotts Huld liebt mich fürbaß,
Drum ich die Welt verlaß:
Hab Urlaub, arge Welt,
Ich bleib auf Christi Straß.

Durch dich bin ich gezogen,
Du ungetreues Meer,
Hast mich lang gnug betrogen,
Aufg’halten mit deim Heer.
Ich war der Sünden Knecht
That wider Gott Unrecht,
Ward blieb und werth gehalten,
Jetzt bin ich gar verschmäht.

Ein Schauspiel in der Welte
Jetzund an allem Ort,
Thun mich ein‘ Ketzer schelten,
Daß ich lieb Gottes Wort.
Kein‘ bessern Schatz ich hab,
Laß mich nicht wenden ab
Von meinem Gott und Herren:
Darum bin ich schabab (verachtet).

Kein‘ Platz hab ich auf Erden:
Wo ich doch nur hinkomm,
Muß ich gepeinigt werden;
Armuth ist mein Reichthum,
Kreuz und Trübsal mein‘ Freud
Band und Gefängniß mein Kleid:
Solche Hoffart thut geben
Der König in Ewigkeit.

Mit Ruh mag ich nicht bleiben
Bei den Thieren im Wald,
Herfür thut man mich treiben,
Wo ich mich aufenthalt.
Darf nirgend in kein Haus,
Sonst jagt man mich doch draus;
Muß mich ducken und schweigen,
Unmerkbar wie ein‘ Maus.

Ich bin auch gar verlassen
Von allen Freunden mein,
Verlegt sind mir all‘ Straßen,
Ihr G’fangner muß ich sein:
Wo sie nur finden mich,
Da muß herhalten ich,
Thun mich raufen und schlagen,
Hassen unschuldiglich.

Sie thun mir nicht vergunnen
Vom Tisch die Brosamlein,
Das Wasser aus dem Brunnen,
Noch auch der Sonnen Schein:
Vor ihn‘ hab ich kein‘ Fried,
Ins Haus lan sie mich nit,
Sie thun sich mein auch schämen,
Daß ich Christo nachtritt.

Ich bin verkauft, verraten,
Von denen allermeist,
Den ich meine Wohlthaten
Mit Lob allzeit geleist‘,
Gelaufen Tag und NAcht,
Treulich für sie gewacht,
Darum thun sie mich führen
Wie ein Lämmlein zur Schlacht.

Ihr Heil, das thät ich suchen,
Sie habens nit erkannt,
Thun mich darum verfluchen,
Verjagen ins Elend.
Im Haus, Feld, Holz und Wald,
Wo ich mich aufenthalt,
Thun sie mich herführziehen,
Treiben mit mir Gewalt.

Gleichwie man pflegt zu hetzen
Ein Hirschlein in dem Wald
Also ist mir das Netze
Gestellt, suchen mich bald.
Wo mich dann Einer findt,
Darauf schlägt, sticht und bindt;
Muß alle Winkel ausschleifen
Im Regen und im Wind.

Es thun mich auf verdammen,
Die Christen wollen sein,
Von wegen Gottes Namen,
Schließen mich aus ihrer G’mein.
Die scheinheilige Rott‘
Treiben aus mir den Spott,
Sprechen: ich sei des Teufels
Und hab hie keinen Gott.

Darum, daß ich ihn hassen
Ihr Sekt und Gleißnerei,
Und flieh der Sünden Straßen,
Geht über mich dieß groß Geschrei:
Ketzer, hinweg mit dir!
Mein Sünd mir werfen für,
Sprechen: Es soll der Henker
Disputiren mit mir.

Thun mich necken und plagen,
Reißen die Glieder mein.
Mein Gott, ich thus dir klagen,
Du wirst sehen darein.
Wie man so härtiglich
Allhie peinigt mich.
Ich thu mich dir befehlen,
Verlaß mich ganz auf dich!

Mein Gott, ich bitt von Herzen,
Vergib ihn‘ ihre Sünd,
Die mir zufügen Schmerzen;
Und erhalt deine Kind‘,
Wo sie sind überall
In diesem Jammerthal,
Verzagt, geplagt, gefangen,
Leiden großen Trübsal.

Herzallerliebster Vater,
Führ uns ins gelobte Land,
Aus aller Pein und Marter,
Schmerzen, Ketten und Band,
Zu deiner heilgen Gemein,
Da du wirst preist allein
Durch deine lieben Kindlein,
Die dir gehorsam sein.