Wilhelm Erasmus Arends – Rüstet euch, ihr Christenleute

Rüstet euch, ihr Christenleute;
Die Feinde suchen euch zur Beute,
Ja Satan selbst hat eu’r begehrt.
Waffnet euch mit Gottes Worte
Und kämpfet frisch an jedem Orte,
Damit ihr bleibet unversehrt.
Ist euch der Feind zu schnell,
Hier ist Immanuel.
Hosianna! Der Starke fällt
Durch diesen Held,
Mit ihm behalten wir das Feld.

2. Reinigt euch von euren Lüsten,
Besieget sie, die ihr seid Christen
Und stehet in des Herren Kraft.
Stärket euch in Jesu Namen,
Dass eure Kniee nicht erlahmen;
Auf, zeigt des Glaubens Ritterschaft!
Wer hier ermüden will,
Der schaue auf das Ziel,
Da ist Freude.
Wohlan, so seid
Zum Kampf bereit,
So krönet euch die Ewigkeit.

3. Streitet recht die wen’gen Jahre,
Eh ihr kommt auf die Totenbahre;
Kurz, kurz ist unser Lebenslauf.
Wenn Gott wird die Toten wecken
Und Christus wird die Welt erschrecken,
So stehen wir mit Freuden auf.
Gottlob, wir sind versöhnt!
Dass uns die Welt noch höhnt,
Währt nicht lange,
Und Gottes Sohn
Hat längstens schon
Uns beigelegt die Ehrenkron.

4. Jesu, stärke deine Kinder
Und lass sie werden Überwinder,
Die du erkauft mit deinem Blut.
Schaff in uns ein neues Leben,
Dass wir uns stets zu dir erheben,
Wenn uns entfallen will der Mut.
Geuß aus auf uns den Geist,
Aus dem die Liebe fleußt
In die Herzen!
So halten wir Getreu an dir
Im Tod und Leben für und für.

Johann Joseph Winckler – Ringe recht

1. Ringe recht, wenn Gottes Gnade
dich nun ziehet und bekehrt,
daß dein Geist sich recht entlade
von der Last, die ihn beschwert.

2. Ringe, denn die Pfort ist enge
und der Lebensweg ist schmal;
hier bleibt alles im Gedränge,1hier verliert sich im Gedränge
was nicht zielt zum Himmelsaal.2was nicht strebt zum Himmelssaal

3. Kämpfe bis aufs Blut und Leben,
dring hinein in Gottes Reich;
will der Satan widerstreben,3will das Fleisch dir widerstreben
werde weder matt noch weich.

4. Ringe, daß dein Eifer glühe,
und die erste Liebe dich
von der ganzen Welt abziehe;
halbe Liebe hält nicht Stich.

5. Ringe mit Gebet und Schreien,
halte damit feurig an;4halte brünstig damit an;
lass dich keine Zeit gereuen,
wär´s auch Tag und Nacht getan.5Setze Tag und Nacht daran

6. Hast du dann die Perl errungen,
denke ja nicht, daß du nun
alles Böse hast bezwungen,
das uns Schaden pflegt zu tun.6O, es ist noch viel zu tun.

7. Nimm mit Furcht ja deiner Seele,
deines Heils mit Zittern wahr;
hier in dieser Leibeshöhle7hier in dieser Welt voll Fehle
schwebst du täglich in Gefahr.8schwebst du stündlich in Gefahr

8. Halt ja deine Kronen feste,
halte männlich, was du hast.
Recht beharren ist das Beste;
Rückfall ist ein böser Gast.

9. Laß dein Auge ja nicht gaffen9Nichts hab‘ Aug‘ und Hand‘ zu schaffen
nach der schnöden Eitelkeit;10Mit der schnöden Eitelkeit
bleibe Tag und Nacht in Waffen,
fliehe Träg- und Sicherheit.11fliehe träge Sicherheit

10. Laß dem Fleische nicht den Willen,
gib der Lust den Zügel nicht;
willst du die Begierden füllen,12willst du die Begierden stillen
so verlöscht das Gnadenlicht.

11. Fleisches-Freiheit macht die Seele13Im schlesischen Gesangbuch nicht enthalten
kalt und sicher, frech und stolz,
frisst hinweg des Glaubens Öle,
läßt nichts als ein faules Holz.

12. Wahre Treu führt mit der Sünde
bis ins Grab beständig Krieg,
richtet sich nach keinem Winde,14Gleichet nicht dem Rohr im Winde
sucht in jedem Kampf den Sieg.

13. Wahre Treu liebt Christi Wege,
steht beherzt auf ihrer Hut,
weiß von keiner Wollustpflege,15Ringt, wie auch das Fleisch sich rege,
hält sich selber nichts zugut.

14. Wahre Treu hat viel zu weinen,16Im schlesischen Gesangbuch nicht enthalten
spricht zum Lachen: Du bist toll!
weil es, wenn Gott wird erscheinen,
lauter Heulen werden soll.

15. Wahre Treu kommt dem Getümmel
dieser Welt niemals zu nah,
ist ihr Schatz doch im Himmel;
drum ist auch ihr Herz allda.

16.Dies bedenket wohl, ihr Streiter,
streitet recht und fürchtet euch!17kämpfet recht, bezwinget euch,
Geht doch alle Tage weiter,18dringet alle Tage weiter
bis ihr kommt ins Himmelreich.

17. Denkt bei jedem Augenblick,1917-23 nicht im schlesischen Gesangbuch
obs vielleicht der letzte sei?
bring die Lampen ins Geschicke,
holt stets neues Öl herbey.

18. Liegt nicht alle Welt im Bösen?
Steht nicht Sodom in der Glut?
Seele, wer soll dich erlösen?
Eilen, eilen ist hier gut.

19. Eile, wo du dich erretten
und nicht mit verderben willt;
mach dich los von allen Ketten,
fleuch als ein gejagtes Wild.

20. Lauf der Welt doch aus den Händen,
dring ins stillen Zoar ein.
Eile, dass du mögst vollenden,
mache dich von allem rein.

21. Lass dir nichts am Herzen kleben,
fleuch vor dem verborgnen Bann,
such in Gott geheim zu leben,
dass dich ncihts beflecken kann.

22. Eile, zähle Tag und Stunden,
bis dein Bräutgam hüpft und springt,
und wenn du nun überwunden
dich zum Schauen Gottes bring.

23. Eile, Lauf ihm doch entgegen,
sprich: mein Licht, ich bin bereit,
nun mein Hüttlein abzulegen,
mich dürst’t nach der Ewigkeit.

Johann Joseph Winckler (1670 – 1722)

Text aus dem neuen hirschbergischen Gesangbuch von 1793
Anmerkungen nach dem Gesanbuch für Evangelische Gemeinden Schlesiens 1878

Johann Heinrich Schröder – Jesu, hilf siegen!

Jesu, hilf siegen, du Fürste des Lebens,
Sieh, wie die Finsternis dringet herein,
Wie sie ihr höllisches Heer nicht vergebens
Mächtig aufführet, mir schädlich zu sein!
Satan der sinnet auf allerhand Ränke,
Wie er mich sichte, verstöre und kränke.

Jesu, hilf siegen, der du mich erkaufet!
Rette, wenn Fleisch und Blut, Satan und Welt
Mich zu berücken ganz grimmig anlaufet
Oder auch schmeichelnd sich listig verstellt.
Wenn Babel wütet von außen und innen,
Lass mir, Herr, niemals die Hilfe zerrinnen.

Jesu, hilf siegen! Ach! wer muss nicht klagen:
Herr, mein Gebrechen ist immer vor mir!
Hilf, wenn die Sünden der Jugend mich nagen,
Die mein Gewissen hält täglich mir für.
Ach! lass mich schmecken dein kräftig Versühnen
Und dies zu meiner Demütigung dienen.

Jesu, hilf siegen! Wenn in mir die Sünde,
Eigenlieb, Hoffart und Missgunst sich regt;
Wenn ich die Last der Begierden empfinde
und sich mein tiefes Verderben darlegt:
So hilf, dass ich vor mir selbst mag erröten
Und durch dein Leiden mein sündlich Fleisch töten.

Jesu, hilf siegen! und lege gefangen
In mir die Lüste des Fleisches und gib,
Dass bei mir lebe des Geistes Verlangen,
Aufwärts sich schwingend durch heiligen Tricb;
Lass mich eindringen ins himmlische Wesen,
So wird mein Geist, Leib und Seele genesen.

Jesu, hilf siegen, damit auch mein Wille
Dir, Herr, sei gänzlich zu eigen geschenkt
Und ich mich stets in dein Wollen verhülle,
Wo sich die Seele zur Ruhe hinlenkt;
Lass mich mir sterben und alle dem Meinen,
Dass ich mich zählen kann unter die Deinen.

Jesu, hilf siegen! In allerlei Fällen
Gib mir die Waffen des Lichtes zur Hand;
Wenn mir die höllischen Feinde nachstellen,
Dich mir zu rauben, o edelstes Pfand,
So hilf mir Schwachen mit Allmacht und Stärke,
Dass ich, o Liebster! dein Dasein vermerke.

Jesu, hilf siegen! Wer mag sonst bestehen
Wider den listig verschmitzeten Feind?
Wer mag doch dessen Versuchung entgehen,
Der wie ein Engel des Lichtes erscheint?
Ach, Herr, wo du weichst, so muss ich ja irren,
Wenn mich der Schlangen List sucht zu verwirren.

Jesu, hilf siegen und lass mich nicht sinken!
Wenn sich die Kräfte der Lügen aufblähn
Und mit dem Scheine der Wahrheit sich schminken,
Lass doch viel heller dann deine Kraft sehn.
Steh mir zur Rechten, o König und Meister!
Lehre mich kämpfen und prüfen die Geister.

Jesu, hilf siegen im Wachen und Beten:
Hüter, du schläfst ja und schlummerst nicht ein;
Lass dein Gebet mich unendlich vertreten,
Der du versprochen mein Fürsprech zu sein:
Wenn mich die Nacht mit Ermüdung will decken,
Wollst du mich, Jesu, ermuntern und wecken.

Jesu, hilf siegen! Wenn alles verschwindet
Und ich mein nichts und Verderben nur seh;
Wenn kein Vermögen zu beten sich findet,
Wenn ich bin wie ein verschüchtertes Reh:
Ach, Herr, so wollst du im Grunde der Seelen
Dich mit dem innersten Seufzen vermählen.

Jesu, hilf siegen und lass mirs gelingen,
Dass ich das Zeichen des Sieges erlang,
So will ich ewig dir Lob und Dank singen,
Jesu, mein Heiland, mit frohem Gesang.
Wie wird dein Name da werden gepriesen,
Wo du, o Held, dich so mächtig erwiesen!

Jesu, hilf siegen! Lass bald doch erschallen,
Dass Zion rufet: Es ist nun vollbracht!
Babel, die stolze, ist endlich gefallen,
Die da bishero so lang hat gekracht.
Ach, Herr, komm, mache ein Ende des Krieges,
Schmücke dein Zion mit Palmen des Sieges!

Jesu, hilf siegen, damit wir uns schicken,
Würdig zur Hochzeit des Lammes zu geh‘n
Kleide dein Zion mit güldenen Stücken,
Lass uns den Untergang Babels einst sehn!
Doch wohlan! kracht es, so wird es bald liegen;
Auf, Zion! rüste dich: Jesus hilft siegen!

Justus Falckner – Aufforderung zum Kampfe.

Auf, ihr Christen, Christi Glieder,
Die ihr noch hangt an dem Haupt,
Auf, wacht auf, ermannt euch wieder,
Eh ihr werdet hingeraubt.
Satan beut
An den Streit
Christo und der Christenheit.

Auf! folgt Christo eurem Helde:
Trauet seinem starken Arm;
Liegt der Satan gleich zu Felde
Mit dem ganzen Höllenschwarm:
Sind doch der
Noch viel mehr,
Die da stets sind um uns her.

Nur auf Christi Blut gewaget,
Mit Gebet und Wachsamkeit:
Dieses machet unverzaget
Und recht tapfre Kriegesleut.
Christi Blut
gibt uns Mut,
Tilgt des Satans Zornesglut.

Christi Heeres Kreuzesfahne,
So da weiß und rot gesprengt,
Ist schon auf dem Siegesplane
Uns zum Troste ausgehängt.
Wer hier kriegt,
Nie erliegt,
Sondern unterm Kreuze siegt.

Diesen Sieg hat auch empfunden
Vieler Heilgen starker Mut,
Da sie haben überwunden
Fröhlich durch des Lammes Blut:
Sollten wir
Denn allhier
Nicht auch streiten mit Begier?

Wer die Sklaverei nur liebet
In der Zeit und Ewigkeit,
Und den Sünden sich ergibet:
Der hat wenig Lust zum Streit;
Denn die Nacht,
Satans Macht
Hat ihn in den Schlaf gebracht.

Aber wen die Weisheit lehret,
Was die Freiheit für ein Teil:
Dessen Herz zu Gott sich kehret,
Seinem allerhöchsten Heil,
Sucht allein,
Ohne Schein,
Christi freier Knecht zu sein.

Denn vergnügt auch wohl das Leben
So der Freiheit mangeln muss?
Wer sich Gott nicht ganz ergeben,
Hat nur Müh, Angst und Verdruss.
Der, der kriegt
Recht vergnügt,
Wer sein Leben selbst besiegt.

Drum auf! lasst uns überwinden
In dem Blute Jesu Christ
Und an unsre Stirne binden
Sein Wort, so ein Zeugnis ist,
Das uns deckt
und erweckt
Und nach Gottes Liebe schmeckt.

Unser Leben sei verborgen
Mit Christo in Gott allein,
Auf dass wir an jenem Morgen
Mit ihm offenbar auch sein,
Da das Leid
Dieser Zeit
Werden wird zu lauter Freud;

Da Gott seinen treuen Knechten
Geben wird den Gnadenlohn,
und die Hütten der Gerechten
Stimmen an den Siegeston;
Da fürwahr
Gottes Schar
Ihn wird leben immerdar.