Johann Adam Lehmus – Ergreife nun dein Harfenspiel

Ergreife nun dein Harfenspiel,
Da Licht und Tag verschwindet,
Und sich der langen Arbeit Ziel
Spät in den Schatten findet.
Komm, Seele, dring‘ zu Gottes Thron,
Und opfre deiner Lieder Ton,
Vom Geist des Danks entzündet!

2. Nie ist man schöner aufgewacht,
Als unter Preis und Loben;
Nie fängt man selger an die Nacht,
Als, wo das Herz, erhoben,
Gott seine letzte Kraft noch schenkt,
Die Spuren seines Rats durchdenkt,
Und seiner Liebe Proben.

3. Gott sorgt und waltet spät und früh,
Treu, wie ein Vater pfleget.
Gott wacht; er schläft und schlummert nie,
Er, der den Weltbau träget.
Wie ist ein Mensch so wohl daran,
Der Gottes Wegen folgen kann,
Und sein Werk überleget!

4. Das ist des Sünders Arbeit nicht,
Der seine Zeit durchspielet,
Den Tag verprasst, dann ohne Licht
Noch seine Lüste kühlet,
Des Leben nur im Fleische blüht,
Der Gott nicht kennt, sein Werk nicht sieht,
Noch seinen Eindruck fühlet.

5. Doch du bleibst Gott, wenn er auch blind,
Verzärtelt und verwöhnet,
Frech, trotzig, stolz und weltgesinnt
Dich und dein Tun verhöhnet.
Wie weht ihn Wind und Zeit davon!
Bald welket er, er modert schon,
Verflucht und unbetränet.

6. Ich bete dich im Dunkeln an,
Doch in dein Licht entzücket,
Gott, den ich nicht satt denken kann,
Des Name schon erquicket!
Wie selig ist, wer dich erkennt!
Wer dich im Glauben Vater nennt,
Wie hoch ist der beglücket!

7. Du hebst mein frohes Haupt empor;
Wer ist es, der mir schade?
Nichts steht mein Aug‘, nichts hört mein Ohr,
Als allenthalben Gnade.
Ich weiß mich mit dir ausgesühnt,
Ich grüne, wie ein Palmbaum grünt,
Im Alter noch gerade.

8. O möchte sich von Stund‘ zu Stund‘
Mein Herz in dir entzünden!
O könnte doch mein Geist, mein Mund
Genug des Lobes finden:
Wie du so fromm, so gnädig bist,
Und wie kein Unrecht an dir ist,
Der Nachwelt zu verkünden!

9. Das sei mein Hauptwerk jeden Tag,
Das jede Nacht mein Dichten!
Ob mich der Schlaf umhüllen mag,
Vergess‘ ich’s doch mit nichten.
Herr, nimm dies Loblied spät von mir,
Und Morgens knie‘ ich neu vor dir,
Mein Opfer zu entrichten!

Jonathan Krause – Halleluja! Schöner Morgen,

1. Halleluja! Schöner Morgen,
schöner, als man denken mag!
Heute fühl ich keine Sorgen;
denn das ist ein lieber Tag,
der durch seine Lieblichkeit
recht das Innerste erfreut.

2. Süßer Ruhetag der Seelen,
Sonntag, der voll Lichtes ist,
heller Tag in dunkeln Höhlen,
Zeit, in der der Segen fließt,
Stunden voller Ewigkeit,
Ihr vertreibt mir alles Leid.

3. Ach, wie schmeck‘ ich Gottes Güte
recht als einen Morgentau,
Die mich führt aus meiner Hütte
zu des Vaters grüner Au:
da hat wohl die Morgenstund‘
edlen Schatz und Gold im Mund.

4. Ruht nur, meine Weltgeschäfte,
heute gilt´s ein andres Tun;
denn ich brauche alle Kräfte,
in dem höchsten Gott zu ruhn.
Heut schickt keine Arbeit sich
als nur Gottes Wort für mich.

5. Ich will in der Zionsstille
heute voller Arbeit sein;
denn da sammle ich die Fülle
von den höchsten Schätzen ein,
wenn mein Jesus meinen Geist
mit dem Wort des Lebens speist.

6. Herr, ermuntre meine Sinne;
wirke selbst in meiner Brust,
dass ich Lehr‘ und Trost gewinne;
gib zu deinem Manna Lust,
dass mir deines Wortes Schall
tief im Herzen wiederhall‘.

7. Segne deiner Knechte Lehren,
öffne selber ihren Mund;
mach mit allen, die dich hören,
heute deinen Gnadenbund,
dass, wenn man hier fleht und singt,
solches in dein Herze dringt.

8. Gib, daß ich den Tag beschließe,
wie er angefangen ist.
Segne, pflanze und begieße,
der du Herr des Sabbats bist,
bis ich einst auf jenen Tag
ewig Sabbat halten mag.

Hiller, Philipp Friedrich – Die Beschwerden dieser Erden

Die Beschwerden
Dieser Erden
Häufen sich noch immer zu,
Und im Streiten
Dieser Zeiten
Hat man nirgends wahre Ruh.
Wo ist Friede
Für uns Müde?
Du bists, treuer Jesu, du!

2. Sünden schmerzen
Oft im Herzen,
Und kein Fried ist im Gebein.
Unverbunden
Sind die Wunden;
Jesu, dein Blut heilt allein,
Dein Versühnen
Macht uns grünen;
Du mußt unser Friede sein!

3. In der Eile
Fahren Pfeile
Oft vom Argen auf uns dar.
Jesus schützet,
Glaube nützet
Als ein Schild uns in Gefahr.
So wird Frieden
Uns beschieden,
Weil der Heiland Sieger war.

4. Uns bekriegen
Hass und Lügen
Zwar von Außen in der Welt;
Doch von Innen
Kanns gewinnen,
Wer Geduld und Glauben hält.
Nichts heißt Schade,
Wenn nur Gnade
Unser Herz zufrieden stellt.

5. O Erlöser
Noch viel größer
Ist der Friede jener Stadt.
Da sind Psalmen,
Da sind Palmen,
Die ein Überwinder hat;
Nimm mich Müden
Hin in Frieden,
Dort wird Niemand Lebens satt.

unbekannt – Menschen, euer Leben eilt

Menschen, euer Leben eilt.
Ohne Rast und unverweilt
fließt sie hin die kurze Zeit,
in das Meer der Ewigkeit.

2. Nehmt auch Stunden wohl in Acht!
Wirket Gutes! denn die Nacht,
da man nicht mehr wirken kann,
kommt, und rückt oft schnell heran.

3. Jetzt noch ist der Tag des Heils;
trefft die Wahl des bessern Teils.
Stellt euch dieser Welt nicht gleich,
seid an guten Werken reich.

4. Die ihr eure Zeit verträumt,
sie in tråger Ruh versäumt,
sie in eitlem Tand verderbt,
weh alsdann euch, wann ihr sterbt!

5. Der Versäumnis eurer Pflicht
folgt im göttlichen Gericht,
wenn der Tod euch hingerafft,
eine strenge Rechenschaft.

6. Aber so ist nicht der Christ;
weise lebt er, und vergisst
nicht der nahen Ewigkeit,
und nutzt sorgsam seine Zeit.

7. Jede Stunde, da sein Geist
sich der Erde mehr entreißt,
bringt ihm, flieht sie gleich dahin,
einen ewigen Gewinn.

8. Jede Stunde, die er nützt,
Waisen hilft und Witwen schützt,
Arme speist, die dauert dort
stets in ihrem Lohne fort.

9. Lass mir diesen Wert der Zeit
und des Frommen Tätigkeit
täglich, Gott, vor Augen sein,
dass ich Trägheit lerne scheun.

10. Steh mit deiner Kraft mir bei,
dass ich meiner Pflicht getreu,
dir zum Preis und mir zum Glück,
nutze jeden Augenblick.

11. Dann vertausch‘ ich diese Zeit
ruhig mit der Ewigkeit,
und empfang vor deinem Thron,
meiner Arbeit Gnadenlohn.

Johann Andreas Cramer – Herr, dir ist Niemand zu vergleichen!

Herr, dir ist Niemand zu vergleichen!
Kein Lob kann deine Größ‘ erreichen,
Kein noch so feuriger Verstand.
Pracht, Majestät und Ruhm umgeben
Dich, aller Wesen Quell‘ und Leben;
Licht ist dein strahlenvoll Gewand.
In hohen, unermess’nen Fernen,
Wohin kein sterblich Auge schaut,
Hast du, weit über allen Sternen,
Dir deinen höchsten Sitz erbaut.

2. Wie bist du, wann du, Gott der Götter,
Herabfährst, wann du in dem Wetter
Einhergehst, uns so fürchterlich!
Du kommst, und Wolken sind dein Wagen;
Dein Wagen donnert, willig tragen
Die Fittige des Sturmes dich.
Die Engel fliegen, gleich den Winden,
Vor dir voran, Herr Zebaoth!
Wie Flammen, die sich schnell entzünden,
Sind deiner Allmacht Diener, Gott!

3. Als du allmächtig sprachst: es werde!
Da gründetest du fest die Erde;
Vor Alters war die Lieb‘ ihr Kleid.
Auf allen Bergen stunden Wasser;
Du schaltst sie, da entfloh’n die Wasser,
Durch deines Donners Kraft zerstreut.
Der Berge Gipfel, Herr, erschienen,
Erhoben durch dein mächtig Wort;
Die Täler sanken unter ihnen
An den für sie bestimmten Ort.

4. Nun steht der Wasser Wut umdämmet,
Dass sie, durch deinen Arm gehemmet,
Die Erde nicht verwüsten kann.
Du sprichst, und dem Gebirg‘ entquellen
Die Brunnen, werden Bäch‘, und schwellen
Zu Strömen und zu Seen an;
Aus ihnen schöpft das Volk der Felder
Erquickung, dass sein Durst sich stillt;
Auch rieseln Wasser durch die Wälder,
Erfrischen und erfreu’n das Wild.

5. Viel schattenvolle Bäume grünen
An deinen Wassern, und aus ihnen
Ertönt der Vögel Freudenklang;
In ihrer Zweige Schutz verborgen,
Frohlocken sie dir jeden Morgen,
Tönt dir des Abends ihr Gesang.
Mit deinem segenvollen Taue
Wird jeder steile Berg erquickt;
Auch grünen fröhlich Feld und Aue,
Mit deinen Früchten reich geschmückt.

6. Durch dich entsprießt, damit die Herden
Der sichern Flur gesättigt werden,
Das Gras, und kleidet schön das Land.
Uns blühn die Kräuter, und der Segen
Der Saaten reifet uns entgegen,
Und füllt des frohen Schnitters Hand.
Brot gibst du für des Menschen Leben,
Und, unsre Herzen zu_erfreu’n,
Gibst du von traubenvollen Reben
Mit milder Hand den edeln Wein.

7. Herr, du gebeutst, im Lauf zu eilen,
Der Erde, und das Jahr zu teilen,
Schubst du den Mond durch deine Macht.
Die Sonne sinkt, und aus den Wäldern
Hebt sich das Wild, und sucht auf Feldern
Sich seine Nahrung in der Nacht.
Der Mensch, ermattet von Geschäften,
Verlässt sein Werk und suchet Ruh.
Der Tag kommt, und mit neuen Kräften
Eilt er der Arbeit wieder zu.

8. Wie wimmelt’s in den weiten Meeren
Von großen und von kleinen Heeren!
Herr, deine Weisheit hat kein Ziel!
Und wermisst deine Huld und Stärke?
Mit Staunen seh‘ ich deine Werke:
Wie schön sind sie, wie groß und viel!
Herr, Alles wartet auf der Erde,
Im Meer und in der Luft auf dich,
Dass es von dir gesättigt werde;
Du segnest, ste erquicken sich.

9. Dein Odem tötet und beseelet.
Die Welt, die deine Huld erzählet,
Erneuert sich auf dein Gebot.
Dein Ruhm ist ewig; deine Stärke
Schuf und bewahret deine Werke;
Sie sind dein Wohlgefallen, Gott!
Du schaust die Erd‘ an, sie erzittert!
Du tastest an der Berge Höh’n:
Und Berg und Fels, durch dich zersplittert,
Sind Flammen, dampfen und vergehn!

10. Erheb‘, erheb ‚, o meine Seele,
Gott, meinen Schöpfer, und erzähle,
Verkündige sein Lob der Welt!
Ihm singe deine Jubellieder!
Der Fromme töne sie ihm wieder,
Dem Mächtigen, der uns erhält!
Frohlockt ihm, alle seine Heere!
Ihm weihet euren Lobgesang!
Der Herr ist würdig, Preis und Ehre
Zu nehmen, Lob und Ruhm und Dank!