Prätorius, Joachim – Kein Tröpflein Blut

Kein Tröpflein Blut war dir zu theuer,
du gabst es willig für mich her;
o daß von deinem Liebesfeuer
mein ganzes Herz entzündet wär‘!
Ach laß den Eindruck deiner Leiden
und deiner bittern Todespein
mir stets, bis Leib und Seele scheiden,
im Herzen unauslöschlich seyn!

Sammlung auserlesener Lieder von der erlösenden Liebe
herausgegeben von
Johannes Goßner.
Dritte Auflage.
Leipzig,
bei Karl Tauchnitz.
1825.

Ernst Christoph Homburg – Fürwahr, Er trug unsere Krankheit.

Jesu, meines Lebens Leben,
Jesu, meines Todes Tod,
Der du dich für mich gegeben
In die tiefste Seelennot,
In das äußerste Verderben,
Nur, dass ich nicht möchte sterben.
Tausend, tausendmal sei dir,
Liebster Jesu, Dank dafür.

Du, ach, du hast ausgestanden
Lästerreden, Spott und Hohn,
Speichel, Schläge, Strick und Banden,
Du gerechter Gottessohn!
Nur mich Armen zu erretten
Von des Teufels Sündenketten.
Tausend, tausendmal sei dir,
Liebster Jesu, Dank dafür.

Du hast lassen Wunden schlagen,
Dich erbärmlich richten zu,
Um zu heilen meine Plagen,
Um zu sehen mich in Ruh.
Ach, du hast zu meinem Segen
Lassen dich mit Fluch belegen.
Tausend, tausendmal sei dir,
Liebster Jesu, Dank dafür.

Man hat dich sehr hart verhöhnet,
Dich mit großem Schimpf belegt,
Und mit Dornen gar gekrönet;
Was hat dich dazu bewegt?
Dass du möchtest mich ergetzen,
Mir die Ehrenkron aufsetzen.
Tausend, tausendmal sei dir,
Liebster Jesu, Dank dafür.

Du hast wollen sein geschlagen
Zu Befreiung meiner Pein,
Fälschlich lassen dich anklagen,
Dass ich könnte sicher sein.
Dass ich möchte trostreich prangen,
Hast du sonder Trost gehangen.
Tausend, tausendmal sei dir,
Liebster Jesu, Dank dafür.

Du hast dich in Not gestecket.
Hast gelitten mit Geduld,
Gar den herben Tod geschmecket,
Um zu büßen meine Schuld.
Dass ich würde los gezählet,
Hast du wollen sein gequälet.
Tausend, tausendmal sei dir,
Liebster Jesu, Dank dafür.

Deine Demut hat gebüßet
Meinen Stolz und Übermut,
Dein Tod meinen Tod versüßet;
Es kommt alles mir zu gut.
Dein Verspotten, dein Verspeien
Muss zu Ehren mir gedeihen.
Tausend, tausendmal sei dir,
Liebster Jesu, Dank dafür.

Nun, ich danke dir von Herzen,
Jesu, für gesamte Not,
Für die Wunden, für die Schmerzen,
Für den herben, bittern Tod;
Für dein Zittern, für dein Zagen,
Für dein tausendfaches Plagen,
Für dein Angst und tiefe Pein
Will ich ewig dankbar sein.

(aktualisiert am 25.6.2024)

Ernst Gottlieb Woltersdorf – Wie selig sind die Kleinen

Wie selig sind die Kleinen,
die man noch lehren kann!
Ihr Großen, mögt’s beweinen,
die Schul‘ ist zugethan.

Sich nicht mehr weisen lassen,
schon alles selbst verstehn,
Zucht und Bestrafung hassen,
heißt das nicht untergehn?

Kommt, Lämmer! kommt und höret,
von früh bis in die Nacht,
was Gott vom Himmel lehret,
was gut und selig macht!

Die Weisen bleiben Thoren,
wenn sie das nicht verstehn.
Die Großen gehn verloren,
wenn sie den Weg nicht gehn.

Laßt Pharisäer prahlen,
ihr bildet euch nichts ein;
wenn sie gerecht sich mahlen,
spricht Moses Spiegel: nein!

Er weiset euch von ferne
das wund geschlag’ne Lamm;
ihr geht und wascht euch gerne
im Blut vom Sündenschlamm.

Sammlung auserlesener Lieder von der erlösenden Liebe
herausgegeben von
Johannes Goßner.
Dritte Auflage.
Leipzig,
bei Karl Tauchnitz.
1825.