Hermann, Nikolaus – Ein Geistlich Lied, darin man bitt umb ein seliges Stündlein

//Aus dem Spruch Augustini//

WEnn mein stündlein fürhanden ist
und sol hinfarn mein strasse,
So gleit du mich, HErr Jhesu Christ,
mit hülff mich nicht verlasse,
Mein Seel an meinem letzten end
befehl ich dir in dein Hend,
du wolst sie mir bewahren!

Mein sünd mich werden krencken sehr,
mein Gwissen wird mich nagen,
Denn jr sind viel wie Sandt am Meer,
doch wil ich nicht verzagen,
Gedencken wil ich an dein todt,
HErr Jhesu, und dein Wunden rot
die werden mich erhalten.

Ich bin ein Glied an deinem Leib,
des tröst ich mich von hertzen!
Von dir ich ungescheiden bleib
in todes nöten und schmertzen;
Wenn ich gleich sterb, so sterb ich dir,
ein ewigs Leben hastu mir
mit deinem Tod erworben.

Weil du vom Tod erstanden bist,
werd ich im Grab nicht bleiben;
Mein höchster trost dein Auffart ist,
tods furcht kan sie vertreiben,
Denn wo du bist, da kom ich hin,
das ich stetz bey dir leb und bin,
drumb fahr ich hin meit freuden! Amen.

Wackernagel – Das deutsche Kirchenlied von Martin Luther bis auf Nicolaus Herman und Ambrosius Blaurer

Hermann, Nikolaus – Ein Geistlich Lied, Für Christliche Wanderleut

IN Gottes Namen fahren wir,
sein heilger Engel geh uns für,
Wie dem Volck in Egypten land,
das entgieng Pharaonis Hand!
Kyrioleis.

HErr, du wölst unser Gleitzman sein
und mit uns gehen aus und ein,
Und zeigen alle steig und steg,
wehre dem unfal auff dem weg!
Kyrioleis.

So wird kein Berg noch tieffer Thal,
kein Wasser uns jrren uberall,
Frölich kom wir an unser ort,
wenn du uns gnedig hilffest fort.
Kyrioleis.

HErr Christ, du bist der rechte Weg
zum Himel und der einige steg;
Hilff uns, Pilgram, ins Vaterlandt,
weil du dein blut hast dran gewandt!
Kyrioleis.

Wackernagel – Das deutsche Kirchenlied von Martin Luther bis auf Nicolaus Herman und Ambrosius Blaurer

Hermann, Nikolaus – Erschienen ist der herrlich Tag

1. Erschienen ist der herrlich Tag,
Dran sich niemand gnug freuen mag;
Christ, unser Herr, heut triumphiert,
All seine Feind gefangen führt.
Halleluja!

2. Die alte Schlang, die Sünd und Tod,
Die Höll, all Jammer, Angst und Not
Hat überwunden Jesus Christ,
Der heut vom Tod erstanden ist.
Halleluja!

3. Am Sabbat früh mit Spezerei
Kamen zum Grab der Weiber drei,
Daß sie salbten Marien Sohn,
Der vom Tod war erstanden schon.
Halleluja!

4. Wen sucht ihr da? der Engel sprach,
Christ ist erstanden, der hie lag;
Hie sehet ihr die Schweitztüchlein,
Geht hin, sagts bald den Jüngern sein.
Halleluja!

5. Der Jünger Furcht und Herzeleid
Wird heut verkehrt in eitel Freud;
Sobald sie nur den Herren sahn,
Verschwand ihr Trauren, Furcht und Zagn.
Halleluja!

6. Der Herr hielt ein sehr freundlich G’spräch
Mit zweien Jüngern auf dem Weg;
Vor Freud das Herz im Leib ihn brannt,
Im Brotbrechen ward er erkannt.
Halleluja!

7. Unser Simson, der treue Held
Christus, den starken Löwen fällt,
Der Höllen Pforten er hinträgt,
Dem Teufel all Gewalt erlegt.
Halleluja!

8. Jonas im Walfisch war drei Tag,
So lang Christus im Grab auch lag,
Denn länger ihn der Tod kein Stund
In seim Rachen behalten kunnt.
Halleluja!

9. Sein Raub der Tod mußt geben her,
Das Leben siegt und ward sein Herr,
Zerstört ist nun all seine Macht,
Christ hat das Leben wieder bracht.
Halleluja!

10. Heut gehn wir aus Ägyptenland,
Aus Pharaonis Dienst und Band,
Und das recht Osterlämmelein
Wir essen heut im Brot und Wein.
Halleluja!

11. Auch essen wir die süßen Brot,
Die Moses Gottes Volk gebot;
Kein Sauerteig soll bei uns sein,
Daß wir von Sünden leben rein.
Halleluja!

12. Der Würgengel vorüber geht,
Kein Erstgeburt er bei uns schlägt;
Unsre Thürschwell hat Christi Blut
Bestrichen, das hält uns in Hut.
Halleluja!

13. Die Sonn, die Erd, all Kreatur,
Und, was betrübet war zuvor,
Das freut sich heut an diesem Tag,
Da der Welt Fürst darnieder lag.
Halleluja!

14. Drum wir auch billig fröhlich sein,
Singen das Halleluja sein
Und loben dich, Herr Jesu Christ,
Zu Trost du uns erstanden bist.
Halleluja!

Hermann, Nikolaus – Hört, ihr liebsten Kinderlein

Das dritte Lied, in welchem das Kindlein Jesus die Kinder vermahnet, daß sie fleißig beten und studiren sollen, so wolle es ihnen bescheren.

Hört, ihr liebsten Kinderlein,
Spricht das Herze Jesulein,
Seid züchtig und lernet fein,
Bett fleißig im Namen mein,
So will ich stets bei euch sein,
Mit mein lieben Engelein,
Euch allezeit behüten fein.

Werdt ihr z morgens gern aufstehn,
Und fleißig zur Schulen gehn,
Und studiren mit ganzem Fleiß,
Daß ihr mir singt Lob und Preis,
Werdet ihr mein Wort gern hören,
So will ich euch alls bescheren,
Was eur Herz nur wird begehren.

Es solln euch mein Engelein
Allzeit gleiten aus und ein,
Daß ihr nicht stoßt an einen Stein,
Auch nicht fallt und brecht ein Bein.
Eur liebsten Mütterlein,
Vater, Bruder und Schwesterlein
Solln sie auch behüten fein.

Euern Eltern will ich geben
Gut Kuckes1) und langes Leben,
Daß sie euch können ernähren,
Und aufziehn zu Gottes Ehren,
Und euch kaufen Kleider und Schuh,
Bücher, und was ihr dürft dazu,
Daß ihr lernt mit guter Ruh.

Drum, o liebsten Kinderlein,
Seid gehorsam und lernet fein,
Eur Emanuel will ich sein,
Hab euch von der Höllen Pein
Erlöst durch mein Blut und Tod.
Drum halt fleißig mein Gebot,
Und ruft zu mir in der Noth,

So sollt ihr dieß neue Jahr
Sicher sein für aller Gefahr,
Kein Krieg, Theurung, Pestilenz
Soll kommen über euer Grenz,
Seid nur fromm und lernet fein,
O ihr liebsten Kinder mein,
So will ich stets bei euch sein.

Amen.

Hermann, Nikolaus – LObt Gott, jr Christen alle gleich

LObt Gott, jr Christen alle gleich
in seinem höchsten Thron,
Der heut schleust auff sein Himelreich
und schenckt uns seinen Son!

Er kömpt aus seines Vaters schos
und wird ein Kindlein klein,
Er leid dort elend nackt und blos
in einem Krippelein.

Er eussert sich all seiner gwalt,
wird nidrig und gering,
Und nimpt an sich eins Knechts gestalt,
der Schöpffer aller ding!

Er leit an seiner Mutter Brust,
jr milch die ist sein speis,
An dem die Engel sehn jrn lust,
denn er ist Dauids Reis,

Das aus seim stamm entsprissen solt
in dieser letzten zeit,
Durch welchen Gott auffrichten wolt
sein Reich, die Christenheit.

Er wechsselt mit uns wunderlich:
Fleisch und Blut nimpt er an,
Und gibt uns in seins Vaters Reich
die klare Gottheit dran.

Er wird ein Knecht unnd ich ein Herr,
das mag ein wechssell sein!
Wie könd er doch sein freundlicher,
das hertze Jhesulein!

Heut schleust er wider auff die thür
zum schönen Paradeis,
Der Cherub steht nicht mehr dafür,
Gott sey lob, ehr und preis!

Wackernagel – Das deutsche Kirchenlied von Martin Luther bis auf Nicolaus Herman und Ambrosius Blaurer

Hermann, Nikolaus – Nunc angelorum gloria.

HEut sein die leiben Engelein
in hellem schein
erschienen bey der nachte
Den Hirten, die jr Schefelein
bey Monen schein
im weitem Feld bewachten:
Grosse Freud und gute Mehr
wollen wir euch offenbaren,
die euch und aller Welt solln widerfaren!
Huic sit memoria.

Ein Son die Göttlich Maiestat
euch geben hat
und ein menschen lan werden,
Ein Jungfraw jn geboren hat
in Dauids Stad,
do jr jn finden werdet
Ligen in einm Krippelein,
nackt, blos und elende,
das er all ewr elend von euch wende!
Huic sit memoria.

Darnach sungen die Engelein:
Gott gebürt allein
in der Höhe preis unnd ehre!
Guter fried wird auff ERden sein,
des sollen sich
die Menschen frewen sehre,
Und ein wolgefallen han,
das der Heiland ist komen,
hat euch zu gut das Fleisch an sich genomen!
Huic sit memoria.

Die Hirten sprachen: Nu wolan!
so last uns gahn
unnd diese ding erfaren,
Die uns der HERR hat kund gethan:
unser Vieh wird
er in des wol bewaren!
Da funden sies Kindelein
in tüchelein gehüllet,
das alle Welt mit seiner gnad erfüllet!
Huic sit memoria.

Wackernagel – Das deutsche Kirchenlied von Martin Luther bis auf Nicolaus Herman und Ambrosius Blaurer

Hermann, Nikolaus – Omnis mundus ivundetur.

SEid frölich und jubilieret
Jhesu dem Messie!
Der die gantze Welt regieret,
ist ein Son Mariae
und leit im Krippelein
beim Ochssen und Esellein!
Sause, sause! Sause, sause, Kindelein!
du bist mein, ich bin dein!
jaucht und springet,
klingt und singet:
Hodie, hodie, hodie
ist geborn Christ, das Sönlein
Marie, Marie,
Ubd hat von uns weggenomen
alles weh, alles weh, alles weh!
Hilff, das wir bald zu dir komen,
O Christe!

Wackernagel – Das deutsche Kirchenlied von Martin Luther bis auf Nicolaus Herman und Ambrosius Blaurer

Hermann, Nikolaus – Vom Fall Petri und seiner Vermessenheit

WAs menschen krafft, was fleisch und blut
on Gottes gnad und hülffe thut,
zeigt uns die gros vermessenheit
Sanct Petrus mut und freidigkeit.

Wenn Gott von uns abzeucht sein Hand,
bald fallen wir in Sünd und schand;
Wo Christ der HErr uns nicht erhelt,
vom Teuffel sind wir bald gefelt.

Petrus war ein freidiger Man,
meint auch, er wolt beim HErren stan,
Aber ein wort macht jn verzagt,
damit jn schreckt ein arme Magd,

Das er thet einen schweren fall,
verleugnet den HErren drey mal,
Und wurd aus seiner freidigkeit
gar ein verzagte blödigkeit.

Darumb, O lieben Brüder mein,
last uns je nicht vermessen sein,
Das wir nicht sicher dahin gehn,
sondern inn Gotts furcht allezeit stehn.

Der Feind hats auff uns abgericht,
kein vleis er spart und feiret nicht,
Die arge Welt, das Fleisch und blut
braucht er, damit uns schaden thut.

Drumb bit wir dich, Herr Jhesu Christ,
weil du sein mechtig worden bist:
Zerstör sein Reich und all sein macht,
hilff uns durch deines Geistes krafft! Amen.

Wackernagel – Das deutsche Kirchenlied von Martin Luther bis auf Nicolaus Herman und Ambrosius Blaurer

Hermann, Nikolaus – Vom Karfreitag, Sabbath und Ostertag.

AM Freitag mus ein jeder Christ
sein Creutz mit Christo tragen,
Bis der Sabbath verhanden ist,
denn ruht er in seim Grabe,
Bis kümbt der frölich Ostertag:
denn jn das Grab niht halten mag,
mit freuden er auffwachet!

Freitag, der Marter tag.

DEr Freitag wehrt die kleine zeit,
weil wir leben auff Erden,
Mit jamer, angst und hertzenleidt
daran betrübt wir werden,
Das macht Adams und unser schuldt!
wol dem, der sein Creutz mit gedult
dem HErren Christo nachtreget.

Sabbath, der Ruhetag.

AM Sabbath komen wir zu ruh,
all Creutz wird weggenomen,
Wenn uns itzt gehen die augen zu
und unser stund ist kommen,
Denn tregt man uns ins Rhubetlein,
darin gar sanfft wir schlaffen ein,
bis uns der HErr auffwecket.

Der Ostertag, der Freudentag.

DEnn kompt der frölich Ostertag,
so werdn wir all auffstehen!
Der Todt denn uns nicht halten mag,
entgegen werdn wir gehen
Christo und mit jm in seim Reich
leben in freuden ewigleich:
HErr Christ, das hilff uns, Amen!

Wackernagel – Das deutsche Kirchenlied von Martin Luther bis auf Nicolaus Herman und Ambrosius Blaurer

Hermann, Nikolaus – Von der unschuldigen Kindlein Historia.

Matth. 2.

Als nun Herodes wurd gewahr,
Daß er von Weisen betrogen war,
Wurd er zornig, und übt ein That,
Dergleich Niemand erfahren hat.

Weil er fürcht, er verlier sein Reich,
Ließ er durchs Schwert tödten zugleich
All Kinderlein von zweien Jahrn,
Die zu und um Bethlehem warn.

Er meint, es könnt ihm fehlen nicht,
Jesus müßt werden hingericht,
Aber es fehlt ihm weit sein Kunst,
Sein Tyrannei war gar umsonst.

Denn Gott sein liebes Söhnelein,
Joseph hieß sammt der Mutter sein
Fliehen in das Egyptenland,
Wie solchs zuvor geschrieben stand.

O du unsinniger Tyrann,
Jesus nimmt sich deins Reichs nicht an,
Er hat ein ewigs Himmelreich,
Dem keins auf dieser Erd ist gleich.

Mancher Mutter möcht wohl ihr Herz
Zersprungen sein für Weh und Schmerz,
Da sie ihr Kind von ihrer Brust
Reißen, und würgen sehen mußt.

O ihr lieben, seligen Ritterlein,
Ihr allerliebsten Märtyrlein,
Erstlich ihr euer milches Blut
Um Christus willn vergießen thut.

Ob ihr gleich diesmal unterliegt,
Dennoch habt ihr ehrlich gesiegt,
Jetzt herrschet ihr und lebt bei Gott,
Herodes Leib und Seel leidt Noth.

Ein schrecklich, gräßlich End er nahm,
Und brennt jetzt in der Höllenflamm,
Ich mein, er ists fein worden inn,
Was er hat für ein großen Gwinn.

Also wirds und soll allen gehn,
Die Gott und seim Wort widerstehn,
Hie nehmen sie ein schrecklichs End,
Und sind doch ewige Höllenbränd.

Gebet.

Herr Christ, hilf, daß wir unser Blut
Um deint willn, wenns von Nöthen thut,
Vergießen, und das zeitlich Leben
Auch können für das ewige geben.