Gottfried Arnold – Um völlige Herzensübergabe.

Jehovah! nimm all‘ meine Kräfte bin,
Weil ich von Deinem Geist gezogen bin!
Dir muss mein Herz und Sinn ergeben sein,
Sonst werd‘ ich nicht für deinen Himmel rein.

Lass wachsen in der neuen Kreatur
Mein ganz Gemüt zur göttlichen Natur,
Die nichts vom alten Sündentand der Welt,
Nein, Dich allein mit zarter Liebe hält!

Ich opfre, Herr, zu diesem Werk Dir auf
Den Sinn, das Herz und den Gedankenlauf.
O gib mir ungeteilte Liebeskraft
Für alles Neue, was dein Geist mir schafft!

Die Seele kann vom Denken niemals ruh’n,
Ihr Wille hat mit Etwas stets zu tun:
Drum sollt er stets mit ungeteiltem Mut
Einsenken sich in Dich, Du höchstes Gut.

O wurzle tief, du neues Leben, ein,
Und lass dein Wachstum nie gehindert sein!
Der neue Mensch lebt von der Liebe nur,
Wenn er, o Jesu, nachgeht deiner Spur.

Dann wird geheim dein Reichtum ihm vertraut,
Dann wird er still zum Tempel aufgebaut,
Darin der Schöpfer sein Geschöpf umfäht,
und sich verklärt mit Huld und Majestät.

Da bieten sich die Lebensfrüchte dar,
Da wird der Geist des ew’gen Guts gewahr;
Jemehr er gibt, jemehr wird ihm geschenkt,
Und all sein Trieb wird himmelwärts gelenkt.

Zeuch uns nach Dir, o Herr der Herrlichkeit!
Sieh‘, unsre Seelen stehen Dir bereit;
Nimm jeden neuen Lebenskeim in Schutz,
Dass er bewahrt sei vor des Argen Trutz!

Schließ‘ auf uns deines Jesu-Namens Grund,
Wo ew’ges Ja ausgeht vom ew’gen Bund!
Du offne Lieb‘, uneingeschränkte Treu‘,
Mach‘ dein Versprechen jeden Tag uns neu!

Schaff‘ Alles in uns neu, du Lebenswort!
Halt‘ offen die einmal gesprengte Pfort
Jerusalems, dass die erkaufte Zahl
In jenen Mauern halt dein Abendmahl!

Dringt nicht der Ruf aus deinem Tempel vor:
„Ich komme bald! o halt‘ dein Herz empor!
Bewahr dein Kleid, samt Herz und Sinnen rein,
Und eil‘ unendlich in mein Herz hinein!“

Ja, komm‘, Herr Jesu, nimm uns stets zu,
Und lass uns sonst, in keinen Dingen Ruh‘!
Zeuch uns nach Dir, so laufen wir mit Dir,
Und steh’n einst dort in unbefleckter Zier!

Gottfried Arnold – Weltentsagung

Alsbald ich mich in meinem Sinn
Dem Heiland ganz gelassen,
Und mich in aller Stille hin
Gesetzt, sein Herz zu fassen
In rechter Abgeschiedenheit,
Von Ehrgeiz, Fleisch, Vernunft befreit:
Da wollt‘ mich alles schlagen,
Und aus der Welt verjagen.

Des alten Adams alt Geschlecht,
Von Missgunst angetrieben,
Verfolgte mich durch scheinbar Recht:
„Du bist ja,“ hieß es, „blieben
Bei unserm Teil so lange Zeit;
Wer macht sich nun so ungescheit,
Als Sünder uns zu meiden?
Hier hast du Ehr und Freuden!“

Mir aber lag tief eingeprägt
Das Siegel jener Liebe,
So Jesu Leben in sich hegt
Mit brennendstarkem Triebe;
Daher mir weder Furcht noch Lust
Den festen Sinn verwandeln musst‘;
Er stund, vom Schild bewehret,
Vom Geist zum Schwert gelehret.

Und ob’s gleich kostet manchen Schlag,
Viel Striemen und viel Wunden,
Weil mir die Last der Feinde lag
Wie auf den Hals gebunden:
Doch schmerzten mich die Wunden nicht,
Ich trug sie um des Liebsten Licht,
Der selbst Sein teures Leben
Um mich dahingegeben.

Auch hoffe ich, soll noch wohl der Tag,
Der große Tag erscheinen,
Dass ich so Manchen sehen mag,
Herr, stehen bei den Deinen,
Nachdem sie wohl gebeuget sein,
Und was sie mir gemacht für Pein,
Demütiglich bekennen,
Mich aber selig nennen.

Doch ist dies nicht der größte Streit,
Der hier wird beigeleget;
Der ärgste Feind, den man zur Zeit
Im Busen selber heget,
Ist der Begierde Macht und List,
Die kaum zu überwinden ist,
Nach langem, blut’gem Kämpfen
Die Kräfte ganz zu dämpfen.

Der unbezwung’ne Siegesschild,
Vor dem die Feinde beben,
Das Wort, das uns’re Herzen stillt,
Ist Christi Glaubensleben;
Das straft und bringt so lang durchhin,
Bis dass der Feind, vom Geistessinn
Getrieben und geschieden,
Den Sieger lässt zufrieden.

Gottfried Arnold – Sieg der Liebe Christi.

Nun erfahr‘ ich auch
Bei der Liebe Brauch,
Die ich, Jesu, in Dir finde,
Dass sie Alles überwinde!
Diesen Gottesrat
Lehret mich die Tat.

Vormals quälte mich
Schwer und jämmerlich
Eignes Wollen, Rennen, laufen,
Wo die Furcht, der Schmerz mit Haufen
Mich, und was ich tat,
Tödlich niedertrat.

Da ward’s anders bald!
Deine Liebsgestalt,
Die in mir wird ausgeboren,
Ist mir nun zum Sieg erkoren,
Dass ich freudenvoll
Wirke, was ich soll.

Gott ist selbst in mir
Meine Kraft und Zier;
Wer kann Ihm sich widersetzen
Ohne tödliches Verletzen?
Weder Höll‘ noch Tod
Bringt mich mehr in Not.

Liebe, die Gott kennt,
Und nach Ihm nur brennt,
Lässt mich nicht von Ihm zerteilet,
Dass die Furcht mich übereilet.
Nein, ich bin in Dir,
Jesu, Du in mir!

Hat vereinte Kraft
Nicht stets Sieg geschafft?
Wird ein Bräutigam nicht sein Leben
für die Braut aus Eifer geben,
Wenn der Liebe Band
Stärkt die tapf’re Hand?

Wirkt des Fleisches Trieb
Solche starke Lieb‘:
O was kann die Liebe zwingen,
Die den Geist in Gott kann bringen?
Alles weicht und flieht,
Wo Dein Lieben glüht!

Und ob mich wohl lang,
Wenn dem Herzen bang,
Tod und Hölle unterdrücken,
Dass kein Leben zu erblicken:
Liegt im Todesschlund
Doch ein Lebensgrund!

Wenn nach langem Streit
Nun der Sieg bereit,
Wird sich Jesus Christ mir geben
Als des neuen Menschen Leben,
Den des Vaters Rat
Uns verkläret hat.

Diese Lieb‘ nimmt zu
In gar stiller Ruh,
Nährt die Seel mit hohen Kräften,
Als der reinen Menschheit Säften.
Dieses Lebensbrot
Weiß von keinem Tod.

Wenn des Vaters Stärk‘
Und das Liebeswerk
Seines Sohns in uns sich einet,
Und im Geist als Eins erscheinet:
Dann ist lauter Sieg,
Nach vollbrachtem Krieg.

Wer will dem entgeh’n,
Und dem widersteh’n,
Was in Gottes Macht geschiehet,
Unverweslichkeit anziehet?
Fliehe nur bei Zeit,
Was die Liebe scheut!

Liebe wird sich einst,
Herr, wann Du erscheinst,
Als Besiegerin der Höllen
Herrlich vor dein Antlitz stellen.
Dir sei Preis und Stärk‘
Um Dein Liebeswerk!

Franck, Johann – Morgensegen

Weise: Herr, nicht schicke Deine Rache.

Seht, die Nacht, die uns erschreckte
Und mit Finsternis umdeckte,
Hat den trüben Lauf vollbracht
Und dem Lichte Raum gemacht;
Drauf nun hat das Gold der Sonnen.
Unsre Kugel schon umsponnen,
Alles steht den klaren Tag,
Was zuvor im Dunkeln lag.

2. Soll man denn im Schlaf der Sünden
Einzig dich noch länger finden,
Meine Seel‘? o komm an’s Licht
Und vergiss des Lobes nicht,
Das du deinem Gott sollst geben,
Weil er dir gefrist’t dein Leben
Und aus Schatten-trüber Nacht
Dich an’s Tageslicht hat bracht.

3. Sprich: 0 Gott, der du gebauet,
Was man hier mit Augen schauet,
Himmel, Erde, Luft und Meer,
Menschen, Fische, Vögel, Bär‘,
Es wird billig dir gesungen
Von der Schwachheit meiner Zungen
Ehr‘ und Ruhm, dieweil dein Schild
Mich vor Unfall hat verhüllt.

4. Ja, du hast bisher aus Gnaden
Mich mit Wohltat überladen,
Mich, der ich aus schwachem Sinn
Dir oft widerspenstig bin.
Hättest du nicht mein geschonet,
Und mir nach Verdienst gelohnet,
Wär‘ ich längst in stete Nacht
Und in’s Höllengrab gebracht.

5. Drum vergib mir meine Sünde,
Der ich mehr an mir befinde,
Als im Meer Sandkörnelein
Und am Himmel Sterne sein.
Lass auch deiner Engel Scharen
Mich noch ferner so bewahren,
Dass der schwarze Höllenmann
Mir mit List nicht schaden kann.

6. Leite mich auf deinen Wegen,
Lass mir das sein angelegen,
Was mein Stand und Wandel ist,
Wozu du mich hast erkiest.
Du, o Herr, wollst mein Studieren,
Meine Müh‘ und Fleiß regieren,
Dir zu Lob, zur Wahrheit Schutz
Und zu meines Nächsten Nutz.

7. Lenke meinen Mut und Sinnen,
Lass das üppige Beginnen
Gänzlich sein von mir verweist,
Gib mir einen reinen Geist;
Gib mir, Berr, gesunde Glieder,
Und was dir an mir zuwider,
Lass mich, bitt‘ ich, gänzlich nun
Durch dein‘ Hilfe von mir tun.

8. Gib, dass auch in fremden Landen
Gute Gönner sind vorhanden,
Die, wenn ich in Nöten sei,
Mir mit Hilfe springen bei.
Lass mich böse Leute fliehen,
Die mich von der Jugend ziehen,
Treib von mir der Wollust Sucht,
Gib mir Mäßigkeit und Zucht.

9. Endlich wenn die Zeit vorhanden,
Dass von’s Leibes Joch und Banden
Meine Seel durch’s Todes Hand
Jetzt soll werden ausgespannt:
So lass mich fein sanft verscheiden,
Führe mich zu Himmelsfreuden,
Da ich, samt der Engel Schar,
Dich kann loben immerdar.

Franck, Johann – Erwache mein Gemüte.

Weise: Ich dank‘ dir, lieber Herre.

Erwache, mein Gemüte,
Indem mein Leib erwacht,
Und rühme Gottes Güte,
Die er dir diese Nacht
Hat abermals erwiesen.
Ach, wahrlich, seine Treu,
Die nie gnug wird gepriesen,
Ist alle Morgen neu.

2. Ach, mit viel tausend Sünden
Lag hier dein Herz umklemmt,
Dein Leib schlief ohn‘ Empfinden,
Dein Sinnwerk stund gehemmt.
Wie bald konnt‘ es geschehen,
Dass drauf der Bösewicht
Dich ihm hätt‘ ausersehen
Und plötzlich hingericht’t?

3. Bedenk‘, auf wie viel Wege
Er manches Trauerspiel
Oft anzurichten pflege,
Gott aber steckt das Ziel;
Und führt rings um die Seinen
Der Engel Wacht heran,
Damit der Satan keinen
Derselben fällen kann.

4. Dein‘ Huld hat es gemachet,
O Vater in der Höh‘,
Dass ich, gesund erwachet,
Jetzt an mein‘ Arbeit geh‘.
Mein‘ übermachte Sünde
Hat es zwar nicht verdient,
Verzeih, Herr, deinem Kinde
Und bleibe mir versühnt.

5. Lass ferner deinen Segen
Auch künftig bei mir sein,
Dass ich auf rechten Wegen
Vor dir geh‘ aus und ein.
Lass Alles wohl gelingen,
Was ich anheb‘ und tu,
Send‘ auch vor allen Dingen
Mir deine Weisheit zu.

6. Lass mich dir fest vertrauen,
Ich sei dein liebes Kind,
Dass mir nicht möge grauen,
Wenn sich ein Unglück find’t.
Denn wenn du Notdurft schaffest,
Zeigt sich dein Vaterherz,
Und wied’rum, wenn du strafest,
So ist’s dein Vaterherz.

7. Drum, ob nach deinem Millen
und unerforschten Schluss,
Ich heut‘ auch Plag und Grillen
Erdulden soll und muss:
So hilf, dass die Beschwerde
Mit Labsal werd‘ umtauscht
Und bloß zum Wölklein werde,
Das bald vorüber rauscht.

8. Inmittelst lass den Meinen
Und mir auch selbst dazu
Die Gnadensonne scheinen,
Sprich unser Herz zur Ruh,
Und lass all mein Beginnen
Dir wohlgefällig sein,
Bis dass du mich von hinnen
Gen Himmel holest ein.

Franck, Johann – Morgenopfer

Weise: Zu dir von Herzensgrunde.

Auf, auf! mein Geist, zum Loben,
Auf auf! und werd‘ erhitzt,
Bedenke, wie von oben
Der Höchste dich beschützt.
Hätt‘ er dir nicht die Wache
Der Engel zugeschickt,
So hätte dich der Drache
Im tiefen Schlaf erstickt.

2. Dir, dir und deiner Güte,
Dir, dir, mein Gott, allein,
Dir, dir soll mein Gemüte
Von Herzen dankbar sein:
Dir, dir, der du mein Leben
Hast bis daher verlängt,
Und täglich auch daneben
Viel Wohltat eingeschenkt.

3. Du Herr der Himmelszelten,
Wie soll ich nach Gebühr,
Wie soll ich dir vergelten,
Was du getan an mir?
Ich bin zwar zu geringe,
Doch nimm dies Opfer hin,
Nimm hin, was ich dir bringe:
Ein’n dir ergebnen Sinn.

4. Nur weg mit Horn und Klauen,
Ich opfre Herz und Brust,
Ein kindliches Vertrauen,
Das, das ist deine Lust.
Das, das lass dir gefallen,
Wie schlecht es immer scheint,
So ist dennoch vor allen
Dies Opfer gut gemeint.

5. Verzeihe mir die Sünde,
Die ich bisher verübt,
Und die ich jetzt empfinde,
Wie sie mein Herz betrübt.
Verzeihe mir und dämpfe
All‘ üppige Begier,
Mit der ich täglich kämpfe,
O Herr, verzeihe mir.

6. Send‘ auch auf meinen Wegen
Mir deinen Engel zu,
Und sprich du selbst den Segen
Zu Allem, was ich tu.
Herr, sende du mir Kräfte
Von deiner Himmelshöh,
Auf dass all mein Geschäfte
Gewünscht von Statten geh‘.

7. Gib mir vor allen Dingen
Getrosten Mut und Geist,
Dies freudig zu vollbringen,
Was mein Beruf mich heißt.
Lass mich in guten Lagen,
Nicht übermütig sein,
Und lass mich auch nicht zagen,
Dringt gleich ein Kreuz herein.

8. Hilf, dass in meinem Stande
Ich tu, was dir gefällt,
Auch lass mich nicht in Schande
Geraten vor der Welt.
Richt‘, Herr, mein ganzes Leben
Nach deinem Willen ein,
Lass auch mein Haus daneben
Von dir gesegnet sein.

9. Gib, dass im Kreuz und Glücke
Ich stets so leben mag,
Dass ich all‘ Augenblicke
Denk‘ an den letzten Tag!
Und wann der ein wird brechen,
So gib, dass ich erfreut
Von Herzen könne sprechen:
Komm, Herr, ich bin bereit!

Franck, Johann – Danklied für gnädigen Regen.

Weise: Die Sonn‘ hat sich mit ihrem Strahl.

Bereite dich, mein Herz, aus allen Kräften,
Entzeuch den Sinn von irdischen Geschäften,
Nimm alsobald dein Saitenspiel zur Hand
Und sing‘ ein Lieb in Geistesglut entbrannt,

2. Schwing‘ jetzt empor hie Flügel deiner Sinnen
Und preise Gott, der von des Himmels Zinnen
Hat Dein Gebet und Seufzer angehört,
Sprich: Herren Herr, dein Nam‘ ist hoch geehrt.

3. Du hörest stets des armen Volkes Flehen
Und pflegest sein Geschrei nicht zu verschmähen;
Wir haben kaum dir, großer Gnadenthron,
Die Not geklagt, da hilfest du uns schon.

4. Du siehest an das lechzende Gefilde
Und wässerst es gar gnädiglich und milde,
Du gibst Befehl, dass sich der Wolken Flut
Ergießen muss, als wie sie jetzt auch tut.

5. Ein Tropfenstrom, getrieben von dem Winde
Aus Westen her, netzt unsre dürren Gründe,
Und unser Feld, das vor so schmächtig schien,
Das stehet jetzt ganz fruchtbar, frisch und grün.

6. Wo ist doch wohl ein Gott dir zu vergleichen?
Wer hat wohl je verübet solche Zeichen
Wie du, o Gott? dir muss der Sonnenschein,
Wind, Regen, Blitz stets zu Geboten sein.

7. Nun, großer Herr, wir danken deinem Namen,
Wir danken ihm, dass er Gras, Frucht und Samen
Zu rechter Zeit durch Regentau erquickt,
Und wieder drauf ein warmes Wetter schickt.

8. Auch bitten wir, lass deinen Gnadensegen
Sich ferner noch um unsre Felder legen,
Dass wir mit Dank, in Ruh und ungekränkt,
Genießen das, was deine Hand uns schenkt.