Franck, Johann – Morgensegen

Weise: Herr, nicht schicke Deine Rache.

Seht, die Nacht, die uns erschreckte
Und mit Finsternis umdeckte,
Hat den trüben Lauf vollbracht
Und dem Lichte Raum gemacht;
Drauf nun hat das Gold der Sonnen.
Unsre Kugel schon umsponnen,
Alles steht den klaren Tag,
Was zuvor im Dunkeln lag.

2. Soll man denn im Schlaf der Sünden
Einzig dich noch länger finden,
Meine Seel‘? o komm an’s Licht
Und vergiss des Lobes nicht,
Das du deinem Gott sollst geben,
Weil er dir gefrist’t dein Leben
Und aus Schatten-trüber Nacht
Dich an’s Tageslicht hat bracht.

3. Sprich: 0 Gott, der du gebauet,
Was man hier mit Augen schauet,
Himmel, Erde, Luft und Meer,
Menschen, Fische, Vögel, Bär‘,
Es wird billig dir gesungen
Von der Schwachheit meiner Zungen
Ehr‘ und Ruhm, dieweil dein Schild
Mich vor Unfall hat verhüllt.

4. Ja, du hast bisher aus Gnaden
Mich mit Wohltat überladen,
Mich, der ich aus schwachem Sinn
Dir oft widerspenstig bin.
Hättest du nicht mein geschonet,
Und mir nach Verdienst gelohnet,
Wär‘ ich längst in stete Nacht
Und in’s Höllengrab gebracht.

5. Drum vergib mir meine Sünde,
Der ich mehr an mir befinde,
Als im Meer Sandkörnelein
Und am Himmel Sterne sein.
Lass auch deiner Engel Scharen
Mich noch ferner so bewahren,
Dass der schwarze Höllenmann
Mir mit List nicht schaden kann.

6. Leite mich auf deinen Wegen,
Lass mir das sein angelegen,
Was mein Stand und Wandel ist,
Wozu du mich hast erkiest.
Du, o Herr, wollst mein Studieren,
Meine Müh‘ und Fleiß regieren,
Dir zu Lob, zur Wahrheit Schutz
Und zu meines Nächsten Nutz.

7. Lenke meinen Mut und Sinnen,
Lass das üppige Beginnen
Gänzlich sein von mir verweist,
Gib mir einen reinen Geist;
Gib mir, Berr, gesunde Glieder,
Und was dir an mir zuwider,
Lass mich, bitt‘ ich, gänzlich nun
Durch dein‘ Hilfe von mir tun.

8. Gib, dass auch in fremden Landen
Gute Gönner sind vorhanden,
Die, wenn ich in Nöten sei,
Mir mit Hilfe springen bei.
Lass mich böse Leute fliehen,
Die mich von der Jugend ziehen,
Treib von mir der Wollust Sucht,
Gib mir Mäßigkeit und Zucht.

9. Endlich wenn die Zeit vorhanden,
Dass von’s Leibes Joch und Banden
Meine Seel durch’s Todes Hand
Jetzt soll werden ausgespannt:
So lass mich fein sanft verscheiden,
Führe mich zu Himmelsfreuden,
Da ich, samt der Engel Schar,
Dich kann loben immerdar.