Brockhaus, Carl – Du, Herr, hast unsre Schuld gesühnt

Du, Herr, hast unsre Schuld gesühnt;
am Kreuz trugst Du, was wir verdient,
trugst unsrer Sünden Menge.
Jetzt weilest Du im Heiligtum,
nicht auszusprechen ist Dein Ruhm
und Deines Lebens Länge.

Du bleibest Priester ewiglich,
vertrittst die Deinen kräftiglich,
die Himmel Du bewohnest.
Gericht und Tod uns nicht mehr schreckt,
Dein Blut uns allzeit schirmt und deckt,
weil Du, Herr, droben thronest.

Wer fasset Deiner Liebe Tat,
und wer ergründet Deine Gnad‘,
die uns so reich umgibet?
Selbst Engel Deinem Throne nahm
und beten staunend mit uns an,
daß Du uns so geliebet.

Und hast Du Deinen Dienst erfüllt,
wird unser Sehnen ganz gestillt,
dann wirst Du wiederkehren.
Führst uns zu Deiner Ruhe ein,
wo wir uns Deines Anblicks freun,
mit ew’gem Lob Dich ehren.

Weitere Texte des Autors in der „Glaubensstimme“

Blaurer, Thomas – Ein vatter unser.

HErr vatter, din sun Jesus Christ,
der unser bruder worden ist,
hat uns gleert dich erkennen,
Wiewol du bist imm himmel hoch,
unnd wir uff erd, das dannocht ouch
wir dich ein vatter nennen.
Darumb wir volgend diner leer,
und bittend, das din nam und eer
allein geheilget werde,
Das umb din göttlich lieb und trüw
unns unser sündtlich läben rüw
in diner forcht uff erden.

Keer dich zu uns und schick din rych,
in dinem geist mach unns gelych
zu recht unnd waarem glouben!
Schaff, das din will volstrecket werd
in dult unnd ghorsam hie uff erd
glych wie im himmel doben!
Gib täglich unns din heilig brot,
sterck dine kind in aller not
und predig uns din leere!
Spyß lyb und seel mit dinem wort,
so hat die menschlich sorg ein ort,
du must allein uns neeren!

Vatter, wir stond in diner huld,
so laß uns recht nach unser schuld,
wir wend ouch niemant nyden.
Du hast unns gliebt vor aller wält,
dadurch nun niemant des entgelt,
so wöllen wir uns lyden.
Doch must uns füren by der hand
unnd uns behüten vor der schand,
so uns anficht der fynde.
Darumb wend von uns ab das böß,
vom fleisch, hell, tüffel unns erlöß,
dass uns nit überwinde.

Wackernagel – Das deutsche Kirchenlied von Martin Luther bis auf Nicolaus Herman und Ambrosius Blaurer

Blaurer, Thomas – Ein gsang vor anfang der kinder predig

GElobet sey der Herre Gott,
ein vatter unser allen,
Der uns uß nicht geschaffen hat
und jm hat lassen gfallen,
Das wir yetz sind die liebsten kind,
im heilgen geist geboren
Durch Jesum Christ, ders läben ist,
sunst waren wir verloren.

So du dann unser vatter bist
und weist, was dinen kinden
Im ellend diser wält gebrist,
so gib, das wir dich finden
In gnaden all, das keins abfall,
das uns in glychem gemüte,
In ghorsamkeit vor allem leid
din heiligs wort behüte.

Zus beschlussz der kinder predig

DU hast uns lyb und seel gespyßt,
nun gib uns, das wir läben,
Das unser gloub und lieb dich pryß,
die uns din gnad muß geben,
Das durch din trüw die sünd und rüw,
und der uns hat gewäschen
Christus, din son, dann sin blut fron
hat uns die hell erlöschen.

Wackernagel – Das deutsche Kirchenlied von Martin Luther bis auf Nicolaus Herman und Ambrosius Blaurer

Blaurer, Thomas – Ein gsang uff Ostren zesingen.

Christ ist erstanden von dem tod,
Erquickt uß aller angst und nodt!
Ein küng in allen lande,
zerrissen sind all bande,
herrlich ist yetz sin schande!

Im glouben laßt uns zu jm ogn,
Es ist fürwar kein falscher won,
Er tragt noch sine wunden,
warhafft ist er erfunden
und trüw an sinen frunden.

Wo ist nun dergroß boch und zwang,
Den der ungloub geübt hat lang?
Christ was allein entschlaaffen:
mit sines wortes waaffen
wil er die wält yetz straaffen.

Biß wolgemut, du kleine herd,
In diner trübtnuß hie uff erd!
Du wirst ouch überwinden,
Gott halt ob sinen kinden,
starck gnug ist er den fynden.

Herr Jesu Christ, erweck unns ll,
Das unser keins von dir abfall,
Das wir uns nit versummen,
so du zu gricht wirst kummen
und samlen dine frummen.

Gib uns, das wir zu mittler zyt
Einer den andren hasse nit:
Wir sind all unnütz knechte
und von eim armen gschlechte,
wo uns nit hilfft din grechte.

Wackernagel – Das deutsche Kirchenlied von Martin Luther bis auf Nicolaus Herman und Ambrosius Blaurer

Blaurer, Thomas – Ein Christlich gsang – Von der Beschnydung.

GOtt hat ein ewig pündtnuß gstellt
mit Abraham und allen,
Die er jm selbst hat zuerzellt
nach sinem wolgefallen.

Die pündtnuß strackt sich in das fleisch
unnd solt doch on end blyben,
Darumb der gloub von Gott erheischt
mit menschheit sich verlyben.

An sinem lyb beschnitten ward
der knab, eins menschen kinde,
Uß sinem vatter, Gott von art,
vereint mit uns geschwinde.

Als nun das kind beschnitten was,
das fleisch müßt forther stärben,
Darumb ließ Christus töden das
und doch nit gantz verdärben.

Mit jm selbst hat er uferweckt
das fleisch in ewigs läben
Und also sinen pundt erstreckt,
sich uns für eigen geben.

Das er yetz unser ist und blybt
und uns nichts mag zertrennen,
Dann er jm selbst hat yngelybt
all, die Christum bekennnen.

Diß ist der pundt mit Abraham,
den wir in Christo lernen:
Sich hat gemert der edel stamm
über die zal der sternen.

Wackernagel – Das deutsche Kirchenlied von Martin Luther bis auf Nicolaus Herman und Ambrosius Blaurer

Blaurer, Ambrosius – Wie´s Gott gefällt, so g´fällt´s

1. Wie´s Gott gefällt, so g’fällt’s mir auch,
ich laß mich gar nicht irren.
Ob mich zuzeiten beißt der Rauch
und wenn sich schon verwirren
all Sachen gar,
weiß ich fürwahr:
Gott richt´s an seinem Tage.
Wie er´s will han,
muß ich bestahn;
soll´s sein, so sei´s – ohn Frage.

2. Wie´s Gott gefällt, so nehm ich´s hin,
das andre laß ich fahren.
Was nicht soll sein, stell ich dahin.
Gott will mich recht erfahren,
ob ich auch will
ihm halten still;
wird doch wohl Gnad bescheren.
Dran zweifl‘ ich nicht;
soll´s sein (sprech ich),
so sei´s; dem kann nichts wehren.

3. Wie´s Gott gefällt, laß ich´s geschehn,
ich will mich drein ergeben;
wollt ich seim Willen widerstehn,
umsonst wär all mein Streben,
dieweil fürwahr
all Tag und Jahr
bei Gott sind ausgezählet.
Ich schick mich drein; geschieht´s, soll´s sein;
so sei´s bei mir erwählet.

4. Wie´s Gott gefällt, so mag´s ergehn
in Lieb und auch im Leide;
dahin laß ich die Sachen stehn,
daß sie mir sollen beide
gefallen wohl;
darum mich soll
Ja oder Nein nicht schrecken.
Schwarz oder weiß,
soll´s sein, so sei´s!
Dann wird Gott Gnad erwecken.

5. Wie´s Gott gefällt, da läuft´s hinaus,
drob laß ich´s Vöglein sorgen;
kommt mir das Glück nicht heut ins Haus,
so wart ich fein auf morgen.
Was mir beschert,
bleibt unverwehrt,
ob sich´s schon tut verziehen;
mich nicht drum reiß.
Soll´s sein, so sei´s!
Will´s Gott, kommt´s ohne Mühen.

6. Wie´s Gott gefällt, nichts weiter will
von Gott ich sonst begehren;
Gott hat gestellet mir ein Ziel,
so lang wird müssen währen
das Leben mein.
Ich geb mich drein;
auf guten Grund will bauen
und nicht auf Eis.
Soll´s sein, so sei´s!
Will Gott allein vertrauen.

7. Wie´s Gott gefällt, so nehm ich´s an,
will um Geduld ihn bitten.
Gott ist allein, der helfen kann;
und wenn ich schon wär mitten
in Angst und Not,
läg gar am Tod,
so wird er mich wohl retten
g’waltigerweis.
Soll´s sein, so sei´s!
ich g’winn´s; wer nun wollt wetten!

Weitere Texte des Autors in der „Glaubensstimme“

Blaurer, Ambrosius – Wach auf, wach auf, ’s hohe Zeit

1. Wach auf, wach auf, ’s hohe Zeit,
Christ, sei mit deiner Hilf nicht weit!
Das wütend ungestüme Meer
läuft an mit Macht und drängt uns sehr.

2. Hilfst du nicht bald, so ist’s gescheh‘n,
zugrund wir müssen eilends geh‘n.
Bedroh‘ der Wellen wild Gebrüll,
so legt es sich und wird ganz still.

3. Ach Herr, um deines Namens Ehr
halt uns im Fried‘ bei deiner Lehr;
gib deiner Kirche gute Ruh,
Gesundheit und Gedeih‘n dazu.

4. Darüber auch das Allerbest:
daß wir im Glauben stark und fest
dich preisen und den Namen dein,
dir leben, dein lieb Völklein sein,

5. aus deinem Geist ganz neu geborn;
den gib uns, Herr, sonst ist’s verlorn.
Dies alles unser Herz begehrt,
wiewohl wir deren keins sind wert.

6. Haben das Widerspiel verschuld’t,
zum Zorn gereizt oft dein Geduld,
dein treue Warnung auch veracht‘,
all Zucht und Ehrbarkeit verlacht.

7. Und ist vielleicht das Maß jetzt voll,
daß unsre Sünde haben soll
verdiente Straf, so g’schieht uns recht
als einem ungetreuen Knecht.

8. Jedoch, dieweil dein Wort ist gut,
so wehr all derer Übermut,
die uns dabei nicht lassen stehn
und es vertrieben möchten sehn.

9. Mach uns vor ihnen nicht zum Spott;
die Sach ist dein, o starker Gott.
Gib uns den Feinden nicht zur Schand;
wir fallen gern in deine Hand.

10. Bekehr den Feind zu Christi Lehr,
daß er mit uns dich lob und ehr
und alle Welt des innewerd,
daß du groß Wunder tust auf Erd.

Weitere Texte des Autors in der „Glaubensstimme“

Blaurer, Ambrosius – MAg ich dem tod nit widerstan

Vom unerschrocknen absterben des glöubigen

MAg ich dem tod nit widerstan
und muß ich dran,
so will ich mich drin geben.
Obs fleisch ein kleine zeit abstirpt,
doch nit verdirpt,
mit geist muß wider leben,
Wirt schon verklärt, auch ewig wert
bim vatter min im leben sin:
solt ich dem widerstreben?

Das sey von mir gantz verr und weyt
zu aller zeit
recht sterben will ich lernen,
Und schicken mich mit glauben vest
uffs allerbest
und gantz zu Christo keren.
Dann er ist mein und ich bin sein,
sein blut und tod hilfft mir uß not:
solt ich min fröud nit meren?

Der vatter hat mir Christum gschenckt,
ans crutz gehenckt,
für mich müßt er auch sterben,
Uff das ich ewigs tods nit sturb
und nit verdurb,
das müßt sin son erwerben.
Ist das nit gunst, groß lieb umbsunst
vom vatter gut, an mir solchs thut,
macht mich sins richs zum erben.

Welchs Rich, gewalt und regiment
sich nimmer endt,
ist Christo übergeben,
Was Got vermocht, thut, hat und ist,
zewiger frist
mit Christo werd ich leben.
Dich will ich ern, din lob vermern
mit gantzer truw, on alle schüch
mit krafft will jm nachstreben.

In Christo ist all Götlich krafft,
gewalt und macht,
muß ewigklich regieren,
Mit Got dem vatter, heilgen geist
ein Got ist heißt
in herlicheit all eren
Regeneriert, glorificiert
in Got verlibt, ein wesen bleibt,
dahin wil ich mich keren.

Wackernagel – Das deutsche Kirchenlied von Martin Luther bis auf Nicolaus Herman und Ambrosius Blaurer
Weitere Texte des Autors in der „Glaubensstimme“