Opitz, Martin – Morgenandacht

O Licht, geboren aus dem Lichte,
O Sonne der Gerechtigkeit,
Du schickst uns wieder zu Gesichte
Die angenehme Morgenszeit;
Drum will uns gehören,
Dankbarlich zu ehren
Solche deine Gunst:
Gib auch unsern Sinnen,
Daß sie sehen können
Deiner Liebe Brunst.

Laß deines Geistes Morgenröthe
In unsern dunkeln Herzen seyn,
Daß sie mit ihren Strahlen tödte
Der eiteln Werke kalten Schein.
Siehe, Herr! wir wanken;
Thun und auch Gedanken
Gehn auf falscher Bahn.
Du owllst unserm Leben
Deine Sonne Geben,
Daß es wandeln kann.

Verknüpfe mit des Friedens Bande
Der armen Kirchen schwache Schaar;
Nimm weg von unserm Vaterlande
Verfolgung, Trübsal und Gefahr;
La0 uns ruhig bleiben,
Unsern Lauf zu treiben
Diese kleine Zeit,
Bis du uns wirst bringen,
Wo man dir soll singen
Lob in Ewigkeit.

Rambach – Anthologie christlicher Gesänge aus der alten und mittlern Zeit

Weisse, Michael – Der Tag bricht an

DEr tag bricht an und zeyget sich;
o Herre Gott, wir loben dich,
Wir dancken dir, du höchstes gut,
das du uns die nacht hast behüt!

Bitten dich auch, behüt uns heut,
denn wir seind alhie bilgersleut,
Steh uns bey, thu hülff und bewar,
das uns keyn ubel widerfar!

O regier uns mit starcker handt,
auff dz dein werck in uns erkannt,
Dein Namen durch glaubreych geberd
in uns Heylig erweyset werd.

Hilff, das der Geyst zuchtmeyster bleyb,
das arge fleysch so zwing und treyb,
Das sichs nicht so gar ungestüm
erheb und ewiglich verthum.

Sterck jn, das er all ubel schwech,
des fleysches mut und willen brech,
Das sichs nicht inn wollust ergeb
und wie vorhyn inn sünden leb.

Versorg uns auch, o Herre Gott,
auff diesen tag nach aller not,
Teyl uns deinn milten segen aus,
denn unser sorg richtet nichts auß.

Gib deinn segen auff unser thun,
fertig unser arbeyt und lohn
Durch Jesum Christum, deinen Son,
unsern Herren für deinem thron. Amen.

Spieker, Christian Wilhelm – Gott, du Licht, das ewig bleibet

Gott, du Licht, das ewig bleibet,
Das ohn‘ allen Wechsel ist,
Das die Finsterniß vertreibet,
Der du bleibest, wie du bist:
Ich verlasse meine Ruh;
Rufe: Werde Licht! mir zu,
Daß ich, der ich Nacht und Erde,
Durch dein Licht verkläret werde!

Wecke, da der Leib geschlafen,
Auch die Seele geistlich auf;
Gieb ihr deines Lichtes Waffen,
Richt‘ und leite ihren Lauf;
Laß mich sein des Lichtes Kind,
Hilf mir, weil ich geistlich blind,
Jesu, daß ich wieder sehe
Und in deinem Lichte gebe.

Schenke mir, Herr, und gewähre.
Was die arme Seele füllt;
Ach, erneure und verkläre
Stets in mir mein Ebenbild!
Sende mir den Geist der Kraft,
Der ein neues Leben schafft,
Daß ich himmlisch auf der Erde
Und ein Geist mit Christo werde.

Segne meiner Hände Werke,
Fördre mich in meiner Pflicht,
Bleibe meiner Schwachheit Stärke,
Meines Lebens Kraft und Licht;
Laß mein Lebensziel allein
Deines Namens Ehre sein;
Hilf, daß ich stets wahre Liebe
Gegen meinen Nächsten übe.

Führ‘ mich einst zu jenem Lichte
Deiner höchsten Majestät,
Wo vor deinem Angesichte
Die verklärte Seele steht,
Heller als der Sonnenschein,
Schön, unsterblich, engelrein;
Laß sie sein mit dir vereinet,
Wenn mein letzter Tag erscheinet.

Spieker, Christian Wilhelm – Höchster Gott! durch deinen Segen

Höchster Gott! durch deinen Segen
Konnt‘ ich fröhlich und gesund
Diese Nacht zurücke legen;
Also preist dich Herz und Mund.
Denn du willst für alle Treu
Nichts, als daß man dankbar sei.

Segne heute mich vom neuen,
Weil du segnen kannst und mußt;
Denn mit Wohlthat zu erfreuen,
Das ist deine Herzenslust,
Und du machst die milde Hand
Täglich aller Welt bekannt.

Segne mich mit deinem Geiste,
Daß er heut‘ mit seiner Kraft
Meinem Glauben Beistand leiste,
Daß er gute Werke schafft
Und dem Bösen insgemein,
Mag ein wackrer Gegner sein.

Segne mich mit deinem Worte,
Schreib es in mein Herz hinein,
Daß es mag an jedem Orte
Meines Wandels Richtschnur sein.
Leuchtet mir dies Lebenslicht,
O so fehl‘ und fall‘ ich nicht.

Segne mich in meinem Stande,
Zeuch mein Herz mit Klugheit an,
Daß ich solchen ohne Schande
Und mit Ehren führen kann.
Gieb dazu mein täglich Brod
Und was irgend sonst mir noth.

Segne mich in Kreuz und Leiden
Mit Vertrauen und Geduld;
Segne mich in Glück und Freuden
Mit dem Reichthum deiner Huld;
Daß ich dir im Kreuz getreu
Und im Glück voll Demuth sei.

So will ich für allen Segen
Lob und Ehre, Preis und Dan!
Dir zu deinen Füßen legen
Und es thun mein Leben lang;
Ais ich mit den Engeln dort
Vor dir jauchze fort und fort.

Weisse, Michael – ES geht daher des tages schein

ES geht daher des tages schein,
o Brüder, last uns danckbar sein
Dem gütigen und milten Gott,
der uns diese nacht bewart.

Last uns Gott bitten diese stund,
hertzlich singen mit gleychem mund,
Begeren, das er uns auch wolt
bewaren heut inn seiner huld.

Sprechend: O Gott von ewigkeyt,
der du uns auß barmhertzigkeyt
Mit deiner grossen krafft und macht
bewaret hast inn dieser nacht:

Du woltest uns durch deinem Son
an diesem tag auch hülffe thun,
Die feind uns nicht lassen fellen,
so unsren seelen nach stellen.

O Herre Gott, nimm unser war,
sey unser wechter immerdar,
Unser schützherr und regierer,
ja auch König und heerfürer.

Wir opffern uns dir, Herre Gott,
das du unser hertz, wort und that
Woltest leyten nach deinem mut,
das für dir sey außbündig gut.

Das sey dir heut inn deinem Son
zum frü opffer für deinem thron,
Darauff wir nu zu deinem lob
mögen geniessen deiner gab. Amen.

Krummacher, Friedrich Adolf der Ältere – Die dunklen Schatten fliehen

Die dunklen Schatten fliehen,
Der Morgenhimmel glänzt;
Der Berge Spitzen glühen
Vom jungen Licht umkränzt.
Sey uns gegrüßt, du holdes Licht!
Du säumest, doch verläßst uns nicht.

Das Gute kommt von oben;
Da wohnt des Lichtes Quell!
Wo Morgenstern‘ ihn loben,
da ist es ewig hell.
Wir wandeln hier im dunkeln Thal;
Doch leuchtet uns des Himmels Strahl.

O Vater, sende Segen
Auf deiner Kinder Schaar!
Uns leucht‘ auf dunklen Wegen
Dein Antlitz immerdar.
Erhebe du dein Angesicht,
Verlaß uns nicht, verlaß uns nicht!

Rambach – Anthologie christlicher Gesänge aus allen Jahrhunderten der Kirche

Hermann, Nikolaus – Der Morgen segen,

//Im thon, Wo Gott nicht gibt zum haus etc.//

1. Die helle Sonn leucht jtzt herfür,
Frölich vom schlaff auffstehen wir,
Gott lob, der vns heint diese nacht
Behüt hat fur des Teuffels macht.

2. Herr Christ, den tag vns auch behüt
Für sünd vnd schand durch deine güt,
Las deine lieben Engelein
Vnser hüter vnd wechter sein,

3. Das vnser hertz in ghorsam leb,
Deim wort vnd wiln nicht widerstreb,
Das wir dich stets für augen han
In allem, was wir heben an.

4. Las vnser werck geraten wol,
Was ein jeder ausrichten sol,
Das vnser arbeit, müh vnd vleis
Gereich zu deim lob, ehr vnd preis.

AMEN.

Weisse, Michael – Der Tag vertreybt die finster nacht,

Der Tag vertreybt die finster nacht,
o Brüder, seyt munter und wacht,
dienet Gott dem Herren!

Die Engel singen immerdar
und loben Gott inn grosser schar,
der alles regieret.

Die hann und vogel mancherley
loben Gott mit jrem geschrey,
der sie speyst und kleydet.

Der Himel, die erd und das meer
geben dem Herren lob und ehr,
thun sein wolgefallen.

Alles, was ye geschaffen ward,
ein itzlich ding nach seiner art,
preiset seinen schöpffer.

Ey nu, mensch, so Edle natur,
O vernünftige Creatur,
sey nicht so verdrossen!

Gedenck, das dich dein Herre Gott
zu seinem bildt geschaffen hat,
das du jn erkennest,

Und lieb hettest aus hertzen grund,
auch bekennest mit deinem mund,
sein also genössest.

Weyl du nu seinen Geyst gekost
und seiner gnad genossen hast,
so danck jm von hertzen.

Sey munter, bett mit fleyß und wach
sih, daß du stetz inn seiner sach
trew werdest befunden.

Du weyst nicht, wenn der Herre kömpt
denn er dir keine zeyt bestimpt,
sonder stetz heyst wachen.

So üb dich nu in seinem Bund,
lob jn mit hertzen, that und mund,
danck jm seiner wolthat.

Sprich: O Vater inn ewigkeyt,
ich danck dir aller gütigkeyt,
mir biß her erzeyget

Durch Jesum Christum, deinen Son,
welchem sampt dir im höchsten thron
all Engel lobsingen.

Hilff Herr, das ich dich gleicherweyß
von nun an allzeyt lob und preyß
inn ewigkeyt, amen.

Zwick, Johannes – All Morgen ist ganz frisch und neu

1. All Morgen ist ganz frisch und neu
des Herren Gnad und große Treu;
sie hat kein End den langen Tag,
drauf jeder sich verlassen mag.

2. O Gott, du schöner Morgenstern,
gib uns, was wir von dir begehrn:
Zünd deine Lichter in uns an,
laß uns an Gnad kein Mangel han.

3. Treib aus, o Licht, all Finsternis,
behüt uns, Herr, vor Ärgernis,
vor Blindheit und vor aller Schand
und reich uns Tag und Nacht dein Hand,

4. zu wandeln als am lichten Tag,
damit, was immer sich zutrag,
wir stehn im Glauben bis ans End
und bleiben von dir ungetrennt

Spitta, Carl Johann Philipp – Im Osten flammt empor der goldne Morgen

Im Osten flammt empor der goldne Morgen,
Und alles, was die finstre Nacht verborgen,
Wird offenbar, erhellt vom Sonnenlicht;
Und all die Wälder, all die Höhn und Tiefen,
Die eingehüllt im Nebelbette schliefen,
Stehn glänzend vor der Sonne Angesicht.

Leucht in mein Herz und gib mir Licht und Wonne,
Mein Jesu, meines dunklen Herzens Sonne,
Erwecke drin den hellen Tagesschein,
O offenbar mir die vielen Falten
Des Herzens, das nach dir sich muß gestalten
Und in dein heilig Bild verkläret sein.

In deinem Lichte laß mich heute wandeln,
In deiner Liebeswärme laß mich handeln,
Wie eine neu belebte Kreatur,
Die auch durch eine neue Lebensweise
Den Schöpfer ihres neuen Lebens preise,
Und leb zu seinem Lob und Ruhme nur.

Ich bitte nicht: Nimm weg des Tages Plagen!
Nein, um die Liebe bitt ich, sie zu tragen,
Und um den Glauben, daß mir alles frommt,
Daß alles sich zu meinem Heil muß wenden,
Weil alles mir aus deinen lieben Händen
Und deinem segensreichen Herzen kommt.

Ich bitte nicht: Gib mir viel äußre Stille!
Nein, Herr, auch hier geschehe ganz dein Wille;
Doch bitt ich: Gib ein kindlich stilles Herz!
Zieht mich die Erde in ihr irdsches Treiben,
So laß mein Herz doch stets dein eigen bleiben,
Zieh’s von der Erde zu dir himmelwärts.

Ich bitte nicht: O ende du recht frühe
Des Erdenlebens Angst und Not und Mühe!
Nein, sei mein Frieden in derErdennot.
Ich bitte nicht: Laß bald dein Reich mich erben!
Nein, eh ich sterb, laß mich der Sünde sterben,
Und werde du recht meiner Sünde Tod.

Du rechte Morgensonne meines Lebens,
O leuchte mir denn heute nicht vergebens,
Sei du mein Licht, wenn ich im Dunkel steh,
Umleuchte mich mit Glanz und Heil und Wonne,
Daß ich mit Freuden in die Abendsonne
Am Ende meiner Erdenwallfahrt seh.