Ringwald, Bartholomäus – Ein Gebet am neuen Jahre.

Im Ton: Ein Kindelein so löbelich.

1. Gott Vater, der du deinen Sohn
In unser Fleisch gesenket,
Und ihn als deines Hauptes Kron
Aus Lieb uns hast geschenket,
Dass er der Menschen Sünd und Schuld
Mit dir in sich versühnen sollt
Und das Gesetz erfüllen,
Auf dass sein Fluch, samt aller Bürd
Der Höllen aufgehoben würd
Um seines Leidens willen.

2. Gib Gnad, dass wir die Ehrung dein
Mit Lust und Dank annehmen
Und uns im Kreuz des Namens sein
In keinen Läuften schämen,
Sondern dieselben mit dem Mund
Zur Seligkeit aus Herzensgrund
Vor aller Welt bekennen,
Und zu ihm in der höchsten Not.
Es sei im Leben oder Tod,
Mit wahrem Glauben rennen.

3. Bescher uns auch ein fröhlich Zeit
Zu diesem neuen Jahre,
Und deine arme Christenheit
Vors Feindes Schwert bewahre,
So wohl vor Wasser, Pest und Feur,
Vor Hagel und vor Brötung teur1Teuerung,
Vor Mördern und vor Dieben,
Vor schnellem Tod, Sünd, Hass und Neid,
Dass wir in Fried und Einigkeit
Einander mögen lieben.

4. Der Obrigkeit nach allem Stand
Mit deiner Gnaden walte,
Die Prediger in unserm Land
Bei reiner Lehr erhalte.
Kirch, Rathaus, Schul und ganz Gemein
Lass dir, o Herr, befohlen sein,
Samt Weib, Gesind und Kinden;
Daneben schütz auch unser Vieh
Und was wir sonst mehr haben hie,
Dass es nicht mög verschwinden.

5. Wo unser ein in diesem Jahr
Ein Unfall soll bekommen,
Oder aus diesem Leben gar
Zu dir würd aufgenommen,
So gib Geduld eim jedermann,
Dass er sein Kreuz ertragen kann,
Und in dem Glauben siege,
Und mit dem Blut des Sohnes dein
Besprengt in seinem Kämmerlein
Ganz wohl bewahret liege. Amen.

Ringwald, Bartholomäus – Ein Gebet nach dem Evangelio am Sonntag nach dem Christtage.

Im Ton: Es ist das Heil uns kommen her.

1. Herr Christe, weil in deinem Reich
Das liebe Kreuz muss schweben
Und wir dir müssen werden gleich
In diesem armen Leben,
Auf dass wir in der Klarheit dein
Dir wieder mögen ähnlich sein
Als Glieder deines Leibes.

2. Verleih uns Kraft und starken Mut,
Ganz ritterlich zu kämpfen,
Wenn uns die Welt an Gut und Blut
Will deinetwegen dämpfen,
Dass wir aus Lieb des Wortes dein
Verachten alle Angst und Pein
Und fröhlich auf dich sterben.

3. Gib uns Geduld in allem Leid,
Hilf uns das Kreuze tragen,
Dass wir aus Fleisches Blödigkeit
Nicht übrig mögen zagen,
Sondern durch deinen Geist gerüst
Dasjenig, was uns wider ist,
Im Glauben überwinden.

4. Tu dich auch an den Feinden dein,
Die dir stets widersprechen
Und hoch betrüben dein Gemein,
Mit starken Armen rächen;
All ihren Frevel ihnen zahl
Und stürz sie in die ewig Qual,
Dem Namen dein zu Ehren. Amen.

Ringwald, Bartholomäus – Ein Gebet nach dem Evangelium am 4. Advent.

Im Ton: Nun freut euch, liebe Christen gmein.

1. O Jesu Christ, des Vaters Glanz,
Ein Licht der armen Heiden,
Gib, dass wir unsre Herzen ganz
In deiner Fülle weiden,
Und stracks auf dich, dein Wort und Tod
Uns halten in der letzten Not
Und fröhlich darauf sterben.

2. Denn du bist durch dein Gerechtigkeit
In deiner Kraft und Stärke
Ein Ursach unsrer Seligkeit,
Nicht unser Tun und Werke;
Du, du allein mit deinem Blut
Hast uns von Sünd und Höllenglut
Gewaltiglich erlöset.

3. Hilf, dass solch Amt und Ehre dein
Wird allenthalb gerühmet,
Und nicht durch losen Heuchelschein
So jämmerlich vertümet1verwerfen, verdammen,
Als wohl der Papst aus stolzem Mut
Mit seinen Jesuiten tut,
Die hin und wieder schleichen.

4. Behüt uns, HErr, vor ihrem Gift,
Vor ihrem Mord und Lügen,
Und gib, dass wir an Pauli Schrift
uns lan allein genügen,
Die uns dein Knecht Lutherus klar,
Welcher der deutsch Elias war,
Recht gründlich hat erkläret. Amen.

Ringwald, Bartholomäus – Ein Gebet nach dem Evangelium am 3. Advent.

Im Ton: Es ist das Heil uns kommen her.

1. O du getreuer Jesu Christ,
Wahr Gott in unserm Fleische,
Der du der recht Messias bist,
Der ganzen Welt verheißen,
Und außer dir kein ander Held
zu warten steht auf dieser Welt,
Als wohl die Juden sagen.

2. Hilf, dass wir dich als Diener treu
Mit Herz und Mund bekennen,
Und uns von dir kein Lieb noch Scheu
Durch Ärgernis lan trennen,
Sondern stracks bei dem Worte dein
Verharren und drauf schlafen ein,
Wie Sankt Johann der Täufer.

Rinkart, Martin – Kreuz-Gebetlein.

1. Ach Gott, mein treuer Gott,
Darf ich mein Elend klagen?
Und wie mir’s ist ums Herz,
Wie kannst du mich so plagen,
Mich dein betrübt Geschöpf,
Und schwache Kreatur,
Die voller Elend schon
Und Jammer von Natur.

2. Und muß noch solche Pein
Und große Schmerzen tragen,
Die du viel besser weißt,
Als ich sie weiß zu sagen,
Wo ist dein treues Wort
Und alter Vaters-Ruhm?
Was hilft mir denn zuletzt
Mein Glaub und Christentum?

3. Ach solltest du dein Kind
Dich lassen nicht erbitten,
Und deines Eifers Grimm
Vielmehr auf Leute schütten,
Die dich und deinen Sohn,
Und sein Heilwertig Wort
Erkannt und unerkannt
Verlästern fort und fort.

Rinkart, Martin – Friedens-Gebetlein

1. Du Himmels- Friede-Fürst,
Der du von Gott gekrönet,
Und der du uns mit ihm
In Ewigkeit versöhnet,
Gib den Versöhnungs- Bund
Mir ja in Lieb und Leid
In mein betrübtes Herz,
So hab ich Fried und Freud.

2. Du Himmels- Friede-Fürst,
Der du für mich gestorben
Und mir den Friedens-Schatz
Und aller Welt erworben.
Nimm doch einmal von mir
Das Zank- und Hader-Joch,
Und laß mich doch zuletzt
Im Friede sterben noch

3. Du Himmels-Friede- Burg,
Hast dich uns aufgeschlossen,
Und Satans Reich und Heer
Zur Höllenburg verstoßen.
Laß bei mir nimmermehr
Den Frieden-Störer ein,
Und mich aus deinem Schloss
Unausgeschlossen sein.

Rinkart, Martin – Singestunden-Gebetlein.

1. O Jesu Gottes Söhnelein,
Du herzgeliebtes Brüderlein,
Dieweil von deiner Gnaden-Gunst
Herkommet alle Lehr‘ und Kunst:

2. So hilf, daß erst in uns dein Wort
Bekleib und bleibe fort und fort;
Und denn auch freier Künste Lehr
Zu unserm Heil und deiner Ehr;

3. Zumal die Kunst, die ewig bleibt,
Und uns den Trauer-Geist vertreibt:
So wollen wir dich allermeist
Samt Vater und dem heilgen Geist

4. Mit fröhlichem Klang und Gesang
Ansingen unser Leben lang:
Und dort erst in der Engel Schar
Recht herrlich preisen immerdar. Amen.

Unbekannt – Ich ruf‘ zu dir, Herr Jesu Christ!

Ich ruf‘ zu dir, Herr Jesu Christ!
Ich bitt‘, erhör‘ mein Klagen,
Verleih‘ mir Gnad‘ zu dieser Frist,
Laß mich doch nicht verzagen!
Den rechten Weg, o Herr, ich mein‘;
Den wolltest du mir geben,
Dir zu leben,
Mei’m Nächsten nütz‘ seyn,
Dein Wort zu halten eben.

Ich bitt‘ noch mehr, o Herre Gott;
Du kannst es mir wohl geben:
Daß ich nicht wieder werd‘ zu Spott!
Die Hoffnung gieb daneben,
Voraus wenn ich muß hie davon.
Daß ich dir mög‘ vertrauen,
Und nicht bauen
Auf alles mein Thun;
Sonst würd’s mich ewig reuen.

Verleih‘, daß ich aus Herzengrund
Mein’n Feinden mög‘ vergeben!
Verzeih‘ mir auch zu dieser Stund‘,
Schaff‘ mir ein neues Leben!
Dein Wort mein‘ Speis‘ laß allweg‘ seyn,
Damit mein‘ Seel zu nähren,
Mich zu wehren,
Wenn Unglück geht her,
Das mich bald mögt‘ verkehren.

Laß mich kein‘ Lust noch Furcht von dir
In dieser Welt abwenden;
Beständig seyn in’s End‘, gieb mir;
Du hast’s allein in Händen!
Und wem du’s giebst, der hat’s umsonst;
Es mag niemand erwerben
Noch ererben
Durch Werke dein‘ Gnad‘,
Die uns errett’t vom Sterben.

Ich lieg‘ im Streit und widerstreb‘;
Hilf, o Herr Christ, dem Schwachen!
An deiner Gnad‘ allein ich kleb‘;
Du kannst mich stärker machen.
Kommt nu Anfechtung her, so wehr,
Daß sie mich nicht umstoße!
Du kannst’s maßen,
Daß mir’s nicht bringt G’fahr!
Ich weiß, du wirst’s nicht lassen.

Selneccer, Nikolaus – Ein Betlied zu Christo.

Nach eigener Melodie.

Allein nach dir, Herr Jesu Christ, verlanget mich,
Weil ich hie leb in dieser Welt auf Erden.
Allein an dich, Herr Jesu Christe, glaube ich,
Hoffend gewiß, der Himmel soll mein werden,
Den du erworben
Mit deinem Blute,
Am Kreuz gestorben
Mir zu gute.
O du Lamm Gottes,
Erhör mein herzliches Flehen,
Mein Augen gen Himmel sehen.
Tröst mich mit deinen Geist, o Herr Gott,
Hilf mir in meiner Noth.
Wenn ich von hinnen fahre,
Mein Seel wollst du bewahren.
Denn in dem Tod und auch im Leben
Hab ich je dir ergebn,
O Herre Jesu Christe,
Mein Seel in deine Hände.
Nimms in deine Hände.