unbekannt – Der Herr bricht ein um Mitternacht

Mel. Ich singe Dir mit Herz und Mund.

Der Herr bricht ein um Mitternacht;
Jetzt ist noch Alles still.
Wohl dem, der sich nun fertig macht,
Und Ihm begegnen will!

Er hat es uns zuvorgesagt
Und einen Tag bestellt:
Er kommt, wenn Niemand nach Ihm fragt,
Noch es für möglich hält.

Wie liegt die Welt so blind und todt!
Sie schläft in Sicherheit,
Und meint, des großen Tages Noth
Sei noch so fern und weit.

Sind eure Lampen rein und voll?
Brennt euer Glaubenslicht,
Wenn nun der Aufbruch kommen soll,
Daß uns kein Oel gebricht?

So wache denn, mein Herz und Sinn,
Und schlummre ja nicht mehr!
Blick täglich auf Sein Kommen hin,
Als ob es heute wär!

Der Tag der Rache nahet sich;
Der Herr kommt zum Gericht,
Du, meine Seele, schicke dich,
Steh, und verzage nicht!

Dein Theil und Heil ist schön und groß,
Steh auf! du hast es Macht.
Ergreif im Glauben du das Loos,
Das Gott dir zugedacht!

Der Herr bricht ein um Mitternacht;
Jetzt ist noch Alles still.
Wohl dem, der sich nun fertig macht
Und Ihm begegnen will!

Hubert, Konrad – Conditor alme syderum

„Hymnus von der zuokunft Christi unsers Herren ins fleische.“

(„Das Newer und gemehret Gesangbüchlin rc. Getruckt zuo Strasburg bey Thiebolt Berger, am Barfüsser platz, Anno 1559,“) in 8°. Seite V. Erst im Straßburger Gesangbuch von 1568 steht der Name, Cuonrad Huober.)

WEltschöpffer, Herr Gott, Jesu Christ,
ein ewigs liecht den deinen bist,
Ein allgemeiner Heiland gut:
erhör die bitt, die dein volck thut.

Du hast bejamert inniglich
der Welt verderben undersich,
Uns gantz verlornen thetstu rath
und schanckst uns alle missethat.

Als nun die Welt zum abend sties,
sein gmach der himlisch Breutgam lies,
Geborn von einer Jungfraw zart,
die wunderbar sein muter ward;

Des macht und krafft so schrecklich ist,
das sich vor jhr zu aller frist
Gantz dienstlich biegen alle knew
im himel und auff erden frey.

Die Son den Nidergang bewart,
der Mon behelt sein bleichlecht art,
Die Sternen durch die leuchten klar
in steiffem lauff gantz wunderbar.

Nun bitten wir dich, heilger Christ,
dieweil du Richter künfftig bist,
Beschirm uns vor des teüffels trug,
mit gnaden allzeit auff uns lug.

Lob, ehr und preis mit freüden thon
Got Vattern sey und seinem Son,
Dem heilgen Geist zugleich bereit
von nun an biß in ewigkeit. Amen.

Wackernagel – Das deutsche Kirchenlied von Martin Luther bis auf Nicolaus Herman und Ambrosius Blaurer

Freder, Johann – Van der Thokumpst unses Herrn Jesu Christi.

CHristus thokumpst ys vorhanden,
dat gelöuet alle fry;
Teken ghan in allen Landen
mit einem groten geschrey;
He wert hernedder vallen
op einer Wolcken klar,
mit der Bassunen schallen,
rundt in der Engel schar.

Godts thorn ys gruwsam und sware
all dar he auerkümpt,
Im Helschen vür möten se ydt betalen,
ewich ahn dach und stundt,
Unde möthen alle tydt bernen
und doch nicht seruen dodt,
und alltydt ropen und kamen
all in der Hellen glodt.

Jesu, du bist myn Vortreder,
van Godt dem Vader gesandt,
Du heffst vor my geleden,
an ein swar Crütz gehangt:
Darup wil ick löuen und truwen,
du heffst vorgaten dyn Blodt,
und wil darümme nicht schuwen
vor Düuel, Helle und dodt.

Du trost der bedröueden hepten,
du eddele glantz und schyn,
Nim van my angst und smerten
dorch Jesum, das Lemmelin,
So wil ick frölick steruen
uth rechtem herten grunt,
uth gnad dat Ryke eruen
allhyr tho desser stundt. Amen.

Walter, Johann – Der Bräut’gam wird bald rufen

1. Der Bräut’gam wird bald rufen:
Kommt all‘, ihr Hochzeitsgäst‘!
Hilf, Gott, daß wir nicht schlafen,
In Sünden schlummern fest,
Bald hab’n in unsern Händen
Die Lampen, Öl und Licht
Und dürfen uns nicht wenden
Von deinem Angesicht.

2. Da werden wir mit Freuden
Den Heiland schauen an,
Der durch sein Blut und Leiden
Den Himmel aufgetan,
Die lieben Patriarchen,
Propheten allzumal,
Die Märt’rer und Apostel
Bei ihm, ein‘ große Zahl.

3. Die werden uns annehmen
Als ihre Brüderlein,
Sich unser gar nicht schämen,
Uns mengen mitten ein.
Wir werden alle treten
Zur Rechten Jesu Christ,
Als unsern Gott anbeten,
Der unsers Fleisches ist.

4. Gott wird sich zu uns kehren,
Ein’m jeden setzen auf
Die güldne Kron‘ der Ehren
Und herzen freundlich drauf,
Wird uns an sein‘ Brust drücken
Aus Lieb‘ ganz väterlich,
An Leib und Seel‘ uns schmücken
Mit Gaben mildiglich.

5. Da wird man hören klingen
Die rechten Saitenspiel‘;
Die Musikkunst wird bringen
In Gott der Freuden viel.
Die Engel werden singen,
All‘ Heil’gen Gottes gleich,
Mit himmelischen Zungen
Ewig in Gottes Reich.

6. Er wird uns fröhlich leiten
Ins ew’ge Paradeis,
Die Hochzeit zu bereiten
Zu seinem Lob und Preis.
Da wird sein Freud‘ und Wonne
In rechter Lieb‘ und Treu‘
Aus Gottes Schatz und Bronne
Und täglich werden neu.

7. Also wird Gott erlösen
Uns gar aus aller Not,
Vom Teufel, allem Bösen,
Von Trübsal, Angst und Spott,
Von Trauern, Weh und Klagen,
Von Krankheit, Schmerz und Leid,
Von Schwermut, Sorg‘ und Zagen,
Von aller bösen Zeit.

Walter, Johann – Herzlich tut mich erfreuen

1. Herzlich tut mich erfreuen
die liebe Sommerzeit,
wenn Gott wird schön erneuen
alles zur Ewigkeit.
Den Himmel und die Erde
wird Gott neu schaffen gar,
all Kreatur soll werden
ganz herrlich, schön und klar.

2. Kein Zung kann je erreichen
die ewig Schönheit groß;
man kann’s mit nichts vergleichen,
die Wort sind viel zu bloß.
Drum müssen wir solchs sparen
bis an den Jüngsten Tag;
dann wollen wir erfahren,
was Gott ist und vermag.

3. Da werden wir mit Freuden
den Heiland schauen an,
der durch sein Blut und Leiden
den Himmel aufgetan,
die lieben Patriarchen,
Propheten allzumal,
die Märt’rer und Apostel
bei ihm in großer Zahl.

4. Also wird Gott erlösen
uns gar von aller Not,
vom Teufel, allem Bösen,
von Trübsal, Angst und Spott,
von Trauern, Weh und Klagen,
von Krankheit, Schmerz und Leid,
von Schwermut, Sorg und Zagen,
von aller bösen Zeit.

5. Er wird uns fröhlich leiten
ins ewig Paradeis,
die Hochzeit zu bereiten
zu seinem Lob und Preis.
Da wird sein Freud und Wonne
in rechter Lieb und Treu
aus Gottes Schatz und Bronne
und täglich werden neu.

6. Da wird man hören klingen
die rechten Saitenspiel,
die Musikkunst wird bringen
in Gott der Freuden viel,
die Engel werden singen,
all Heilgen Gottes gleich
mit himmelischen Zungen
ewig in Gottes Reich.

7. Mit Gott wir werden halten
das ewig Abendmahl,
die Speis wird nicht veralten
auf Gottes Tisch und Saal;
wir werden Früchte essen
vom Baum des Lebens stets,
vom Brunn der Lebensflüsse
trinken zugleich mit Gott.

8. Wir werden stets mit Schalle
vor Gottes Stuhl und Thron
mit Freuden singen alle
ein neues Lied gar schön:
„Lob, Ehr, Preis, Kraft und Stärke
Gott Vater und dem Sohn,
des Heilgen Geistes Werke
sei Lob und Dank getan.“

9. Ach Herr, durch deine Güte
führ mich auf rechter Bahn;
Herr Christ, mich wohl behüte,
sonst möcht ich irregahn.
Halt mich im Glauben feste
in dieser bösen Zeit,
hilf, daß ich mich stets rüste
zur ewgen Hochzeitsfreud.

Spitta, Carl Johann Philipp – Wie wird uns sein

Wie wird uns sein, wenn endlich nach dem schweren,
doch nach dem letzten ausgekämpften Streit
wir aus der Fremde in die Heimat kehren
und einziehn in das Tor der Ewigkeit;
wenn wir den letzten Staub von unsern Füßen,
den letzten Schweiß vom Angesicht gewischt
und in der Nähe sehen und begrüßen,
was oft den Mut im Pilgertal erfrischt!

Wie wird uns sein, wenn wir vom hellen Strahle
des ew’gen Lichtes übergossen stehn
und, o der Wonne! Dann zum ersten Male
uns frei und rein von aller Sünde sehn;
wenn wir durch keinen Makel ausgeschlossen
und nicht zurückgescheucht von Schuld und Pein,
als Himmelsbürger, Gottes Hausgenossen,
eintreten dürfen in der Sel’gen Reih’n!

Wie wird uns sein! O was kein Aug gesehen,
kein Ohr gehört, kein Menschensinn empfand,
das wird uns werden, wird an uns geschehen,
wenn wir hineinziehn ins gelobte Land.
Wohlan, den steilen Pfad hinangeklommen!
Es ist der Mühe und des Schweißes wert,
dahin zu eilen und dort anzukommen,
wo mehr, als wir verstehn, der HErr beschert!.

Mathesius, Johann – Errett uns, lieber Herre Gott

Bitte um ein baldiges seliges Ende

Errett uns, lieber Herre Gott,
Von Sünd, Teufel und ewigem Tod,
Wenn Christus sein Gerichte hält,
Im Feuer spannen wird die Welt!

Auf diesen Tag hoffen wir all;
Laß hören der Posaunen Schall!
Dann kommt zu Ruh und wird erquickt,
Was jetzt von Sünd und Tod erschrickt.

Voll Ehr und Freud ist dieser Tag,
Da hört auf Jammer, Noth und Klag,
Unser Erlösung wird angehn,
Wenn wir zu Christi Rechten stehn.

O g’rechter Richter, Jesu Christ,
Der du unser Erlöser bist,
Erschein und rett dein Häuflein klein,
Die mit deim Blut besprenget sein.

Komm bald, du Heiland aller Welt,
Dein Blut ist unser Lösegeld.
Jetzund sind wir der Sünden Knecht,
Der Glaub allein macht uns gerecht.

Komm bald, führ uns heim in dein Reich,
Mach uns aus Gnad deim Bilde gleich
In Weisheit, Kraft und Herrlichkeit,
Dann preist man dich in Ewigkeit!

Klaiber, Karl Friedrich – Evangelische Volksbibliothek

Hiller, Philipp Friedrich – Der Tag bricht wie ein Fallstrick ein

Mel.: HErr Jesu Christ, mein’s etc.

1.
Der Tag bricht wie ein Fallstrick ein, O laßt uns ja nicht sicher sein!
Vergeblich heult, wer erst erschrickt, Indem man ihn zum Feu’r bestrickt.

2.
Gefährlich ist die Sicherheit; Gott ist ein Gott, der täglich dräut,
Und eh’ Ihm noch der Frevler glaubt, Fällt schon sein Frevel auf sein Haupt.

3.
Denk nicht: den Tag erleb’ ich nicht; Am Tag des Tod’s hängt dein Gericht,
Wirft der den Strick dir plötzlich an, Was hast du, das dich retten kann?

4.
Ach, treuer Heiland, binde mich Mit Liebesfeilen fest an Dich,
So schläfert mich mit ihrem Wein Die Welt nicht, noch die Hure ein.

5.
Weck’ Du mich stets, so mach’ ich fort; Mein Honig sei Dein süßes Wort,
Das Augen wacker machen kann; So sieg’ ich auch, wie Jonathan.

6.
Wie gut ist’s, wer mit Dir bekannt; Den reißt kein Strick Dir aus der Hand;
Den trennt auch nicht der schnellste Tod, Und kein Gericht und keine Noth.

7.
Hängt meine Seele stets an Dir, So ist Dein Wort mir gut dafür:
Dein Tag brech’ ein, so schnell er mag, Er wird mir zum Erlösungstag!

Hiller, Philipp Friedrich – Endlich bricht ein Tag noch ein

Mel.: Himmel, Erde, Luft und Meer.

1.
Endlich bricht ein Tag noch ein, Der ein Tag des Zorns wird sein.
Jetzt ist Gnade, dort nicht mehr; Denn der Zorn entbrennt zu sehr.

2.
Wem Gott hier noch Buße schenkt, Daß er nur daran gedenkt,
O wie zittert ihm davon Die getroff’ne Seele schon!

3.
Aber wie wird’s dort ergeh’n, Wo Gott nicht erlaubt zu fleh’n,
Und ganz unbarmherzig stürzt Den, der sich am Heil verkürzt;

4.
Wo der Zorn auf Zorn gehäuft, Nun den Bösen schnell ergreift,
Und von Gottes Richterstuhl Brennt bis in den Schwefelpfuhl

5.
O wie schrecklich fället der, Der Dir, Du Lebendiger,
In erzürnte Hände fällt, Und nun keine Gnad’ erhält!

7.
Gott der Gnaden, Dir sei Ruhm Hier und dort im Heiligthum,
Daß Du Jesum uns gesandt, Der den Zorn hat abgewandt!

7.
Nunmehr geh’n wir zu dem Sohn, Als zu unserm Gnadenthron,
Und der Glaube an Sein Blut Macht erschrocknen Herzen Muth.

8.
Jesu, Du bist’s, der mich tröst’t, Der mich selbst vom Zorn erlöst;
Läßt Sein Tag des Zorns sich seh’n, Laß mich noch in Gnaden steh’n!

Kinner von Scherffenstein, Martin – Es kommt nu leider her die Zeit

Es kommt nu leider her die Zeit
Da uns soll bange werden;
Denn gross und unaussprechlich Leid
Verkündigt Himml und Erden.
Wir sind der armen Wittwen gleich
Die herzlich ihres Sohnes Leich
Und ihr Elend beweinet:
Herr Jesu, unser Trost und Licht,
Komm, sprich uns auch zu Weine nicht!
Dein Wort uns alle meinet.

Wir fallen häufig ein und ab
Wie Blätter von den Bäumen;
Man traegt manch liebes Kind zu Grab,
Darob die Eltern weinen;
Und obs wol fällt in deine Hand
Und kömmt ins rechte Vaterland
Das du uns hast geschenket.
Doch allweg uns dein Trost gebricht:
Drum komm, sprich zu uns Weine nicht!
Denn unser Herz sich kränket.

Was aber mehr für Angst und Noth
Die Welt wird überfallen
Zeigt durch sein Wort und Wunder Gott
Gar schrecklich für uns allen.
Die Sünd nimmt mächtig Überhand:
Drum brennt sein Zorn übr alle Land
Und wird das Garaus spielen.
Ach Herr, geh nicht in dein Gericht:
Dein freundlich Trostwort Weine nicht!
Lass uns im Herzen fühlen.

Wir habns ja wol verdienet, Herr,
Dass uns dein Zorn verzehre;
Kein Strafe ist so hoch und schwer,
Der wir nicht würdig waeren:
Es reut uns aber unser Sünd,
Und bitten dich von Herzen Grund
„O Herr, komm nur mit Gnaden!“
Und ob die Welt dich nicht ansicht,
Doch sieh du uns und Weine nicht
Wie übr der Juden Schaden.

Ach komm mit deinem Tag behend
Und stell uns zu mit Freuden
Was Liebes wir vorher gesendt,
Und lass uns nicht mehr scheiden.
Wenn mein Stündlein herzu sich naht
Begegne du auch meinem Tod,
Lass mich nicht drinn verderben;
Mein traurig Herz mit Trost aufricht,
Bild mir dein Wort ein Weine nicht!
So will ich froehlich sterben.

Wackernagel – Deutsches Lesebuch