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Schlagwort: Demut

Gerhardt, Paul – Meine Seel ist in der Stille

Gerhardt, Paul – Meine Seel ist in der Stille

  1. Meine Seel ist in der Stille,
    Tröstet sich des Höchsten Kraft,
    Dessen Rat und heilger Wille
    Mir bald Rat und Hülfe schafft.
    Der kann mehr als alle Götter,
    Ist mein Hort, mein Heil, mein Retter.
    Daß kein Fall mich stürzen kann,
    Trät er noch so heftig an.
  2. Meine Nasser, hört! Wie lange
    Stellt ihr alle einem nach?
    Ihr macht meinem Herzen bange,
    Mir zur Ehr und euch zur Schmach.
    Hanget, wie zerrissne Mauern
    Und wie Wände, die nicht dauern,
    Uber mir, und seid bedacht,
    Wie ich werde tot gemacht.
  3. Ja fürwahr, daß einge denken,
    Die, so mir zuwider seind,
    Wie sie mir mein Leben senken
    Dahin, da kein Licht mehr scheint.
    Dann geht ihr Mund aufs Lügen
    Und das Herz auf lauter Trügen;
    Gute Wort und falsche Tück
    Ist ihr bestes Meisterstück.
  4. Dennoch bleib ich ungeschrecket,
    Und mein Geist ist unverzagt
    In dem Gotte, der mich decket,
    Wenn die arge Welt mich plagt.
    Auf den harret meine Seele;
    Da ist Trost, den ich erwähle,
    Da ist Schutz, der mir gefällt,
    Und Errettung, die mich hält.
  5. Nimmer, nimmer werd ich fallen,
    Nimmer werd ich untergehn,
    Denn hier ist, der mich vor allen,
    Die mich drücken, kann erhöhn.
    Bei dem ist mein Heil und Ehre,
    Meine Stärke, meine Wehre;
    Meine Freud und Zuversicht
    Ist nur stets auf Gott gericht’.
  6. Hoffet allzeit, lieben Leute,
    Hoffet allzeit stark auf ihn.
    Kommt die Hülfe nicht bald heute,
    Falle doch der Mut nicht hin.
    Sondern schüttet aus dem Herzen
    Eures Herzens Sorg und Schmerzen,
    Legt sie für sein Angesicht,
    Traut ihn fest und zweifelt nicht.
  7. Gott kann alles Unglück enden,
    Wird’s auch herzlich gerne tun
    Denen, die sich zu ihm wenden
    Und auf seine Güte ruhn.
    Aber Menschenhülf ist nichtig,
    Ihr Vermögen ist nicht tüchtig,
    Wär es gleich noch eins so groß,
    Uns zu machen frei und los.
  8. Große Leute, große Toren
    Prangen sehr und sind doch Kot,
    Füllen Sinnen, Aug und Ohren,
    Kommt’s zur Tat, so sind sie tot.
    Will man ihres Tuns und Sachen
    Eine Prob und Rechnung machen,
    Nach dem Ausschlag des Gewichts
    Sind sie weniger denn nichts.
  9. Laßt sie fahren, lieben Kinder,
    Da ist schlechter Vorteil bei.
    Habt für allem, was die Sünder
    Frechlich treiben, Furcht und Scheu.
    Laßt euch Eitelkeit nicht fangen,
    Nach, was nichts ist, nicht verlangen.
    Käm auch Gut und Reichtum an,
    Ei so hängt das Herz nicht dran.
  10. Wo das Herz am besten stehe,
    Lehrt am besten Gottes Wort
    Aus der güldnen Himmelshöhe;
    Denn da hör ich fort und fort,
    Daß er groß und reich von Kräften,
    Rein und heilig in Geschäften,
    Gütig dem, der Gutes tut.
    Nun! der sei mein schönstes Gut.
Gerhardt, Paul – Wie ist es möglich, höchstes Licht

Gerhardt, Paul – Wie ist es möglich, höchstes Licht

  1. Wie ist es möglich, höchstes Licht,
    Daß, weil vor deinem Angesicht
    Doch alles muß erblassen,
    Ich und armes Fleisch und Blut
    Dir zu entgegen einen Mut
    Und Herze sollten lassen!
  2. Was bin ich mehr als Erd und Staub?
    Was ist mein Leib als Gras und Laub?
    Was taugt mein ganzes Leben?
    Was kann ich, wenn ich alles kann?
    Was hab und trag ich um und an,
    Als was du mir gegeben?
  3. Ich bin ein arme Mad und Wurm,
    Ein Strohhalm, den ein kleiner Sturm
    Gar leichtlich hin kann treiben,
    Wenn deine Hand, die alles trägt,
    Mich nur ein wenig trifft und schlägt,
    So weiß ich nicht zu bleiben.
  4. Herr, ich bin nichts! Du aber bist
    Der Mann, der alles hat und ist,
    In dir steht all mein Weisen:
    Wo du mit dein er Hand mich schreckt,
    Und nicht mit Huld und Gnaden deckst,
    So mag ich nicht genesen.
  5. Du bist getreu, ich ungerecht,
    Du fromm, ich gar ein böser Knecht
    Und muß mich wahrlich schämen,
    Daß ich bei solchem schnöden Stand
    Aus deiner milden Vaterhand
    Ein einziges Gut sollt nehmen.
  6. Ich habe dir von Jugend an
    Nichts andres als Verdruß getan,
    Bin Sünden voll geboren;
    Und wo du nicht durch deine Treu
    Mich wieder machest los und frei,
    So wär ich gar verloren.
  7. Drum sei das Rühmen fern von mir,
    Was dir gebührt, das geb ich dir,
    Du bist allein zu ehren.
    Ach laß, Herr Jesu, meinen Geist
    Und was aus meinem Geiste fleußt,
    Zu dir sich allzeit kehren!
  8. Auch wenn ich gleich was wohl gemacht,
    So hab ichs doch nicht selbst verbracht,
    Aus dir ist es entsprungen;
    Dir sei auch dafür Ehr und Dank,
    Mein Heiland, all mein Leben lang
    Und Lob und Preis gesungen.
Hollaz, David – Von der Armuth des Geistes.

Hollaz, David – Von der Armuth des Geistes.

//Mel. Ich liebe Dich herzlich etc.//\\

  1. Mein Heiland, der ruft uns: Kommt zu mir ihr Armen, und lasset mich über euch reichlich erbarmen! Ach möchten wir alle als Arme doch kommen! wir würden zu Gnaden gewiß angenommen.
  1. Wie wenige sind doch wohl Arme zu nennen, die ihren Erbmangel und Schaden recht kennen! wie viele hingegen sind reich in den Dingen, die weder Gewißheit noch Seligkeit bringen.
  1. Wie viele gefall’n sich in eigenen Wegen! die sie doch nicht fördern zum bleibenden Segen! sie sind mit sich selbsten in allem zufrieden, und bleiben vom Glauben und Gnade geschieden.
  1. Die können’s kaum hören, geschweige denn kommen; es sei denn das eigene Gerechtsein benommen. So lange sie immer vom Eigenen träumen, so müssen sie schlafend die Gnade versäumen.
  1. Viel and’re bemüh’n sich mit allerlei Sachen, und pflegen’s bald so, und bald anders zu machen. Sie suchen und denken noch etwas zu finden, um sich aus der Angst und der Unruhe zu winden.
  1. Gelingt’s! so ist wieder was eigenes fertig! dabei sind sie stündlich der Gnade gewärtig.  Das dauert ein wenig, nach einigen Stunden, ist alle gemachte Ruh‘ wieder verschwunden!
  1. Des Armseins und Bettelns pflegt man sich zu schämen, daß man so die Gnade umsonst sollte nehmen. Nur Arme die wagen’s mit Beugung und Flehen, ohn‘ Umweg zum Gnadenstuhl selber zu gehen.
  1. Kein‘ and’re, als Arme begehren zu hören, die Predigt von Jesu, und selige Lehren, die kriegen Vergebung und seliges Leben; es wird ihnen alles umsonsten gegeben!
  1. Die Lahmen, Mühseligen, Kranken und Blinden, und die sich im Herzen so elend befinden, die sollen im Glauben zu Jesu hineilen, Er wird sie mit Freuden aufnehmen und heilen!
  1. Ich Armer, ich hör‘ das, ich seh‘ es von ferne: ich komme zum Heiland mit andern gar gerne! ich höre die Armen von Gnade so singen; ich seh‘ sie so herzlich in’s Himmelreich dringen.
  1. Wer mit will verfluche die Sünden und Träber. Er werde recht arm und so komm er zum Geber! da kriegt man Vergebung, den Himmel, das Leben, das will Er aus bloßem Erbarmen uns geben.
Gellert, Christian Fürchtegott – Herr! lehre mich, wenn ich der Tugend diene,

Gellert, Christian Fürchtegott – Herr! lehre mich, wenn ich der Tugend diene,

Herr! lehre mich, wenn ich der Tugend diene,
Daß nicht mein Herz des Stolzes sich erkühne,
Und nicht auf sie vermessen sei.
Herr! lehre mich, wie oft ich fehle, merken.
Was ist der Mensch bei seinen besten Werken?
Wenn sind sie von Gebrechen frei?

Wie oft fehlt mir zum Guten selbst der Wille!
Wie oft, wenn ich auch dein Gebot erfülle,
Erfüll ich’s minder, als ich soll!
Sind Lieb und Furcht stets die Bewegungsgründe
Der guten Tat, der unterlaßnen Sünde?
Und ist mein Herz des Eifers voll?

Gedenke nicht der Sünden meiner Jugend,
Gedenke nicht der unvollkommnen Tugend
Der reifern Jahre meiner Zeit.
Wenn ich noch oft aus Stolz nach Tugend strebe,
Aus Menschenfurcht mich Lastern nicht ergebe;
Was ist denn meine Frömmigkeit?

Wenn ich den Geiz aus Furcht der Schande fliehe,
Aus Weichlichkeit mich wohlzutun bemühe,
Und mäßig bin, gesund zu sein;
Wenn ich die Rach aus Eigennutze hasse,
Der Ehrsucht Pfad aus Trägheit nur verlasse;
Was ist an dieser Tugend mein?

Und Gott, wie oft sind unsre besten Triebe
Nicht Frömmigkeit, nicht Früchte deiner Liebe,
Nur Früchte der Natur und Zeit!
Wenn fühlen wir der Tugend ganze Würde?
Wenn ist dein Joch uns eine leichte Bürde,
Und dein Gebot Zufriedenheit?

Doch, Herr, mein Gott! wenn auch zu deiner Ehre
Mein Herze rein, rein meine Tugend wäre;
Wes ist denn dieses Eigentum?
Wer ließ mich früh zur Tugend unterrichten,
Mein Glück mich sehn in meines Lebens Pflichten,
Und im Gehorsam meinen Ruhm?

Wer gab mir Mut, Herr, dein Gebot zu lieben?
Wer gab mir Kraft, es freudig auszuüben,
Und in Versuchung Schild und Sieg?
Wes ist der Quell, der mich mit Weisheit tränkte?
Und wes der Freund, der mich zum Guten lenkte,
Und mir den Fehler nicht verschwieg?

Du triebst mich an, daß ich das Gute wählte,
Und riefst mich oft, wenn ich des Wegs verfehlte,
Durch Stimmen deines Geists zurück;
Zogst mich durch Kreuz, durch Wohltat auch, von Sünden,
Ließt, wenn ich rief, mich wieder Gnade finden,
Und gabst zu meiner Beßrung Glück.

Was ist der Mensch, daß du, Gott, sein gedenkest,
Gerechtigkeit in deinem Sohn ihm schenkest,
Und zur Belohnung selbst ein Recht?
Und wenn ich nun, durch deines Geistes Gabe,
Des Glaubens Kraft, und alle Werke habe,
Wer bin ich? Ein unnützer Knecht.

Gellert, Christian Fürchtegott – Was ist mein Stand, mein Glück, und jede gute Gabe?

Gellert, Christian Fürchtegott – Was ist mein Stand, mein Glück, und jede gute Gabe?

Was ist mein Stand, mein Glück, und jede gute Gabe?
Ein unverdientes Gut.
Bewahre mich, o Gott, von dem ich alles habe,
Vor Stolz und Übermut.

Wenn ich vielleicht der Welt mehr, als mein Nächster, nütze;
Wer gab mir Kraft dazu?
Und wenn ich mehr Verstand, als er besitzt, besitze;
Wer gab mir ihn, als du?

Wenn mir ein größer Glück, als ihn erfreut, begegnet;
Bin ich ein beßrer Knecht?
Gibt deine Gütigkeit, die mich vor andern segnet,
Mir wohl zum Stolz ein Recht?

Wenn ich, geehrt und groß, in Würden mich erblicke;
Gott, wer erhöhte mich?
Ist nicht mein Nächster oft, bei seinem kleinern Glücke,
Viel würdiger, als ich?

Wie könnt ich mich, o Gott! des Guten überheben,
Und meines schwachen Lichts?
Was ich besitz, ist dein. Du sprichst! so bin ich Leben;
Du sprichst! so bin ich nichts.

Von dir kömmt das Gedeihn, und jede gute Gabe
Von dir, du höchstes Gut!
Bewahre mich, o Gott, von dem ich alles habe!
Vor Stolz und Übermut.

Weisse, Michael – Christglaubig Mensch

Weisse, Michael – Christglaubig Mensch

1. Christglaubig Mensch, wach auff! wach auff!
thu dein hertz Gott deim Herren auff,
der dich hat geschaffen!

2. Dich auch erhelt inn seiner macht,
uber dir wachet tag und nacht,
lest dich nicht verderben.

3. Gedenck an seine herrligkeyt
und danck jm der bermhertzigkeyt,
dir biß her beweiset!

4. Sih zu, das du im nicht verachst
und dich vor jm zu schanden machst,
jn also erzörnest!

5. Sonder sey demütig vor jm
und unterwirff jm deinen sihn,
so wird er dein walten,

6. Und als ein Vater seinen Son
dich leyten inn all deinem thun
zum ewigen leben,

7. Durch Jesum Christum, seinen Son,
der uns vertrit vor seinem thron
mit seym steten opffer.

Selneccer, Nikolaus – Ach Gott, wie bin ich so unwert

Selneccer, Nikolaus – Ach Gott, wie bin ich so unwert

1. Ach Gott, wie bin ich so unwert
im Himmel und auch auf der Erd!
Kein’ Menschen ich ansehen darf,
das macht, o Gott, dein Rute scharf.

2. Wo soll ich dann hin kehren mich?
wer will doch mein erbarmen sich?
Es ist zu groß mein’ Missetat,
bei keinem Menschen ist kein Rat.

3. Und ob ich will die Augen mein
hoch heben in den Himmel ’nein,
hab ich doch gegen dir, o Herr,
o lieber Gott, gesündigt sehr.

4. An mir ist alles Sünd und Spott,
ich bin und leb stets wider Gott,
ich bin ein Ärgernis gewest;
was tu ich, das mir sei das Best?

5. Soll ich verzweifeln, Jesu Christ,
weil du allein der Heiland bist,
und ist bei dir Barmherzigkeit,
Leben und wahre Seligkeit?

6. Sei weit von mir! Das will ich nicht,
zu dir ist all mein Zuversicht,
bei dir mein arme Seel’ jetzt sucht
Trost, Rat, Hilf, Rettung und Zuflucht.

7. Dein Kreatur, hoff ich gewiß,
veracht’st du nicht und dein Bildnis.
Gar traurig, reuig, doch nicht genug,
komm ich zu dir, o mein Hoffnung.

8. Ach lieber Gott, was ich doch soll
jetzt vorbringen, weiß ich nicht wohl,
weil ich nicht darf mit kühnem Herz
mein’ Augen heben auf vor Schmerz.

9. Mein’ Zunge führt klägliche Wort,
mein Trost, mein Hilf, mein höchster Hort,
erbarm dich mein, denn es ist Zeit,
nach deiner groß’n Barmherzigkeit!

10. Sei gnädig, nach der Güte dein,
lösch aus die Übertretung mein,
wasch ab, tilg aus im Herzensgrund
mein Missetat zu aller Stund.

11. Mach du mich rein, denn ich, o Herr,
erschrick und zag von Herzen sehr,
ich seh mein Ungerechtigkeit,
mein Sünd’ mir vor den Augen liegt.

12. An dir allein, mein Gott, ich han
unzählig viel der Sünd’ getan,
die ich erkenn’, und sind mir leid:
ach Gott, erzeig Barmherzigkeit.

13. Ob du schon richtest mich und ihn,
bleibt doch dein Wort recht stets bestehn.
Du bist wahrhaft, gerecht und fromm,
mit mir ist’s Sünd’ als um und um.

14. Sieh, Herr, mein’ Mutter mich empfing
in Sünden, da ich von ihr ging
war ich voll Arg’s und Missetat,
in Sünden sie mich herbracht hat.

15. Du, Herr, die Wahrheit allzeit liebst,
die Heimlichkeit und Weisheit gibst,
und was verborgen machst du mir
ganz offenbar: ich dank nun dir.

16. Für deine Güt’ und groß Wohltat,
die mir dein Gnad erzeiget hat.
bespreng mich, Herr, mit Ysop schon,
mit Blut dein’s allerliebsten Sohn,

17. das aus sein’ heilgen Wunden floß,
dadurch werd ich der Sünden los.
Wasch mich, daß ich bald werd schneeweiß,
gib in mein Herz dein’ heilgen Geist,

18. laß Freud und Wonne meine Ohren
Vergebung meiner Sünde hören,
daß frohlocken mein’ matt’ Gebein
und wieder stark und fröhlich sein.

19. Verbirg dein Antlitz vor der Schuld,
die ich gemacht, gib mir dein Huld;
tilg aus in diesem Jammertal,
ehe ich verzag, mein’ Sünde all.

20. Schaff mir ein rein’ und züchtig Herz,
von Unzucht frei und bösem Scherz,
ein rechten Geist in mir erneu,
Glaub’, Lieb’, Trost, Demut, wahre Reu.

21. O Herr, von deinem Angesicht
verstoß ja und verwirf mich nicht,
dein heilgen Geist von mir nicht nimm
und straf mich nicht in deinem Grimm.

22. Denn niemand ist der mag bestehn
vor dei’m Zorn, er muß gar vergehn.
Gib mir wieder, o mein Heiland,
die Freud, das teur’ und werte Pfand

23. Das Pfand der Gnad’, und mir bescher
ein willigen Geist, damit ich lehr
die Ungerechten deine Weg,
und wandel stets auf rechtem Steg.

24. Dein Wort ich lehr, auf daß sie sich
zu dir bekehr’n beständiglich.
Von Blutschulden und großer Not
errette mich, meins Heils o Gott.

25. Auf daß fröhlich zu aller Zeit
mein Zung dein Ehr und Ruhm ausbreit.
Eröffne auch die Lefzen mein,
auf daß mein Mund dich lobe fein

26. Dein Lob ich preis und rühme das
herzlich, getrost ohn alle Maß.
Kein Opfer hast du je begehrt,
du würd’st von mir sonst des gewährt.

27. Dein Gnad acht’t kein Brandopfer nicht,
zerknirscht ein Herz, das nieder sinkt,
ein geängst’ter Geist, von Leid gekränkt,
mit Christi teurem Blut besprengt,

28. Ein Herz voll Glaub, Lieb und Geduld
ist dir gar lieb und hat kein Schuld.
Ein solch Herz nicht verachten willst,
du bist sein Leben, Schutz und Schild.

29. Tu wohl, o Herr Gott, an Zion
von wegen deines lieben Sohns,
daß werd erbaut Jerusalem
und du gar reiche Opfer nehm’,

30. Opfer des Lobs aus unserm Mund,
daß unser Herz täglich all Stund
dich lob und preis durch Jesum Christ,
der unser aller Heiland ist.

31. Der Tröster auch, der heilig Geist,
mach unser Herzen allermeist
geschickt zu tun dein Will’n und Wort,
welch’s ist der Frommen Trost und Hort.

32. Auf daß wir nun erfüllen das
und wandeln nach dein’s Worts geheiß,
so hilf durch deines Namens Ehr:
Amen, Amen, o Gott und Herr.

Neander, Joachim – Ach, was bin ich, mein Erretter

Neander, Joachim – Ach, was bin ich, mein Erretter

Ach, was bin ich, mein Erretter
Und Vertreter
Bei dem unsichtbaren Licht!
Sieh, ich lieg in meinem Blute;
Denn das Gute,
Das ich will, das thu ich nicht.

Ach, was bin ich, mein Erbarmer!
Sieh, ich Armer
Bin ein Strohhalm vor dem Wind;
Wie ein Weberschifflein schießet,
So verfließet
Aller Menschen Thun geschwind.

Ach, was bin ich, mein Erlöser!
Täglich böser
Find ich meiner Seele Staub,
Drum, mein Helfer, nicht verweile;
Jesu, eile,
Reiche mir die Gnadenhand!

Ach, wann wirst Du mich erheben
Zu dem Leben?
Komm, ach komm, und hilf mir doch!
Elend kann Dich bald bewegen;
Lauter Segen
Wirst Du lassen fließen noch.

Trotzig und verzagt im Herzen,
Trag ich Schmerzen,
Und es ist mir leid dazu.
Höre mich, hör an das Quälen:
Arzt der Seelen,
Schaffe meinem Herzen Ruh!

Gieb, daß mir der Tod nicht schade;
Herr, gieb Gnade,
Laß mich sein Dein liebes Kind!
Ein Demüthiger und Kleiner,
Aber Reiner
Endlich Gnad‘ und Ruhe find’t.

Schaff – Deutsches Gesangbuch

Gerhardt, Paul – Herr, ich will gar gerne bleiben

Gerhardt, Paul – Herr, ich will gar gerne bleiben

1. HErr, ich will gar gerne bleiben,
Wie ich bin, dein armer Hund,
Will auch anders nicht beschreiben
Mich und meines Herzens Grund.
Denn ich fühle, was ich sei:
Alles Böse wohnt mir bei,
Ich bin aller Schand ergeben,
Unrein ist ganzes Leben.

2. Hündisch ist mein Zorn und Eifer,
Hündisch ist mein Neid und Haß,
Hündisch ist mein Zank und Geifer,
Hundisch ist mein Raub und Fraß;
Ja, wenn ich mich recht genau,
Als ich billig soll, beschau,
Halt ich mich in vielen Sachen
Ärger als die Hund es machen.

3. Ich will auch nich mehr begehren,
Als mir zukommt und gebührt,
Wollst mir nur das Recht gewähren,
Das ein Hund im Hause führt!
Deine Heilgen, die sich dir
Hier ergeben für und für,
Mögen oben an der Spitzen
Deiner Himmelstafel sitzen.

4. Deine Kinder, die dich ehren
Und in voller Tugend stehn,
Mögen sich von Wollust nähren
Und im Erbe sich erhölen,
Das du Ihnen in dem Licht
Deines Saals hast zugericht´t,
Ich will, wenn ich nur kann liegen
Unterm Tisch, mir lassen gnügen.

5. Ich will ins Verborgne kriechen,
Da die Nacht den Tag verhüllt,
Und hin nach der Erden riechen,
Suchen was den Hunger stillt;
Ich will mir den Brosamlein,
Die ich finde, friedlich sein
Und mich freuen über allen,
Was die HErren lassen fallen.

6. Murren will ich auch und bellen,
Aber gleichwohl weiter nicht,
Als nur wenn in Sündenfällen
Dir von mir ein Schimpf geschicht,
Wenn mein Fleisch mich übereilt
Und zur Buße, die uns heilt,
Sich viel träger als zur Sünden
Und zur Bosheit lässet finden.

7. Dennoch will ohn alles Heucheln,
Das so fest sonst in uns steckt,
Ich dir auch hinwieder schmeicheln,
Wenn ich deinen Zorn erweckt
Und du meinen Übermut
Strafest mit der scharfen Rut.
Ach HErr, schone, will ich sprechen,
Laß mein Wort dein Herze brechen!

8. Mache mich zum wackern Hüter,
Dessen Augen offen sein,
Wenn das schönste deiner Güter,
Deine Kinder, schlafen ein.
Wenn das Haus zu Bette geht
Und der Dieb mit Listen steht
Nach des Nächsten Gut und Gelde,
Ei, so gib, daß ich ihn melde!

Gerhardt, Paul – Ich weiß, mein Gott, daß all mein Tun

Gerhardt, Paul – Ich weiß, mein Gott, daß all mein Tun

Ich weiß, mein Gott, daß all mein Tun
Und Werk auf deinem Willen ruh,
Von dir kommt Glück und Segen,
Was du regierst, das geht und steht
Auf rechten guten Wegen.

2. Es steht in keines Menschen Macht,
Daß sein Rat werd ins Werk gebracht
Und seines Gangs sich freue,
Des Höchsten Rat, der machts allein,
Daß Menschenrat gedeihe.

3. Oft denkt der Mensch in seinem Mut,
Dies oder jenes sei ihm gut,
Und ist doch weit gefehlet;
Oft sieht er auch für schädlich an,
Was doch Gott selbst erwählet.

4. So fängt auch oft ein weiser Mann
Ein gutes Werk zwar fröhlich an
Und bringt’s doch nicht zum Stande;
Er baut ein Schloß und festes Haus,
Doch nur auf lauterm Sande.

5. Wie mancher ist in seinem Sinn
Fast über Berg und Spitzen hin,
Und eh er sich’s versiehet,
So liegt er da und hat sein Fuß
Vergeblich sich bemühet.

6. Drum, lieber Vater, der du Kron
Und Zepter trägst im Himmelsthron
Und aus den Wolken blitzest,
Vernimm mein Wort und höre mich
Vom Stuhle, da du sitzest.

7. Verleihe mir das edle Licht,
Das sich von deinem Angesicht
In fromme Seelen strecket
Und da der rechten Weisheit Kraft
Durch deine Kraft erwecket.

8. Gieb mir Verstand aus deiner Höh,
Auf daß ich ja nicht ruh und steh
Auf meinem eignen Willen,
Sei du mein Freund und treuer Rat,
Was gut ist, zu erfüllen.

9. Prüf alles wohl, und was mir gut,
Das gib mir ein; was Fleisch und Blut
Erwählet, das verwehre.
Der höchste Zweck, das beste Teil
Sei deine Lieb und Ehre.

10. Was dir gefällt, das laß auch mir,
O meiner Seelen Sonn und Zier,
Gefallen und belieben,
Was dir zuwider, laß mich nicht
In Wort und Tat verüben.

11. Ist’s Werk von dir, so hilf zu Glück,
Ist’s Menschentun, so treibs zurück,
Und ändre meine Sinnen;
Was du nicht wirkst, pflegt von ihm selbst
In kurzem zu zerrinnen.

12. Sollt aber dein und unser Feind
An dem, was dein Herz gut gemeint,
Beginnen sich zu rächen,
Ist das mein Trost, daß seinen Zorn
Du leichtlich könnest brechen.

13. Tritt du zu mir, und mache leicht,
Was mir sonst fast unmöglich däucht,
Und bring zum guten Ende,
Was du selbst angefangen hast,
Durch Weisheit deiner Hände.

14. Ist gleich der Anfang etwas schwer,
Und muß ich auch ins tiefe Meer
Der bittern Sorgen treten,
So treib mich nur ohn Unterlaß
Zu seufzen und zu beten.

15. Wer fleißig betet und dir traut,
Wird alles, da ihm sonst vor graut,
Mit tapferm Mut bezwingen,
Sein Sorgenstein wird in der Eil
In tausend Stücke springen.

16. Der Weg zum Guten ist fast wild,
Mit Dorn und Hecken ausgefüllt,
Doch wer ihn freudig gehet,
Kommt endlich Herr, durch deinen Geist,
Wo Freud und Wonne stehet.

17. Du bist mein Vater, ich dein Kind,
Was ich bei mir nicht hab und find,
Hast du zu aller Gnüge,
So hilf nun, daß ich meinen Stand
Wohl halt und herrlich siege.

18. Dein soll sein aller Ruhm und Ehr,
Ich will dein Tun je mehr und mehr
Aus hocherfreuter Seelen
Vor deinem Volk und aller Welt,
So lang ich leb, erzählen.