Böhmische Brüder – Lehrgesang

SIng heut vnd frew dich, Christenheyt,
lob Gott mit grosser innigkeyt,
Denn ein Heylandt ist dir gesandt,
der Jesus Christus wird genannt.

Der nimbt sich deines kommers an
vnd waget sein leben daran,
Nimpt auff sich deine missethat
das er dir hülff aus aller not.

Ey nimm jn auch mit freuden an
vnd trit frölich auf seine ban,
Würff all deine gerechtigkeyt
zun füssen seiner heyligkeyt.

Erkenn vor jm dein sünd vnd schuld
vnd bitt jn, das er dir auch wolt
Als ein heylandt vnd milter Gott
ableschen deine missethat.

Ergieb dich jm mit seel vnd leyb,
auff das er dir inn dein hertz schreyb
Sein new gesetz, da durch du jn
erkenst vnd habst inn deinem sihn.

Nim an sein wort vnd trewe leer:
das ist die recht vnd höchste ehr,
Die Gott der Herr von vns begert:
o selig, wer inn der gewert!

Der mag getrost vnd wol gemut
trotzen wider der Hellen glut
Vnd dancken Gott on vnterlaß
für seine gab vnd wolthat groß.

Ey, sintemal wir Christen sein,
so last vns nu alle gemeyn
Regieren hie nach dieser leer,
Gott vnsrem Herrn zu lob vnd ehr.

O Herre Gott, nu steh vns bey
mit deiner genad, vnd verley,
Das wir durch dich werden regiert,
dich loben in Heyliger zierd!

Quelle

Heermann, Johannes – Buß- und Sterbegesänglein.

Aus S. Bernhardi Vermahnung.

Im Ton: Hie lieg ich armes Würmelein.

O Mensch, bedenke stets dein End,
der Tod doch Leib und Seele trennt.
Gehorche Gott und dich bekehr,
mit Sünden nicht dein Herz beschwer.
Hier bleibst du nicht, du mußt davon,
wie du hier lebst, ist dort der Lohn.

Wo sind die Kinder dieser Welt
mit ihrer Wollust, Pracht und Geld?
Wo sind die noch vor wenig Zeit
bei uns stolzierten voller Freud?
Sie sind dahin, all ihre Hab
ist nichts denn Stank und Staub im Grab.

Hieran gedenk, o Menschenkind,
bedenke, was sie worden sind.
Sie waren Menschen, gleich wie du,
die meiste Zeit sie brachten zu
In Wollust, aber ach, wie schnell
sind sie gefahren zu der Höll.

Hier wird ihr Leib der Würmer Kost,
die Seel dort leidet Hitz und Frost,
Bis sie der HERR am jüngsten Tag
zusammen bringen wird mit Klag
Und stürzen in das Schwefelfeur
zu allen Teufeln ungeheur.

Denn weil sie hier mit Üppigkeit
gedient dem Satan haben beid,
An ihre Buße nie gedacht
und an die finstre Todes-Nacht,
So ists auch recht, daß sie zugleich
dort leiden Qual ins Teufels Reich.

Was hilft sie nun ihr Ehr und Gut,
ihr Wollust, Macht und Uebermuth?
Wo ist ihr Lachen, Spiel und Scherz,
wo ist ihr Stolz und freches Herz?
Diß alles ist in lauter Pein
verwandelt, der kein End wird sein.

Was Gott an ihnen hat gethan,
bezeugt, daß er auch solches kann
An dir erweisen. Du bist Erd,
trittst Erd und wirst von Erd genährt,
zu Erden wirst du nach dem Tod
auch werden, gleichwie Mott und Koth.

Merk und behalt diß, was ich sag,
vergiß nicht deinen Todestag,
Wie schnell er brechen wird herein:
vielleicht möcht es noch heute sein.
Der Tod mit dir macht keinen Bund:
wie, wann er käm jetzt diese Stund?

Gewis ists, daß du sterben mußt:
wann, wie und wo ist unbewußt.
An allem Ort, all Augenblick
wirft aus der Tod sein Netz und Strick:
Bist du nun klug, so sei bereit
und warte sein zu jeder Zeit.

Trau nicht auf deinen stolzen Leib,
das Sündenrad nicht weiter treib:
Wirst du in Bosheit fahren fort,
so fährest du zur Höllen Pfort.
Gott ist gerecht: Er straft die Sünd,
er straft dort, wie er dich hier findt.

Denn wer die Welt mehr liebt als Gott,
mit Frömmigkeit nur treibt ein’n Spott,
Lebt täglich, wie der reiche Mann,
in Völlerei, aufs best er kann:
Dem Teufel dienet er auf Erd,
wird mit ihm gleicher Straf gewährt.

O Jesu Christe, der du mich
aus Finsternis so gnädiglich
Berufen hast zu deinem Licht,
hilf, daß ich mich gleich stelle nicht
Dem Wesen dieser argen Welt,
die ganz mit Bosheit ist vergällt.

Verleih, daß ich aus aller Macht
die Welt mit ihrer Lust veracht,
Und trachte stets nach deinem Reich,
da ich werd sein den Engeln gleich,
Da man dein auserwählten Kind
in höchster Freud beisammen sindt.

Philipp Wackernackel – Johann Heermanns Geistliche Lieder

Heermann, Johannes – Treue Vermahnung aus dem h. Augustino daß man die Buße nicht aufschieben soll.

Im Ton: Vater unser im Himmelreich.

SO wahr ich lebe, spricht dein Gott,
mir ist nicht lieb des Sünders Tod,
Vielmehr ist diß mein Wunsch und Will,
daß er von Sünden halte still,
Von seiner Bosheit kehre sich
und lebe mit mir ewiglich.

Diß Wort bedenk, o Menschenkind,
verzweifle nicht in deiner Sünd:
Hier findest du Trost, Heil und Gnad,
die Gott dir zugesaget hat,
Und zwar mit einem teuren Eid;
o selig, dem die Sünd ist leid!

Doch hüte dich vor Sicherheit:
denk nicht, zur Buß ist noch wol Zeit,
Ich will erst fröhlich sein auf Erd:
wann ich des Lebens müde werd,
Alsdann will ich bekehren mich,
Gott wird wol mein erbarmen sich.

Wahr ists: Gott ist wol stets bereit
dem Sünder mit Barmherzigkeit,
Doch wer auf Gnade sündigt hin,
fährt fort in seinem bösen Sinn
Und seiner Seelen selbst nicht schon,
dem wird mit Ungnad abgelohnt.

Gnad hat dir zugesaget Gott
von wegen Christi Blut und Tod:
Zusagen hat er nicht gewollt,
ob du bis morgen leben sollt;
Daß du mußt sterben ist dir kund:
verborgen ist des Todes Stund.

Heut lebst du, heut bekehre dich,
eh morgen kommt kanns ändern sich;
Wer heut ist frisch, gesund und roth,
ist morgen krank, ja wol gar todt:
So du nun stirbest ohne Buß,
dein Seel und Leib dort brennen muß.

Hilf, ob HErr Jesu! hilf du mir,
daß ich noch heute komm zu dir
Und Buße thu den Augenblick,
eh mich der schnelle Tod hinrück,
Auf daß ich heut und jederzeit
zu meiner Heimfahrt sei bereit.

Philipp Wackernackel – Johann Heermanns Geistliche Lieder

Thilo, Valentin – Mit Ernst, ihr Menschenkinder

Mit Ernst, ihr Menschenkinder
das Herz in euch bestellt,
damit das Heil der Sünder,
der große Wunderheld,
den Gott aus Gnad allein
der Welt zum Licht und Leben
gesendet und gegeben,
bei allen kehre ein.

Bereitet doch fein tüchtig
den Weg dem großen Gast,
macht seine Steige richtig,
laßt alles, was er haßt;
macht alle Bahnen recht,
die Thal‘ laßt sein erhöhet,
macht niedrig, was hoch stehet,
was krumm ist, gleich und schlecht.

Ein Herz, das Demuth liebet,
bei Gott am höchsten steht;
ein Herz, das Hochmuth übet,
mit Angst zu Grunde geht.
Ein Herz, das richtig ist,
und folget Gottes Leiten,
das kann sich recht bereiten,
zu dem kommt Jesus Christ.

Ach, mache du mich Armen
in dieser Gnadenzeit
aus Güte und Erbarmen,
Herr Jesu, selbst bereit!
Zeuch in mein Herz hinein
vom Stall und von der Krippen,
so werden Herz und Lippen
dir ewig dankbar sein.

Unbekannt – Mich rewt und klag

Im thon, Ich rew und klag.

Gedruckt zu Nürnberg, durch Friderich Gutknecht

MIch rewt und klag meine junge tag,
so ich unnutz hab verzeret
In üppigkeit, das ist mir leid,
Gottes wort nicht baß hab geleret,
In welchem wort mein trost und hort
ligt gantz und gar verborgen,
derhalb will lehrn, zum Wort mich kern,
es hilfft auß allen sorgen.

Das wort ist war, hell, lauter, klar,
es kan noch mag nicht liegen.
Wer jm fast glaubt, ist Gott sein haupt,
der Tod kan jn nicht trieben.
Erfürt auß pein zu Christo hinein,
der für uns hat geliten,
auch selbst verheist durch seinen Geist,
so wir im glauben biten.

On unterlaß will bitten baß,
biß Gott mich thut erhören,
Denn er ist trew, gibt gnad und rew,
das thu ich täglich spüren.
Wens ubel gat, beger ich gnad,
und laß jn mit mir walten,
obs fleisch wol felt, den Geist erhelt,
last er nicht gar erkalten.

Wirtenberg, Graf Jörg von – DAs ich nit kan sünd lan

Ein klaglied wider fleisch und bluot, das Gott helffen und raaten wöll.

(„Nüw gsangbüchle rc. Getruckt zuo Zürych by Christoffel Froschauer, Im JAr D.M.XL.“ in 8°. Seite CCXXXIIII)

DAs ich nit kan sünd lan,
ist mir ein last, krenckt vast
beid lyb und seel, darumb ich wil
mim Gott die schwachheit klagen,
Als minem Herrn, hilfft gern,
gibt gnad und gunst – – –
daruff ich truw und endlich buw,
wie kü+nd ich dann verzagen?
Der gloub erhelt und stelt
mir Christum dar klar uffs best, gantz vest,
daruff wil ich mich lassen,
uff solcher ban styff stan,
den alten Adam massen.

Sey du nit feer, min Herr!
das werck ist din, nit min!
ich bin zu schwach, du mich starck mach,
mit nicht kan ich sunst enden.
Du mit mir teil din heil
unnd ewigs wort, min hort,
ouch das es läb und widersträb,
was sich von dir wil wenden,
Uff das din pryß mit flyß
in mir din leer, eer groß werd uff erd
und nimmermer thu wancken:
darzu mich leit, bereit,
so wil ich dir, Herr, dancken.

Min Gott, erhalt, tröst bald!
erzeig mir gnad, hilff, raat!
leer mich die wält, jr gut und gält,
umb dint willn übergeben.
Die stund bringts end, behend
volgt bald der tod mit not,
fallt hin wies loub, zergadt wie stoub:
was ist min fleischlich läben?
O JEsu Christ, du bist
des läbens wär, stäg: hilff mir zu dir!
der für mich hast gelitten,
verrert din blut, mir zgut,
tod, tüfel überstritten.

Selneccer, Nikolaus – Ach Gott, wie bin ich so unwert

1. Ach Gott, wie bin ich so unwert
im Himmel und auch auf der Erd!
Kein’ Menschen ich ansehen darf,
das macht, o Gott, dein Rute scharf.

2. Wo soll ich dann hin kehren mich?
wer will doch mein erbarmen sich?
Es ist zu groß mein’ Missetat,
bei keinem Menschen ist kein Rat.

3. Und ob ich will die Augen mein
hoch heben in den Himmel ’nein,
hab ich doch gegen dir, o Herr,
o lieber Gott, gesündigt sehr.

4. An mir ist alles Sünd und Spott,
ich bin und leb stets wider Gott,
ich bin ein Ärgernis gewest;
was tu ich, das mir sei das Best?

5. Soll ich verzweifeln, Jesu Christ,
weil du allein der Heiland bist,
und ist bei dir Barmherzigkeit,
Leben und wahre Seligkeit?

6. Sei weit von mir! Das will ich nicht,
zu dir ist all mein Zuversicht,
bei dir mein arme Seel’ jetzt sucht
Trost, Rat, Hilf, Rettung und Zuflucht.

7. Dein Kreatur, hoff ich gewiß,
veracht’st du nicht und dein Bildnis.
Gar traurig, reuig, doch nicht genug,
komm ich zu dir, o mein Hoffnung.

8. Ach lieber Gott, was ich doch soll
jetzt vorbringen, weiß ich nicht wohl,
weil ich nicht darf mit kühnem Herz
mein’ Augen heben auf vor Schmerz.

9. Mein’ Zunge führt klägliche Wort,
mein Trost, mein Hilf, mein höchster Hort,
erbarm dich mein, denn es ist Zeit,
nach deiner groß’n Barmherzigkeit!

10. Sei gnädig, nach der Güte dein,
lösch aus die Übertretung mein,
wasch ab, tilg aus im Herzensgrund
mein Missetat zu aller Stund.

11. Mach du mich rein, denn ich, o Herr,
erschrick und zag von Herzen sehr,
ich seh mein Ungerechtigkeit,
mein Sünd’ mir vor den Augen liegt.

12. An dir allein, mein Gott, ich han
unzählig viel der Sünd’ getan,
die ich erkenn’, und sind mir leid:
ach Gott, erzeig Barmherzigkeit.

13. Ob du schon richtest mich und ihn,
bleibt doch dein Wort recht stets bestehn.
Du bist wahrhaft, gerecht und fromm,
mit mir ist’s Sünd’ als um und um.

14. Sieh, Herr, mein’ Mutter mich empfing
in Sünden, da ich von ihr ging
war ich voll Arg’s und Missetat,
in Sünden sie mich herbracht hat.

15. Du, Herr, die Wahrheit allzeit liebst,
die Heimlichkeit und Weisheit gibst,
und was verborgen machst du mir
ganz offenbar: ich dank nun dir.

16. Für deine Güt’ und groß Wohltat,
die mir dein Gnad erzeiget hat.
bespreng mich, Herr, mit Ysop schon,
mit Blut dein’s allerliebsten Sohn,

17. das aus sein’ heilgen Wunden floß,
dadurch werd ich der Sünden los.
Wasch mich, daß ich bald werd schneeweiß,
gib in mein Herz dein’ heilgen Geist,

18. laß Freud und Wonne meine Ohren
Vergebung meiner Sünde hören,
daß frohlocken mein’ matt’ Gebein
und wieder stark und fröhlich sein.

19. Verbirg dein Antlitz vor der Schuld,
die ich gemacht, gib mir dein Huld;
tilg aus in diesem Jammertal,
ehe ich verzag, mein’ Sünde all.

20. Schaff mir ein rein’ und züchtig Herz,
von Unzucht frei und bösem Scherz,
ein rechten Geist in mir erneu,
Glaub’, Lieb’, Trost, Demut, wahre Reu.

21. O Herr, von deinem Angesicht
verstoß ja und verwirf mich nicht,
dein heilgen Geist von mir nicht nimm
und straf mich nicht in deinem Grimm.

22. Denn niemand ist der mag bestehn
vor dei’m Zorn, er muß gar vergehn.
Gib mir wieder, o mein Heiland,
die Freud, das teur’ und werte Pfand

23. Das Pfand der Gnad’, und mir bescher
ein willigen Geist, damit ich lehr
die Ungerechten deine Weg,
und wandel stets auf rechtem Steg.

24. Dein Wort ich lehr, auf daß sie sich
zu dir bekehr’n beständiglich.
Von Blutschulden und großer Not
errette mich, meins Heils o Gott.

25. Auf daß fröhlich zu aller Zeit
mein Zung dein Ehr und Ruhm ausbreit.
Eröffne auch die Lefzen mein,
auf daß mein Mund dich lobe fein

26. Dein Lob ich preis und rühme das
herzlich, getrost ohn alle Maß.
Kein Opfer hast du je begehrt,
du würd’st von mir sonst des gewährt.

27. Dein Gnad acht’t kein Brandopfer nicht,
zerknirscht ein Herz, das nieder sinkt,
ein geängst’ter Geist, von Leid gekränkt,
mit Christi teurem Blut besprengt,

28. Ein Herz voll Glaub, Lieb und Geduld
ist dir gar lieb und hat kein Schuld.
Ein solch Herz nicht verachten willst,
du bist sein Leben, Schutz und Schild.

29. Tu wohl, o Herr Gott, an Zion
von wegen deines lieben Sohns,
daß werd erbaut Jerusalem
und du gar reiche Opfer nehm’,

30. Opfer des Lobs aus unserm Mund,
daß unser Herz täglich all Stund
dich lob und preis durch Jesum Christ,
der unser aller Heiland ist.

31. Der Tröster auch, der heilig Geist,
mach unser Herzen allermeist
geschickt zu tun dein Will’n und Wort,
welch’s ist der Frommen Trost und Hort.

32. Auf daß wir nun erfüllen das
und wandeln nach dein’s Worts geheiß,
so hilf durch deines Namens Ehr:
Amen, Amen, o Gott und Herr.

Selneccer, Nikolaus – Herr Gott, mein Hort, mein Heil, mein Trost

Herr Gott, mein Hort, mein Heil, mein Trost,
ich komm zu dir alleine.
Mein Sünd drückt mich wund, ängst’t mich groß,
ich traur’ in mir und weine.
Ich bekenn, o Herr, dir meine Schuld,
mein Herz voll Unflats stecket,
ich flieh aber zu deiner Huld,
dein Gnad all’s Unrein’s decket.

2. Ach Herr, straf mich nicht in dei’m Zorn,
den niemand kann erleiden.
Wer ist jemals so rein gebor’n,
der den hätt’ können meiden?
Ach, züchtig mich nicht in dei’m Grimm,
Herr, sei gnädig mir Armen,
ich bin ja elend, schwach und schlimm,
tue dich, Herr, mein erbarmen.

3. Heil’ mich, mein’ Bein’ erschrocken sind,
mein’ Seel’ ist zag vor Schmerzen.
In mir ist alles worden blind,
kein Leben ist im Herzen.
Ach, wie lang willst du zürnen doch?
wie lang willst du mich kränken?
dein’ Barmherzigkeit lebet noch,
tu mich ja nicht versenken.

4. Wend’ dich, Herr, wend’ dich jetzt zu mir,
errett’ mein’ Seel’ behende.
Zu dir stehen all’ mein’ Begier,
dein’ Güt’ hat ja kein Ende.
Um deiner Güt’ willen allein
hilf mir durch Gnaden große,
im Tod gedenkt man zwar nicht dein,
es ist all’s blind und lose.

5. Im Leben tun dich loben all,
die dich als Gott erkennen,
und preisen dich mit großem Schall,
tun dich ein’n Vater nennen.
Im Tod ist nichts denn Finsternis,
die Höll’ tut dir nicht danken,
wend, Herr, von mir das Ärgernis
und laß mich doch nicht wanken.

6. Ach Gott, mein Herr, von Seufzen groß
bin ich ganz müd und weine,
ich schwemm’ mein Bett ohn’ Unterlaß
die ganze Nacht unreine,
im Schweiß lieg ich, mein Lager klein
netz ich mit Tränen klagend,
mein’ Sünd’ liegt auf mir wie ein Stein,
mein Herz und Bein zernaget.

7. Mein G’stalt die ist verfallen gar,
für trauen alt und bloße,
denn ich bin allenthalben zwar
geängst’t mit Bürden große.
Schweig doch, schweig doch, mein Seel und Sinn,
sei g’duldig, harr’ des Herren:
das Unglück wird bald gehn dahin,
die Hilf ist nicht mehr fern.

8. Ihr übeltäter, weicht von mir,
der Herr hat g’hört mein Weinen.
mein Flehen ist des Herren Gier,
sein Lust hat er an Kleinen.
Ein kleiner Geist Gott’s Huld erlangt,
betrübte Leut’ die besten,
ein großer Geist sich selber fängt
und bleibt alsdann am letzten.

9. Es müssen alle meine Feind
zuschanden werden balde,
erschrecken, wie sie sich vereint,
zertrennet mannigfalte,
zurück müssen sie fallen doch,
plötzlich zuschanden werden,
denn mein Herr Gott lebt jetzund noch
im Himmel und auf Erden.

10. Dank Gott, wenn du nur regen magst
dein Mund, Herz, Sinn und Kräften,
dir ist g’holfen von aller Last
aus Sünd, Not, Teufels G’schäften.
Ich bin in Gnad: trotz, wer das schilt,
mein Sünd ist nun gewaschen,
nun fehlt nichts denn daß ich zumal
vorhin werd zu ei’m Aschen.

11. Was ist es doch? Ich bin ein Kind
des großen Herren Gottes:
Laß her gehn Teufel, Welt und Sünd,
wer will mir bieten Trotzes?
O Jesu Christ, du bist ja mein
und ich dein bin und bleibe,
Sünd, geh hinweg, du bist unrein,
laß mir jetzt stehn mein Leibe.

12. Mein Seel du nicht anfechten sollst,
wenn du noch so groß wärest,
wenn du gleich hin und wieder trollst,
laß sehn, was du begehrest.
Ach Christ, du mein Erlöser heiß’t,
und bist mein Retter worden:
du mir Hilf, Stärk und Beistand leist,
sei mein Trost auserkoren.

Selneccer, Nikolaus – Aus tiefer Noth ich ruf zu dir,

Psalm 130 – Aus tiefer Noth

Der sechste Bußpsalm (Psalm 130.)
Nach eigener Melodie

Aus tiefer Noth ich ruf zu dir,
Mein Gott und Herr, mit groß Begier.
Mein Schrein und meines Flehens Stimm
Mit deinen Ohren Herr vernimm.

So du willst rechnen Sünde zu,
Ach wer soll alsdann haben Ruh?
Wer wird vor dir o Herr bestehn,
Müssen wir nicht Alle vergehen?

Aber bei dir Vergebung ist,
Daß man dich fürcht ohn Falsch und List.
Wer nach dem Heil der Seelen tracht,
Der hab auf dein Erbarmung Acht.

Ich harr des Herrn ganz unverzagt,
Auf seine Gnad seis stracks gewagt.
Mein Seele harret für und für,
Auf sein Wort hoff ich mit Begier.

Mein Seel wart auf den Herren fromm,
Wenn ich gleich leide um und um,
Von einer Morgenwache an
Bis zur andern so lang sie kann.

Israel hoff und sei gewiß,
Daß Gott der Herr barmherzig ist.
Ist doch beim Herrn die Gnad so groß,
Daß sie durchaus hat keine Maß.

Erlöser ist sein lieber Sohn,
Der für uns all hat gnug gethan,
Von allen Sünden machet rein,
Die nur an ihn des Glaubens sein.

Selneccer – Himmelfahrt

Ringwaldt, Bartholomäus – Gott Vater, hör doch meine Klag,

Um Vergebung der Sünden und Errettung wider die Feinde.
Aus den Psalmen zusammen gezogen.

Im Ton: Durch Adams Fall ist ganz verderbt.

Gott Vater, hör doch meine Klag,
So ich im Herzen führe,
Hilf mir, eh denn ich gar verzag
Und mich im Tod verliere;
Thu was gemach Und üb nicht Rach
An mir so gar geschwinde,
Erbarm dich mein Im Herzen dein
In Christo, deinem Kinde.

Sieh, HErr, wie ich bekümmert geh,
Mit Traurigkeit umgeben;
Ich seufze, wo ich geh und steh,
Und hab kein Lust zu leben.
So drückt mich fast Der Sünden Last,
Die ich zur Zeit begangen.
HErr, mach mich Heil, Denn deine Pfeil,
Die halten mich gefangen.

Zu dem hab ich noch ohne Ziel
Ueber dies heimlich Leiden,
Verfolger und Mißgönner viel,
Die mich gewaltig neiden
Und reden frech In ihrer Zech
Von mir viel arge Sachen
Und mich umher Mit Lügen mehr
Beim Volk verdächtig machen.

Ich aber muß im Herzen mein
Von wegen meiner Schulden
Gleich wie ein Taub und Stummer sein
Und mich also gedulden
Bis sich dein Ruth Was legen thut,
Die mich thut billig drücken.
O HErr, nimm doch Das schwere Joch
Von meinem schwachen Rücken.

Hilf mir, o HErr, zur rechten Zeit,
Laß mich nicht untersinken,
Und straf die gottsvergessenen Leut,
Die täglich um mich hinken
Und mir viel Leid Aus bloßem Neid
Gedenken beizufügen
HErr, gibs nicht zu, Mich schützen thu,
Und straf ihr‘ groben Lügen.

Vergib mir all mein Missethat,
Dich wieder zu mir wende,
Und machs mit meiner Feinde Rath
Einmal ein schrecklich Ende.
Schaff ihnen auch Ins Haus ein Rauch
Dabei sie mein vergessen,
Thu ihnen das Mit gleichem Maaß
Bezahlen und einmessen.

Im Hals ihnen die Wort verkürz,
Die sie aus gossen haben,
Und sie selbst in die Gruben stürz,
Die sie mir han gegraben,
Damit sie nicht So aufgericht
Im Herzen jubiliren,
Sondern vielmehr Ein schändlich Ehr
Erleben an den Ihren.

Erlös mich, HErr, von ihrem Strick,
Der tödtlich ist vergiftet;
Mit deinem Geist mein Herz erquick,
Das noch viel Jammer stiftet
Mit Aengsten groß; HErr, mach mich los
Von diesen stolzen Fetten,
Als ich denn Trau Und auf dich bau:
Ich weiß, du wirst mich retten.

Amen.

Wendebourg – Bartholomäus Ringwaldt’s geistliche Lieder