Hedwig von Redern – An dem Fuß des Kreuzesstammes

An dem Fuß des Kreuzesstammes,
wo du, Herr, gestorben bist,
lege ich zum Preis des Lammes
hin mein Leben, wie es ist.
Das ist Seligkeit,
wenn ein armes, armes Leben
ist ihm ganz geweiht!

Dir will ich mein alles geben,
nichts behalt’ ich mehr zurück:
ganz zu ruhn in deinem Willen,
das ist wahres, volles Glück.
Das ist Seligkeit,
wenn ein armes, armes Leben
ist ihm ganz geweiht!

Daß ich nur voll Geistes werde,
allen Eigenlebens bar;
Glanz und Güter dieser Erde,
fahret wohl für immerdar!
Das ist Seligkeit,
wenn ein armes, armes Leben
ist ihm ganz geweiht!

O die wunderbare Gnade,
mit der Jesus mich umgibt!
Dir gehör’ ich, dich nur lieb’ ich.
der du mich zuerst geliebt!
Das ist Seligkeit,
wenn ein armes, armes Leben
ist ihm ganz geweiht!

Johann Heermann – Was willst du dich betrüben,

Was willst du dich betrüben,
o meine liebe Seel’?
Tu den nur herzlich lieben,
der heißt Immanuel!
Vertrau doch ihm allein;
er wird gut alles machen
und fördern deine Sachen,
wie dir wird selig sein.

Denn Gott verlasset keinen,
der sich auf ihn verläßt.
Er bleibt getreu den Seinen,
die ihm vertrauen fest.
Läßt sich’s an wunderlich,
laß du gar nichts dir grauen;
mit Freuden wirst du schauen,
wie Gott wird helfen dir.

Auf ihn magst du es wagen
getrost mit frischem Mut;
mit ihm wirst du erjagen,
was dir ist nütz und gut.
Denn was Gott haben will,
das kann niemand verhindern
aus allen Menschenkindern,
soviel ihr’ sind im Spiel.

Er richt’s zu seinen Ehren
und deiner Seligkeit.
Soll’s sein, kein Mensch kann’s stören,
wenn’s ihm war noch so leid.
Will’s denn Gott haben nicht,
so kann’s niemand forttreiben,
es muß zurückebleiben.
Was Gott will, das geschieht.

Drum ich mich ihm ergeben,
dem sei es heimgestellt.
Nach nichts mehr ich sonst strebe
denn nur, was ihm gefällt.
Sein Will’ ist mein Begier.
Der ist und bleibt der beste,
das glaub’ ich steif und feste.
Wohl dem, der glaubt mit mir!

Johann Heermann – Das Gleichnis vom Acker

Da nun viel Volk zu Christo kam mit Haufen
aus allen Städten hin und her gelaufen,
wollt’ er durch Gleichnis ihre Herzen rühren
und zu Gott führen.

Ein Säemann, sprach er, säete seinen Samen,
von dem fiel etlich’s an den Weg; bald kamen
und fraßen’s auf die Vögel haufenweise
als ihre Speise.

Was sie noch übrig von den Körnlein ließen,
das ward vertreten ganz und gar mit Füßen;
es mußte da verderben in der Erden
und zu nichts werden.

Etliches fiel auf den Fels und mußt’ umkommen;
denn ihm ward aller Saft und Kraft benommen.
Viel ward von Dorn und Distel verdecket
und gar erstecket.

Das aber auf ein gut Land war gefallen,
trug hundertfältig seine Frucht für allen.
Itz rief der Herr: Wer Ohren hat zu hören,
lasse sich lehren!

Die Jünger baten, dieses zu erklären.
Wohlan, sprach Jesus, ich will euch gewähren
und meine Reden von himmlischen Sachen
verständlich machen!

Ihr habt die Gnad’: euch ist’s von Gott gegeben.
Die andern, so aus Hoffart sich erheben,
die hören’s, daß sie blind und taub an Sinnen
nichts wissen können.

Der Samen ist das Wort. Die an den Wegen
sind, die es hören und doch sein nicht pflegen.
Bald nimmt’s der Teufel weg, daß sie nicht gläuben,
noch in Gott bleiben.

Die auf dem Felsen nehmen’s an mit Freuden
und glauben, doch solange sie nichts leiden.
Kommt Kreuz, so fallen sie dahin und laufen
von Gott mit Haufen.

Was unter Dornen fällt, sind, die es hören
und lassen sich die schnöde Welt betören
mit Sorgen, Wollust, Geizen und viel Prangen,
dem sie anhangen.

Das gute Land sind, die das Wort fein merken,
behalten und daraus den Glauben stärken,
daß sie von Gott auch nicht nur mit Gedanken
im Kreuze wanken.

Gib, Jesu, daß ich mich zur Predigt dringe,
sie fleißig hör’ und edle Früchte bringe,
daß ich mein Kreuz geduldig auf mich fasse
und dich nicht lasse!

Hedwig von Redern – Den Schlüssel zum Herzen

Den Schlüssel zum Herzen, dem kranken,
hat Jesus, der Heiland, allein.
Wenn Hoffnung und Glauben versanken,
dann leuchtet er suchend hinein.

Hinein in das dunkele Leben,
ins sündenverfinsterte Herz,
um Heilung und Rettung zu geben
und Hilfe für Wunden und Schmerz.

Und wenn dann sein Heilen und Lieben
das Wunder, das große, getan,
dann öffnet, von Liebe getrieben,
das Herz sich und betet ihn an.

Dann brechen die eisernen Bande,
die lange die Seele gebannt,
und Schulden, Schaden und Schande
löscht aus die durchgrabene Hand.

Johann Heermann – Es gingen zween Menschen hin,

Es gingen zween Menschen hin,
die hatten beide einen Sinn,
im Tempel anzubeten.

Der erste war ein Ordensmann,
der fing für Gott zu prahlen an
und kam mit Stolz getreten.
Ich danke dir, sprach er zu Gott,
daß ich mein Herz durch Sündennot
gleich andern nicht beflecket.
Dort steht ein Zöllner bei der Tür,
er darf wie ich nicht gehn herfür,
sein’ eigne Sünd’ ihn schrecket.
ln Ehbruch hab ich nicht gelebt,
dem Raub und Unrecht widerstrebt,
ganz rein ist mein Gewissen.
Was dein Gesetze schreibet für,
hab’ ich getan: drum kannst du mir
den Himmel nicht zuschließen.

Der ander’ aus der Zöllner Schar
im Herzen sehr betrübet war,
mit lauter Angst umgeben.
Er fürcht’te Gottes Zorngericht,
darum wollt’ er die Augen nicht
hinauf gen Himmel heben.
Er schlug mit Reu’ an seine Brust
und sprach: O Gott, dir ist bewußt
der Greuel meiner Sünden!
Es ist mir alles herzlich leid:
erzeige mir Barmherzigkeit,
laß deinen Zorn bald schwinden!

Ist gleich des Zöllners Bosheit groß,
spricht ihn doch Christus frei und los.
Der Pharisäer bleibet
in seinen Sünden, weil er sich
vor Gott aufbläst so trotziglich
und alles ihm zuschreibet.
Denn wer sich selbst hoch setzen will,
mit seinen Werken prangen viel,
der muß zugrunde gehen.
Wer aber sich fein niedrig setzt
und schlecht mit Gottes Gnad’ ergetzt,
den will Gott selbst erhöhen.

Johann Heermann – Herr, unser Gott, laß nicht zuschanden werden

Herr, unser Gott, laß nicht zuschanden werden
die, so in ihren Nöten und Beschwerden
bei Tag und Nacht auf deine Güte hoffen
und zu dir rufen!

Mache zuschanden alle, die dich hassen,
die sich allein auf ihre Madit verlassen!
Ach kehre dich mit Gnaden zu uns Armen;
laß dich’s erbarmen!

Und schaff uns Beistand wider unsre Feinde!
Wenn du ein Wort sprichst, werden sie bald Freunde;
sie müssen Wehr und Waffen niederlegen,
kein Glied mehr regen.

Wir haben niemand, dem wir uns vertrauen;
vergebens ist’s, auf Menschenhilfe bauen;
mit dir wir wollen Taten tun und kämpfen,
die Feinde dämpfen.

Du bist der Held, der sie kann untertreten
und das bedrängte, kleine Häuflein retten.
Wir traun auf dich, wir Schrein in Jesu Namen:
Hilf, Helfer! Amen.

Johann Heermann – Treuer Wächter Israel.

Treuer Wächter Israel.
des sich freuet meine Seel’,
der du weißt um alles Leid
deiner armen Christenheit:
o du Wächter, der du nicht
schläfst noch schlummerst, zu uns richt
dein hilfreiches Angesicht!

Schau, wie große Not und Qual
trifft dein Volk jetzt überall;
täglich wird der Trübsal mehr.
Hilf, ach hilf, schütz deine Lehr’!
Wir verderben, wir vergehn,
nichts wir sonst vor Augen sehn,
wo du nicht bei uns wirst stehn.

Andre traun auf ihre Kraft,
auf ihr Glück und Ritterschaft;
deine Christen traun auf dich,
auf dich traun sie festiglich.
Laß sie werden nicht zuschand,
bleib ihr Helfer und Beistand,
sind sie dir doch all’ bekannt!

Johann Heermann – Jetzt reis’ ich aus in Jesu Nam’

Jetzt reis’ ich aus in Jesu Nam’,
der mir zugut vom Himmel kam,
gereiset in dies Jammertal
aus seinem höchsten Freudensaal.

Was ich in Jesu Nam’ anheb’,
wohin ich denk’, wonach ich streb’,
das alles muß geraten wohl,
von Gottes Segen werden voll.

Du richtst, Herr Jesu, meinen Fuß,
daß nichts von dir mich wenden muß.
Du führst mich aus und wieder ein,
durch dich muß alles heilsam sein.

Befiehl den Engeln, daß sie mich
auf allen Wegen sicherlich
begleiten und mit ihrer Wach’
abwenden alles Ungemach!

Treib mein Vorhaben glücklich fort,
bring mich mit Freuden an den Ort,
dahin zu kommen ich gedenk’;
der Menschen Herzen zu mir lenk,

daß sie mich willig nehmen an,
wenn ich nicht Weiterreisen kann,
und mich zu solchen Leuten führ,
die fromm sind und gefallen dir!

Und wenn ich dann nach Wunsch vollbracht,
was zu vollbringen ich gedacht,
so führe du mich selbst nach Haus,
wie du mich hast geführet aus!

Johann Heermann – Herr Jesu Christe, mein getreuer Hirte

Herr Jesu Christe, mein getreuer Hirte,
komm, mit Gnaden mich bewirte!
Bei dir alleine find’ ich Heil und Leben;
was mir fehlt, kannst du mir geben.
Kyrielcison!

Du bist die lebendige Quelle,
zu dir ich mein Herzkrüglein stelle;
laß mit Trost es fließen voll,
so wird meiner Seele wohl.
Kyrieleison!

Ach komm selbst, leg an deine Hände
und die schwere Last von mir wende,
mache mich von Sünden frei,
dir zu dienen, Kraft verleih!
Kyrieleison!

In dir hab’ ich alles, was ich soll,
deiner Gnade Brünnlein ist stets voll.
Laß mich ewig sein in dir
und bleib ewig auch in mir!
Kyrieleison!

Johann Heermann – Der Tod klopft bei mir an

Der Tod klopft bei mir an,
das zeigen meine Schmerzen;
doch ist nichts, das mich schrecken kann.
Ich trage den im Herzen,
der meinen Tod durch seinen Tod
getötet hat und mir bei Gott
Gnad’, Hilf‘ und Heil erworben.
Wer an ihn glaubt
und treu verbleibt,
der bleibet unverdorben.

Drum wenn mich Gott von hinnen nimmt,
so denke nicht mit Schmerzen,
er sei auf dich und mich ergrimmt;
er liebet uns von Herzen,
er liebet, sag‘ ich, dich und mich,
das glaub, o Liebste, sicherlich!
Werd‘ ich von dir genommen
auf kurze Zeit,
in Herrlichkeit
wirst du dort zu mir kommen.

Ach, hebt die Augen auf mit mir!
Den Himmel sah ich offen.
Ach. ach, wie schön ist meine Zier,
Gott hör‘ ich mir schon rufen:
Komm, treuer Knecht, o geh herein,
jetzt sollst du ewig bei mir sein
und meine Freude schmecken!
Hinfort soll dir
kein Feind bei mir
Gefahr und Furcht erwecken.

Wo bleibt Verfolgung, Angst und Qual?
Was soll ich Ärmster sagen
von Plünderung, die etlich‘ Mal
ich habe müssen tragen?
Was bringt nicht Krankheit für Gefahr,
die mir jetzt in die zwanzig Jahr
den matten Leib durchritten?
Was hab’ ich sonst
bei meiner Kunst
nicht da und dort erlitten?

Nun bringt mich Gott zur sichern Ruh’,
kein Unglück kann mich letzen,
er schließt die Türe nach mir zu,
nun mag der Teufel hetzen
mit seinen Hunden, wie er will;
und wären ihrer noch so viel,
soll er mir doch nicht schaden.
Ich bin bei Gott,
wo keine Not;
bei Gott bin ich in Gnaden.

Bald wird mir Gott selbst legen an
ein Kleid, das nicht veralten,
ein Kleid, das kein Dieb stehlen kann,
das mich nicht läßt erkalten.
Hier bin ich nur ein Wandersmann,
der nichts Erbeignes haben kann:
dort aber werd’ ich haben
das Vaterland
mir zugewandt
mit allen seinen Gaben.