Ernst Christoph Homburg, geboren 1605 zu Mühla bei Eisenach, lebte als ein frommer Rechtsgelehrter zu Naumburg. Anfangs beschäftigte er sich nur mit weltlicher Poesie; allein die Trübsal schwerer körperlicher Leiden, womit sowohl er selbst, als auch seine Ehefrau heimgesucht wurde, sowie mancherlei Neid und Feindschaft, die er zu erdulden hatte, trieben ihn zur geistlichen Liederdichtung, die, je schwerer das Hauskreuz auf ihm lastete, desto inniger und begeisterter wurde. Seine geistlichen Lieder, die übrigens meist Passions-, Buß-, Kreuz-, Trost- und Sterbelieder sind, erschienen in zwei Teilen, und zwar der erste 1658 zu Naumburg mit 100 Liedern, der zweite 1659 zu Jena mit 50 Liedern. Sie sind den Johann Frank’schen Liedern nahe verwandt und zeichnen sich durch leichte und wohlklingende Sprache und durch lebendige und edle Darstellung aus; jedoch kann man ihnen meist den gedrückten Seelenzustand des Dichters abfühlen. Das Todesjahr Homburgs ist 1681.
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Laurentius Laurenti – Biographie
Laurentius Laurenti wurde 1660 zu Husum in Schleswig-Holstein geboren, wo sein Vater ein angesehener Bürger war und als großer Musikfreund sehr eifrig für die musikalische Ausbildung seines Sohnes sorgte. Seine wissenschaftliche Bildung erhielt er auf der Universität Kiel. Im Jahre 1684 wurde er Kantor und Musikdirektor an der Domkirche zu Bremen und starb auch daselbst 1722. Er hat im ganzen 148 geistliche Lieder gedichtet, die sich meist durch große Einfachheit und salbungsvolle Sprache auszeichnen, und von denen etliche wohl als echte Kernlieder bezeichnet werden können.
Luise Henriette Kurfürstin von Brandenburg
Luise Henriette, Kurfürstin von Brandenburg, wurde am 17. November 1627 zu Haag in Holland geboren und war die älteste Tochter des eifrigen Protestanten und Erbstatthalters der Niederlande, Prinzen Friedrich Heinrich von Oranien. Ihre Erziehung war einfach und gottesfürchtig, so dass sie von den verderblichen Einflüssen des damals fast an allen Höfen zur Mode gewordenen Pariser Hoflebens unberührt blieb. Im Jahre 1646 vermählte sie sich mit dem großen Kurfürsten von Brandenburg, Friedrich Wilhelm, zog aber erst 1649 nach Beendigung des dreißigjährigen Krieges, und nachdem sie noch ihren leidenden Vater bis an seinen Tod mit unermüdlicher Liebe und Geduld gepflegt hatte, nach Berlin. Auf dieser Reise verlor sie durch den Tod den noch in Holland geborenen Erbprinzen, bei welcher Gelegenheit, wie schon erwähnt, obiges Lied entstand. In Berlin war sie die weise Ratgeberin und treue Begleiterin ihres hohen Gemahls und die wahrhaft geliebte und verehrte Mutter des Landes und der Untertanen. Sie war unermüdet im Wohltun, half der Landwirtschaft und den Gewerben auf, führte den Kartoffelbau ein und sorgte, wo und wie sie nur konnte, für das Gedeihen des Landes. Daher wurde ihr Name bald der Lieblingsname des Volkes und damals allgemein den Töchtern beigelegt. Besondere große Verdienste erwarb sie sich auch um das Kirchen- und Schulwesen, legte viele neue Schulen an, besorgte 1653 die Herausgabe eines evangelischen Gesangbuches zu Berlin und leuchtete selbst als ein wahres Muster frommen Wandels allen vor. Im Jahre 1654 gebar sie zur großen Freude des Kurfürsten und des Landes einen neuen Thronerben und stiftete zum dankbaren Gedächtnis in dem nach ihr benannten Oranienburg eine Versorgungsanstalt für vaterlose Waise. Späterhin gebar sie noch vier Kinder. In der kurz nach 1654 folgenden Kriegszeit, da der Kurfürst teils gegen Schweden, teils gegen Polen zu kämpfen hatte, lebte sie meist in Königsberg und hatte mancherlei Not und Trübsal und eigene leibliche Schwachheit zu erdulden, wie denn überhaupt ihre Gesundheit sehr gefährdet und abgeschwächt war. Aber dennoch blieb sie allezeit stark im Glauben an ihren Heiland, der auch im Tode ihre feste Zuversicht und ihr Leben war. Leider starb sie schon 1667, noch nicht vierzig Jahre alt, zur größten Betrübnis ihres Gemahls und des ganzen Landes. Als Text für die Leichenpredigt hatte sie Hiob 13, 15.: „Ob mich der Herr gleich töten wird, will ich doch auf ihn hoffen“ sich selbst ausgewählt.
Johann Frank – Biographie
Johann Frank wurde 1618 zu Guben in der Niederlausitz geboren, wo sein Vater Advokat und Ratsherr war. Nach dessen frühzeitigem Tode nahmen sich seine Anverwandten und Freunde des vaterlosen Waisen an und ließen ihn in den gelehrten Schulen zu Cottbus, Stettin und Thorn heranbilden, bis er im Jahre 1637 die Universität Königsberg bezog, um die Rechte zu studieren. Hier weckte Simon Dach, das Haupt der Königsberger Dichter, die ihm reichlich verliehene Dichtergabe, die denn auch Frank bis an sein Ende getreulich pflegte. Nach vollendeten Studien kehrte er nach Guben zurück und ließ sich dort als Rechtsanwalt nieder. Sehr bald erwarb er sich das allgemeine Vertrauen, so dass er 1648 Ratsherr, 1661 Bürgermeister und 1670 sogar Landesältester wurde. Er starb im Jahre 1677 und hat im ganzen 110 Lieder hinterlassen, die er, nebst seiner „Vater unser Harfe“ – 300 Bearbeitungen des Vaterunser nach bekannten Kirchenmelodien und anderen poetischen Arbeiten, in seinem geistlichen Sion“ vom Jahre 1674 erscheinen ließ.
Als Liederdichter nimmt Frank einen sehr hohen Rang ein und wird deshalb wohl nicht mit Unrecht dem Paul Gerhardt zur Seite gestellt, da seine Lieder ihrem inneren Gehalte nach den Gerhardtschen – am nächsten verwandt sind.
Nicolaus Decius – Biographie
Nikolaus Decius, dessen Geburtsjahr unbekannt ist, war anfangs Mönch und später katholischer Propst des Klosters Steterburg im Fürstentum Wolfenbüttel; trat aber gleich beim Beginn der Reformation zur evangelischen Lehre über, verließ seine Stellung und wurde Schulkollege zu Braunschweig. Als ein Meister in der Musik und besonders im Harfenspiel trug er hier durch Ausführung vielstimmiger Musikstücke viel zur Verschönerung des protestantischen Gottesdienstes bei und setzte auch seine Lieder selbst in Musik. Im Jahre 1524 wurde er Prediger an der St. Katharinenkirche zu Stettin, starb aber dort schon 1529 nach einem segensreichen Wirken für die reine Lehre des Wortes. Man nimmt, vielleicht nicht ohne Grund, an, dass er von den Katholiken um seines reformatorischen Strebens willen vergiftet worden sei. – In jüngster Zeit haben übrigens nähere Forschungen ergeben, dass sein eigentlicher Name Nikolaus von Hof ist.
Johann Heermann – Biographie
Johann Heermann wurde 1585 zu Raudten im Fürstentum Wohlau in Niederschlesien geboren, wo sein Vater ein armer Kürschner war. Nachdem er seine erste Ausbildung in seiner Vaterstadt und in Wohlau erhalten hatte, kam er nach Fraustadt in das Haus des frommen Valerius Herberger, der ihn wie sein eignes Kind liebte und einen tiefen Eindruck auf die empfängliche Seele des Jünglings zurückließ. Hierauf besuchte er die Gymnasien von Breslau und Brieg und wurde, da er namentlich in Brieg sehr bald sein Dichtertalent entwickelte, dort, kaum 23 Jahre alt, mit großer Feierlichkeit zum Dichter gekrönt. Bald danach bezog er mit drei jungen Edelleuten, über welche ihm die Aussicht anvertraut war, die Universität Straßburg. Allein schon nach einem Jahre musste er in die Heimat zurückkehren, weil ihm durch Krankheitszufälle das Augenlicht verdunkelt war, und hier traf er auch seine Mutter krank an. Doch genasen beide wieder, und unser Dichter wurde 1611 Prediger in Köben an der Oder. Hier verlebte er die ersten Jahre wahre Tage der Freude und des Glücks. Er stand in freundschaftlicher Verbindung mit dem frommen und glaubenseifrigen Grundherrn der Gemeinde, Herrn von Kottwitz, und mit seinem alten väterlichen Freunde Valerius Herberger. Dazu hatte er die Freude, dass seine Predigten, die aus dem Herzen kamen, und in denen er jederzeit das Heil und die Seligkeit seiner Gemeinde im Auge hatte, mit Freuden und Segen gehört wurden. Auch in seiner obgleich kinderlosen Rhe lebte er sehr glücklich.
Aber bald sollte ihm die freundliche Sonne des Glücks untergehen. Es kamen von nun an fast unausgesetzte Kreuz- und Leidenstage über ihn. Im Jahre 1617 starb ihm sein geliebtes Weib, und wehmütiger Schmerz ging durch seine Seele, wie er sich auch in seinem damals gedichteten Liede ausspricht: „Ach Gott, ich muss in Traurigkeit mein Leben nun beschließen.“ Im Jahre 1618 verheiratete er sich wieder, verfiel aber bald darauf in einen leidenden Zustand, der vom Jahre 1623 an in eine fast ununterbrochene Krankheit überging, so dass seine Frau nichts als mühsame Krankenpflege zu verrichten hatte. Zu diesen körperlichen Leiden Leiden kamen noch die Drangsale des dreißigjährigen Krieges. Die Wallensteinschen Horden plünderten ihn verschiedene Male aus und mehr als einmal musste er vor den Kroaten flüchtig werden. Auch von der überall grassierenden Pest blieb seine Gemeinde nicht verschont. Das alles bereitete dem frommen Manne viel Kummer und Herzeleid. – In dieser schweren Leidenszeit entstanden die meisten seiner Lieblichen geistlichen Lieder, die von seiner tiefen Lebenserfahrung zeugen und allen Kreuzträgern wie aus der Seele geschrieben sind. Endlich im Jahre 1638, da seine körperlichen Leiden, die ihren Hauptsitz im Halse hatten, immer größer wurden und ihn schon seit vier Jahren verhindert hatten, die Kanzel zu besteigen, legte er sein Amt nieder und zog nach Lissa in Polen, wo er seine Ruhe zum Schreiben gottseliger und erbaulicher Schriften benutzte. Die letzten vier Jahre lag er beständig krank, hielt aber geduldig aus, bis er endlich 1647 am Morgen des Sonntags Septuagesimä, dessen Evangelium von den Arbeitern im Weinberge handelt, sanft hinüberschlummerte in das Jenseits, um auch seinen Lohn als treuer Arbeiter zu empfangen. Heermanns Lieder sind wahre Kleinodien des evangelischen Liederschatzes und zeichnen sich durch Reichtum und Tiefe seiner innern und äußern Lebenserfahrungen, durch Frömmigkeit und stille Ergebung, sowie durch Klarheit und Zierlichkeit des Ausdrucks und der Form aus.
Nikolaus Hermann – Biographie
Nikolaus Hermann lebte zur Zeit der Reformation und war Kantor zu Joachimsthal in Böhmen. Von seinen Lebensumständen ist wenig bekannt; selbst sein Geburtsjahr wissen wir nicht genau – man nimmt etwa 1480 an. So viel wissen wir aber, dass er sich besonders gern mit den Kleinen, mit den „Kinderseelen“, beschäftigte und seine Lieder vornehmlich für diese dichtete und einrichtete, weshalb er sie auch nicht für Kirchenlieder, sondern für Kinder- und Hauslieder angesehen wissen wollte. Mit seinem Pfarrer Johann Mathesius, einem Tischgenossen und Herzensfreunde Luthers, lebte er im vertraulichsten Verkehr und brachte dessen Predigten nicht selten in die Form von Liedern. Außerdem fügte er seinen aus gemütlicher Innigkeit hervorgegangenen Liedern auch besondere Melodien hinzu und förderte mit großem Eifer den Kirchengesang. Sein Todesjahr ist 1561.
Martin Luther – Biographie
Dr. Martin Luther, der große Reformator und Vater des deutschen evangelischen Kirchenliedes und Kirchengesanges, wurde geboren den 10. November 1483 zu Eisleben, studierte in Erfurt und trat 1505 in das dortige Augustinerkloster, um hier den Frieden zu finden, den er bis dahin in seiner Gewissensangst umsonst gesucht hatte, aber auch im Kloster trotz aller Bußübungen nicht fand. Im Jahre 1508 wurde er Professor in Wittenberg und 1512 Doktor der Theologie. Seine Lebensgeschichte ist zu bekannt, als dass wir ins einzelne zu gehen nötig hätten. Einige kurze Andeutungen mögen genügen. Der Tag, da er zuerst die Waffen des göttlichen Wortes gegen den Trug und die Lüge der päpstlichen Lehre ergriff, war der 31. Oktober 1517, als er seine 95 Sätze gegen den Ablass an die Schlosskirche zu Wittenberg schlug. Die nächste Folge hiervon waren mehrere Disputationen mit den Abgeordneten des Papstes, Cajetan und Dr. Eck, und da diese ohne Erfolg blieben, eine päpstliche Bulle, wodurch Luther 1519 in den Bann getan wurde. Luther verbrannte diese Bulle öffentlich und sagte sich durch diesen Schritt vom Papste förmlich los. Hierauf wurde er auf den Reichstag zu Worms 1521 vorgeladen, um sich und seine Lehre zu verteidigen, und da er auch hier nicht widerrufen wollte, noch konnte, wurde er in die Reichsacht erklärt; allein durch seinen Freund, den Kurfürsten von Sachsen, Friedrich den Weisen, auf seiner Heimreise von Worms gen Wittenberg nach der Wartburg entführt und gerettet. Hier lebte er lange Zeit im Verborgenen und begann die Übersetzung der Bibel ins Deutsche, wovon bereits 1522 das Neue Testament erschien. Im Jahre 1525 verheiratete er sich mit Katharina von Bora, gab 1529 die beiden Katechismen heraus und ließ 1534 die vollständige Bibelübersetzung erscheinen. Die Sache der Reformation gedieh inzwischen immer kräftiger, und Fürsten und Völker schlossen sich allmählich dem großen Manne an. Am 25. Juni 1530 wurde auf dem Reichstage zu Augsburg von den evangelischen Fürsten ihr Glaubensbekenntnis, „Augsburgische Konfession“ genannt, überreicht, bis endlich nach Luthers Tode, der den 18. Februar 1546 zu Eisleben erfolgte, wo er grade zugegen war, um die Streitigkeiten der Grafen von Mansfeld zu vermitteln, am 25. September 1555 durch den Augsburger Religionsfrieden die protestantische Kirche als solche in ihren Rechten und Besitzungen und in ihrer Unabhängigkeit von Papste anerkannt wurde.
Luthers Wirksamkeit für das Kirchenlied und den Kirchengesang, die uns hier zunächst angeht, war von der größten Wichtigkeit. Sein Verdienst ist es, demselben in allen Ständen der evangelischen Christenheit eine bleibende Heimatsstätte bereitet zu haben. Von ihm ist nicht nur eine heilsame Anregung zur neuen und wahren Gestaltung desselben ausgegangen, sondern er hat auch selbst darin gearbeitet, hat die schönsten Gesänge der alten lateinischen Kirche übersetzt und bearbeitet, Psalmen und Bibelstellen in freie, kräftige Reime gebracht und viele herrliche Lieder aus dem Schake seines lebendigen Glaubens hinzugedichtet, die sich durch Kraft und Fülle der Gedanken, durch Einfachheit und Wärme des Ausdrucks, durch Wahrheit und Festigkeit des Glaubens auszeichnen. Ebenso sorgte er für entsprechende Singweisen, wobei ihm der Kurfürstlich sächsische Kapellmeister, Hans Walther, ein treuer Freund und Mithelfer war. Überhaupt schrieben die meisten damaligen Kirchenliederdichter auch die Melodien zu ihren Liedern. Das erste Gesangbüchlein von Luther erschien 1524 und umfasste 8 Lieder und unter diesen 4 von ihm selbst; das letzte erschien 1545 und enthielt 129 Lieder und darunter 37 von ihm selbst. Von diesen 37 Liedern Luthers sind 12 Überarbeitungen alter lateinischer Kirchengesänge, 4 Verbesserungen ursprünglich deutscher geistlicher Volkslieder, 8 Bearbeitungen von Psalmen die des 130. Psalms in doppelter Fassung – 8 Bearbeitungen von einzelnen Bibelstellen und endlich 5 frei gedichtete Lieder.
Christian Fürchtegott Gellert – Biographie
Christian Fürchtegott Gellert stammte aus Hainichen bei Freiberg im sächsischen Erzgebirge, wo er 1715 geboren und danach unter der strengen Zucht seines Vaters, der dort Prediger war, erzogen wurde. Da er noch 12 Geschwister hatte, ging es im Hause oft sehr kärglich zu, und frühe schon musste unser Gellert durch Abschreiben Geld verdienen. Von 1729-1734 besuchte er die Fürstenschule zu Meißen und begab sich dann auf die Universität Leipzig, um Theologie und Philosophie zu studieren. Nach vierjährigem Studium kehrte er ins elterliche Haus zurück, um seinen Vater im Predigen zu unterstützen; allein seine große Ängstlichkeit und Schüchternheit, die ihren Hauptgrund in seiner durchs ganze Leben ihn begleitenden körperlichen Schwäche und Kränklichkeit hatten, veranlassten ihn, dem Predigtamte zu entsagen. Seit 1741 hielt er sich wieder in Leipzig auf und trat dort mit den Verfassern der gegen Gottscheds Nüchternheit gerichteten „Bremer Beiträge“ oder dem Leipziger Dichterbunde in Verbindung, wozu der geschickte Kritiker Gärtner, der gefeierte Prediger und begabte Dichter Cramer, der vielbelesene Zachariä, der Satiriker Rabener u. a. gehörten. In diesen Bremer Beiträgen ließ er besonders Fabeln und Erzählungen, die ihm bald einen berühmten Namen machten, erscheinen. Jahre 1744 wurde er Privatdozent und 1751 außerordentlicher Professor zu Leipzig und las über Poesie und Beredsamkeit, sowie über Sittenlehre. In kurzer Zeit hatte er sich die allgemeine Liebe der studierenden Jugend erworben, der er zugleich ein leuchtendes Vorbild im Wandel war. Die Heilige Schrift war ihm das liebste Buch. Im Jahre 1757 gab er seine „geistlichen Oden und Lieder“, deren er im Ganzen 54 gedichtet hat, heraus, die allgemeinen Beifall fanden und bald in den Kirchen gesungen wurden. – Seine Kränklichkeit nahm indes immer mehr zu. Zu wiederholten Malen besuchte er Carlsbad, aber ohne Erfolg, bis er 1769 im Glauben an seinen Erlöser und unter stillem Gebet einschlief.
Der Grundzug in Gellerts Charakter war Schwermut und Ernst, die Folge seines siechen Körpers. Daher war er auch für Lebensgenüsse wenig empfänglich, desto mehr aber zu Andachtsübungen und ängstlichen Selbstprüfungen geneigt. Mit zunehmendem Alter nahmen auch diese zu, so dass er in späteren Jahren sogar seine vortrefflichen Fabeln als verwerflich verdammte. Als Universitätslehrer war er von großer Bedeutung und trug viel zur Förderung und Hebung deutscher Sprache und Poesie bei. Überhaupt genoss er von allen Ständen, auch von Königen und Fürsten, Liebe, Achtung und Vertrauen.
Paul Gerhardt – Biographie
Paul Gerhardt wurde 1607 zu Gräfenhainchen bei Wittenberg geboren, wo sein Vater Bürgermeister war. Seine Jugendgeschichte ist völlig unbekannt. Wegen der Unruhen und unsicheren Zustände während des dreißigjährigen Krieges war er bis zum 45. Lebensjahre ohne Anstellung im Pfarramte geblieben und lebte als Kandidat und Hauslehrer in Berlin. Erst um diese Zeit wurde er als Probst nach Mittenwalde in der Mark berufen und blieb daselbst bis zum Jahre 1657. In diesem Jahre wurde er Diakonus an der St. Nikolaikirche zu Berlin, wo er sich in kurzer Zeit durch eifriges Predigen, durch treue Seelsorge und durch seine herrlichen Lieder die Liebe seiner Gemeinde erwarb. Allein bald musste er aus seinem Amte scheiden. Der große Kurfürst, ein eifriger Bekenner der reformierten Kirche, ließ ein strenges Religionsedikt zum Schutze der Reformierten gegen die Lutherischen, deren entschiedener Vertreter Gerhardt war, ergehen, worin jede Verunglimpfung und Verketzerung auf der Kanzel auf das strengste untersagt war, und zwang die Geistlichen, durch Unterschrift zur Haltung des Erlasses sich zu verpflichten. Die Lutherischen fügten sich, obgleich nur mit innerem Widerstreben, und nur Gerhardt ließ sich nicht dazu bewegen, weil er um des Gewissens willen nicht von seinem Glauben und seiner Lehre abweichen wollte. Und obgleich ihm auch späterhin durch Fürsprache des Magistrats und durch die Bemühungen seiner Gemeinde vom Kurfürsten die Unterschrift erlassen wurde, freilich mit dem mündlich hinzugefügten Bemerken, dass „Seine Durchlaucht der gnädigsten Zuversicht lebten, dass er auch ohne diese Unterschrift sich dem Edikte gemäß zu bezeigen wissen werde,“ so hielt er es doch für unverantwortlich, in seinem Amte zu verharren, und legte es 1667 nieder. In dieser Zeit sollten auch andere bittere Leiden ihn treffen. Er verlor kurz vor Ostern 1668 sein geliebtes Weib, nachdem ihm nicht lange vorher zwei Söhne durch den Tod entrissen worden waren. Nur ein sechsjähriger Knabe blieb ihm übrig. Doch der Herr richtete ihn wieder auf, zum Lohne seines festen Vertrauens und seiner stillen Ergebung in seinen Willen, die sich so herrlich in seinem schönen Liede: „Befiehl du deine Wege“ aussprechen. Schon im Jahre 1668 wurde er zum Archidiakonat nach Lübben berufen und wirkte in diesem Amte, das er 1669 antrat, noch sieben Jahre zum Segen seiner neuen Gemeinde. Er starb am 7. Juli 1676, nachdem er noch zuvor für seinen einzigen Sohn ein Bekenntnis mit hinzugefügten weisen Lebensregeln aufgesetzt hatte, und liegt in der Hauptkirche zu Lübben begraben. Ebendaselbst ließ seine Gemeinde sein Bildnis in Lebensgröße aufhängen und setzte daneben am Fuße des Bildnisses einige Verse in lateinischer Sprache, die auf Deutsch also lauten:
Wie lebend siehst du hier Paul Gerhardts Bild, \\
Der ganz voll Glaube, Lieb‘ und Hoffnung war erfüllt. \\
In Tönen voller Kraft, gleich Asaphs Harfenklängen, \\
Erhob er Christi Lob in himmlischen Gesängen. \\
Sing seine Lieder oft, O Christ, in sel’ger Lust, \\
So dringet Gottes Geist, durch sie in deine Brust.