Paul Gerhardt – Biographie

Paul Gerhardt wurde 1607 zu Gräfenhainchen bei Wittenberg geboren, wo sein Vater Bürgermeister war. Seine Jugendgeschichte ist völlig unbekannt. Wegen der Unruhen und unsicheren Zustände während des dreißigjährigen Krieges war er bis zum 45. Lebensjahre ohne Anstellung im Pfarramte geblieben und lebte als Kandidat und Hauslehrer in Berlin. Erst um diese Zeit wurde er als Probst nach Mittenwalde in der Mark berufen und blieb daselbst bis zum Jahre 1657. In diesem Jahre wurde er Diakonus an der St. Nikolaikirche zu Berlin, wo er sich in kurzer Zeit durch eifriges Predigen, durch treue Seelsorge und durch seine herrlichen Lieder die Liebe seiner Gemeinde erwarb. Allein bald musste er aus seinem Amte scheiden. Der große Kurfürst, ein eifriger Bekenner der reformierten Kirche, ließ ein strenges Religionsedikt zum Schutze der Reformierten gegen die Lutherischen, deren entschiedener Vertreter Gerhardt war, ergehen, worin jede Verunglimpfung und Verketzerung auf der Kanzel auf das strengste untersagt war, und zwang die Geistlichen, durch Unterschrift zur Haltung des Erlasses sich zu verpflichten. Die Lutherischen fügten sich, obgleich nur mit innerem Widerstreben, und nur Gerhardt ließ sich nicht dazu bewegen, weil er um des Gewissens willen nicht von seinem Glauben und seiner Lehre abweichen wollte. Und obgleich ihm auch späterhin durch Fürsprache des Magistrats und durch die Bemühungen seiner Gemeinde vom Kurfürsten die Unterschrift erlassen wurde, freilich mit dem mündlich hinzugefügten Bemerken, dass „Seine Durchlaucht der gnädigsten Zuversicht lebten, dass er auch ohne diese Unterschrift sich dem Edikte gemäß zu bezeigen wissen werde,“ so hielt er es doch für unverantwortlich, in seinem Amte zu verharren, und legte es 1667 nieder. In dieser Zeit sollten auch andere bittere Leiden ihn treffen. Er verlor kurz vor Ostern 1668 sein geliebtes Weib, nachdem ihm nicht lange vorher zwei Söhne durch den Tod entrissen worden waren. Nur ein sechsjähriger Knabe blieb ihm übrig. Doch der Herr richtete ihn wieder auf, zum Lohne seines festen Vertrauens und seiner stillen Ergebung in seinen Willen, die sich so herrlich in seinem schönen Liede: „Befiehl du deine Wege“ aussprechen. Schon im Jahre 1668 wurde er zum Archidiakonat nach Lübben berufen und wirkte in diesem Amte, das er 1669 antrat, noch sieben Jahre zum Segen seiner neuen Gemeinde. Er starb am 7. Juli 1676, nachdem er noch zuvor für seinen einzigen Sohn ein Bekenntnis mit hinzugefügten weisen Lebensregeln aufgesetzt hatte, und liegt in der Hauptkirche zu Lübben begraben. Ebendaselbst ließ seine Gemeinde sein Bildnis in Lebensgröße aufhängen und setzte daneben am Fuße des Bildnisses einige Verse in lateinischer Sprache, die auf Deutsch also lauten:

Wie lebend siehst du hier Paul Gerhardts Bild, \\
Der ganz voll Glaube, Lieb‘ und Hoffnung war erfüllt. \\
In Tönen voller Kraft, gleich Asaphs Harfenklängen, \\
Erhob er Christi Lob in himmlischen Gesängen. \\
Sing seine Lieder oft, O Christ, in sel’ger Lust, \\
So dringet Gottes Geist, durch sie in deine Brust.