Johann Heermann – Biographie

Johann Heermann wurde 1585 zu Raudten im Fürstentum Wohlau in Niederschlesien geboren, wo sein Vater ein armer Kürschner war. Nachdem er seine erste Ausbildung in seiner Vaterstadt und in Wohlau erhalten hatte, kam er nach Fraustadt in das Haus des frommen Valerius Herberger, der ihn wie sein eignes Kind liebte und einen tiefen Eindruck auf die empfängliche Seele des Jünglings zurückließ. Hierauf besuchte er die Gymnasien von Breslau und Brieg und wurde, da er namentlich in Brieg sehr bald sein Dichtertalent entwickelte, dort, kaum 23 Jahre alt, mit großer Feierlichkeit zum Dichter gekrönt. Bald danach bezog er mit drei jungen Edelleuten, über welche ihm die Aussicht anvertraut war, die Universität Straßburg. Allein schon nach einem Jahre musste er in die Heimat zurückkehren, weil ihm durch Krankheitszufälle das Augenlicht verdunkelt war, und hier traf er auch seine Mutter krank an. Doch genasen beide wieder, und unser Dichter wurde 1611 Prediger in Köben an der Oder. Hier verlebte er die ersten Jahre wahre Tage der Freude und des Glücks. Er stand in freundschaftlicher Verbindung mit dem frommen und glaubenseifrigen Grundherrn der Gemeinde, Herrn von Kottwitz, und mit seinem alten väterlichen Freunde Valerius Herberger. Dazu hatte er die Freude, dass seine Predigten, die aus dem Herzen kamen, und in denen er jederzeit das Heil und die Seligkeit seiner Gemeinde im Auge hatte, mit Freuden und Segen gehört wurden. Auch in seiner obgleich kinderlosen Rhe lebte er sehr glücklich.
Aber bald sollte ihm die freundliche Sonne des Glücks untergehen. Es kamen von nun an fast unausgesetzte Kreuz- und Leidenstage über ihn. Im Jahre 1617 starb ihm sein geliebtes Weib, und wehmütiger Schmerz ging durch seine Seele, wie er sich auch in seinem damals gedichteten Liede ausspricht: „Ach Gott, ich muss in Traurigkeit mein Leben nun beschließen.“ Im Jahre 1618 verheiratete er sich wieder, verfiel aber bald darauf in einen leidenden Zustand, der vom Jahre 1623 an in eine fast ununterbrochene Krankheit überging, so dass seine Frau nichts als mühsame Krankenpflege zu verrichten hatte. Zu diesen körperlichen Leiden Leiden kamen noch die Drangsale des dreißigjährigen Krieges. Die Wallensteinschen Horden plünderten ihn verschiedene Male aus und mehr als einmal musste er vor den Kroaten flüchtig werden. Auch von der überall grassierenden Pest blieb seine Gemeinde nicht verschont. Das alles bereitete dem frommen Manne viel Kummer und Herzeleid. – In dieser schweren Leidenszeit entstanden die meisten seiner Lieblichen geistlichen Lieder, die von seiner tiefen Lebenserfahrung zeugen und allen Kreuzträgern wie aus der Seele geschrieben sind. Endlich im Jahre 1638, da seine körperlichen Leiden, die ihren Hauptsitz im Halse hatten, immer größer wurden und ihn schon seit vier Jahren verhindert hatten, die Kanzel zu besteigen, legte er sein Amt nieder und zog nach Lissa in Polen, wo er seine Ruhe zum Schreiben gottseliger und erbaulicher Schriften benutzte. Die letzten vier Jahre lag er beständig krank, hielt aber geduldig aus, bis er endlich 1647 am Morgen des Sonntags Septuagesimä, dessen Evangelium von den Arbeitern im Weinberge handelt, sanft hinüberschlummerte in das Jenseits, um auch seinen Lohn als treuer Arbeiter zu empfangen. Heermanns Lieder sind wahre Kleinodien des evangelischen Liederschatzes und zeichnen sich durch Reichtum und Tiefe seiner innern und äußern Lebenserfahrungen, durch Frömmigkeit und stille Ergebung, sowie durch Klarheit und Zierlichkeit des Ausdrucks und der Form aus.