Luise Henriette Kurfürstin von Brandenburg

Luise Henriette, Kurfürstin von Brandenburg, wurde am 17. November 1627 zu Haag in Holland geboren und war die älteste Tochter des eifrigen Protestanten und Erbstatthalters der Niederlande, Prinzen Friedrich Heinrich von Oranien. Ihre Erziehung war einfach und gottesfürchtig, so dass sie von den verderblichen Einflüssen des damals fast an allen Höfen zur Mode gewordenen Pariser Hoflebens unberührt blieb. Im Jahre 1646 vermählte sie sich mit dem großen Kurfürsten von Brandenburg, Friedrich Wilhelm, zog aber erst 1649 nach Beendigung des dreißigjährigen Krieges, und nachdem sie noch ihren leidenden Vater bis an seinen Tod mit unermüdlicher Liebe und Geduld gepflegt hatte, nach Berlin. Auf dieser Reise verlor sie durch den Tod den noch in Holland geborenen Erbprinzen, bei welcher Gelegenheit, wie schon erwähnt, obiges Lied entstand. In Berlin war sie die weise Ratgeberin und treue Begleiterin ihres hohen Gemahls und die wahrhaft geliebte und verehrte Mutter des Landes und der Untertanen. Sie war unermüdet im Wohltun, half der Landwirtschaft und den Gewerben auf, führte den Kartoffelbau ein und sorgte, wo und wie sie nur konnte, für das Gedeihen des Landes. Daher wurde ihr Name bald der Lieblingsname des Volkes und damals allgemein den Töchtern beigelegt. Besondere große Verdienste erwarb sie sich auch um das Kirchen- und Schulwesen, legte viele neue Schulen an, besorgte 1653 die Herausgabe eines evangelischen Gesangbuches zu Berlin und leuchtete selbst als ein wahres Muster frommen Wandels allen vor. Im Jahre 1654 gebar sie zur großen Freude des Kurfürsten und des Landes einen neuen Thronerben und stiftete zum dankbaren Gedächtnis in dem nach ihr benannten Oranienburg eine Versorgungsanstalt für vaterlose Waise. Späterhin gebar sie noch vier Kinder. In der kurz nach 1654 folgenden Kriegszeit, da der Kurfürst teils gegen Schweden, teils gegen Polen zu kämpfen hatte, lebte sie meist in Königsberg und hatte mancherlei Not und Trübsal und eigene leibliche Schwachheit zu erdulden, wie denn überhaupt ihre Gesundheit sehr gefährdet und abgeschwächt war. Aber dennoch blieb sie allezeit stark im Glauben an ihren Heiland, der auch im Tode ihre feste Zuversicht und ihr Leben war. Leider starb sie schon 1667, noch nicht vierzig Jahre alt, zur größten Betrübnis ihres Gemahls und des ganzen Landes. Als Text für die Leichenpredigt hatte sie Hiob 13, 15.: „Ob mich der Herr gleich töten wird, will ich doch auf ihn hoffen“ sich selbst ausgewählt.