Tobias Clausnitzer wurde 1619 zu Thum, einem Flecken bei Annaberg in Sachsen, geboren, besuchte die Schulen zu Freiberg und Breslau und studierte in Leipzig Theologie. Seit 1644 war er im dreißigjährigen Kriege schwedischer Feldprediger und hielt als solcher, nachdem der westfälische Friede zustande gekommen war, auf General Wrangels Befehl am 1. Januar 1649 zu Weyden in der Oberpfalz die Friedenspredigt. Gleich darauf wurde er in dieser Stadt erster Prediger und später Kirchenrat und geistlicher Inspektor des gemeinschaftlichen Amtes Pargstein und and Weyden. Er starb 1684. Man kennt von ihm überhaupt nur drei geistliche Lieder, unter denen das vorstehende am weitesten verbreitet ist.
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Johann Rist – Biographie
Johann Rist, geboren 1607 zu Pinneberg, dem heutigen Ottensen bei Hamburg, wo sein Vater Prediger war, zeichnete sich schon als Gymnasiast zu Bremen als Dichter aus. Nachdem er das Gymnasium verlassen hatte, studierte er auf den Universitäten zu Rinteln, Rostock, Leipzig, Utrecht und Leyden Theologie, trieb nebenher aber auch Mathematik, Chemie, Medizin und außerdem mit besonderer Vorliebe Poesie, so dass er nach vollendeten Studien mit dem Rufe eines großen Gelehrten und Dichters in seine Heimat zurückkehrte. Hier wurde er im Jahre 1635 als Prediger in dem holsteinischen Flecken Wedel an der Elbe in der nächsten Nähe von Hamburg angestellt und verwaltete dieses Amt bis an sein Ende mit großer Treue und entschiedenem Eifer. Neben seinem geistlichen Amte war das Dichten seine Hauptbeschäftigung, und sehr bald wurde sein Name allgemein bekannt und berühmt, so dass er mit den höchsten und gebildetsten Personen in lebhaftem Briefwechsel stand. Auch wurden ihm geistliche und weltliche Ehren in reichem Maße zuteil. Im Jahre 1644 wurde er Kaiserlicher Hof- und Pfalzgraf und gekrönter Dichter und bald darauf noch in demselben Jahre Herzoglich mecklenburgischer Kirchenrat. Endlich im Jahre 1653 erhob ihn der Kaiser Ferdinand III. auch noch in den Adelstand. Auch stiftete er selbst im Jahre 1660, freilich nur aus Eitelkeit und um seinen Namen noch berühmter zu machen, mit etwa vierzig Freunden einen besondern Dichterorden, den Elbschwanorden; doch gehörten dazu meist nur mittelmäßige Dichter, so dass er wenig leistete und bald nach Rists Tode, der 1667 erfolgte, wieder einging.
Es ist nicht zu leugnen, dass Rist ein großes dichterisches Talent besaß, daneben aber auch in seiner Eitelkeit oft genug sich überschätzte. Sein Vorbild war Opitz, geboren 1597, gestorben 1639, das Haupt der ersten schlesischen Dichterschule, dem er auf der einen Seite zwar die reine Reim- und Strophenbildung, sowie den leichten und fließenden Ausdruck verdankte, auf der andern Seite aber auch das gleichsam fabrikmäßige Arbeiten von allerlei Gelegenheitsgedichten, wodurch er seine Dichtergabe verwässerte und eine große Anzahl bloßer Reimereien in schönen Worten ohne Gehalt lieferte. Gleichwohl war er bei seinen Zeitgenossen hochgefeiert und nächst Opitz der fruchtbarste und berühmteste Dichter seiner Zeit. Er hat überhaupt gegen 700 Lieder hinterlassen, von denen etwa 230 in kirchlichen Gebrauch übergingen. Die besten stammen aus den Jahren 1637-1644 und zeugen als edle Früchte der Trübsal von frommer Innigkeit und gläubiger Hingabe in Gottes Willen.
Christian Knorr von Rosenroth – Biographie
Christian Knorr von Rosenroth wurde 1636 zu Altraudten in Niederschlesien geboren und bezog, nachdem er auf den Schulen zu Fraustadt und Stettin seine Vorbildung empfangen hatte, die Universitäten Leipzig und Wittenberg, wo er sich dem Studium der Chemie und der orientalischen Sprachen widmete. Seine Kenntnisse erwarben ihm die Gunst des Pfalzgrafen Christian August zu Sulzbach, der ihn 1668 zum Geheimen Rat und ersten Minister ernannte. Vom Kaiser Leopold I. wurde er später auch in den Freiherrnstand erhoben. Besonders bemerkenswert ist noch, dass er die ganze Bibel fast auswendig wusste und sich viel mit Abfassung theologischer und namentlich kabbalistischer Schriften beschäftigte. Er starb im Jahre 1689.
Seine Lieder sind 70 an der Zahl, wenn man die Überarbeitungen oder Übersetzungen älterer Originallieder, deren Zahl einige dreißig beträgt, mitrechnet, und zeichnen sich, wie etwa die Lieder eines Johann Scheffler und eines Johannes Frank, durch eine glühende Sehnsucht nach Vereinigung mit Christo aus. Daher ist ihr Grundton herzliche Frömmigkeit und innige Christusliebe.
Heinrich Albert – Biographie
Heinrich Albert, ein Mitglied des Königsberger Dichterbundes, wurde am 28.6.1604 zu Lobenstein im Voigtlande geboren. Schon auf der Universität zu Leipzig, wo er die Rechte studieren sollte, beschäftigte er sich viel mit Musik und ging bald darauf nach Dresden, um sich weiter darin auszubilden. Im Jahre 1626 begab er sich nach Königsberg in Preußen und wurde dort sehr bald durch seine schönen Melodien, die er zu geistlichen und weltlichen Liedern komponierte, bekannt und beliebt. Daher erhielt er auch im Jahre 1631 die Stelle eines Organisten an der dortigen Domkirche und trat in besonders innige Freundschaft mit Simon Dach (vergl. Lied Nr. 78.), dessen Lieder er gleichfalls, wie die seinigen, mit schönen Melodien versah. Alle diese Lieder von sich und seinen Freunden, sowie die dazu gehörigen Melodien, gab er in seiner „musikalischen Kürbishütte“ heraus. Den Titel dieser Sammlung entnahm er von einem in seinem Garten gelegenen, mit Kürbissen umrankten Häuschen, wo er sich mit seinen Freunden zu versammeln pflegte, um zu dichten und zu musizieren. Er starb am 6.10.1668 zu Königsberg. Seine geistlichen Lieder zeugen von frommer Andacht, ungeschminkter Redlichkeit und treuer Liebe zu Gott und sind ihrem Stile nach einfach und edel gehalten. Ihre Zahl beträgt mehr als 150.
Paul Eber – Biographie
Paul Eber wurde 1511 zu Kitzingen in Franken von armen, aber rechtschaffenen Eltern geboren, und ob er gleich von Gestalt infolge eines früheren Unglücksfalles klein und verwachsen war, so war er doch an Geist desto größer und stärker. Darum ließen sich’s auch seine Eltern gern ein Opfer kosten und schickten ihn zuerst seit 1523 auf das Gymnasium zu Ansbach und dann seit 1525 auf die Schule zu Nürnberg, wo Joachim Camerarius sein Lehrer war und den Grund zu seiner Bildung legte. Nach sieben Jahren begab er sich nach Wittenberg, um hier unter Luthersund Melanchthons Leitung in dem reinen Lichte des göttlichen Wortes zu wandeln. Er zeichnete sich durch Sittenreinheit und Kenntnisse aus und wurde daher 1537 selbst Lehrer an der Universität zu Wittenberg und Melanchthons vertrautester Freund. Im Jahre 1557 wurde er auch noch in den eigentlichen Kirchendienst berufen, da man ihn zum Schlossprediger und das Jahr darauf an Bugenhagens Stelle zum Stadtpfarrer von Wittenberg und Generalsuperintendenten des Kurfürstentums ernannte. In diesen Ämtern wirkte er unter dem sichtbaren Beistande und Segen Gottes mit der größten Umsicht und Treue bis zu seinem Tode im Jahre 1569. Von seinen Kindern wurde ihm ein in der Pfarrkirche zu Wittenberg noch vorhandenes Denkmal gesetzt, das zugleich ein sinniges Denkzeichen der Reformation ist. Es stellt den Weinberg Christi dar in zwei Abteilungen; links die Papisten, die den Weinberg jämmerlich zerwühlen, die Weinstöcke ausreißen, den Zaun zerbrechen, den Brunnen verschütten: rechts die Reformatoren mit ihren Gehilfen in wohlgetroffenen Bildnissen, wie sie den Weinberg getreulich anbauen, Luther, wie er mit der Hacke das Wüste um reutet, Melanchthon, der mit Joh. Förster Wasser aus dem Brunnen fördert, Bugenhagen und Cruciger, die Pfähle einschlagen, Paul Eber, der Reben anbindet. Eber hat überhaupt sieben Lieder hinterlassen, die sich schon bei seinen Lebzeiten einer allgemeinen Verbreitung erfreuten und als herrliche Zeugnisse der Innigkeit und Kraft seines Glaubens, sowie der Treue und Lauterkeit eines Bekenntnisses anzusehen sind.
Samuel Rodigast – Biographie
Samuel Rodigast wurde 1649 zu Gröben bei Jena geboren, besuchte die Schulen in Weimar und ging 1668 auf die Universität Jena. Nach vollendeten Studien wurde er dort 1671 Magister und bald darauf Adjunkt der philosophischen Fakultät. Als solcher dichtete er unser Lied, das übrigens das einzige ist, das von ihm bekannt geworden, aber auch herrlich genug, um seinen Namen unter die Zahl der Kirchenliederdichter aufzunehmen. Im Jahre 1680 wurde Konrektor am grauen Kloster in Berlin und 1697 Rektor an derselben Anstalt, nachdem er vorher mehrere andere Stellen, wozu er berufen wurde, abgelehnt hatte. Sein Todesjahr ist 1708.
Georg Neumark – Biographie
Georg Neumark wurde 1621 zu Langensalza in Thüringen geboren, besuchte das Gymnasium zu Schleusingen und studierte, um den Unruhen und Nöten des dreißigjährigen Krieges zu entgehen, zu Königsberg in Preußen die Rechte. Hier stand damals die Dichtkunst unter Simon Dach und dessen Schule gerade in der schönsten Blüte und veranlasste Neumark, sich nebenbei auch der Poesie und Beredsamkeit zu widmen. Das erhielt ihn aufrecht in mancher Not, die ihn traf. Außerdem besaß er in der Musik nicht unbedeutende Kenntnisse und verstand namentlich die Kniegeige oder Viola di Gamba meisterhaft zu spielen, wodurch er sich viele Freunde und Gönner erwarb. Von Königsberg ging er über Danzig nach Thorn, wo er im Schoße der Liebe und Freundschaft zwei überaus glückliche Jahre von 1649-1650 verlebte. Jetzt beschloss er, in die Heimat zurückzukehren, reiste aber zunächst nach Hamburg. Hier traf ihn so große Not, dass er alles und zuletzt auch seine geliebte Gambe versehen musste. Durch die freundliche Vermittlung des schwedischen Gesandten in Hamburg, von Rosenkranz, der ihn zu seinem Sekretär machte, wurde er jedoch aus seiner Not errettet und konnte seine Gambe wieder einlösen. Allein schon im folgenden Jahre 1651 verließ er Hamburg wieder und ging nach Weimar, wo er an dem Hofe des kunstliebenden Herzogs Wilhelm IV. freundliche Aufnahme fand und als Kanzleiregistrator und Bibliothekar angestellt wurde. Im Jahre 1652 wurde er als Hofpoet des Herzogs Mitglied der fruchtbringenden Gesellschaft, einer sogenannten Sprachgesellschaft, die, wie mehrere andere jener Zeit, sich die Aufgabe gestellt hatte, einerseits dem Unwesen der überhand nehmenden Sprachmengerei zu steuern und die Reinheit der deutschen Sprache zu bewahren, andererseits vaterländische Zucht und Sitte wieder heimisch zu machen. Zuletzt wurde er Herzoglicher Archivsekretär und Kaiserlicher Hof- und Pfalzgraf. Er starb 1681 zu Weimar.
Neumark hat bis auf den letzten Augenblick seines Lebens der Dichtkunst gelebt, jedoch stammen seine besseren Lieder aus früherer Zeit, da er noch mit Sorgen der Nahrung zu kämpfen hatte. Die meisten haben einen mehr weltlichen Charakter, doch hat er auch sehr schöne geistliche Lieder hinterlassen, deren Grundzug ein festes und freudiges Gottvertrauen ist, und die darum auch den Charakter wahrer Innigkeit an sich tragen; war ja doch auch sein Wahlspruch: Ut fert divina voluntas, d. h. wie Gott will, so halt‘ ich still, oder wie Gott es fügt, bin ich vergnügt.
Albrecht der Jüngere, Markgraf von Brandenburg-Kulmbach – Biographie
Albrecht, der jüngere, Markgraf von Brandenburg-Kulmbach, wurde am 28.3.1522 zu Ansbach geboren. Er war schon frühe ein sehr kriegslustiger Mann und kämpfte, wo es nur etwas zu kämpfen gab, ohne sich darum zu kümmern, welcher Partei er diente. Daher stritt er bald für, bald gegen den Protestantismus. Anfangs seit 1546 hielt er sich zu Kaiser Karl V., später seit 1551 kehrte er die Waffen gegen ihn und nötigte ihn 1552 mit zum Passauer Vertrag. Im Jahre 1554 wurde er jedoch wegen seines Kampfes gegen die Päpstlichen vom Kaiser in die Reichsacht erklärt und musste nach Frankreich flüchten, wo es ihm sehr traurig erging, und Kummer und Krankheit ihn niederbeugten. Dieses Elend sah er als eine Strafe Gottes an, weil er dessen Wort einst verfolgt habe, und wurde dadurch zu einem neuen Leben erweckt, so dass er fleißig in Gottes Wort sich vertiefte und zu einer vertrauensvollen Ergebung in Gottes Willen geführt wurde. Nach zwei Jahren kehrte er nach Deutschland zurück und starb am 8.1.1557 auf dem Schlosse zu Pforzheim, wo ihm sein Schwager, der Markgraf Karl zu Baden, eine Zufluchtsstätte gewährt hatte. Sein Lied „Was mein Gott will“ ist übrigens ein schönes Zeugnis seiner Buße und gläubigen Hinkehr zu Gott.
Ludwig Helmbold – Biographie
Ludwig Helmbold wurde 1532 zu Mühlhausen in Thüringen geboren und erhielt daselbst auch seine erste Ausbildung. Im Jahre 1547 bezog er wohlvorgebildet die Universität Leipzig und zwei Jahre später die Universität Erfurt. Nach vollendeten Studien wurde er als Lehrer in seine Vaterstadt berufen, ging aber schon 1552 wieder nach Erfurt, wurde 1554 Magister der Künste und hielt nun Vorträge über die Dichtkunst. Im Jahre 1562 wurde er als Konrektor an der neugegründeten Augustinerschule zu Erfurt angestellt und neun Jahre später, nachdem er das Jahr zuvor um der Verfolgungen der katholischen Partei willen sein Lehramt hatte niederlegen und Erfurt verlassen müssen, als Diakonus an der Liebfrauenkirche in Mühlhausen. In dieser Stellung wirkte er 15 Jahre lang mit großer Treue und echt evangelischem Geiste, so dass er 1586 zum Pastor und Superintendenten an der St. Blasiuskirche daselbst berufen wurde. Auch in diesem Amte ließ er nicht ab, mit großem Ernst für seine Gemeinde zu sorgen und suchte besonders auch unter den Geistlichen seines Sprengels dahin zu wirken, dass sie in Amt und Leben eine würdige Haltung bezeugten und fleißig forschten in der Wahrheit. Er starb 1598.
Die Dichtkunst, womit er schon als Knabe sich am liebsten beschäftigt hatte, war seine beständige Begleiterin durchs Leben und verließ ihn selbst auf dem Sterbebette nicht; denn auch aus dieser Zeit stammen noch so manche seiner Lieder und Verse. Er dichtete viel in Lateinischer Sprache; jedoch seit 1563 mehr in deutscher Sprache, und erhielt deshalb auch von seinen Zeitgenossen den Beinamen des deutschen Asaph. Vom Kaiser Maximilian II. hatte er bereits 1566 auf dem Reichstage zu Augsburg den Dichterlorbeer empfangen. Geistliche Lieder hat er überhaupt 300 hinterlassen, von denen 41 in kirchlichen Gebrauch kamen. Sie sind kernig und gehaltvoll und dabei einfach und anspruchslos, lassen aber doch bisweilen die Sprache eines Gelehrten und Lateiners erkennen.
Paul Flemming – Biographie
Paul Flemming, geboren 1609 zu Hartenstein im sächsischen Erzgebirge, besuchte die Fürstenschule zu Meißen und studierte in Leipzig Medizin. Hier gab er schon 1631 lateinische und deutsche Gedichte heraus. Der Kriegsunruhen wegen floh er jedoch 1633 nach Holstein und ging mit einer Gesandtschaft des Herzogs von Schleswig-Holstein nach Moskau, von wo er 1635 zurückkehrte. In demselben Jahre unternahm er eine zweite Gesandtschaftsreise nach Persien, die er, obwohl unter großen Mühen und Gefahren zu Wasser und zu Lande, bis 1639 glücklich zurücklegte. Doch hatte seine Gesundheit sehr gelitten, so dass er schon im folgenden Jahre 1640 zu Hamburg starb, wo er sich eben als Arzt niederlassen wollte, nachdem er zuvor mit großem Ruhme zu Leyden in Holland die medizinische Doktorwürde erhalten hatte.
Als Dichter hat er sich besonders der weltlichen Poesie gewidmet und nahm sich dabei Opitz zum Muster. In dessen Manier übersetzte er die Bußpsalmen und schrieb Klagelieder über das unschuldige Leiden und Sterben Christi in schleppenden Alexandrinern und geschmacklosen Bildern. Allein später kam er von dieser bloßen Reimerei zurück und dichtete, namentlich in der letzten Zeit, aus voller Seele und innerem Herzensdrange. Und das gilt im vollsten Maße von dem vorstehenden Liede, das ein herrliches Zeugnis seiner Glaubenskraft und gottseligen Gemütsstimmung ist.