Johann Rist – Biographie

Johann Rist, geboren 1607 zu Pinneberg, dem heutigen Ottensen bei Hamburg, wo sein Vater Prediger war, zeichnete sich schon als Gymnasiast zu Bremen als Dichter aus. Nachdem er das Gymnasium verlassen hatte, studierte er auf den Universitäten zu Rinteln, Rostock, Leipzig, Utrecht und Leyden Theologie, trieb nebenher aber auch Mathematik, Chemie, Medizin und außerdem mit besonderer Vorliebe Poesie, so dass er nach vollendeten Studien mit dem Rufe eines großen Gelehrten und Dichters in seine Heimat zurückkehrte. Hier wurde er im Jahre 1635 als Prediger in dem holsteinischen Flecken Wedel an der Elbe in der nächsten Nähe von Hamburg angestellt und verwaltete dieses Amt bis an sein Ende mit großer Treue und entschiedenem Eifer. Neben seinem geistlichen Amte war das Dichten seine Hauptbeschäftigung, und sehr bald wurde sein Name allgemein bekannt und berühmt, so dass er mit den höchsten und gebildetsten Personen in lebhaftem Briefwechsel stand. Auch wurden ihm geistliche und weltliche Ehren in reichem Maße zuteil. Im Jahre 1644 wurde er Kaiserlicher Hof- und Pfalzgraf und gekrönter Dichter und bald darauf noch in demselben Jahre Herzoglich mecklenburgischer Kirchenrat. Endlich im Jahre 1653 erhob ihn der Kaiser Ferdinand III. auch noch in den Adelstand. Auch stiftete er selbst im Jahre 1660, freilich nur aus Eitelkeit und um seinen Namen noch berühmter zu machen, mit etwa vierzig Freunden einen besondern Dichterorden, den Elbschwanorden; doch gehörten dazu meist nur mittelmäßige Dichter, so dass er wenig leistete und bald nach Rists Tode, der 1667 erfolgte, wieder einging.

Es ist nicht zu leugnen, dass Rist ein großes dichterisches Talent besaß, daneben aber auch in seiner Eitelkeit oft genug sich überschätzte. Sein Vorbild war Opitz, geboren 1597, gestorben 1639, das Haupt der ersten schlesischen Dichterschule, dem er auf der einen Seite zwar die reine Reim- und Strophenbildung, sowie den leichten und fließenden Ausdruck verdankte, auf der andern Seite aber auch das gleichsam fabrikmäßige Arbeiten von allerlei Gelegenheitsgedichten, wodurch er seine Dichtergabe verwässerte und eine große Anzahl bloßer Reimereien in schönen Worten ohne Gehalt lieferte. Gleichwohl war er bei seinen Zeitgenossen hochgefeiert und nächst Opitz der fruchtbarste und berühmteste Dichter seiner Zeit. Er hat überhaupt gegen 700 Lieder hinterlassen, von denen etwa 230 in kirchlichen Gebrauch übergingen. Die besten stammen aus den Jahren 1637-1644 und zeugen als edle Früchte der Trübsal von frommer Innigkeit und gläubiger Hingabe in Gottes Willen.