Weisse, Michael – Abendlied

DIe Sonne wird mit jrem schein
eine weyl ytzt nicht bey uns sein:
O Gott, du unbegreyfflich liecht,
weych du nur von uns armen nicht!

Zu dir steht unser zuuersicht
auff dich ist unser thun gericht,
Und wenn du uns liessest faren
so könd uns niemands bewaren.

Denn der Feind haben wir sehr vil,
die auff uns schiessen wie zum zil,
Und wenn wir on dich entschlieffen,
so hetten sie uns ergriffen.

Wir opffern uns dir gantz und gar,
o Vater, nimm heynt unser war,
Das uns die Feind nicht verzeren
weyl wir uns nicht können wehren.

Gesegne uns inn deinem Son,
on welchen wir nichts können thun,
Gib, das unser hertz bey dir bleyb
und morgen deins lobes mer treyb.

Ey nu, Gott Vater und schöpffer,
nimm an unser abent opffer
Durch Jesum Christum, deinen Son,
unsern mitler vor deinem thron! Amen.

Weisse, Michael – WIr glauben all und bekennen frey.

Aus der Ausgabe: „EIn hübsch new Christenlich gesangbuoch rc. Getruckt und volendet inn der Löblichen Statt Ulm, Durch Hansen Varniev rc.“ M.D.XXXIX.

WIr glauben all und bekennen frey,
das nach Christi wort diß brot Testamentlich sey,
Sein leib, der für unser missethat
am creütz leyd den bittern tod,

Deßgleichen der wein in seiner arth
sein unschuldig blut, wölchs am creütz vergossen ward,
Uns unnd allen glaubigen zu gut,
so jm volgen inn demut.

Weisse, Michael – Victime Pascali laudes

SIngen wir frölich alle sampt,
lobend unser Osterlamb!

Christus, unschuldig befunden,
ward als ein Lamb gebunden
und am Creutz gestochen,
nicht zubrochen.
Der tod wolt dz leben dempffen,
fieng an, mit jm zu kempffen
und ward uberwunden
und verschlungen.

Christus steyg zur Hellen
inn die untersten stellen,
da die Altuäter gefangen
sein warteten mit grossem verlangen.
Da grieff er den feind an
und band den gerüsten man,
nam jm seinn harnisch und haußrat
und sieget als ein gewaltiger Gott.

Nu ist er vom Tod erstanden und lebet inn klarheyt,
teylet mit uns seine gnade und warheyt.
O Christe, des Todes und der Hellen uberwinder,
erbarm dich heut aller armen Sünder!

Hilff, das sie von sünden auffstehn
und inn ein newes leben gehn! Alleluja!

Weisse, Michael – SO last uns den leyb behalten

SO last uns den leyb behalten
und Gott seiner Seelen walten,
Er allein wird sie versorgen
nach seinem Radt, uns verborgen

Do hoffen wir und vertrawen,
das wir uns noch werden schawen,
Wenn wir erstehn von der erden
und für Gericht tretten werden.

Nu schlaff, biß dir Gott und allen
seine Posaun lest erschallen,
Das offentlich werd gelesen,
was hie heymlich ist gewesen.

Gott helff uns, das wir alle gleich
jm glauben leben tugentreich,
Darnach frölich von hinnen gehn
und für seinem richtstul wolstehn. Amen.

Weiße, Michael – Nun lasst uns den Leib begraben (modernisiert)

1.) Nun lasst uns den Leib begraben
Und daran kein‘ Zweifel haben,
Er werd‘ am Jüngsten Tag aufsteh’n
Und unverweslich hervorgeh’n.

2.) Erd‘ ist er und von der Erden,
Wird auch zu Erd‘ wieder werden
Und von der Erd‘ wieder aufsteh’n,
Wenn Gott’s Posaune wird angeh’n.

3.) Sein‘ Seel‘ lebet ewig in Gott,
Der sie allhie‘ aus lauter Gnad‘
Von aller Sünd‘ und Missetat
Durch seinen Sohn erlöset hat.

4.) Sein Jammer, Trübsal und Elend
Ist kommen zu ei’m sel’gen End‘.
Er hat getragen Christi Joch,
Ist g’storben und lebet doch noch.

5.) Die Seel‘ lebet ohn‘ alle Klag‘,
Der Leib schläft bis an‘ Jüngsten Tag,
An welchem Gott ihn verklären
Und ewig Freud‘ wird gewähren.

6.) Hie‘ ist er in Angst gewesen,
Dort aber wird er genesen,
In ewiger Freud‘ und Wonne
Leuchten wie die helle Sonne.

7.) Nun lassen wir ihn hie‘ schlafen
Und geh’n all heim uns’re Straßen,
Schicken uns auch mit allem Fleiß,
Denn der Tod kommt uns gleicherweis.

8.) Das helf uns Christus, unser Trost,
Der uns durch sein Blut hat erlöst
Von’s Teufels G’walt und ew’ger Pein.
Ihm sei Lob, Preis und Ehr‘ allein!

Weisse, Michael – ES geht daher des tages schein

ES geht daher des tages schein,
o Brüder, last uns danckbar sein
Dem gütigen und milten Gott,
der uns diese nacht bewart.

Last uns Gott bitten diese stund,
hertzlich singen mit gleychem mund,
Begeren, das er uns auch wolt
bewaren heut inn seiner huld.

Sprechend: O Gott von ewigkeyt,
der du uns auß barmhertzigkeyt
Mit deiner grossen krafft und macht
bewaret hast inn dieser nacht:

Du woltest uns durch deinem Son
an diesem tag auch hülffe thun,
Die feind uns nicht lassen fellen,
so unsren seelen nach stellen.

O Herre Gott, nimm unser war,
sey unser wechter immerdar,
Unser schützherr und regierer,
ja auch König und heerfürer.

Wir opffern uns dir, Herre Gott,
das du unser hertz, wort und that
Woltest leyten nach deinem mut,
das für dir sey außbündig gut.

Das sey dir heut inn deinem Son
zum frü opffer für deinem thron,
Darauff wir nu zu deinem lob
mögen geniessen deiner gab. Amen.

Weisse, Michael – WIr warenn inn grossem leyd

WIr warenn inn grossem leyd
inn Adam all gestorben:
Wer hat uns die seligkeyt
bey Gott wider erworben?
Christus nur alleine,
der sich hie geopffert hat
für Adams Sünd inn Todt.
Heyliger Herre Gott,
Heyliger starcker Gott,
Heyliger barmhertziger Vater
und ewiger Gott!
Danck sey dir gesaget,
das du auß lauter gnad
für uns hie deinen Son
hast lassen busse thun
und uns widerstatten die verlorne Kron.

Wenn Sathan, welt, fleysch und blut
uns an der seel wil tödten,
Wer ist, der uns hülffe thut
inn solchen grossen nöten?
Christus nur alleine,
der sie uberwunden hat
und nu herrschet mit Gott.
Heyliger Herre Gott,
Heyliger starcker Gott,
Heyliger barmhertziger Vater
und ewiger Gott!
Hilff, das wir dich preysen
mit hertzen, mund und that,
inn Christo, deynem Son,
allzeyt deinn willen thun
und ördentlich kempffen nach des lebens kron.

Wenn uns wil der Antichryst
zu seinem irrthumb zwingen,
Wer machts, dz wir seiner gifft
nicht zur verdamniß schlingen?
Christus nur alleine,
der uns seine form und art
durch seyn Wort offenbart.
Heyliger Herre Gott,
Heyliger starcker Gott,
Heyliger barmhertziger Vater
und ewiger Gott!
Hilff, das wir zunemen
und bleyben inn der gnad,
das uns nicht dieser trach
zu sünden verursach
und in deym erkenntniß lehr und krafftloß mach.

Wes ist Himel, erd und meer
und wem ist nichts verborgen?
Wem gebürt preyß, lob und ehr
und wer kan uns versorgen?
Nur der Herr alleine,
der ein Gott von ewigkeyt
ist in Dreyfaltigkeyt. Heyliger Herre Gott,
Heyliger starcker Gott,
Heyliger, Allmechtiger, weyser
und gütiger Gott!
Sey unser beschützer
inn aller angst und not!
o König aller heer,
dir sey preyß, lob und ehr
im Himel und erden nu und immermer.

Weiße, Michael – Wir waren in großem Leid (modernisiert)

1.) Wir waren in großem Leid
In Adam all gestorben.
Wer hat uns die Seligkeit
Bei Gott wieder erworben?
Christus nur alleine,
Der sich hie geopfert hat
Für Adams Sünd‘ und Tod.
Heiliger Herre Gott.
Heiliger, starker Gott,
Heiliger, barmherziger Vater
Und ewiger Gott!
Dank sei dir gesaget,
Dass du aus lauter Gnad‘
Für uns hie deinen Sohn
Hast lassen Buße tun
Und uns wied’rerstatten die verlorne Kron.

2.) Wenn Satan, Welt, Fleisch und Blut
Uns an der Seel‘ will töten,
Wer ist’s, der uns Hilfe tut
In solchen großen Nöten?
Christus nur alleine,
Der sie überwunden hat
Und nun herrschet mit Gott.
Heiliger Herre Gott.
Heiliger, starker Gott,
Heiliger, barmherziger Vater
Und ewiger Gott!
Hilf, dass wir dich preisen
Mit Herzen, Mund und Tat,
In Christo, deinem Sohn,
Allzeit dein’n Willen tun
Und ordentlich kämpfen nach des Lebens Kron‘.

3.) Wenn uns will der Antichrist
Zu seinem Irrtum zwingen,
wer macht’s, dass wir seinen Gift
Nicht zur Verdammnis schlingen?
Christus nur alleine,
Der uns sein Wort offenbart.
Heiliger Herre Gott.
Heiliger, starker Gott,
Heiliger, barmherziger Vater
Und ewiger Gott!
Hilf, dass wir zunehmen
Und bleiben in der Gnad‘,
Dass uns nicht dieser Drach‘
Zu Sünden verursach‘
Und in dein’m Erkenntnis leer und kraftlos mach!

4.) Wess‘ ist Himmels, Erd und Meer
und wem ist nichts verborgen?
Wem gebührt Preis, Lob und Ehr‘
Und wer kann uns versorgen?
Nur der Herr alleine,
Der ein Gott von Ewigkeit
Ist in Dreifaltigkeit.
Heiliger Herre Gott.
Heiliger, starker Gott,
Heiliger, allmächtiger, weiser
Und gütiger Gott!
Sei unser Beschützer
In aller Angst und Not!
O König aller Heer‘,
Dir sei Preis, Lob und Ehr‘
Im Himmel und Erden nun und immer mehr!

Weiße, Michael – O Liecht, Heylig Dreyfaltigkeit

O Liecht, Heylig Dreyfaltigkeit
und Götliche selbstendigkeit,
Du thust vor uns vil wunderwerck,
beweyst da mit dein krafft und sterck.

Der Himel, die erd und das meer
verkünden deine krafft und ehr,
auch zeigen alle berg und thal,
das du ein Herr seyst uberal.

Die Sonne geht uns teglich auff,
der Monet helt auch seinen lauff,
So seind auch alle stern bereit
zu preysen deine herligkeit.

Die thir und vogel aller welt,
auch was sich in dem meer enthelt,
Zeigt uns frey an jm selbest an,
was deine krafft und weyßheit kan.

Du hast den Himel außgestrackt,
mit wasser oben zugedakt,
Gemacht, das er umbs erdreich geht
und in seym lauff nicht stille steht.

Du bist, der alle ding regirt,
den Himel und das erdreych zirt,
So wunderlich, daß auch kein man
erforschen noch außgründen kan.

Wie möcht doch unser blödigkeyt
außgründen deine herrligkeyt,
So wir doch nicht können verstehn
die ding, da mit wir stetz umbgehn.

Wir sehn, was du geschaffen hast,
daß schön ist und nach aller lust:
O wie viel lieblicher bistu,
o Herre Got, in deiner rhu!

Du schleust Himel und erd in dich
und regirest sie wunderlich,
Du bist ein Herr inn ewigkeit
unaußsprechlicher herligkeyt!

O Vater, Son, heyliger Geyst!
dein namen, der Almechtig heyst,
Sey hoch gelobt in ewigkeit!
Amen sprech wir mit innikeit.

Weisse, Michael – O Vater der barmhertzigkeyt,

O Vater der barmhertzigkeyt,
wir bitten dich mit innigkeit,
Du wollest dich erbarmen
der schwachen und armen.

Die sich hertzlich zu dir keren,
gnad und hülff von dir begeren,
Auff das sie deinen willen
stets möchten erfüllen.

Hilff, das sie dir warheyt finden
zur vergebung aller sünden,
Innheyliger gemeynschafft
enden jr Bilgerschafft.

Christe, aller welt Heylandt,
hilff allen, die dich han erkannt,
Das sie in dir
zu nemen für und für.

Laß sie nicht krafftlos werden
unter deinem joch auff erden,
Auß deim Gesetz
fallen ins Teuffels netz.

Hilff durch dein Blutvergiessen,
das sie dein hie wol geniessen
Und benedeyt
dich loben alle zeyt.

O Heyliger Geyst, warer Gott,
sih heut an der glaubigen not
Und erleucht durch dein güt
der irrenden gemüt.

O komm, du verheyßner tröster,
und mach und geystliche Priester,
Das wir Gott unsern schöpffer
preysen mit danckopffer.

O hilff, das wir die Priesterschafft
inn recht heiliger gemeynschafft
Alles in Christi namen
wol volenden, Amen.

Weisse, Michael – Christglaubig Mensch

1. Christglaubig Mensch, wach auff! wach auff!
thu dein hertz Gott deim Herren auff,
der dich hat geschaffen!

2. Dich auch erhelt inn seiner macht,
uber dir wachet tag und nacht,
lest dich nicht verderben.

3. Gedenck an seine herrligkeyt
und danck jm der bermhertzigkeyt,
dir biß her beweiset!

4. Sih zu, das du im nicht verachst
und dich vor jm zu schanden machst,
jn also erzörnest!

5. Sonder sey demütig vor jm
und unterwirff jm deinen sihn,
so wird er dein walten,

6. Und als ein Vater seinen Son
dich leyten inn all deinem thun
zum ewigen leben,

7. Durch Jesum Christum, seinen Son,
der uns vertrit vor seinem thron
mit seym steten opffer.

Weisse, Michael – Christus ist erstanden

1. Christus ist erstanden
Von des Todes Banden;
Des freuet sich der Engel Schar,
Singend im Himmel immerdar:
Halleluja!

2. Der für uns sein Leben
In Tod hat gegeben,
Der ist nun unser Osterlamm,
Des wir uns freuen allesamt,
Halleluja!

3. Der, ans Kreuz gehangen,
Kein’n Trost konnt‘ erlangen,
Der lebet nun in Herrlichkeit,
Uns zu vertreten stets bereit.
Halleluja!

4. Der so ganz verschwiegen
Zur Hölle gestiegen,
Den wohlgerüst’ten Starken band,
Der wird nun in der Höh‘ erkannt.
Halleluja!

5. Der da lag begraben,
Der ist nun erhaben,
Und sein Tun wird kräftig erweist
Und in der Christenheit gepreist.
Halleluja!

6. Er läßt nun verkünden
Vergebung der Sünden,
Und wie man die durch rechte Buß‘
Nach seiner Ordnung suchen muß.
Halleluja!

7. O Christe, Osterlamm,
Speis uns heut‘ allesamt,
Nimm weg all unsre Missetat,
Daß wir dir singen früh und spat:
Halleluja!