Johann Anastasius Freylinghausen – Der 23. Psalm.

Weise: Wie wohl ist mir, o Freund der Seelen.

1. Jehovah ist mein Hirt und Hüter,
Nun wird kein Mangel treffen mich.
Auf grüner Auen seiner Güter
Erquicket er mich süßiglich;
Er leitet mich zu frischen Quellen,
Da häufig sich mir zugesellen
Viel krank und matte Schäfelein.
Wenn ich in Ohnmacht sinke nieder,
So holt er meine Seele wieder
Und flößt ihr Lebensbalsam ein.

2. Er führet mich auf rechten Wegen,
Er geht voran, ich folge nach;
Und wenn ich gleich in finstern Stegen
Und Tälern voller Ungemach
Durch dick und dünn, durch Dorn und Hecken
Muss wandern, soll mich doch nichts schrecken;
Denn du bist bei mir stetiglich,
Du bist mein Licht, mein Stern, mein Führer,
Dein Stab und Stecken mein Regierer,
Auf deinen Achseln ruhe ich.

3. Ein Mahl voll Himmelssüßigkeiten,
Ein Mahl von Fett, von Mark und Wein
Hast du bereitet, dass von weiten
Es sehn, die mir nicht günstig sein.
Du salbest mich mit Öl der Freuden,
Da weiß ich denn von keinem Leiden,
Bin voller Trost und Freudigkeit;
Den Durst des Geistes wohl zu stillen,
Muss mich dein voller Becher füllen,
Der Becher deiner Lieblichkeit.

4. Drum soll mich nun fort nichts bewegen,
Von dir, mein Hirt, zu setzen ab;
Mir folget nichts als lauter Segen
Und Gutes nach bis in mein Grab.
Der Tod mag Leib und Seele trennen,
Ich weiß, du wirst mir dennoch gönnen,
Zu sein ein Kind in deinem Haus;
Der Knecht mag nicht darin verbleiben,
Den Sohn kann niemand draus vertreiben,
Ob er gleich müsst zur Welt hinaus.

5. Hallelujah sei dir gesungen,
O holder Hirt, o süßes Lamm!
Ach, hätt ich hundert tausend Zungen,
Zu rühmen dich, mein Bräutigam!
Doch du willst nicht viel Zungen haben,
Nur Eins ist, das dein Herz kann laben,
Ein Herz, das dich nur liebt allein;
Das wollst du mir, o Jesu, schenken,
So will ich stets bei mir gedenken:
Mein Hirt ist mein und ich bin sein.

Johann Anastasius Freylinghausen – Preis der göttlichen Majestät und Liebe.

Weise: Du unvergleichlichs Gut, wer wollte dich nicht lieben.

1. Monarche aller Ding, dem alle Seraphinen
Mit Ehrerbietigkeit und tiefster Demut dienen,
Lass dein erhabnes Angesicht
Zu meiner Armut sein gericht’t.

2. Du bist die Majestät der höchsten Majestäten,
Vor deinem Glanz muss aller Glanz und Pracht erröten;
Doch bitt ich, zürne nicht mit mir,
Dass ich, der Staub, mich nah zu dir.

3. Du Vollenkommenheit hast zwar nicht deines Gleichen,
Doch darf drum nicht vor dir das Unvollkommne weichen;
Denn du vollkommner Vater du
Rufst deinen schwachen Kindern zu:

4. Kommt alle her zu mir, lasst euch nur nichts erschrecken,
Ich will den Glanz der Majestät mit Liebe decken;
Drum komm ich auch in meinem Teil,
Vor dir zu singen, schönstes Heil.

5. Du bist das A und O, der Anfang und das Ende,
Hilf, dass mein Herz zur dir, dem Anfang, sich stets wende,
Und ich in allem, was ich tu,
In dir als meinem Ende ruh.

6. Du bist das große Licht, dein Licht geht niemals unter,
Der kleinste Strahl von dir macht Leib und Seele munter;
O dass in deiner Heiterkeit
Erstürbe meine Dunkelheit!

7. Du bist die Liebe selbst, die lauter Liebe quillet,
Die aller Engel Herz mit Lust und Lieb erfüllet;
O Lieb, ergieß dich auch in mich,
Dass ich als Liebe schmecke dich!

8. Du bist die Lebenskraft, durch die sich alles reget
Was sich zum Guten nur in einger Art beweget;
O dass dein Leben meinen Tod
Verschlünge ganz samt aller Not!

9. Du bist das höchste Gut, nur du bist gut zu nennen;
O lass mich außer dir kein ander Gut erkennen!
Mach aber meinen Sinn und Mut
Durch dich und deine Gutheit gut.

10. So soll mein alles dich mit Ruhm und Preis erheben,
Ja, ich will selbst mich dir zum ganzen Opfer geben,
Und du wirst auch mit Luft in mir
Dein Bild erblicken für und für.

11. Ehr sei dir, großer Gott, du König der Heerscharen,
Des Himmels Chor jauchzt dir bei Millionen Paaren;
Ich jauchze mit schon auf der Erd,
Bis ich ein Himmelsengel werd.

Johann Anastasius Freylinghausen – Selbstermunterung zum Lobe Gottes.

Weise: Jehovah ist mein Licht und Gnadensonne.

1. Auf, auf, mein Geist, auf, auf, den Herrn zu loben!
Auf, auf, erwecke dich und säume nicht!
Was in dir ist, werd still und sanft erhoben
Zu Gott, Jehovah, unsrer Sonn und Licht.
Er ist allein Lob, Ehre, Preis und Ruhm
Zu nehmen würdig stets und überall;
Erhebe ihn mit frohem Jubelschall,
Geh ein in sein erhabnes Heiligtum.

2. Er ist das große Wesen aller Wesen,
Die höchst und einige Vollkommenheit;
Von ihm, durch ihn, zu ihm ist, wie wir lesen,
Das, was nur ist geworden in der Zeit.
Er hat und kennet seines Gleichen nicht;
Wer ist wie er und seine Majestät?
Vor ihr die Kreatur mit Zittern steht,
Sein Wohnhaus ist ein unzugänglich Licht.

3. Man sieht ihn nicht und ist doch wohl zu sehen,
Man gebe nur auf seine Werke Acht;
Da sehn wir ihn als vor den Augen stehen
Im Schmucke seiner weisen Gottheitspracht.
Die Himmel rühmen ihres Schöpfers Ehr,
Die Luft, die Erd und was im Meer sich regt,
Das alles den zu zeigen sich bewegt,
Der ist und heißt Jehovah unser Herr.

4. Was gut und fein nur kann genennet werden,
Was uns mit Lust und Lieblichkeit anlacht,
Was in sich fasst der Himmel samt der Erden,
Der große Bau von Schönheit und von Pracht,
Und was dies Rund nur köstlichs in sich schleußt,
Das kommt aus diesem unerschöpften Meer
Und dessen unerforschter Fülle her,
Er ist die Quell, die immer überfleußt.

5. Er ist das A und O, Anfang und Ende,
Der Erste und wird auch der Letzte sein;
Er ist zu spürn, wo man auch sich hinwende,
Das Heimlichste wird klar in seinem Schein.
Sein Licht ist nicht vermischt mit Dunkelheit,
Die Kraft, so ihm beiwohnt, wird nimmer schwach,
Er weiß in sich von keinem Ungemach,
Er ist und bleibt wie er war vor der Zeit.

6. Was er zusagt, dem kann man sicher trauen,
Die Tat stimmt mit den Worten überein;
Man darf mit ganzem Herzen darauf bauen,
Des Herren Ja ist Ja, sein Nein ist Nein.
Voll Recht und Billigkeit ist sein Gericht,
Er hat Geduld und übet Langmut aus,
Mit Heiligkeit hat er geziert sein Haus,
Er ist die Lieb, ders nie an Lieb gebricht.

7. Wie selig ist doch, der ihn also kennet
Und zu ihm Abba, Vater sagen kann!
Den er auch wiederum den Seinen nennet
Und ihn als Sohn und Tochter siehet an!
Nichts ist so hoch, nichts kann so herrlich sein,
Der höchsten Fürsten hoch erhabner Stand
Ist gegen dies zu rechnen lauter Tand,
Es ist zu schlecht, es bleibt ein öder Schein.

8. Herrscher, wie soll ich denn gnug erheben
Dich, dass du mich auch denen zugezählt,
Die du in Christo hast gebracht zum Leben
Und sie in ihm zu Kindern auserwählt?
Zwar seh ich dich jetzt nur im dunkeln Licht,
Doch weiß ich, es kommt künftig noch der Tag,
Da ich dich ohne Decke schauen mag
Von Angesicht zu frohem Angesicht.

9. Indes, mein Geist, auf, auf, ihn stets zu loben!
Auf, auf, erwecke dich und säume nicht!
Was in dir ist, werd sanft und still erhoben
Zu Gott, Jehovah, unsrer Sonn und Licht.
Er ist allein Lob, Ehre, Preis und Ruhm
Zu nehmen würdig stets und überall;
Erhebe ihn mit frohem Jubelschall,
Bis er dich bringt ins Himmelsheiligtum.

Johann Anastasius Freylinghausen – Der 42. Psalm.

Weise: Wo ist meine Sonne blieben.
Oder: Meine Armut macht mich schreien.

1. Wie ein Hirsch vom Durst gequälet,
Wenn ihm fehlet
In der Hitz ein frischer Quell,
Schreiend sich nach Wasser sehnet,
Also stöhnet
Nach dir, o Gott, meine Seel.

2. Meine Seele sich verzehret
Und begehret
Von dir, Strom der Süßigkeit,
Noch allhier getränkt zu werden
Auf der Erden
In des Durstes Peinlichkeit.

3. Ach, wenn, spricht sie, solls geschehen,
Dass zu sehen
Ich vermag dein Angesicht?
O wenn soll mit allen Frommen
Ich doch kommen
Hin zu deinem klaren Licht?

4. Denn jetzt bin ich so ungerne
Dir noch ferne;
Jeder Tag hat seine Not,
Weil der finstern Kräfte Scharen
Mich anfahren;
Wo ist, sagen sie, dein Gott?

5. Dürft und könnte ich doch laufen
Mit dem Haufen,
Der mit Preis und Lobgesang
Dich in Salems Hütten ehret
Und vermehret
Deinen Ruhm mit Saitenklang.

6 Aber dies muss ich entbehren
Und mit Zähren
Bei mir schütten aus mein Herz;
Ich muss Klagelieder singen
Und mit Ringen
Täglich häufen meinen Schmerz.

7. Stille, stille, Seele, stille!
Und, o Wille,
Gib dich in Gelassenheit.
Hoff auf Gott, so wird dein Klagen
Samt den Plagen
Sich verwandeln bald in Freud.

8. Unterdessen währts so lange,
Dass mir bange,
Dass ich finde keine Ruh.
Ich muss fühlen seine Ruten,
Seine Fluten
Schlagen ja auf mich nur zu.

9. Aber Gott bleibt doch die Liebe,
Darum übe
In dem Glauben die Geduld;
So wird dich bei Nacht und Tage
Statt der Plage
Noch erquicken seine Huld.

10. Ich will glauben, hoffen, dulden;
Meine Schulden
Haben es gar wohl verschuldt,
Dass mein Fels, der mein vergisset,
Mir zumisset
Tränenbrot statt seiner Huld.

11. Aber wenn die Feinde höhnen
Meine Tränen,
Dies ist mir ein bittrer Tod;
Wenn die Spötter in dem Zagen
Zu mir sagen:
Lieber, wo ist nun dein Gott?

12. Dennoch stille, Seele, stille!
Und, o Wille,
Gib dich in Gelassenheit.
Du sollst, so du nicht wirst wanken,
Ihm doch danken
In der Zeit und Ewigkeit.

Johann Anastasius Freylinghausen – Der 25. Psalm.

Weise: Mein Jesu, dem die Seraphinen.

1. Mein Geist, o Herr, nach dir sich sehnet,
Nach dir, der du ihm alles bist;
Mein Herz sich hoffend auf dich lehnet,
Fels, der bleibet, wie er ist.
Lass mich mit Schanden nicht bestehen,
Damit mein Feind nicht freue sich;
Vielmehr lass den, der wider dich
Sich fest, mit Schanden untergehen.

2. Denn keiner ist zu Schanden worden
Von Anfang bis auf diese Stund,
Der sich gefunden in dem Orden
Der Gläubigen von Herzensgrund.
Du hast der keinen nie verlassen,
Der dich zu seinem Gott gewählt;
Es hat ihm nie kein Gut gefehlt;
Du hassest nur, die dich, Herr, hassen.

3. Drum wollst du deinen Weg mir zeigen,
Den Weg, der mich zum Leben führt.
Zu deinen Steigen wollst du neigen
Mein Herz, das deine Kraft gerührt.
Lass meinen Fuß ja nimmer wanken
Von Wahrheit und Gerechtigkeit,
Von Unschuld und Gottseligkeit;
Dafür will ich dir immer danken.

4. Gedenk, o Herr, an dein Erbarmen,
Das weder End noch Anfang kennt.
Ach, schau in Gnaden auf mich Armen,
Der sich nach deinem Namen nennt.
Gedenke nicht der Kindheit Sünden
Und was die Jugend hat verschuldt,
Hab aber, Herr, mit mir Geduld
Und lass für Recht mich Gnade finden.

5. Der Herr ist gut, ja selbst die Güte,
Er ist von Herzen treu und fromm,
Leutselig, sanft ist sein Gemüte,
Drum spricht er zu dem Sünder: Komm!
Und leitet ihn auf seinen Wegen,
Die voller Ruh und Sicherheit;
Wer elend ist, sich des erfreut,
Für ihn bei Gott ist lauter Segen.

6. Ach ja, des Herren Weg ist richtig,
Wahrheit und Gnade ist sein Pfad.
Wer fromm ist und zum Glauben tüchtig,
Erfährt es wohl recht mit der Tat.
Der Unglaub ist nur nicht zufrieden,
Der Eigenwill sieht sauer aus,
Gott halte, wie er wolle, Haus;
Drum bleibt er auch von ihm geschieden.

7. Ach, siehe nicht an mein Verbrechen,
Bitt ich nochmals aus Herzensgrund;
Lass es dein strenges Recht nicht rächen,
Gedenke doch an deinen Bund,
Und was du bei dir selbst geschworen,
Dass der, so sich von Sünden kehrt,
Und seinem Fuß vom Unrecht wehrt,
Mitnichten solle sein verloren.

8. Wer fromm ist und den Herren scheuet,
Dem zeiget er den besten Weg;
Sein Geist wird immerdar erfreuet,
Er wandelt auf dem Friedenssteg.
Der Segen kömmt auf seinen Samen,
Des Herrn Geheimnis wird ihm kund,
Der Geist eröffnet seinen Mund,
Zu offenbarn des Herren Namen.

9. Zwar legt des Feindes List viel Netze
Dem, der nur Gott erwählet hat;
Er suchet, wie er ihn verletze
Und Schaden tue früh und spat.
Gott aber wachet für die Seinen,
Gibt sie dem Feinde nimmer preis,
Weil er sie wohl zu schützen weiß,
Er lässt sie nicht vergeblich weinen.

10. Drum will ich mich zu dir auch wenden,
Wenn ich elend und einsam bin;
Du wirst mir Hilf aus Zion senden
Und trösten den geängsten Sinn.
Ja, führe mich aus meinen Nöthen,
Vergiss, vergiss die Missetat,
Die dich so hoch betrübet hat,
Dass ich davor nicht dürf erröten.

11. Noch Eins, Herr, will ich von dir bitten:
Bewahre mich durch deine Macht;
Will Gift und Gall der Feind ausschütten,
So hab auf meine Seele Acht.
Lass schlecht und recht sie stets behüten,
Sei gnädig deinem Israel
Und rette deines Volkes Seel
Von aller seiner Feinde Wüten.

12. Ehr sei dem Vater, der regieret
Von Ewigkeit zu Ewigkeit,
Samt seinem Sohne, der uns führet
Aus allem Jammer dieser Zeit.
Der Geist, der Tröster, der uns lehret
Und unsern Geist mit Liebe nährt,
Sei gleichfalls von uns hochgeehrt,
Sein Lob werd immerdar vermehret.

Johann Anastasius Freylinghausen – Die Zeit ist noch nicht da.

Eigene Weise.

1. Die Zeit ist noch nicht da,
Da Zion triumphieret,
Da ihrer Kinder Hand
Ein güldner Palmzweig zieret.
Sie sind noch nicht gekrönt,
Sie werden noch verhöhnt,
Und ob sie gleich den Feind besiegen,
So müssen sie doch unten liegen.

2. Die stille Sabbatsfeir
Ist noch nicht angebrochen
Für Gottes liebes Volk;
Ihr Blut bleibt ungerochen1ungerächt
Noch bis auf diese Stund;
Ihr aller wahrer Mund
Weiß noch nicht viel von Ruh zu sagen,
Er muss mehr über Unruh klagen.

Wir sehn die Arche noch
Auf Ararat nicht stehen;
Die Flut will, wie es scheint,
So bald noch nicht vergehen;
Sie wächst schier mit der Zeit
Und dürft noch, manches Leid
Dem Noah machen samt den Seinen;
Vor Lachen gehet her das Weinen.

4. Israel ist noch nicht
In Kanaan eingangen;
Es kann mit dessen Glanz
Jetzt nur auf Hoffnung prangen.
Es wallt noch hin und her
Mit Mühe und Beschwer;
Der Amalek sucht es zu dämpfen,
So muss es auch mit Balak kämpfen.

5. Das Gegenbild der Zeit,
Da Salomo regierte
Und über so viel Volk
Den Friedenszepter führte,
Da er dem Herrn ein Haus
Erbaute und es aus,
Mit Gold und Silber prächtig schmückte,
O dass man solches bald erblickte!

6. Die Tochter meines Volks
Muss als gefangen leiden,
Sie hängt ihr Saitenspiel
Vor Trauren an die Weiden.
Die harte Sklaverei
Bricht ihr das Herz entzwei
Und macht sie mit viel tausend Tränen
Nach jener Friedensstadt sich sehnen.

7. Sie muss noch immerfort
Mit nassen Augen säen;
Sie schaut die Frucht noch nicht
An ihren Ähren stehen.
Man säh den Tag so gern,
Da aus der Näh und Fern
Man wird die vollen Garben bringen
Und wie zur Zeit der Ernte singen.

8. Doch was wir noch nicht sehn,
Wird drum nicht gar ausbleiben.
Mein Leben wollt ich selbst
Für Gottes Treu verschreiben,
Wär es nicht viel zu schlecht;
Sein Tun ist immer recht,
Und was sein Mund einmal versprochen,
Das bleibt wohl ewig ungebrochen.

9. Ich höre schon im Geist
Die Sabbatslieder schallen;
Die Wasser werden auch
Zu rechter Zeit noch fallen.
Israel erbt das Land,
Das ihm den güldnen Stand
Des Friedens und der Ruh wird schenken,
Kein Feind soll Zion weiter kränken.

10. Die Ernte rückt herbei,
Der Streit geht fast zu Ende;
Man singt Victoria
Und streckt aus Haupt und Hände
Mit frohem Jubelschall
Und sagt schon überall,
Dass, worauf wir jetzt hoffend trauen,
Wir sollen bald im Wesen schauen.

Johann Anastasius Freylinghausen – Schau meine Armut an.

Weise: Erleucht mich, Herr, mein Licht.

1. Schau meine Armut an,
Herr, nach deiner Treu,
Sei du mein Helfersmann!
Ich weiß sonst keinen nicht,
Du siehst, was mir gebricht,
Und kannst in einem Nu
Mir schaffen Hilf und Ruh.

2. Ich merke keine Kraft,
Zu wirken deine Werke;
Des Geistes Lebenssaft,
Den ich so oft verspürt,
Der meinen Geist berührt,
Ist schier vertrocknet gar:
Ach Herr, nimm meiner wahr!

3. Du bist der Gnadenquell,
Zu dem mein Innres eilet:
Ergieß dich mild und hell,
Dass mir nicht schaden kann
Mein Elend um und an.
Herr, dir sei Dank dafür
In Ewigkeit und hier.

Johann Anastasius Freylinghausen – Mein Herz, gib dich zufrieden.

Weise: Nun ruhen alle Wälder.

1. Mein Herz, gib dich zufrieden
Und bleibe ganz geschieden
Von Sorge, Furcht und Gram;
Die Not, die dich jetzt drücket,
Hat Gott dir zugeschicket,
Sei still und halt dich wie ein Lamm.

2. Mit Sorgen und mit Zagen
Und unmutsvollen Klagen
Häufst du nur deine Pein;
Durch Stillesein und Hoffen
Wird, was dich jetzt betroffen,
Erträglich, sanft und lieblich sein.

3. Kanns doch nicht ewig währen;
Oft hat Gott unsre Zähren,
Eh mans meint, abgewischt.
Wenns bei uns heißt: Wie lange
Wird mir so angst und bange!
So hat er Leib und Seel erfrischt.

4. Gott pflegt es so zu machen:
Nach Weinen schafft er Lachen,
Nach Regen Sonnenschein,
Nach rauen Wintertagen
Muss uns der Lenz behagen,
Er führt in Höll und Himmel ein.

5. Indes ist abgemessen
Die Last, die uns soll pressen,
Auf dass wir werden klein.
Was aber nicht zu tragen,
Darf sich nicht an uns wagen,
Und sollts auch nur ein Quentlein sein.

6. Denn es sind Liebesschläge,
Wenn ich es recht erwäge,
Womit er uns belegt;
Nicht Schwerter, sondern Ruten
Sinds, damit Gott zum Guten
Auf uns, die Seinen, hier zuschlägt.

7. Er will uns dadurch ziehen
Zu Kindern, die da fliehen
Das, was ihm missbehagt;
Den alten Menschen schwächen,
Den Eigenwillen brechen,
Die Luft ertöten, die uns plagt.

8. Er will uns dadurch lehren,
Wie wir ihn sollen ehren
Mit Glauben und Geduld
Und, sollt er uns in Nöten
Auch lassen, ja gar töten,
Uns doch getrösten seiner Huld.

9. Denn was will uns auch scheiden
Von Gott und seinen Freuden,
Dazu er uns versehn?
Man lebe oder sterbe,
So bleibet uns das Erbe
Des Himmels ewiglich doch stehn.

10. Ist Christus unser Leben,
So muss uns, seinen Reben,
Der Tod sein ein Gewinn;
Er mag wohl diese Höhle
Zerbrechen, doch die Seele
Fliegt auf zum Bau des Himmels hin.

11. Drum gib dich ganz zufrieden,
Mein Herz, und bleib geschieden
Von Sorge, Furcht und Gram.
Vielleicht wird Gott bald senden,
Die dich auf ihren Händen
Hintragen zu dem Bräutigam.

Johann Anastasius Freylinghausen – Die rechte Weisheit.

Weise: Freu dich sehr, o meine Seele.

1. Kommt, ihr Menschen, lasst euch lehren,
Kommt und lernet allzumal,
Welche die sind, die gehören
In der rechten Weisen Zahl,
Und die billig jedermann
Als verständig siehet an,
Ob gleich viele sie verlegen
Und ihr Tun für Torheit schätzen.

2. Weise sind, die sich selbst kennen,
Wie so gar verderbt sie sind;
Die sich selber Toren nennen
Und befinden, wie so blind
Beides, Wille und Verstand,
Weil sie sich von Gott gewandt;
Die sich ihrer Torheit schämen
Und zur Buße sich bequemen.

3. Weise sind, die Christum wissen
Durch des Geistes Glaubenslicht;
Die ihn als die Weisheit küssen,
Der es nie an Licht gebricht;
Die die Weisheit dieser Welt
Und was sonst die Welt hochhält
Fahren lassen aus den Sinnen,
Um nur Christum zu gewinnen.

4. Weise sind, die Gott stets flehen
Um den Geist, der weise macht;
Die nach dessen Leitung gehen
Und darauf stets haben Acht;
Denn die Gottes Geist nicht lehrt,
Bleiben töricht und verkehrt,
Ob sie gleich von Geistessachen
Können kluge Worte machen.

5. Weise sind, die sich erwählen
Gottes Wort zum Prüfestein,
Damit sie nicht mögen fehlen,
Zu erkennen Kraft und Schein.
Wer will den betrügen leicht,
Der von Gottes Wort nicht weicht,
Das, wenn alles auch vergehet,
Ohn Aufhören doch bestehet?

6. Weise sind, die das nicht suchen,
Was nicht ewig währen mag,
Und die kurze Lust verfluchen,
Die da bringt ein langes Ach;
Die nicht lieben in der Welt
Ehre, Wollust, Gut und Geld,
Sondern allem dem absagen,
Weil es doch nur mehrt die Plagen.

7. Weise sind, die Gott ergreifen
Als ihr höchst und bestes Teil,
Und nicht lang um ihn herschweifen,
Weil doch ohne Gott kein Heil;
Die sich ihn zum Zweck gesetzt,
Die sonst nichts als er ergötzt
Und ihm zu gefallen trachten,
Die kann man recht weise achten.

8. Weise sind, die sich nicht schämen,
Sondern deren Sinn sich lenkt,
Christi Kreuz auf sich zu nehmen,
Den man selbst ans Kreuz gehenkt.
Christi Kreuz bringt lauter Licht,
Das verdunkelt nimmer nicht;
Wer recht weise denkt zu werden,
Liebe Christi Kreuz auf Erden.

9. Weise sind und voll Verstandes,
Die, so lang sie wallen hier,
Ihres rechten Vaterlandes
Mit entzündeter Begier
Sind und bleiben eingedenk
Und nicht mit der großen Meng
Andrer sich hier feste setzen,
Sondern sich als Pilgrim schätzen.

10. Herr, des Weisheit zu erreichen
Keinem möglich hier auf Erd,
Hilf, dass dieser Weisheit Zeichen
Ich aus Gnaden fähig werd;
Gib, dass ich mich selbst recht kenn,
Christum meine Weisheit nenn,
Dich um seinen Geist stets flehe
Und vom Worte nie abgehe.

11. Dass ich alles Eitle hasse
Und nur dich allein erwähl,
Christi Schmach und Kreuz auffasse
Und stets meine Tage zähl.
Vater, hilf samt deinem Sohn
Und dem Geist von deinem Thron,
Dass ich möge hier auf Erden
Doch so klug und weise werden.

Johann Anastasius Freylinghausen – Der erste Psalm Davids.

Weise: Schönster aller Schönen, meines Herzens Lust.

1. Wohl dem, der nicht wandelt in der Bösen Rat,
Und der keinen Teil nimmt an der Sünder Tat;
Der den Spötter fliehet und sich ihm entziehet,
Wenn er Trug und List in seinem Sinn vor hat.

2. Wohl dem, der mit Freuden und mit Lust erwägt,
Was uns Gott vom Himmel durch sein Wort vorlegt;
Der drauf fleißig achtet, der es recht betrachtet
Und, dran alles liegt, es tief ins Herze prägt.

3. Er ist zu vergleichen einem Baum am Fluss,
Der auch, wenn es dürr ist, Frucht bringt ohn Verdruss,
Dessen Blätter bleiben und sich nie zerreiben;
Was er macht ihm alles wohl gelingen muss.

4. Aber die Gottlosen sind wie leichte Spreu,
Blühen sie gleich heute, morgen sind sie Heu.
Wenn der Herr wird kommen zum Trost aller Frommen,
Werden jene fühlen, dass Gott Richter sei.

5. Er wird ihnen lohnen, wie sie es verdient,
Und weil sie in Zeiten sich nicht ausgesühnt
Mit ihm, wird sein Schrecken flutenweis sie decken,
Wenn der Frommen Schar hingegen vor ihm grünt.

6. Jesu, großer Richter, wahrer Menschensohn,
Der du mit dem Vater sitzest auf dem Thron,
Lass mich Sünde hassen und, was gut, nicht lassen,
Bis du kommst, und mit dir kommen wird dein Lohn.