Ringwaldt, Bartholomäus – Flehen um Begnadigung

Herr Jesu Christ, du höchstes Gut,
Du Brunnquell der Genaden,
Sieh doch, wie ich in meinem Muth
Mit Schmerzen bin beladen,
Und in mir hab‘ der Pfeile viel,
Die im Gewissen ohne Ziel
Mich armen Sünder drücken.

Erbarm‘ dich mein in solcher Last;
Nim sie aus meinem Herzen,
Dieweil du sie gebüßet hast.
Am Holz mit Todesschmerzen,
Auf daß ich nicht für großem Weh‘
In meinen Sünden untergeh‘
Und ewiglich verzage.

Fürwahr, wenn mir das kommet ein,
Was ich mein‘ Tag begangen:
So fällt mir auf das Herz ein Stein,
Und bin mit Furcht umfangen;
Ja, ich weiß weder aus noch ein,
Und müßte stracks verloren seyn,
Wenn ich dein Wort nicht hätte.

Aber dein heilsam Wort das macht
Mit seinem süßen Singen,
Daß mir das Herze wieder lacht
Und was beginnt zu springen,
Dieweil es alle Gnad‘ verheißt
Denen, die mit zuknirschtem Geist
Zu dir, o Jesu, kommen.

Und weil ich denn in meinem Sinn,
Wie ich zuvor geklaget,
Auch ein betrübter Sünder bin,
Den sein Gewissen naget,
Und gerne mögt‘ im Blute dein
Von Sünden absolviret seyn,
Wie David und Manasses:

Als komm‘ ich auch zu dir allhie
In meiner Angst geschritten,
Und thu‘ dich mit gebeugtem Knie
Von ganzem Herzen bitten:
Verzeih mir doch genädiglich,
Was ich mein‘ Lebtag‘ wider dich
Auf Erden hab‘ begangen.

O Herr, vergieb, vergieb‘ mir’s doch
Um deines Namens willen,
Und thu in mir das schwere Joch
Der Uebertretung stillen,
Daß sich mein Herz zufrieden geb‘
Und dir hinfort zu Ehren leb‘
Mit kindlichem Gehorsam.

Stärk‘ mich mit deinem Freudengeist,
Heil‘ mich mit deinen Wunden,
Wasch mich mit deinem Todesschweiß
In meiner letzten Stunden,
Und nim mich einst, wenn dir’s gefällt,
Im rechten Glauben aus der Welt
Zu deinen Auserwählten!

Rambach – Anthologie christlicher Gesänge aus der alten und mittlern Zeit

Weisse, Michael – WIr warenn inn grossem leyd

WIr warenn inn grossem leyd
inn Adam all gestorben:
Wer hat uns die seligkeyt
bey Gott wider erworben?
Christus nur alleine,
der sich hie geopffert hat
für Adams Sünd inn Todt.
Heyliger Herre Gott,
Heyliger starcker Gott,
Heyliger barmhertziger Vater
und ewiger Gott!
Danck sey dir gesaget,
das du auß lauter gnad
für uns hie deinen Son
hast lassen busse thun
und uns widerstatten die verlorne Kron.

Wenn Sathan, welt, fleysch und blut
uns an der seel wil tödten,
Wer ist, der uns hülffe thut
inn solchen grossen nöten?
Christus nur alleine,
der sie uberwunden hat
und nu herrschet mit Gott.
Heyliger Herre Gott,
Heyliger starcker Gott,
Heyliger barmhertziger Vater
und ewiger Gott!
Hilff, das wir dich preysen
mit hertzen, mund und that,
inn Christo, deynem Son,
allzeyt deinn willen thun
und ördentlich kempffen nach des lebens kron.

Wenn uns wil der Antichryst
zu seinem irrthumb zwingen,
Wer machts, dz wir seiner gifft
nicht zur verdamniß schlingen?
Christus nur alleine,
der uns seine form und art
durch seyn Wort offenbart.
Heyliger Herre Gott,
Heyliger starcker Gott,
Heyliger barmhertziger Vater
und ewiger Gott!
Hilff, das wir zunemen
und bleyben inn der gnad,
das uns nicht dieser trach
zu sünden verursach
und in deym erkenntniß lehr und krafftloß mach.

Wes ist Himel, erd und meer
und wem ist nichts verborgen?
Wem gebürt preyß, lob und ehr
und wer kan uns versorgen?
Nur der Herr alleine,
der ein Gott von ewigkeyt
ist in Dreyfaltigkeyt. Heyliger Herre Gott,
Heyliger starcker Gott,
Heyliger, Allmechtiger, weyser
und gütiger Gott!
Sey unser beschützer
inn aller angst und not!
o König aller heer,
dir sey preyß, lob und ehr
im Himel und erden nu und immermer.

Weiße, Michael – Wir waren in großem Leid (modernisiert)

1.) Wir waren in großem Leid
In Adam all gestorben.
Wer hat uns die Seligkeit
Bei Gott wieder erworben?
Christus nur alleine,
Der sich hie geopfert hat
Für Adams Sünd‘ und Tod.
Heiliger Herre Gott.
Heiliger, starker Gott,
Heiliger, barmherziger Vater
Und ewiger Gott!
Dank sei dir gesaget,
Dass du aus lauter Gnad‘
Für uns hie deinen Sohn
Hast lassen Buße tun
Und uns wied’rerstatten die verlorne Kron.

2.) Wenn Satan, Welt, Fleisch und Blut
Uns an der Seel‘ will töten,
Wer ist’s, der uns Hilfe tut
In solchen großen Nöten?
Christus nur alleine,
Der sie überwunden hat
Und nun herrschet mit Gott.
Heiliger Herre Gott.
Heiliger, starker Gott,
Heiliger, barmherziger Vater
Und ewiger Gott!
Hilf, dass wir dich preisen
Mit Herzen, Mund und Tat,
In Christo, deinem Sohn,
Allzeit dein’n Willen tun
Und ordentlich kämpfen nach des Lebens Kron‘.

3.) Wenn uns will der Antichrist
Zu seinem Irrtum zwingen,
wer macht’s, dass wir seinen Gift
Nicht zur Verdammnis schlingen?
Christus nur alleine,
Der uns sein Wort offenbart.
Heiliger Herre Gott.
Heiliger, starker Gott,
Heiliger, barmherziger Vater
Und ewiger Gott!
Hilf, dass wir zunehmen
Und bleiben in der Gnad‘,
Dass uns nicht dieser Drach‘
Zu Sünden verursach‘
Und in dein’m Erkenntnis leer und kraftlos mach!

4.) Wess‘ ist Himmels, Erd und Meer
und wem ist nichts verborgen?
Wem gebührt Preis, Lob und Ehr‘
Und wer kann uns versorgen?
Nur der Herr alleine,
Der ein Gott von Ewigkeit
Ist in Dreifaltigkeit.
Heiliger Herre Gott.
Heiliger, starker Gott,
Heiliger, allmächtiger, weiser
Und gütiger Gott!
Sei unser Beschützer
In aller Angst und Not!
O König aller Heer‘,
Dir sei Preis, Lob und Ehr‘
Im Himmel und Erden nun und immer mehr!

Reuschmar, Jacob – O treuer Heiland, Jesu Christ.

O treuer heiland, Jesu Christ,
mein erlöser allein du bist.
wenn ich dich hab und glaub an dich,
so bin ich selig ewiglich.

Gib, daß ich dich im glauben rein
recht kenn und bleib bei dir allein,
all billich er dir gebe frei,
so kan mein sel frölich sein.

O Jesu zart, du Gottes lam,
mich armen sünder nicht verdamm,
erbarm dich mein, wend allen feil!
du bist mein einiger trost und heil.

Laß dir mein sach befolen sein,
bitt für mich stets den vater dein,
denn du der rechte heiland bist,
o menschen freund, herr Jesu Christ.

Kom bald, hilf uns, eil zum gericht,
du wollst doch lang ausbleiben nicht!
wie ist doch itzt die welt so bös,
ach Gottes son, uns bald erlös!

Weil es dir so wol gefellt,
daß du lang schonst der bösen welt,
gibst zeit zur buß ganz gnediglich,
auf daß die welt bekere sich.

In diser letzten zeit, o HERR,
erhalt bei uns dein wort und ler;
gib gnad, daß sich vil leut bekern,
den satan wer, der hindert gern!

Dir sei, HERR Christe, lob bereit,
mit vater und dem heiligen geist!
al ding in himmel und auf ert
dich billich preiset und hoch ert.

Amen.

Goedeke/Tittmann – Deutsche Dichter des sechszehnten Jahrhundert

Selneccer, Nikolaus – Ach Gott im höchsten Throne

1. Ach Gott im höchsten Throne,
o Vater, Herre Gott,
Herr Christe, Gottes Sohne,
der du uns hilfst aus Not,
o Gott Heiliger Geiste,
du Gnad und Rettung leiste,
hör unser arm’s Gebet.

2. Vergib uns unsre Sünde
und rechne nicht unser Schuld,
laß ja, Herr, nicht dahinten
dein’ große Gnad und Huld,
fahr nicht herab mit Zoren,
wir sind sonst bald verloren,
erbarm dich über uns.

3. Dein’ Donner groß wir hören,
dein’ Blitz und Wetter hart,
dein’ Wolken schwarz wir sehen,
dein’ Strahl kommt zu der Fahrt,
dein’ Allmacht wir erkennen,
dein Grimm wir auch vernehmen,
es reut uns unser Sünd.

4. Laß ab von deinem Zoren,
Gott Vater, Sohn und Geist.
Du hast uns auserkoren
zu Kindern allermeist.
Straf uns nicht nach den Werken,
tu unsern Glauben stärken,
hilf uns, o Jesu Christ.

5. Wir haben’s ja verdienet,
daß du uns strafest recht.
Wir haben dich verhöhnet,
dein Wort nicht g’halten schlecht,
dein’ Güter und dein’ Segen
mißbraucht zu allen Wegen,
die dir mißfällig sind.

6. Wir geben uns von Herzen
ja schuldig aller Sünd’.
Es bringt uns große Schmerzen,
daß wir g’wesen so blind,
dich haben je erzürnet,
und hin und her geirret
in großer Sicherheit.

7. So wend nun ab dein Zoren,
laß ab vom Wetter groß,
B’hüt uns das Feld und Koren,
daß wir mit rechter Maß
das täglich Brot erwerben
und seligliches sterben,
wenn du das Stündlein schickst.

8. B’hüt uns vor schnellem Tode,
du Seel und Leib bewahr.
Hilf uns in allen Nöten,
dein Donnern schaffe ab.
Laß ja dem bösen Feinde
kein’ G’walt, da er vermeinte,
großen Schaden zu tun.

9. Ach Gott im Himmelsthrone,
wir uns dir befehlen ganz,
laß uns leuchten die Sonne
und deiner Gnaden Glanz.
Auf deine Gnad’ wir wachen,
du wirst es alles schaffen,
dir sei Lob, Ehr und Dank.

10. Es werd heilig dein Name,
dein Reich zukomm uns bald.
Dein Will im Himmelsthrone
g’scheh uns auf Erden all.
Gib Brot, vergib die Sünde,
kein Arg’s das Herz entzünde,
lös uns aus aller Not.

Selneccer, Nikolaus – Ich bitte dich zu dieser Stund,

Am Tage Mariä Magdalenä

Gebet

Ich bitte dich zu dieser Stund,
Herr Jesu Christ, mit Herz und Mund,
Auf daß du wollst ansehen mich
Mit deinen Augen väterlich.

Mit welchen du Herr im Palast
Petrum wohl angesehen hast,
Desgleichen über der Mahlzeit
Die Sünderin in ihrem Leid.

Den Schächer auch in seiner Pein,
Da er dich bat im Kreuze sein.
O lieber Gott ich bitte dich,
Sieh mich ja an so gnädiglich.

Laß mich auch recht mit Petro dein
Beweinen stets die Sünde mein,
Mit der Sünderin lieben dich
Im Glauben fest beständiglich.

Und mit dem Schächer recht bereit
Dich sehen in der Ewigkeit,
Dir sagen Lob, Ruhm, Ehr und Preis
Sammt Vater und heiligem Geist.

Selneccer – Himmelfahrt

Selneccer, Nikolaus – Herr Gott, mein Hort, mein Heil, mein Trost

Herr Gott, mein Hort, mein Heil, mein Trost,
ich komm zu dir alleine.
Mein Sünd drückt mich wund, ängst’t mich groß,
ich traur’ in mir und weine.
Ich bekenn, o Herr, dir meine Schuld,
mein Herz voll Unflats stecket,
ich flieh aber zu deiner Huld,
dein Gnad all’s Unrein’s decket.

2. Ach Herr, straf mich nicht in dei’m Zorn,
den niemand kann erleiden.
Wer ist jemals so rein gebor’n,
der den hätt’ können meiden?
Ach, züchtig mich nicht in dei’m Grimm,
Herr, sei gnädig mir Armen,
ich bin ja elend, schwach und schlimm,
tue dich, Herr, mein erbarmen.

3. Heil’ mich, mein’ Bein’ erschrocken sind,
mein’ Seel’ ist zag vor Schmerzen.
In mir ist alles worden blind,
kein Leben ist im Herzen.
Ach, wie lang willst du zürnen doch?
wie lang willst du mich kränken?
dein’ Barmherzigkeit lebet noch,
tu mich ja nicht versenken.

4. Wend’ dich, Herr, wend’ dich jetzt zu mir,
errett’ mein’ Seel’ behende.
Zu dir stehen all’ mein’ Begier,
dein’ Güt’ hat ja kein Ende.
Um deiner Güt’ willen allein
hilf mir durch Gnaden große,
im Tod gedenkt man zwar nicht dein,
es ist all’s blind und lose.

5. Im Leben tun dich loben all,
die dich als Gott erkennen,
und preisen dich mit großem Schall,
tun dich ein’n Vater nennen.
Im Tod ist nichts denn Finsternis,
die Höll’ tut dir nicht danken,
wend, Herr, von mir das Ärgernis
und laß mich doch nicht wanken.

6. Ach Gott, mein Herr, von Seufzen groß
bin ich ganz müd und weine,
ich schwemm’ mein Bett ohn’ Unterlaß
die ganze Nacht unreine,
im Schweiß lieg ich, mein Lager klein
netz ich mit Tränen klagend,
mein’ Sünd’ liegt auf mir wie ein Stein,
mein Herz und Bein zernaget.

7. Mein G’stalt die ist verfallen gar,
für trauen alt und bloße,
denn ich bin allenthalben zwar
geängst’t mit Bürden große.
Schweig doch, schweig doch, mein Seel und Sinn,
sei g’duldig, harr’ des Herren:
das Unglück wird bald gehn dahin,
die Hilf ist nicht mehr fern.

8. Ihr übeltäter, weicht von mir,
der Herr hat g’hört mein Weinen.
mein Flehen ist des Herren Gier,
sein Lust hat er an Kleinen.
Ein kleiner Geist Gott’s Huld erlangt,
betrübte Leut’ die besten,
ein großer Geist sich selber fängt
und bleibt alsdann am letzten.

9. Es müssen alle meine Feind
zuschanden werden balde,
erschrecken, wie sie sich vereint,
zertrennet mannigfalte,
zurück müssen sie fallen doch,
plötzlich zuschanden werden,
denn mein Herr Gott lebt jetzund noch
im Himmel und auf Erden.

10. Dank Gott, wenn du nur regen magst
dein Mund, Herz, Sinn und Kräften,
dir ist g’holfen von aller Last
aus Sünd, Not, Teufels G’schäften.
Ich bin in Gnad: trotz, wer das schilt,
mein Sünd ist nun gewaschen,
nun fehlt nichts denn daß ich zumal
vorhin werd zu ei’m Aschen.

11. Was ist es doch? Ich bin ein Kind
des großen Herren Gottes:
Laß her gehn Teufel, Welt und Sünd,
wer will mir bieten Trotzes?
O Jesu Christ, du bist ja mein
und ich dein bin und bleibe,
Sünd, geh hinweg, du bist unrein,
laß mir jetzt stehn mein Leibe.

12. Mein Seel du nicht anfechten sollst,
wenn du noch so groß wärest,
wenn du gleich hin und wieder trollst,
laß sehn, was du begehrest.
Ach Christ, du mein Erlöser heiß’t,
und bist mein Retter worden:
du mir Hilf, Stärk und Beistand leist,
sei mein Trost auserkoren.

Selneccer, Nikolaus – Wir danken dir, o treuer Gott

Wir danken dir, o treuer Gott,
Daß du uns hilfst aus Sündennot,
Vergibst uns alle Schuld und Fehl
Und hilfest uns an Leib und Seel‘.

2. Durch’s Beicht’gers Mund sprichst du: Mein Kind,
Dir alle Sünd‘ vergeben sind.
Geh in Fried hin, sünd’ge nicht mehr
Und allweg‘ dich zu mir bekehr!

3. Dir sei Dank für solch gnädig Herz,
Der du selbst heilest allen Schmerz
Durchs teure Blut des Herren Christ,
Welch’s für all‘ Sünd‘ vergossen ist.

4. Gib uns dein’n Geist, gib Fried‘ und Freud‘
Von nun an bis in Ewigkeit!
Dein Wort und heilig Sakrament
Erhalt bei uns bis an das End‘.

Schneesing, Johannes – Allein zu dir, Herr Jesu Christ

Allein zu dir, Herr Jesu Christ,
Mein‘ Hoffnung steht auf Erden;
Ich weiß, daß du mein Tröster bist,
Kein Trost mag mir sonst werden.
Von Anbeginn ist nichts erkor’n,
Auf Erden ist kein Mensch gebor’n,
Der mir aus Nöten helfen kann;
Ich ruf‘ dich an,
Zu dem ich mein Vertrauen han.

2. Mein‘ Sünd‘ sind schwer und übergroß
Und reuen mich von Herzen,
Derselben mach mich quitt und los
Durch deinen Tod und Schmerzen
Und zeig mich deinem Vater an,
Daß du hast g’nug für mich getan,
So werd‘ ich quitt der Sünden los.
Herr, halt mir fest,
Wes du dich mir versprochen hast!

3. Gib mir nach deiner Barmherzigkeit
Den wahren Christenglauben,
Auf daß ich deine Süßigkeit
Möcht‘ inniglich anschauen,
Vor allen Dingen lieben dich
Und meinen Nächsten gleich als mich.
Am letzten End‘ dein‘ Hilf‘ mir send,
thu mir behend
Des Teufels List von mir wend‘.

4. Ehr sey Gott in dem höchsten thron,
dem Vater aller güte,
Und Jhesu Christ seim liebsten Son,
der uns allzeit behüte,
Und Gott dem heiligen Geiste,
der uns sein hülff allzeit leiste,
Damit wir jm gefellig sein
hie in dieser zeit
und folgent zu der ewigkeit. Amen.

Wackernagel – Das deutsche Kirchenlied von Martin Luther bis auf Nicolaus Herman und Ambrosius Blaurer

Rambach, Johann Jakob – Unumschränkte Liebe, gönne blöden Augen

1. Unumschränkte Liebe, gönne blöden Augen,
Die sonst kaum auf Erden taugen,
Daß sie in die Strahlen deiner Langmut blicken,
Die den Erdkreis wärmend schmücken
Und zugleich freudenreich Bösen und den Deinen
Mit der Sonne scheinen.

2. Wasser, Luft und Erde, ja dein ganz Gebiete
Ist ein Schauplatz deiner Güte;
Deiner Langmut Ehre wird durch neue Proben
Immer herrlicher erhoben.
O wie weit, o wie breit über Berg und Hügel
Streckt sie ihre Flügel.

3. Was wir davon denken, was wir sagen können,
Ist ein Schatten nur zu nennen.
Tag für Tag zu leiden, Tag für Tag zu dulden
So viel Millionen Schulden
Und dazu ohne Ruh lieben für das Hassen,
Herr, wer kann das fassen?

4. Du vergiebest Sünde, hörst der Sünder Flehen,
Wenn sie weinend vor dir stehen;
Deine Rechte dräuet und erbarmt sich wieder,
Legt die Pfeile gerne nieder.
Tiefen Schmerz fühlt dein Herz, wenn durch ernste Strafen
Du mußt Beßrung schaffen.

5. Herr, es hat noch keiner, der zu dir gegangen,
Statt der Gnade Recht empfangen.
Wer zu deinen Füßen sich mit Thränen senket,
Dem wird Straf und Schuld geschenket.
Unser Schmerz rührt dein Herz, und du willst der Armen
Gnädig dich erbarmen.

6. König, sei gepreisen, daß du so verschonest
Und uns nicht nach Werken lohnest;
Deiner Hand sei Ehre, die so wohl regieret
Und mit Ruhm den Scepter führet.
Fahre fort, Zions Hort, Langmut auszuüben
Und die Welt zu lieben.

Ringwaldt, Bartholomäus – Gott Vater, hör doch meine Klag,

Um Vergebung der Sünden und Errettung wider die Feinde.
Aus den Psalmen zusammen gezogen.

Im Ton: Durch Adams Fall ist ganz verderbt.

Gott Vater, hör doch meine Klag,
So ich im Herzen führe,
Hilf mir, eh denn ich gar verzag
Und mich im Tod verliere;
Thu was gemach Und üb nicht Rach
An mir so gar geschwinde,
Erbarm dich mein Im Herzen dein
In Christo, deinem Kinde.

Sieh, HErr, wie ich bekümmert geh,
Mit Traurigkeit umgeben;
Ich seufze, wo ich geh und steh,
Und hab kein Lust zu leben.
So drückt mich fast Der Sünden Last,
Die ich zur Zeit begangen.
HErr, mach mich Heil, Denn deine Pfeil,
Die halten mich gefangen.

Zu dem hab ich noch ohne Ziel
Ueber dies heimlich Leiden,
Verfolger und Mißgönner viel,
Die mich gewaltig neiden
Und reden frech In ihrer Zech
Von mir viel arge Sachen
Und mich umher Mit Lügen mehr
Beim Volk verdächtig machen.

Ich aber muß im Herzen mein
Von wegen meiner Schulden
Gleich wie ein Taub und Stummer sein
Und mich also gedulden
Bis sich dein Ruth Was legen thut,
Die mich thut billig drücken.
O HErr, nimm doch Das schwere Joch
Von meinem schwachen Rücken.

Hilf mir, o HErr, zur rechten Zeit,
Laß mich nicht untersinken,
Und straf die gottsvergessenen Leut,
Die täglich um mich hinken
Und mir viel Leid Aus bloßem Neid
Gedenken beizufügen
HErr, gibs nicht zu, Mich schützen thu,
Und straf ihr‘ groben Lügen.

Vergib mir all mein Missethat,
Dich wieder zu mir wende,
Und machs mit meiner Feinde Rath
Einmal ein schrecklich Ende.
Schaff ihnen auch Ins Haus ein Rauch
Dabei sie mein vergessen,
Thu ihnen das Mit gleichem Maaß
Bezahlen und einmessen.

Im Hals ihnen die Wort verkürz,
Die sie aus gossen haben,
Und sie selbst in die Gruben stürz,
Die sie mir han gegraben,
Damit sie nicht So aufgericht
Im Herzen jubiliren,
Sondern vielmehr Ein schändlich Ehr
Erleben an den Ihren.

Erlös mich, HErr, von ihrem Strick,
Der tödtlich ist vergiftet;
Mit deinem Geist mein Herz erquick,
Das noch viel Jammer stiftet
Mit Aengsten groß; HErr, mach mich los
Von diesen stolzen Fetten,
Als ich denn Trau Und auf dich bau:
Ich weiß, du wirst mich retten.

Amen.

Wendebourg – Bartholomäus Ringwaldt’s geistliche Lieder