Mathesius, Johann – Hört, ihr Christen, und merket recht

Ein Lied der Kirchen Gottes im Thal, vom Leiden Jesu Christi. Aus dem 53. Cap. Jes.

Hört, ihr Christen, und merket recht,
Was Gott weissagt von seinem Knecht,
Von seim Sohn, dem Herrn Jesu Christ,
Der unser Mittler worden ist.

„Sich, mein Knecht, der ist glehrt und weis,
Er scheußt vor mir auf wie ein Reis;
Gott ist er von Natur und Gwalt,
Im Fleisch ging er in Knechtes Gstalt.

Er ward arm, elend und veracht,
Von Schmerzen und Krankheit verschmacht,
An ihm ärgert sich Jedermann,
Sehr wenig Leut ihn nahmen an.

Ob ihn sein eigen Volk sehr schändt,
So ist er doch mein Sohn erkennt;
Der Heiden Licht und Trost er heißt,
Mein Bund er ihn aus Gnaden leist.

Aus Lieb hab ich ihn euch gesandt,
Auf ihm leit der Welt Schuld und Schand;
Die büßt er an des Kreuzes Stamm,
Er ist mein gfälligs Osterlamm.

Eur Schmerzen und der Sünden Last,
Die hab ich ihm selbst aufgefaßt;
In Ghorsam er eur Krankheit trug,
Um fremder Schuld ich ihn sehr schlug.

Das leidt er wie ein Lamm mit Gduld,
Erwirbt dadurch auch fremde Schuld;
Eur Mißthat hat ihn hart verwundt,
Durch sein Striemen seid ihr gesund.

Er ist das einig Opfer zwar,
Das euer Schuld bezahlet gar,
Sein Blut ist das rechte Lösgeld,
Das ledig macht die gfangne Welt.

Ob er wohl an das Kreuz ist ghenkt,
Und ward in Tod und Grab versenkt,
Währt doch sein Angst ein kleine Zeit;
Er lebt und herrscht in Ewigkeit.

Sein Reich er selbst auf Erd anricht,
Darin kein Samen ihm gebricht;
Mit Lust und Freud er da regiert,
Und seine Kraft in Schwachheit führt.

Da theilt er aus im Wort sein Blut,
Damit er euch besprengen thut,
Und schenkt die ewig Grechtigkeit
Seinen Brüdern, der Christenheit.

Er ist allein mein grechter Knecht,
Wer ihn erkennt, der ist gerecht.
Wer auf ihn herzlich trauen kann,
Den nehm ich zu eim Erben an.

Der Sohn mir zwar allein gefällt;
Wer sein Wort hört und stets behält,
Im Kreuz und Tod nicht von mir setzt,
Der wird all seines Leids ergetzt.

Er ist das Haupt der Christenheit,
Der für euch selbs zu Felde leit;
Die Sünd, Tod, Teufel, Höll und Welt
Schlägt er allein, mein starker Held.“

Herr Gotte, der du einig heißt,
Und bist Vater, Sohn, heilger Geist,
Und offenbarst dich uns im Sohn
Und machst uns den zum Gnadenthron:

Wir singen dir Lob, Ehr und Preis
Für deine Güt, an uns beweist;
Um Christi Leiden, Blut und Tod
Erbarm dich unser, lieber Gott.

Jesu, du wahrer Gottessohn,
Unser hohr Priester und Patron,
Erlös dein arme Christenheit;
Herr Christ, komm eilend, es ist Zeit.

O heilger Geist, du Tröster werth,
Hilf uns allzeit seufzen auf Erd;
In reiner Lehr erhalt uns, Herr,
Glaub, Lieb, Geduld auch in uns mehr.

Amen.

Liscovius, Salomon – Da Jesus an dem Kreuze stund

Die heiligen sieben Worte unsers Herrn.

Nach Anleitung und Wiese des Liedes von Johann Böschenstein: Da Jesus an dem Kreuze stund.

Da Jesus an dem Kreuze stund
Und war bis auf den Tod verwund’t
Von Dornen und von Schlägen,
So lehrt und tröstet doch sein Mund,
Verspricht auch Heil und Segne.

Erst fleht er um der Feinde Schuld:
Vergieb doch, Vater, aus Geduld,
Was sie sich unterfangen!
Dadurch soll Gottes Gnad und Huld
Ein Sünder noch erlangen.

Zum Andern sagt er mit Bedacht:
Johannes, nimm das Weib in Acht,
Weib, pflege deines Sohnes!
So sind auch wir von Gott gemacht
Zu Kindern seines Thrones.

Zum dritten tröstet er gar schön:
Fürwahr, du sollst mit mir eingehn
Zu meinem Paradeise!
So werden wir auch bei hm stehn
Nach unsrer Todesreise.

Zum Vierten klagt er seine Noth:
Warum hast du bis in den Tod,
Mein Vater, mich verlassen?
Hiervor soll uns der treue Gott
Mit süßem Trost umfassen.

Zum Fünften darbt und sehnt er sich:
Mich dürstet sehr, o Mensch, um dich!
Dafür wird uns Gott schenken
Der Seelen Heil, und ewiglich
Mit Wollustströmen tränken.

Zum Sechsten nimmt er guten Nacht,
Läßt uns den Trost: Es ist vollbracht,
Was zur Erlösung dienet!
Nun ist der Mensch mit Gottes Macht
Durch Christum ausgesühnet.

Zum Letzten ruft er mit Begier:
Herr, meinen Geist befehl ich dir
In deine Vaterhände!
Nun bleibet uns gewiß dafür
Ein selig Todesende.

O Jesu, deine Leidensnoth,
Dein Blut und deinen Schmerzenstod
Und deine sieben Worte
Laß sein mein Heil und Lebensbrot,
Mein Licht und Himmelspforte!

Pasig – M. Salomon Liscovius geistliche Lieder

Gerhardt, Paul – O Haupt voll Blut und Wunden

O Haupt voll Blut und Wunden,
voll Schmerz und voller Hohn,
o Haupt, zum Spott gebunden
mit einer Dornenkron,
o Haupt, sonst schön gekrönet
mit höchster Ehr und Zier,
jetzt aber höchst verhöhnet,
gegrüßet seist du mir!

O edles Angesichte,
davor das Reich der Welt
erschrickt und wird zu nichte,
wie bist du so entstellt,
wie bist du so erbleichet!
Wer hat dein Augenlicht,
dem sonst kein Licht mehr gleichet,
so schmachvoll zugericht’t?

Die Farbe deiner Wangen,
der roten Lippen Pracht
ist hin und ganz vergangen;
des blassen Todes Macht
hat alles hingenommen,
hat alles hingerafft,
und daher bist du kommen
von deines Leibes Pracht.

Nun, was du, Herr, erduldet,
ist alles meine Last,
ich hab es selbst verschuldet,
was du getragen hast.
Schau her, hier steh ich Armer,
der Zorn verdienet hat;
gib mir, o mein Erbarmer,
den Anblick deiner Gnad.

Erkenne mich, mein Hüter,
mein Hirte, nimm mich an!
Von dir, Quell aller Güter,
ist mir viel Guts getan;
dein Mund hat mich begabet
mit wunderbarem Trost,
dein Geist hat mich gelabet
mit reicher Himmelskost.

Ich will hier bei dir stehen,
verachte mich doch nicht;
von dir will ich nicht gehen,
wenn dir dein Herze bricht;
wenn dein Haupt wird erblassen
im letzten Todesstoß,
alsdann will ich dich fassen
in meinen Arm und Schoß.

Es dient zu meinen Freuden
und kommt mir herzlich wohl,
wenn ich in deinem Leiden,
mein Heil, mich finden soll.
Ach möcht ich, o mein Leben,
an deinem Kreuze hier
mein Leben von mir geben,
wie wohl geschähe mir!

Ich danke dir von Herzen,
o Jesus, liebster Freund,
für deines Todes Schmerzen,
da dus so gut gemeint.
Ach gib, daß ich mich halte
zu dir und deiner Treu,
und wenn ich einst erkalte,
in dir mein Ende sei.

Wenn ich einmal soll scheiden,
so scheide nicht von mir;
wenn ich den Tod soll leiden,
so tritt du dann herfür;
wenn mir am allerbängsten
wird um das Herze sein,
so reiß mich aus den Ängsten
kraft deiner Angst und Pein.

Erscheine mir zum Schilde,
zum Trost in meinem Tod
und laß mich sehn dein Bilde
in deiner Kreuzesnot.
Da will ich nach dir blicken,
da will ich glaubensvoll
fest an mein Herz dich drücken:
wer so stirbt, der stirbt wohl.

Gerhardt, Paul – O Mensch, beweine deine Sünd

1. O Mensch, beweine deine Sünd,
Um welcher willen Gottes Kind
Ein Mensche mußte werden:
Er kam von seines Vaters Thron,
Wird einer armen Jungfrau Sohn,
Tat große Ding auf Erden.
Die Kranken macht er frisch und stark
Und risse, was schon lag im Sarg,
Dem Tod aus seinem Rachen;
Bis daß er selbst durch Feindes Händ
Am Kreuze seines Lebens End
In Schmerzen mußte machen.

2. Denn als nun wieder Ostern war,
Nahm er zu sich der Zwölfe Schar
Und sprach mit treuem Munde:
Nach zweien Tagen kommt die Nacht,
Da man das Osterlämmlein schlacht´t;
Dann ist auch meine Stunde.
Da ging die ganze Klerisei
Zu Rat, wie sie ihm käme bei,
Hingegen die ihn liebte,
Salbt ihn gar schön in Simons Haus,
Der Herr strich diese Tat heraus,
Schalt den, der sie betrübte.

3. Das war der bös Ischarioth,
Der seinen Herrn der bösen Rott
Geschworen und verraten,
Das fromme Lamm, der Heiland, kam,
Aß süßes Brot und Osterlamm,
Wie andre Juden taten.
Drauf stiftet er sein Fleisch und Blut,
Des Neuen Testamentes Gut,
Zu trinken und zu essen,
Und stund hernach von seinem Ort,
Wusch seine Jünger, red´te Wort,
Die nimmer zu vergessen.

4. Er kam zum heilgen Öleberg;
Da, da ging an das hohe Werk
Mit Zittern und Zagen.
Die Erde nahm den Blutschweiß an,
Der häufig aus ihm drang und rann,
Der Himmel hört ihn sagen:
O Vaterherz, gefällt es dir,
So gehe dieser Kelch von mir;
Wo nicht, gescheh dein Wille!
Und täte das zum dritten Mal.
Indessen lag der Jünger Zahl
In Schlaf und süßer Stille.

5. Ach, sprach das liebe treue Herz,
Ihr liegt und schlaft; mich hat der Schmerz
Und Todesangst umfangen.
Ach, wacht und betet, betet, wacht!
Damit ihr von des Feindes Macht
Nicht werdet hintergangen.
Nun ist mein Stündlein vor der Tür,
Steht auf! Da kommet her zu mir
Mein Jünger und Verräter!
Er hatte kaum gehöret auf,
Umringt ihn Judas und sein Hauf
Als einen Übeltäter.

6. Der Führer küßt ihn mit dem Mund,
Und war doch nichts im Herzensgrund
Als bittres Gift und Fluchen,
Doch trat der Heiland frei dahin,
Sprach klar und deutlich: Seht, ich bin,
Den eure Augen suchen.
Sucht ihr denn mich, so lasset gehn,
Die ihr hier bei mir sehet stehn.
Meint hiermit seine Jünger.
Und als des Petri strenger Sinn
Den Malchum schluge, heilt er ihn
Am Ohr mit seinem Finger.

7. Steck ein das Schwert, sprach unser Licht,
Solch Arbeit dienet hieher nicht,
Mein Kelch muß sein getrunken.
Drauf ist der Richter aller Welt
Den Hohepriestern dargestellt;
Und da ist auch gesunken
Des Petri Herz und Leuenmut,
Nit zwar durch Schwert und Feuersglut,
Nur durch ein bloßes Fragen,
Ob er nicht Jesu Jünger sei?
Da fällt sein Glaube, Lieb und Treu,
Weiß nichts als Nein zu sagen.

8. Auf diesen Fall kam große Reu,
Er sing an, da der Hahne schrei,
Sehr bitterlich zu weinen.
Das Auge, das die Herzen sieht,
Tät einen Blick, ließ Gnad und Güt
Dem armen Petro scheinen.
Die falsche Zeugen traten dar
Und red´ten viel, so nimmer wahr,
Auch niemals wird geschehen;
Drum auch der Herr unnötig schätzt,
Daß er sein Wort dagegen setzt,
Läßts durch den Wind zerwehen.

9. Dem aber, er ward verklagt,
Antwortet er, da er ihn fragt,
Ob er von Gott geboren:
Ja, ich bin Mensch und Gottes Sohn,
Der Welt zum Heil, zur Freud und Kron
Vom Vater auserkoren;
Ihr werdet meine Herrlichkeit
Zur Rechten Gottes mit der Zeit
Hoch in den Wolken sehen.-
Das nennt der Lästrer Lästerwort,
Da schrei ein jeder: Tod und Mord!
Da ging es an ein Schmähen.

10. Man schlug, man speit ihm ins Gesicht.
O Wunder, Wunder, daß hei nicht
Die Erde sich zerrissen!
Mit seiner starken Donnerstimm
Vom Himmel drein geschmissen!
Sie bunden ihm die Augen zu
Und hatten weder Maß noch Ruh
Im Höhnen und im Schlagen;
Denn wenn sie schlugen, sagten sie:
Sag an, wer tats? Du kannst es hie
Als ein Prophete sagen!

11. Und damit war er noch nicht aus.
Am Morgen wird er in das Haus
Pilati hingeführet.
Der Judas dacht den Sachen nach,
Sein frecher Sinn sank hin und brach,
sein Herze wird gerühet:
Es war ihm leid, er hatte Reu,
Weil aber kein Trost war dabei,
Ging Leib und Seel zugrunde.
Er und sein Name bleibt geschänd´t
Noch bis auf diese Stunde.

12. Da Jesu vor Pilato stund,
War sehr viel Klag und gar kein Grund,
Das meiste, das man triebe
War, daß er nichts mehr tu und lehr,
Als was die Untertanen kehr
Vons Kaisers Pflicht und Liebe,
Dieweil er sich zum Könge macht.
Pilatus wird dahin gebracht,
Daß er den Herren fragte,
Ob er der Juden König wär?
Der Herr sprach: Ja, zu Gottes Ehr,
Er wäre, was er sagte.

13. Weil nun Herodes, dessen Hand
Sanft herrlich im Galiläerland,
Gleich damals war zugegen,
Schickt ihm Pilatus Christum hin.
Des freut er sich in seinem Sinn,
Ließ ihn zum Spott anlegen
Ein weißes Kleid, ein arme Tracht,
Und da man seiner gnug gelacht,
Da schickt man ihn zurücke
Pilato heim: Der ging zu Rat
Und fand ihn rein von arger Tat,
Unschuldig aller Tücke.

14. Er nahm den Mörder Barrabam,
Dem jedermann sanft war sehr gram.
Den stellt er in die Mitten:
Hier sind der Übeltäter zwei,
Sprach er zum Volk, es steht euch frei,
Ihr möget einen bitten.-
Halt Jesum, schrei die tolle Schar,
Laß Barrabam, wie er vor war,
Frei ledig in das Seine.-
Was sang ich denn mit Jesu an? –
Ans Kreuz, ans Kreuz mit diesem Mann!
Antwortet die Gemeine.

15. Da gab Pilatus Jesum hin
Dem Kriegesvolk, das geißelt ihn
Ohn alle Gnad und Schonen.
Der freche Haufe trat zuhauf
Und setzte unserm Könige auf
Von Dornen eine Kronen.
Er wird gehandelt als ein Tor;
Sie äfften ihn mit einem Rohr
Und schlugen ihn nicht wenig.
Du bist ein König, sagten sie,
Glück zu, o Judenkönig!

16. Als er nun übel zugericht´t,
Führt ihn Pilatus ins Gesicht
Des Volks und sprach daneben:
Seht, seht doch, welch ein armer Wurm;
Nun wird sich euer Grimm und Sturm
Einmal zufrieden geben.-
Nein, nein, sprach die vergallte Rott,
Zum Kreuz, zum Kreuz! Nur immer tot!-
Pilatus wusch die Hände
Und wollt im Kote reine sein;
Dem aber, der in allem rein,
Bestimmt er Tod und Ende.

17. Das Leben ging zum bittern Tod
Und mußte seine letzte Not
Mit eignen Schultern tragen.
Er trug sein Kreuz und unsern Schmerz,
Darüber führt manch Mutterherz
Ein hochbetrübtes Klagen.
`Weint nicht,´ sprach Christus, über mich,
Ein jeder weine über sich
Und über seine Sünde!
Es kommt die Zeit, da selig wird
Gepreiset die, so nicht gebiert
Und gar nicht weiß vom Kinde .-

18. Da man nun kam zur Schädelstatt,
Da wird, ders nicht verdienet hat,
Bis in den Tod gekränket.
Zwar also, daß ein Mörderpaar
Zur Seiten wurde hier und dar
Er mitten ein gehenket.
Man nahm ihm Leben, Ehr und Blut;
Den sanften Sinn, den frommen Mut,
Den mußten sie ihm lassen.
Er liebte, die ihm weh getan,
Rief seinen Vater für die an,
Die ihm sein Herz zerfraßen.

19. Pilatus heftet oben an
Ein Überschrift, die jedermann,
Der bei dem Kreuz gewesen,
Hebräer, Römer, Griechenland
Und wer Vernunft hat und Verstand,
Gar wohl hat können lesen.
Die Krieger nehmen ihm sein Kleid
Und teilen sich in diese Beut,
Der Rock bleibt unzerstücket;
Er wird dem Los anheimgestellt,
Des soll er sein, wem jenes fällt;
Laßt sehen, wen es glücket.

20. Maria voller Lieb und Treu
Stund an dem Kreuz, und auch dabei,
Den unser Heiland liebte.
Sieh hier, sprach Jesus, Weib, dein Sohn!
Und Jünger, siehe deine Kron
Und Mutter, die betrübte;
Die laß dir ja befohlen sein! –
Dies Wort, das drang ins Herz hinein
Johanni, dem geliebten.
Er nahm die auf und tat ihr wohl,
Die andern machten Jammers voll
Durch Bosheit, die sie übten.

21.Viel Lästrer red´ten bös Ding,
Auch einer, der zur Seiten hing,
Goß auf ihn seinen Geifer.
Der aber an dem andern Ort
Straft ihn und seine Lästerwort
Mit großem Ernst und Eifer,
Sprach Jesum an: O Himmelsfürst,
Gedenke meiner, wenn du wirst
Nun in dein Reich eingehen! –
Fürwahr, fürwahr, ich sage dir,
Sprach Jesus, du wirst heut bei mir
Im Paradiese stehen.

22. Der Mittag kam, und ward doch Nacht,
Die Sonn, die alles fröhlich macht,
War selbst mit Leid erfüllet.
Des Lichtes Schöpfer fühlet Pein,
Drum muß mit finstern Schatten sein
Das schönste Licht verhüllet.
`Eli!,´ rief Jesus, `Gott mein Gott,
Wie läßt du mich in meiner Not
Und Angst so gar allein?´
Und bald darauf: Mich dürstet sehr! –
Das alles hört der Juden Heer
Und weiß nicht wen er meine.

23. Sie sind vom Zorne taub und blind,
Hart wie ein Stein, der nichts empfindt,
Auch gar nicht zu erweichen.
Sie nehmen aus dem Essigfaß
Und machen einen Schwamm mit naß,
Den lassen sie ihm reichen.
Ihr Herz ist voller Bitterkeit,
Und damit sind sie auch bereit,
Den, der jetzt stirbt, zu laben.
Viel machen aus dem Ernst ein Spiel
Und sprechen: `Halt sehn, er will
Eliä Hilfe Haben. –

24. Er aber sprach: `Es ist vollbracht!
Und darauf wird er von der Macht
Des Todes überfallen.´
Er neigte sich zur sanften Ruh,
Er schloß die schwachen Augen zu
Und schrie mit großem Schallen:
Nimm auf, Herr, meinen Geist,
Du, mein herzlieber Vater, weißt,
Wie du ihn sollt bewahren! –
Und also ist der große Held,
Der Himmel, Erd und alles hält,
Von dieser Welt gefahren.

25. Er fuhr dahin, im Augenblick
Zerriß der Vorhang in zwei Stück,
Die Erd erschrak und bebte.
Die Felsen sprangen in die Luft,
Auch öffnet sich der Gräber Gruft
Und was darinnen lebte.
Der Juden Herzen bleiben hart,
Allein der Hauptmann, dem da ward
Die Wach am Kreuz befohlen,
Der glaubt, und mit ihm sein Gesind,
Es wäre Jesus Gottes Kind
Und sagens unverhohlen.

26. Man brach den Schächern ihre Bein,
Mein und dein Heiland bleib allein
An Beinen ungebrochen.
Das aber ist wahr und gewiß,
Daß ein Soldat mit seinem Spieß
Die Seiten ihm zerstochen.
Aus welcher Wund ein edle Flut
Von Blut und Wasser uns zugut
Alsbald herausgeflossen.
Zuletzt wird er vom Kreuz gebracht
Und, wohl beschickt, nach vor der Nacht
In Josephs Grab geschlossen.

27. Die Juden hatten wohl gehört,
Er würde, wir er selbst gelehrt,
Von Toten auferstehen;
Das halten sie für unwahr sein,
Sie bilden Ihnen aber ein,
Es möchte List ergehen.
Drum siegeln sie des Grabes Tür
Und legen starke Wache für:
Umsonst und gar vergebens!
Der Herr bringt durch, kein Fels und Stein,
Kein Wächter mag zu mächtig sein
Dem Fürsten unsres Lebens.

28. Nun seh und lern ein jedermann,
Wie sehr viel Gutes uns getan
Der Bräutgam unsrer Seelen:
Er nahm auf sich unser Schuld
Und ließ aus treuer Lieb und Huld
Sich unserhalben quälen.
Zerknirschtes Herz, betrübter Geist,
Den seine Sünde nagt und beißt,
Laß Sorg und Kummer fallen.
Weil unser Heiland Jesus Christ
Ein Sündenopfer worden ist
Dir und uns Menschen allen!

29. Du aber, der du sicher stehst,
Und ohne Buße täglich gehst
In ungescheute Sünden,
Betrachte, was für Straf und Last,
Wenn du dein Maß gefüllet hast,
Dich endlich werde finden!
Denn tut man das am grünen Baum,
So denke, was für Ort und Raum
Der dürre werd erlangen.
O Jesu, gib uns deinen Sinn
Und bring uns alle, wo du hin
Durch deinen Tod gegangen!

Gellert, Christian Fürchtegott – Herr, stärke mich, dein Leiden zu bedenken

1. Herr, stärke mich, dein Leiden zu bedenken,
mich in das Meer der Liebe zu versenken,
die dich bewog, von aller Schuld des Bösen
uns zu erlösen.

2. Vereint mit Gott, ein Mensch gleich uns auf Erden
und bis zum Tod am Kreuz gehorsam werden,
an unsrer Statt gemartert und zerschlagen,
die Sünde tragen.

3. welch wundervoll hochheiliges Geschäfte!
Sinn ich ihm nach, so zagen meine Kräfte,
mein Herz erbebt; ich seh und ich empfinde
den Fluch der Sünde.

4. Gott ist gerecht, ein Rächer alles Bösen;
Gott ist die Lieb und läßt die Welt erlösen.
Dies kann mein Geist mit Schrecken und Entzücken
am Kreuz erblicken.

5. Seh ich dein Kreuz den Klugen dieser Erden
ein Ärgernis und eine Torheit werden:
so sei’s doch mir, trotz allen frechen Spottes,
die Weisheit Gottes.

6. Es schlägt den Stolz und mein Verdienst darnieder,
es stürzt mich tief, und es erhebt mich wieder,
lehrt mich mein Glück, macht mich aus Gottes Feinde
zu Gottes Freunde.

7. Da du dich selbst für mich dahingegeben,
wie könnt ich noch nach meinem Willen leben?
Und nicht vielmehr, weil ich dir angehöre,
zu deiner Ehre.

8. Ich will nicht Haß mit gleichem Haß vergelten,
wenn man mich schilt, nicht rächend wiederschelten,
du Heiliger, du Herr und Haupt der Glieder,
schaltst auch nicht wieder.

9. Unendlich Glück! Du littest uns zugute.
Ich bin versöhnt in deinem teuren Blute.
Du hast mein Heil, da du für mich gestorben,
am Kreuz erworben.

10. Wenn endlich, Herr, mich meine Sünden kränken,
so laß dein Kreuz mir wieder Ruhe schenken.
Dein Kreuz, dies sei, wenn ich den Tod einst leide,
mir Fried und Freude.

Weitere Texte des Autoren in der Glaubensstimme

Behm, Martin – O Jesu Christ, meins Lebens Licht

1. O Jesu Christ, meins Lebens Licht,
Mein Hort, mein Trost, mein Zuversicht,
Auf Erden bin ich nur ein Gast,
Und drückt mich sehr der Sünden Last.

2. Ich hab vor mir ein schwere Reis
Zu dir ins Himmels Paradeis;
Das ist mein rechtes Vaterland,
Darauf du hast dein Blut gewandt.

3. Zur Reis ist mir mein Herz sehr matt,
Der Leib gar wenig Kräfte hat;
Allein mein Seele schreit in mir:
Herr, hol mich heim, nimm mich zu dir!

4. Drum stärk mich durch das Leiden dein
In meiner letzten Todespein;
Dein Blutschweiß mich tröst und equick,
Mach mich frei durch dein Band und Strick!

5. Dein Backenstreich und Ruten frisch
Der Sünden Striemen mir abwisch,
Dein Hohn und Spott, dein Dornenkron
Laß sein mein Ehre, Freud, und Wonn.

6. Dein Durst und Gallentrank mich lab,
Wenn ich sonst keine Stärkung hab;
Dein Angstgeschrei komm mir zu gut,
Bewahr mich vor der Höllen Glut.

7. Wenn mein Mund nicht kann reden frei,
Dein Geist in meinem Herzen schrei;
Hilf, daß mein Seel den Himmel findt,
Wenn meine Augen werden blind.

8. Dein letztes Wort laß sein mein Licht,
Wenn mir der Tod das Herz zerbricht;
Behüte mich vor Ungebärde,
Wenn ich mein Haupt nun neigen werd!

9. Dein Kreuz laß sein mein Wanderstab,
Mein Ruh und Rast dein heilges Grab,
Die reinen Grabetücher dein
Laß meinen Sterbekittel sein.

10. Laß mich durch deine Nägelmal
Erblicken die Genadenwahl;
Durch deine aufgespaltne Seit
Mein arme Seele heimgeleit!

11. Auf deinen Abschied, Herr, ich trau,
Darauf mein letzte Heimfahrt bau;
Tu mir die Himmelstür weit auf,
Wenn ich beschließ meins Lebens Lauf

12. Am Jüngsten Tag erweck meinn Leib,
Hilf, daß ich dir zur Rechten bleib,
Daß mich nicht treffe dein Gericht,
Welchs das erschrecklich Urteil spricht.

13. Alsdann meinn Leib erneure ganz,
Daß er leucht wie der Sonne Glanz
Und ähnlich sei deinm klaren Leib,
Auch gleich den lieben Engeln bleib.

14. Wie werd ich dann so fröhlich sein,
Werd singen mit den Engelein
Und mit der Auserwählten Schar
Ewig schauen dein Antlitz klar.

Hymns of the 1912 Lutheran Hymnal for Church, School and Home

Böschenstein, Johann – Da Jesus an des Kreuzes Stamm

1. Da Jesus an des Kreuzes Stamm
Der ganzen Welt Sünd‘ auf sich nahm,
Sprach er in seinen Schmerzen
Noch sieben Wort‘, die lasset uns
Erwägen wohl im Herzen.

2. Zum ersten: Vater, strafe nicht
An ihnen, was mir jetzt geschicht,
Weil sie es nicht verstehen.
Vergib uns, Gott, wenn wir auch noch
Aus Irrtum was begehen!

3. Zum andern er des Schächers dacht‘:
Fürwahr du wirst noch vor der Nacht
In meinem Reich heut‘ leben.
O Herr, nimm uns auch bald zu dir,
Die wir im Elend schweben.

4. Zum dritten: Deinen Sohn sieh, Weib!
Johannes, ihr zu Dienste bleib
Und sie als Mutter liebe!
Versorg, Herr, die wir lassen hier,
Daß niemand sie betrübe!

5. Zum vierten sagte er: Mich dürst’t!
O Jesu, großer Lebensfürst,
Du hast Durst und Verlangen
Nach unsrer Seligkeit; drum hilf,
Daß wir sie auch empfangen.

6. Zum fünften: O mein Gott, mein Gott,
Wie läßt du mich so in der Not?
Hier wirst du, Herr, verlassen,
Daß uns Gott wieder dort aufnehm‘.
Den Trost laß uns wohl fassen.

7. Zum sechsten: Hiermit ist vollbracht
Und alles nunmehr gutgemacht.
Gib, daß wir auch durchdringen,
Und was du, Herr, uns auferlegt,
Hilf seliglich vollbringen.

8. Zum siebenten: Ich meine Seel‘,
O Gott, mein Vater, dir befehl‘
Zu deinen treuen Händen.
Dies Wort sei unser letzter Wunsch,
Wenn wir das Leben enden.

9. Wer oft an diese Wort‘ gedenkt,
Wenn seine Missetat ihn kränkt,
Der wird es wohl genießen;
Denn er durch Gottes Gnad‘ erlangt
Ein ruhiges Gewissen.

10. Verleih und dies, Herr Jesu Christ,
Der du für uns gestorben bist!
Gib, daß wir deine Wunden,
Dein Leiden, Marter, Kreuz, und Tod
Betrachten alle Stunden!

Böschenstein, Johann – Passionslied

Nach einem alten bei Friedrich Gutknecht in Nürnberg ohne Jahr erschienen Druck unter dem Titel „Ein geistlich Lied von den siben Worten, die der Herr an dem Creutze sprach. Ein ander Lied von einem Apffel und von dem leiden Christi. In dem roten Zwinger thon“

Da Jesus an dem Kreuze stund 1)
Und ihm sein Leichnam was verwund’t
So gar mit großem Schmerzebn,
Die sieben Wort, die der Herre sprach,
Betracht‘ in deinem Herzen.

Zum Ersten sprach er gar süßiglich
Zu seinem Vater vom Himmelreich
Mit Kräften und mit Sinnen:
Vergieb ihn’n, Vater! sie wissen nicht,
Was sie an mir verbringen.

Zum Andern gedenk seiner Barmherzigkeit,
Die Gott an den Schächer hat geleit,2)
Sprach Gott gar gnädigleiche:
Fürwahr, du wirst heut‘ bey mir seyn
In meines Vaters Reiche.

Zum Dritten gedenk seiner großen Noth,
Laß dir die Wort‘ nicht seyn ein’n Spott:
Weib, schau dein’n Sohn gar eben!
Johannes, nimm deiner Mutter wahr,
Du sollt ihr’r gar eben pflegen.

Nun merket, was das viert‘ Wort was:
Mich dürst’t so hart ohn Unterlaß,
Schrey Gott mit lauter Stimme.
Das menschleich‘ Heil thät‘ er begehr’n;
Seiner Nagel ward er empfinden.

Zum Fünften gedenk seiner Barmherzigkeit,
Die Gott am heiligen Kreuz ausschrey:
Mein Gott, wie hast du mich verlassen!
Das Elend, das ich leiden muß,
Das ist ganz über die Maßen.

Das sechst‘ was gar ein kräftigs Wort,
Das mancher Sünder auch erhört
Aus seinem göttlichen Munde:
Es ist vollgracht mein Leiden groß
Wol hie zu dieser Stunde.

Zum Siebenten befehl ich mich, Vater, in deine Händ‘!
Den heiligen Geist du zu mir send‘
An meinen letzten Zeiten,
Wenn sich mein‘ Seel‘ von mir will scheiden,
Und mag nicht länger beiten.3)

Wer Gottes Marter in Ehren hat
Und oft gedenkt der sieben Wrot,
Des will Gott eben pflegen
Wol hie auf Erd‘ mit seiner Gnad‘,
Und dort im ewigen Leben.

—-

1) In dem Original steht: hieng
2) gelegt, erzeigt
3) warten, bleiben

Rambach – Anthologie christlicher Gesänge aus der neueren Zeit

Arnold, Gottfried – Ein schönes Paßions-Lied

1. JESU! deine heilge Wunden,
deine Quaal und bittern Tod
laß mir geben alle stunden
Trost in leibs- und seelen-noht.
Wenn mir fälle was arges ein
laß mich denken deiner Pein,
daß ich deine Angst und Schmerzen
wohl erwäg in meinem herzen.

2. Will sich gern in wohllust weiden
mein verderbtes fleisch und blut,
laß mich denken, daß dein Leiden
löschen muß der höllen-glut;
dringt der Satan ein zu mir,
hilf, daß ich ihm halte für
deine Wunden, Maal und Zeichen,
daß er von mir müsse weichen.

3. Wenn die welt mich will verführen
auf die breite sünden-bahn,
wollst du mich also regieren,
daß ich alsdenn schaue an
deiner Marter centner-last,
die du ausgestanden hast,
daß ich könn in andacht beleiben,
alle böse lust vertreiben.

4. Gib für alles, was mich kränket
mir aus deinen Wunden Kraft!
Wenn mein herz hinein sich senket,
so gib neuen Lebens-saft,
daß mich stärk in allem Leid
deines Trostes Süßigkeit;
weil du mir dein Heil erworben,
da du bist für mich gestorben.

5. Laß auf deinen Tod mich trauen,
o mein Gott und Zuversicht!
laß mich veste darauf bauen,
daß den tod ich schmecke nicht!
deine Todes-angst laß mich
stets erquicken mächtiglich!
Herr! laß deinen Tod mir geben
Auferstehung, Heil und Leben.

6. JESU! deine heilge Wunden,
deine Quaal und bittern Tod,
laß mir geben alle stunden
Trost in leibs- und seelen-noht::
sonderlich am letzten End
hilf, daß ich mich zu dir wend,
Trost in deinen Wunden finde,
und denn frölich überwinde!

Arnold, Gottfried – Zwo Lehr- und Trost-reiche Passionsbetrachtungen
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