Philipp Spitta – O komm, du Geist der Wahrheit

Philipp Spitta

1. O komm, du Geist der Wahrheit,
und kehre bei uns ein,
verbreite Licht und Klarheit,
verbanne Trug und Schein.
Gieß aus dein heilig Feuer,
rühr Herz und Lippen an,
dass jeglicher getreuer
den Herrn bekennen kann.

2. O du, den unser größter
Regent uns zugesagt:
komm zu uns, werter Tröster,
und mach uns unverzagt.
Gib uns in dieser schlaffen
und glaubensarmen Zeit
die scharf geschliffnen Waffen
der ersten Christenheit.

3. Unglaub und Torheit brüsten
sich frecher jetzt als je;
darum musst du uns rüsten
mit Waffen aus der Höh.
Du musst uns Kraft verleihen,
Geduld und Glaubenstreu
und musst uns ganz befreien
von aller Menschenscheu.

4. Es gilt ein frei Geständnis
in dieser unsrer Zeit,
ein offenes Bekenntnis
bei allem Widerstreit,
trotz aller Feinde Toben,
trotz allem Heidentum
zu preisen und zu loben
das Evangelium.

5. In aller Heiden Lande
erschallt dein kräftig Wort,
sie werfen Satans Bande
und ihre Götzen fort;
von allen Seiten kommen
sie in das Reich herein;
ach soll es uns genommen,
für uns verschlossen sein?

6. O wahrlich, wir verdienen
solch strenges Strafgericht;
uns ist das Licht erschienen,
allein wir glauben nicht.
Ach lasset uns gebeugter
um Gottes Gnade flehn,
dass er bei uns den Leuchter
des Wortes lasse stehn.

7. Du Heilger Geist, bereite
ein Pfingstfest nah und fern;
mit deiner Kraft begleite
das Zeugnis von dem Herrn.
O öffne du die Herzen
der Welt und uns den Mund,
dass wir in Freud und Schmerzen
das Heil ihr machen kund.

Johann Jakob Rambach – König, dem kein König gleichet

1 König, dem kein König gleichet,
dessen Ruhm kein Mund erreichet,
dem als Gott das Reich gebühret,
der als Mensch das Zepter führet,
dem das Recht gehört zum Throne,
als des Vaters ewgem Sohne,
den so viel Vollkommenheiten
krönen, zieren und begleiten.

2 Himmel, Wasser, Luft und Erde,
nebst der ungezählten Herde
der Geschöpe in den Feldern,
in den Seen, in den Wäldern,
sind, Herr über Tod und Leben!
dir zum Eigentum gegeben.
Tiere, Menschen, Geister scheuen,
Menschensohn, dein mächtig Dräuen.

3 In des Gnadenreiches Grenzen
sieht man dich am Schönsten glänzen,
wie viel tausend treue Seelen
dich zu ihrem Haupt erwählen,
die durchs Zepter deines Mundes,
nach dem Recht des Gnadenbundes,
sich von dir regieren lassen:
und wie du, das Unrecht hassen.

4 In dem Reiche deiner Ehren
kann man stets dich loben hören
von dem himmlischen Geschlechte,
von der Menge deiner Knechte,
die dort, ohne Furcht und Grauen,
dein verklärtes Antlitz schauen,
die dich umermüdet preisen
und dir Ehr und Dienst erweisen.

5 O Monarch in dessen Reichen!
dir ist Niemand zu vergleichen,
an dem Überfluss der Schätze
an der Ordnung der Gesetze,
an Vortrefflichkeit der Gaben,
welche deine Bürger haben;
du beschützest deine Freunde,
du bezwingest deine Feinde.

6 Herrsche auch in meinem Herzen,
über Zorn, Furcht, Lust und Schmerzen;
lass mich deinen Schutz genießen,
lass mich dich im Glauben küssen,
ehren, fürchten, loben, lieben
und mich im Gehorsam üben;
dass ich einst nach Kampf und Leiden,
mit dir teile deine Freuden.

—-
(aus einer anderen Quelle)

König, dem kein König gleichet,
Dessen Ruhm kein Lob erreichet,
Dem, als Gott, das Reich gebühret,
Der als Mensch das Zepter führet,
Dem das Recht gehört zum Throne,
Als des Vaters ein’gem Sohne,
Den so viel Vollkommenheiten,
Krönen, zieren und begleiten!

2. Himmel, Erde, Luft und Meere,
AlIer Kreaturen Heere
Müssen dir zu Dienste stehen;
Was du willst, das muss geschehen.
Fluch und Segen, Tod und Leben,
Alles ist dir übergeben,
Und vor deines Mundes Schelten
#Zittern Menschen, Engel, Welten!

3. In des Gnadenreiches Grenzen
Sieht man dich am schönsten glänzen,
Wo viel tausend treue Seelen
Dich zu ihrem Haupt erwählen,
Die durchs Zepter deines Mundes,
Nach dem Recht des Gnadenbundes
Sich von dir regieren lassen,
Und wie du das Unrecht hassen.

4. In dem Reiche deiner Ehre
Kann man stets dich loben hören
Von dem himmlischen Geschlechte,
Von der Menge deiner Knechte,
Die dort, ohne Furcht und Grauen,
Dein verklärtes Antlitz schauen,
Die dich unermüdet preisen
Und dir Ehr‘ und Dienst erweisen.

5. Herr! was ist in allen Reichen
Deiner Größe zu vergleichen?
Was dem Reichtum deiner Schätze?
Was der Ordnung der Gesetze?
Was der Herrlichkeit der Gaben,
Welche deine Bürger haben?
Was dem Segen deiner Freunde?
Was der Ohnmacht deiner Feinde?

6. Herrsche, Herr, in meinem Herzen,
Über Lüste, Furcht und Schmerzen;
Lass dein Leben in mich fließen,
Lass mich dich im Geist genießen,
Ehren, fürchten, loben, lieben,
Und mich im Gehorsam üben,
Siegen hier mit dir im Streite,
Dort mit herrschen, dir zur Seite!

Albert Knapp – Hallelujah! wie lieblich stehn

Hallelujah! wie lieblich stehn
Hoch über uns des Himmels Höhn,
Seit Du im Himmel sitzest,
Seit Du vom ewgen Zion dort
Aussendest Dein lebendig Wort
Und Deine Kirche schützest!
Fröhlich, Selig
Schaut der Glaube.
Von dem Staube
Auf zum Sohne:
Meine Heimat ist am Throne.

Die Sterne leuchten ohne Zahl;
Was ist ihr tausendfacher Strahl?
Was ist der Glanz der Sonne?
Ein Schatten nur von jenem Licht,
Das Dir vom holden Angesicht
Ausgeht mit ewger Wonne!
Sende, Spende
Deine hellen
Lebensquellen
Reichlich nieder,
Großes Haupt, auf Deine Glieder!

Johann Caspar Lavater – Gott der Tage, Gott der Nächte

1. Gott der Tage, Gott der Nächte,
meine Seele harret Dein,
lehnet sich an Deine Rechte,
nie kannst Du mir ferne sein.
Auch in stiller Nächte Stunden
hat Dich manches Herz gefunden
und sich aus dem Lärm der Welt
einsam bei Dir eingestellt.

2. Vater, viele Menschen weinen,
viele Kranke schmachten nun;
aber Du verlässest keinen,
heißest wachen, heißest ruhn,
trocknest viele tausend Tränen
und erfüllst das heiße Sehnen
unzählbarer Leidenden,
die um Ruh und Lind’rung flehn.

3. Vater, sende Mut den Schwachen,
Licht in jedes dunkle Herz;
allen, die bekümmert wachen,
lind’re Du den heißen Schmerz!
Lass die Witwen, lass die Waisen
Deine Lieb und Treue preisen!
Schenke Kranken sanfte Ruh,
Sterbenden sprich Tröstung zu!

4. O Du treuer Menschenhüter,
Nacht ist vor Dir wie der Tag;
allgewaltiger Gebieter,
Du verwandelst Schmerz und Plag
unversehns in Dank und Freuden.
Auch ich will in meinem Leiden
nur auf Dich allein vertraun,
lass mich Deine Hilfe schaun.

Bernhard Klein – Löwen, lasst euch wiederfinden

Bernhard Klein – Löwen, lasst euch wiederfinden

1. Löwen, lasst euch wieder finden,
Wie im ersten Christentum,
Die nichts konnte überwinden:
Seht nur an ihr Martertum,
Wie in lieb‘ sie glühen,
Wie sie Feuer sprühen,
Dass sich vor der Sterbenslust,
Selbst der Satan fürchten musst‘.

2. In Gefahren unerschrocken
Und von Lüsten unberührt,
Die aufs Eitle konnten locken,
War man damals: die Begierd
Ging nur nach dem Himmel,
Fern aus dem Getümmel
War erhoben das Gemüt,
Achtete, was zeitlich, nit.

3. Alle Ding‘ nach ihrem Wesen,
Und nicht nach der Meinung da
Wurden gründlich abgemessen,
Das Urteil im Licht geschah,
In Unglück glückselig
Waren sie und fröhlich,
Fern von Menschensklaverei
Und von ihren Banden frei.

4. Ganz großmütig sie verlachten,
Was die Welt für Vorteil hält,
Und wonach die Meisten trachten,
Es mocht‘ sein Ehr‘, Wollust, Geld.
Furcht war nicht in ihnen,
Auf die Kampfschaubühnen
Sprangen sie mit Freudigkeit,
Hielten mit den Tieren Streit.

5. O dass ich, wie diese waren,
Mich befänd‘ auch in dem Stand!
Lass mich doch im Grund erfahren
Dein‘ hilfreiche starke Hand,
Mein Gott, recht lebendig!
Gib, dass ich beständig
Bis in Tod durch deine Kraft
Übe gute Ritterschaft.

6. Ohne dich bin ich nicht tüchtig,
Irgend etwas guts zu tun,
Und dazu was, das so wichtig;
Es tut bloß auf dir beruhn,
Herr, Herr, meine Hoffnung!
Halte dein‘ Verheißung,
Hilf mir, dass ich als ein Held
Mit der Tugend werd‘ vermählt!

7. Gib, dass ich mit Geisteswaffen
Kämpf in Jesu Löwenstärk,
Und hier niemals möge schlafen,
Dass mir dieses große Werk
Durch dich mög‘ gelingen,
Und ich tapfer ringen,
Dass ich in die Luft nicht streich‘,
Sondern bald das Ziel erreich‘.

8. Es dürft wieder dazu kommen,
Dass des Feindes tolle Wut
Zu der Schlachtbank deine Frommen
Führte und vergöß‘ ihr Blut:
Nach gemeiner Sage
Große Trübsalstage
Werden kommen uns zu Haus,
Und noch ein sehr harter Strauß.

9. Jetzund kommen erst die Hefen;
Denn das Maß muss sein erfüllt,
Und das letzt‘ noch übertreffen,
Wenn man seiht auf Christi Bild:
Was sein Kirch‘ im Anfang;
Leiden musst‘ beim Eingang;
Denn am Abend starb das Lamm,
Das doch früh ans kreuze kam.

10. Ei wohlan, nur fein standhaftig,
O ihr Brüder! tapfer drauf!
Lasset uns doch recht herzhaftig
Folgen seiner Zeugen Hauf!
Nur den Leib berühret,
Was ihm so gebühret;
Er hats Leiden wohl verdient,
Und die Seel‘ darunter grünt.

11. Fort, weg mit dem Sinn der Griechen,
Denen Kreuz ein‘ Torheit ist!
O lasst uns zurück nicht kriechen,
Wenn ans Kreuz soll Jesus Christ!
Steht in Jesu Namen,
Wenn der Schlangensamen
Sich dem Glauben widersetzt
Und das Schlachschwert auf uns wetzt.

12. Gebt euch in das Leiden wacker!
Mit dem blut der Märtyrer
Wird gedüngt der Kirchenacker;
Diese Fetrigkeit treibt sehr,
Und macht stark aussprossen,
Wenn mit wird begossen;
O dann trägt er reichlich Frucht,
Eine schöne Gartenzucht.

13. Schwäng’re vor, o güldner Regen,
Uns, dein dürres Erb‘ und Erd‘!
Dass wir dir getreu sein mögen,
Und nicht achten Feu’r und Schwert,
Als in Liebe trunken,
Und in dir versunken!
Mach‘ dein‘ Kirch am Glauben reich,
Dass das End dem Anfang gleich.

Carl Heinrich vom Bogatzky – Mein Hoherpriester jener Güter

Mein Hoherpriester jener Güter
und Herr; du Herrscher über Gottes Haus;
du, unser Pfleger, unser Hüter,
ach! schütte deine Gaben reichlich aus,
die du für uns als unser Bürg‘ empfingst,
da du ins Heiligste zum Vater gingst.

2. Du hast da die Erlösung funden,
die ewig währt und ganz vollkommen ist,
so mach‘ in deinem Blut und Wunden
mich rein und frei von Satans Macht und List,
daß ich, von allen toten Werken frei,
dein treuer Knecht, dein Kind und Erbe sei.

3. Entstand ein äußres, reines Wesen
durch jener Tiere schlechtes Opferblut1Heb. 9,13.14;
so muss ich ja vielmehr genesen
durch deines reinen Blutes rote Flut.
Dein Blut gibt Reinigkeit und Lebenssaft,
die dir zu dienen Alles in mir schafft.

4. Wer will an Gnad‘ und Kraft verzagen,
da du den Geist so teu’r mit Blut erwarbst?
wer will wohl über Mangel klagen,
da du, mein reicher Herr und Heiland! starbst,
der mir mit Blut durch heißen Liebestrieb
sich selbst im Testament zum Schatz verschrieb.

5. O! da sind Schätze, Güter, Gaben,
o! da ist ja für Jeden Kraft genug.
O! möcht‘ ich größern Glauben haben,
so folgte wohl auch größre Besserung.
O, lebt‘ ich recht allein von deinem Blut2Joh. 6,54,
als wie von meinem eignen Hab‘ und Gut!

6. O ja, mein Element, mein Leben sei unverrückt
in deinem Blut allein, darinnen will ich leben,
schweben und stets damit vor Gott besprenget sein,
wie dort, nach jener alten Bundesart,
das ganze Volk mit Blut besprenget ward.

7. Man musst‘ es da auf Alles sprengen,
sogar auf Gottes Hausgerät und Buch;
die Schuld will sich in Alles mengen,
der Gottesdienst wird selber uns zum Fluch,
wenn das, was uns dabei noch stets befleckt,
mit deinem Opferblut nicht wird bedeckt.

8. Dein Blut soll Alles drum besprengen;
und da du dort für mich vor Gott erscheinst:
Lass keine Schuld das Herz beengen,
weil du es doch so treulich mit mir meinst,
ja immerdar dort meine Sache treibst
und wohl nichts selbst aufs Neu‘ ins Schuldbuch schreibst.

9. Die Sünd‘ ist einmal3Heb. 9,28 weggenommen,
so muss sie ewig von mir ferne sein;
lass mich stets Fried‘ und Kraft bekommen,
mein Herzog! hilf mir stündlich aus und ein,
ich warte auch auf dich zur Seligkeit;
o halt in jeder Stunde mich bereit.

Nikolaus von Zinzendorf – Merk, Seele, dir dies große Wort

1) Merk, Seele, dir dies große Wort:
Wenn Jesus winkt, so geh,
wenn er dich zieht, so eile fort,
wenn er dich hält, so steh!
wenn er dich hält, so steh!

2) Wenn er dich lobet, bücke dich,
wenn er dich liebt, so ruh,
wenn er dich aber schilt, so sprich:
Ich brauch’s, Herr, schlage zu!
Ich brauch’s, Herr, schlage zu!

3) Wenn Jesus seine Gnadenzeit
bald da, bald dort verklärt,
so freu dich der Barmherzigkeit,
die andern widerfährt!
die andern widerfährt!

4) Wenn er dich aber brauchen will,
so steig in Kraft empor;
ist Jesus in der Seele still,
so nimm auch du nichts vor!
so nimm auch du nichts vor!

5) Kurz, liebe Seel, dein ganzes Herz
sei von dem Tage an bei Schmach,
bei Mangel und bei Schmerz
dem Lamme zugetan!
dem Lamme zugetan!